Bacchanal

278 Wörter, 1 Minute Lesedauer.

Yusef Komunyakaa 

(* 29. April 1947 in Bogalusa, Louisiana)

Bacchanal

Rubens malt das Verlangen
in den Augen seiner Frau, die
zu dem Schwarzen aufblicken,

der ihr einen Arm um die Taille
gelegt hat. Tamburine erfüllen
die Dämmerluft mit Leben,

& es gibt eine Tulpenandeutung,
abseits des Jubels einen Jungen,
der sich an sein Glied fasst.

Hat man einen Krieg gewonnen,
Hunde von den Toren vertrieben
oder das gemästete alte Kalb

geschlachtet? Karrenräder binden
den Sommer voll der Hufe Pans
an den nächsten, mit Bacchus

& Zulus. Wir meinen,
in diesem Raum, da
verbirgt sich reines Quarz,

es wühlt das Licht auf, zwingt
Hände dazu, jenseits
Ambrosia nacheinander

zu greifen. Verführt von Freude
& Salbung, will seine Frau
wissen, wie lang er

mit einem Pinsel getanzt hat,
um den Nachthunger zu verwandeln
in einen Orgasmus aus Farben.

Aus dem Englischen von Mirko Bonné, aus: Yusef Komunyakaa, Der Gott der Landminen. Gedichte, Zweisprachige Ausgabe. München: Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, 2024, S. 57

Bacchanal

Rubens paints desire
in his wife’s eyes
gazing up at the black man

who has an arm around
her waist. Tambourines
shake the dusky air alive,

& there’s a hint of tulips,
a boy touching his penis
at the edge of jubilation.

Has a war been won, have dogs
been driven from the gates,
or the old fattened calf

slaughtered? Cartwheels
tie one Pan-hoofed season
to the next, with Bacchus

& Zulus. We believe
there’s pure quartz
hidden in this room

fretting the light,
forcing hands to reach
for each other, beyond

ambrosia. His wife
seduced by joy & unction,
wants to know how long

he’s danced with a brush
to will the night’s hunger
into an orgasm of colors.

Ebd. S. 56

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