Melancholie

153 Wörter, 1 Minute Lesedauer.

Ralf Gnosa

Als ihm ein gilbes blatt ins haar fiel

                                               Im Herbst, da sterbst.
                                              Volksmund

                                               geht nach Hause geht alle
                                                nach Haus

                                              Johanna Schwedes

Der tag ist mild. ein wenig sonne schien.
Du sitzt und liest auf einem stamm im wald.
Doch kühler wird es und es dämmert bald.
Der tag war schön. und war doch nur geliehn.

Bald packst du ein und wirst nach hause ziehn.
Es ist schon kühl und wird nun langsam kalt
Und die zigarre ist geraucht. dir galt
Der tag für schön. hilft nichts: er wird entfliehn.

Ein rascheln. etwas fängt sich dir im haar.
Du zuckst zusammen – nur ein gelbes blatt
Sucht sich bei dir die letzte lagerstatt.

Du fragst dich – grübelnd – ob’s ein sinnbild war?
Finale? schleppe dein gebein nach haus.
Doch nimm dein buch. dein bier. trink alles aus.

Aus: Ralf Gnosa, „Unterreich. Sonette“ Berlin: Verlag der 9 Reiche 2024 

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