L&Poe Journal #02-2022
Weiter im Text.
| Konstantin Ames: Grußwort zum Endebeginn des Lyrikbetriebs (Fortsetzung ) | Kommentar Michael Gratz |
| Auch von daher nimmt das Interesse an der Sparte Lyrik beim kunstsinnigen Teil der Republik ab: Freunde stellen Freunde vor, nichts sonst. Wer will wissen, wer warum wen wie sehr mit welchen Mitteln mag? | |
| Es wird solche Zentralisierungsversuche weiterhin geben, aber nie ein Zentrum. Großmannssüchte enden mit zuverlässiger Publikumsverödung. | Kritik am Berliner Projekt „Zentrum für Poesie“ |
| Poesie heute krankt daran, dass institutionalisierte Elitelangweiler eine ganze Sparte in Verruf bringen. Und nicht selten versuchen die institutionalisierten Häuser die freien Szenen zu nützlichen Handlangern zu machen. Als säße man im selben Boot … | „Poesie heute krankt an“. a) Institutionen b) von diesen instrumentalisierte (oder die Instutitionen instrumentalisierende) Autorenprominenz, die er Elitelangweiler nennt. Er weist aber darauf hin, dass sie nur scheinbar im selben Boot sitzen. |
| Brisant wird diese Beobachtung nun erst recht in Verknüpfung mit der Frage: Warum päppelt ein demokratisch verfasstes Gemeinwesen überhaupt so etwas wie eine „Königsdisziplin“ – finanziert also im Grunde verkappte Demokratieverachtung? Spitzenlyrik in Deutschland ist weiß und bürgerlich, eben homogen hochdeutsch und allzeit karrierebereit. | Kritik an dem Klischeewort „Königsdisziplin“, das meiner Meinung nach ja nur die tatsächliche Marginalität der „Königsdisziplin“ verhüllen soll. Wer das Wort verwendet, meint es nicht ernst. Kritik an dieser Sprechweise tut not. Ames münzt es auf „Spitzenlyrik“, Elitenförderung und verweist auf die nur dürftig verhüllte antirepublikanische Semantik. |
| Cliquistische Identitätspolitik („wehrhafte Poesie“) scheint auch diese Aspekte aus den Augen zu verlieren. | „Wehrhafte Poesie“, in seiner Sicht ein weiteres Klischeewort, diesmal von innerhalb der Lyrikszene. |
| Mir kann es mit dem Ableben der Lyrik gar nicht schnell genug gehen. Leider werden immer neue Lebenserhaltungsmaßnahmen eingeleitet. Schwieriglyrik, Tierlyrik, Hörlyrik. Ob das nun klimatisch oder antiklimatisch ist, sei jedem selbst anheimgestellt. Die drei eben genannten Peaks sind jedenfalls unter dem Rubrum „Interessantismus“ unterzubringen. So lässt sich Förderkohle auf scheinbar ganz natürlichem Weg herbeischreiben. Vielleicht ist das auch eine Art Nature-Writing … | Polemische Spitzen gegen (sehr) diverse Richtungen in der Gegenwartslyrik. |
| Man wohnt einer Farce bei. Alle Beteiligten wissen, dass es kein nennenswertes Publikum für Lyrik mehr gibt. Von daher ist der schelmisch-rhetorische Aufwand zu erklären, mit dem Kritiker des lyrischen Einerlei von vornherein ins kommunikative Abseits gedrängt werden sollen: „Ihr lest keine Lyrik? Seid ihr wahnsinnig?“ – Ein klasse Lehrbeispiel in Sachen Normalismus. Selbstgenügsamer ist hierzulande nur das Filmförderwesen. | Ich persönlich fand den hier kritisierten Slogan eher witzig. und würde ihn nicht so direkt auf das kritisierte Phänomen beziehen. Aber ja, jeder, der einen pointierten Text schreibt, produziert eine relativ geschlossene Interpretationsdecke, in der jedes Detail eingewebt erscheint. Jeder von uns würde andere Details anders gewichten, aber das ist halt sein Text, nicht meiner. |
| Um einige heroisierte Beuysʼ and Girls ist eine Entourage entstanden. Eine Legitimation dafür kann aber nicht durch Gunstbezeugungen und die ständige Förderung derselben vier, fünf Nasen geschaffen werden; einfach weil das System Kunst nicht nach sympathisch/unsympathisch codiert ist, sondern nach neu/kitschig. Alles andere ist ein Rückfall in die Zustände der Gruppe 47, oder waren sie nie vorbei? | Spätestens hier drängt sich mir der Gedanke auf, dass die fast geschlossene Abwehrhaltung der meisten an der „Debatte“ Beteiligten daher kam, dass eben zu viele sich mitgemeint fühlten. Zu Recht oder zu Unrecht. Und klar auch, warum ich Debatte in Anführungsstriche setze. Sie ging zum überwiegenden Teil auf ein dumpfes Beleidigtsein zurück und lehnte es ab oder vermied es zumindest, auf einzelne Argumente einzugehen. Einer schrieb gleich zu Beginn der Debatte zu irgendeinem der hier bisher zitierten Sätze: hier habe er aufgehört zu lesen. |
| Klar ist mir jetzt, dass ich die „Amesdebatte“ gesondert und mit anderen Mitteln analysieren muss. Ich fahre dennoch fort, zuvor den Text selbst noch einmal (hier öffentlich) zu lesen. | |
| Warum bringt der Dlf am 6. Mai 2021, den sich die Dichter Christian Morgenstern, Franz Mon und Erich Fried als (runde) Geburtstage teilen, zwei Beiträge zu Fried, aber jeweils 0 („null“) zu Mon und Morgenstern? Ist Sehereiauskunftei unbedingt wichtiger als überbordende Kreativität und poetischer Humor? |
Tymoteusz Karpowicz
(15. Dezember 1921 in Zielona bei Vilnius – 29. Juni 2005 in Oak Park bei Chicago)
SIEG es ist mir gelungen sie in mir einzusperren hinabsteigend in den fluß — bis an den goldenen hals tauche ich ihren körper in das fiebernde wasser stößt sich mein fuß an den scharfen steinen wund dann hör ich sie zucken und mit der fessel weichen ihr warmes haar in ihrem traum verstrickt versucht umsonst aus meinem traum zu fliehen gefügig liegt sie jede nacht in mir entzündet sich an meinem herzen ganz und dann schlägt mich ein toller stein entzwei der fluß fließt ein als feuer in mein auge die kleine wiesenblume beißt mich tief so daß ich wimmern muß obwohl ich siege
Aus: Polnische Liebesgedichte. Mit Zeichnungen von Pablo Picasso. Ausgewählt und übertragen von Karl Dedecius. Frankfurt/Main: Insel Verlag, 1980, S. 33
Gar nicht leicht, aus diesem Buch ein Einzelgedicht herauszubrechen. Hier ist kein großer Einzelner, der unter Schmerzen der Wahrheit nachsinnt und hier sind auch keine glänzenden, dunkel aufs Tiefe weisenden Symbole. Man muss es im Ganzen lesen, vielleicht schnell voran, um die Bewegung zu erhaschen. Ich habe nicht nachgezählt, habe aber den Eindruck, dass viel öfter wir als ich und uns als mich gesagt wird. Aber es sind auch keine „kollektiven Symbole“, wie man sie vielleicht auf Demos vor sich her trägt. Wenn es doch mal so klingt, seid ihr ertappt.
Tom Bresemann
die stimmung ist früher da als die ereignisse, genau dies aber verleiht dem aufruf seine enorme durchschlagkraft, dazu muß alles im gemeinen wesen sich stark und fest zusammenfügen, also daß die bande lose und nicht drückend das einzelne umschlingen das ist wirklich die erfüllung unseres geheimsten wunsches, das ist die krönung unserer arbeit, indem ich mich an sie halte komme ich allen momentanen situationen zum trotz immer wieder zur gleichen überzeugung ich bin sozusagen ungemischt durchs leben gegangen, zeitweilig war ich innerlich sehr weit weg, man hat einfach das gemacht was gegangen ist, das war klar festgelegt das musste man so und so machen es ist eine aufregende zeit, mit einem male hat sich überall etwas geändert, es bleibt manches auf der strecke was wichtig wäre, ganz nebenbei ist auch gar nicht so richtig klar, was man machen will
Aus: Tom Bresemann, von jeglichem wort das durch den mund den menschen vernewet. Berlin: KLAK, 2023, S. 58.
Anmerkung: In diesem Buch sind die Gedichtanfänge enger und in anderer Schriftart gesetzt als der übrige Text. Da ich das hier nicht nachahmen kann, habe ich den Anfang kursiv gesetzt.
L&Poe Journal #02-2022
Weiter im Text.
| Konstantin Ames: Grußwort zum Endebeginn des Lyrikbetriebs (Fortsetzung von gestern) | |
| Das JbdL wird an eine Institution übergeben, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Auslese zu betreiben. Ich meine nicht den Akt des Auswählens, ich meine gezielte Elitebildung, und die dazu passende Attitüde mit allen Unerfreulichkeiten für a l l e Beteiligten. | Der Text nimmt Fahrt auf. Diese Wendung versteht man nur, wenn man über einige Kontextinformationen verfügt. 2021war mitgeteilt worden, dass der langjährige Herausgeber Christoph Buchwald ausscheidet und das Jahrbuch von Matthias Kniep weitergeführt wird. Kniep nun ist Mitarbeiter des Hauses für Poesie, und von dieser – ich sag mal ehrgeizigen – Institution ist hier die Rede. |
| Diejenigen, die nicht ganz so frisch dabei sind, werden sich wahrscheinlich erinnern: Anfang der 2010er war aufs Jahr gerechnet von höchstens etwas mehr als einem Dutzend Neuerscheinungen an Gedichtbänden die Rede. Der so sprach, Thomas Wohlfahrt, wurde aufs schönste beschieden von Michael Gratz. | Das bezieht sich auf eine Veranstaltungsreihe des Hauses für Poesie. Hier komme ich ins Spiel. Ich hatte damals gegen die genannte Zahl polemisiert, die mir viel zu niedrig vorkam und vorkommt. (Noch Ältere als die hier schon Angesprochenen erinnern sich, dass Theo Breuer (in vergleichbar polemischer Absicht) von eher 2000 als so paar 12 oder 20 Lyrikveröffentlichungen gesprochen hatte. Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu…). |
| Eine kurze Zeit nach dieser Affäre wurden die Neuerscheinungen tatsächlich alljährlich dokumentiert; in der Zeitschrift Gegenstrophe. Es gibt sie nicht mehr. | |
| Es gibt stattdessen eine Liste mit Adelspatenten, die „Lyrik-Empfehlungen“. | Ames‘ Thema ist institutionalisierte Elitenbildung. Ausgewählte Personen wählen andere nun auch ausgewählte aus. Offenbar gibt es eine Grundtendenz im Betrieb, die Zahlen klein zu halten. Wer sollte auch die Vielen alle lesen, kaufen, rezensieren und fördern? |
| Es hätte geben sollen ein Zentrum für Poesie. Es nennt sich dieses Zentrum „i. Gr.“ mittlerweile: Haus für Poesie; was m.E. nichts anderes ist als die griffige Kurzform für: Haus für Freunde des Hauses für Poesie. | Ein bisschen Polemik. Wenn ich mich richtig erinnere, war nicht nur Ames skeptisch, ob denn ein (1) „Zentrum“ für Poesie sinnvoll und wünschenswert sei. Warum soll man in München oder Greifswald wünschen wollen, dass „die Poesie“ künftig zentral in der Hauptstadt „gefördert“ wird? Im Sinne des eben erörterten „Kults der kleinen Zahl“ durchaus bedenklich. |
| Das Lyrikjahrbuch wird ab Ausgabe 2022 vom einzigen umgänglichen und patenten HfP-Mitarbeiter, von Matthias Kniep, und – für die genannte Ausgabe – von Nadja Küchenmeister, Schöffling-Autorin, editorisch bzw. co-editorisch betreut. Auch die zuvor genannten, durchweg schätzenswerten, Kollegen Bonné und Callies sind bei diesem Verlag. | Lauter nette schätzenswerte Menschen also. Es geht nicht um Personen, sondern um Institutionen. (Der Schlag gegen andere Hausmitarbeiter war jetzt nicht unbedingt nötig). – Jetzt kommt der Verlag ins Spiel, auch nett natürlich, aber könnte es Interessenkonflikte geben, wenn ausgewählt wird und Autoren des Verlags, der das Buch herausgibt, unter den Wählenden und Gewählten prominent vertreten ist? – Ich kenne die Reihenfolge der Geschehnisse nicht genau, aber könnte es sein, dass die neue Praxis der Jahrbuchherausgeber, anonyme Einsendungen zu verlangen, eine Reaktion auf die u.a. von Ames geäußerte Skepsis ist? |
| Der bis vor kurzem im Vergabegremium des Literaturfonds sitzende Verleger Klaus Schöffling profitierte demnach selbst davon, von ebendiesem Fonds gefördert zu werden. Natürlich deckte das nur die Kosten. Klar. Ein kräftiges Gschmäckle hatte diese mühelose Beschaffung von kulturellem Kapital (Bourdieu) für mich gleichwohl. Pro domo war früher (nicht lange her) richtig unsäglich. | |
| – Wo blieb der Aufschrei der Nepotismus-Watch, der 2016 so prompt erfolgte, als die Generation Sunnyboy in diesem Forum kritisch beguckt wurde? | |
| Lyrik ist ein family business geworden. Die Zuständigkeit dafür liegt nicht bei der BKM, wirklich nicht, sondern beim Wirtschaftsministerium – Abteilung Mittelstandsförderung. | Das meiste von Ames bis hierher Gesagte, wenn man ein paar polemische Überspitzungen abzieht, dürfte vielen nachvollziehbar sein. Noch vermag ich nicht zu sehen, was hieran die Aufregung verursachte. Kommt bestimmt noch. |
Fortsetzung folgt.
Heute vor 225 Jahren, am 13. Dezember 1797, wurde Heinrich Heine in Düsseldorf am Rhein geboren. Zum Anlass hier mal kein Gedicht, sondern ein Auszug aus einem weniger bekannten Prosawerk. Oder doch ein Gedicht – Heine bezeichnet das Genre als Tanzpoem. Sicher hat ihm seine klassische Bildung beigebracht, dass Poesie und Tanz in ihren Ursprüngen eng verbunden sind. Der Prosatext ist nur das Libretto des getanzten Poems.
Heinrich Heine
DER DOKTOR FAUST.
EIN TANZPOEM,
NEBST KURIOSEN BERICHTEN ÜBER TEUFEL, HEXEN UND DICHTKUNST.
(Beginn des 3. Akts)
Nächtlicher Schauplatz des Hexen-Sabbaths: Eine breite Bergkoppe; zu beiden Seiten Bäume, an deren Zweigen seltsame Lampen hängen, welche die Scene erleuchten; in der Mitte ein steinernes Postament, wie ein Altar, und darauf steht ein großer schwarzer Bock mit einem schwarzen Menschenantlitz und einer brennenden Kerze zwischen den Hörnern. Im Hintergrunde Gebirgshöhen, die einander überragend, gleichsam ein Amphitheater bilden, auf dessen kolossalen Stufen als Zuschauer die Notabilitäten der Unterwelt sitzen, nämlich jene Höllenfürsten, die wir in den vorigen Akten gesehen und die hier noch riesenhafter erscheinen. Auf den erwähnten Bäumen hocken Musikanten mit Vogelgesichtern und wunderlichen Saiten- und Blasinstrumenten. Die Scene ist bereits ziemlich belebt von tanzenden Gruppen, deren Trachten an die verschiedensten Länder und Zeitalter erinnern, so daß die ganze Versammlung einem Maskenball gleicht, um so mehr, da wirklich viele darunter verlarvt und vermummt sind. Wie barock, bizarr und abenteuerlich auch manche dieser Gestalten, so dürfen sie dennoch den Schönheitssinn nicht verletzen, und der häßliche Eindruck des Fratzenwesens wird gemildert oder verwischt durch mährchenhafte Pracht und positives Grauen. Vor dem Bocksaltar tritt ab und zu ein Paar, ein Mann und ein Weib, jeder mit einer schwarzen Fackel in der Hand, sie verbeugen sich vor der Rückseite des Bocks, knieen davor nieder und leisten das Homagium des Kusses. Unterdessen kommen neue Gäste durch die Luft geritten, auf Besenstielen, Mistgabeln, Kochlöffeln, auch auf Wölfen und Katzen. Diese Ankömmlinge finden hier die Buhlen, die bereits ihrer harrten. Nach freudigster Willkomm-Begrüßung mischen sie sich unter die tanzenden Gruppen. Auch Ihre Durchlaucht die Herzogin kommt auf einer ungeheuren Fledermaus herangeflogen; sie ist so entblößt als möglich gekleidet und trägt am rechten Fuß den güldenen Schuh. Sie scheint Jemanden mit Ungeduld zu suchen. Endlich erblickt sie den Ersehnten, nämlich Faust, welcher mit Mephistophela auf schwarzen Rossen zum Feste heranfliegt; er trägt ein glänzendes Rittergewand und seine Gefährtin schmückt das züchtig enganliegende Amazonenkleid eines deutschen Edelfräuleins. Faust und die Herzogin stürzen einander in die Arme und ihre überschwellende Inbrunst offenbart sich in den verzücktesten Tänzen. Mephistophela hat unterdessen ebenfalls einen erwarteten Gespons gefunden, einen dürren Junker in schwarzer, spanischer Manteltracht und mit einer blutrothen Hahnenfeder auf dem Barett; doch während Faust und die Herzogin die ganze Stufenleiter einer wahren Leidenschaft, einer wilden Liebe, durchtanzen, ist der Zweitanz der Mephistophela und ihres Partners, als Gegensatz, nur der buhlerische Ausdruck der Galanterie, der zärtlichen Lüge, der sich selbst persiflirenden Lüsternheit. Alle vier ergreifen endlich schwarze Fackeln, bringen in der obenerwähnten Weise dem Bocke ihre Huldigung, und schließen sich zuletzt der Ronde an, womit die ganze vermischte Gesellschaft den Altar umwirbelt. Das Eigenthümliche dieser Ronde besteht darin, daß die Tänzer einander den Rücken zudrehen, und nicht das Gesicht, welches nach Außen gewendet bleibt.
L&Poe Journal #02-2022
2021 gab es eine aufgeregte und wüste Debatte um einen Aufsatz von Konstantin Ames.* Aus dem zeitlichen Abstand versuche ich eine Neubesichtigung. War da was war was da da was war da war was was war da was da war.
Im ersten Teil lese ich den Aufsatz (von dem es ausging, obwohl es gar nicht um ihn ging) Satz für Satz, um zunächst die Grundlagen zu überprüfen. Dem mag ein Blick auf die Debatte folgen.
Ich war damals beteiligt und Partei. Teils freiwillig, teils unfreiwillig. Ich kann nicht erwarten, dass meine Neubesichtigung aus dem Abstand von anderthalb Jahren bei den damaligen Kombattant- und Mitstreiter-Innen zur Klärung (Befriedung?) beitragen kann. Ich habe meine Meinungen – über den Text und die Debatte. Die Adjektive aufgeregt und wüst zeugen davon. Dieser Text ist (soll werden) für mich weder Schlussstrich noch Bilanz, welcher Art immer, sondern der Versuch, meine überbliebenen Meinungen zu überprüfen. Erst über den Text und dann vielleicht über die Debatte.
Ich habe meine Meinungen, ich erinnere mich an sie. Aber weiß ich, was herauskommt, wenn man irgendwelche analytischen Bestecke in den Prozess wirft? Ich ahne es nur.
Ein Verfahren, um zu den eigenen Meinungen etwas Abstand zu gewinnen, ist die Sukzession. Mit voller Absicht komponiere ich nicht einen Text, der erst dann veröffentlicht wird, wenn er geprüft und abgerundet worden (und der eigenen Meinung unterworfen) ist. Ich gehe Satz für Satz vor und veröffentliche das sofort portionsweise. Freunde und Kontrahenten sind eingeladen, genauso sukzessiv mitzulesen und mindestens nicht gleich volles Rohr draufzuballern. Wer zuerst schießt, also schreibt (o Gott, die martialische Sprache schon gleich!), mag zuerst im Vorteil sein – aber er wird dann ja auch von allen Seiten gesehen. Halali!
*) Den Beitrag gab es beim Signaturen-Magazin. Dort kann ihn noch heute jeder nachlesen. Anders die Debatte. Die fand in der damaligen Halböffentlichkeit eines Facebook-„Threads“ statt. Verschiedene Aufforderungen, bei Signaturen weiterzudiskutieren, fanden kein Gehör. Schon den damaligen Teilnehmern war es aus verschiedenen Gründen unmöglich, sämtlichen Verzweigungen auf Facebook zu folgen. Heute ist es praktisch unmöglich, die Debatte im FB-Dschungel auch nur zu finden. Wer zum Zwecke des Mitredens nachlesen will, bräuchte wohl tausend Seiten Bildschirmschnappschüsse.
| Konstantin Ames: Grußwort zum Endebeginn des Lyrikbetriebs | er meint, das Ende des Lyrikbetriebs habe begonnen. Wenn der Anfang vom Ende noch (lange) nicht das Ende ist, warum machte die Debatte „von Anfang an“ den Eindruck von Endgültigkeit. Endgültiger Zerrüttung. Worum ging es eigentlich, um Geld? Aufmerksamkeitspunkte? Wegkicken des / der KontrahentInnen? Welcher Blumentopf war zu gewinnen / zertöppern? „Grußwort“: A. sitzt von je der Schalk im Nacken. |
| Es ist eine Zahl, die mich zuerst darauf brachte – und Zahlen achten wir doch alle über alles; es ist die Zahl 600: Das ist die Zahl der Einsendungen zum Jahrbuch der Lyrik 2021; sie findet sich im Schutzumschlag dieser „bedeutendsten jährlichen Sammlung neuester (!) deutschsprachiger Gedichte“. | ob „wir alle“ wirklich Zahlen über „alles“ achten, kann bezweifelt werden. Ich habe in meinem Leben viel öfter beobachtet, dass mit Ablehnung reagiert wird, wenn man mit Zahlen kommt. Im Kern sind wir doch Romantiker geblieben. Aber okay, es ist ein sprachlicher Kniff des Textes. |
| Von 600 Einsendungen ist auch im Jahrbuch 2022 die Rede. | |
| „bedeutendsten“ (!!) A. kommentiert hier nur mit einfachem (!) das Wort „neuester“. Dem „bedeutendsten“ oder, wie auch zu lesen war, „einzigen wahren“ Lyrikjahrbuch fehlt es an Unbescheidenheit nicht. Bei allem Respekt, haben die Macher oder Kritiker das ebenfalls langjährige Jahrbuch von Axel Kutsch wirklich so gründlich analysiert, dass sie es stillschweigend abtun können? Wollen sie es durch bewusstes Verschweigen „erledigen“? (Wir sind einmal bei der Militanz!) | |
| – Aus Hochachtung vor den Kollegen Bonné, Kraus und Callies tat ich etwas, das ich mir geschworen hatte, nicht mehr zu tun. | Nicht mehr einzusenden, manche machen es wirklich, manche sprechen nur davon. Spätestens seit Oswald Eggers‘ „Ich will nie wieder beim Lyrikjahrbuch mitmachen“ ein running gag. |
| Ich schickte Poeme zum Lyrikjahrbuch; ein performatives Gedicht (2019), ein Fakesonett (2020) und eine semantische Übersetzung (2021). Alle drei Dingelchen kamen nicht auf den „Nein-Stapel“ (Chr. Buchwald), sondern wurden abgedruckt. | Wer sich für die Gedichte von Ames interessiert, könnte hier dankbar ansetzen. Hat glaube ich keiner erst versucht. |
| Als ich ein Jahrzehnt zuvor in zwei Jahrbüchern (2008f.) vertreten sein durfte – und deshalb brachte mich die Zahl 600 ins Grübeln – las man in den Nachworten von Uljana Wolf und Ulf Stolterfoht von einer jeweils vierstelligen Zahl an Einsendungen … 9000 … 8000 … Ein Jahrzehnt später haben wir es mit einem Gutteil Einsendungen weniger zu tun. Selbst wenn alle Einsender die maximale Zahl von zehn Gedichteinsendungen ausgereizt haben sollten, wären zum amtierenden Jahrbuch nicht mehr als 6000 Einsendungen eingegangen. | Ich ziehe zufällige 6 Stichproben aus dem Regal: 1984: „Strudel“ 2000: „Fülle der Einsendungen“ 2006: rund 10.000 2013: mehr als 900 2015: über 1000 Einsendungen 2020: k.A. Die nicht repräsentative Stichprobe scheint den „Trend“ zu bestätigen. |
| Für die folgenden Fingerzeige verwende ich aus Gründen der Sprachökonomie und -ästhetik das generische Maskulinum; jede* und jeder* sind von Herzen gemeint. | „von Herzen“, klar (hat aber nicht geholfen, stoßseufze ich im Blick auf die verbissene Diskussion) |
Fortsetzung folgt.
Heute vor 60 Jahren, am 12. Dezember 1962, fand in der Deutschen Akademie der Künste in Ostberlin ein Lyrikabend statt. Auf Einladung Stephan Hermlins hatten zahlreiche junge Lyriker ihre Gedichte eingesandt, aus denen er vorlas. Da die Lesung sehr gut ankam, trugen anschließend die anwesenden Autoren weitere Gedichte vor, darunter Wolf Biermann mit Gitarre und Rainer Kirsch (Meinen Freunden, den alten Genossen). Nachträglich wurde die Veranstaltung aus politischen Gründen heftig angegriffen, Hermlin wurde kritisiert und musste von seinem Amt bei der Akademie zurücktreten. Lyrik mit Folgen. Trotz des Skandals verhalf der Abend einer neuen Dichtergeneration zum Durchbruch, die später die „Sächsische Dichterschule“ genannt wurde. Die Jugendorganisation FDJ (Freie Deutsche Jugend) versuchte die Bewegung zu kanalisieren und veranstaltete große öffentliche Lyriklesungen, anfangs auch mit kritischen Autoren einschließlich Biermanns. Diese Lesungen bildeten die sogenannte „Lyrikwelle“ der Jahre 1963/65. Zu einer Lesung im großen „Marx-Engels-Auditorium“ der Berliner Humboldtuniversität erschienen um die 1000 Zuhörer (der Saal hatte 750 Plätze).
1963 erschien ein Band „Auftakt 63. Gedichte mit Publikum. Herausgegeben vom Zentralrat der Freien Deutschen Jugend“. Etliches an Blümchen- und Parteilyrik, aber auch einige Talentproben. Unter den Autoren der Anthologie waren Werner Bräunig, Heinz Kahlau, Bernd Jentzsch, Sarah und Rainer Kirsch, Karl Mickel, Uwe Greßmann, Heinz Czechowski und Adolf Endler. Zum Anlass ein Gedicht aus dem Band.
Adolf Endler
Definitionen
1
Ein Gedicht, heißt’s: gehöhlte Hand, in der sich
die Schatten sammeln.
Ein Gedicht, meint ein andrer: Filter des Lichts
einer untergehenden Sonne.
Definitionen, in den Sand der Wüste gekratzt,
wenn schon die Staubwirbel kreisen
kurz vor dem Sturm.
2
Ich berechne mit jedem Gedicht, fiebernder
Rechner,
jede Nacht neu die empfindlichen Pfeiler der Brücke
Zum Nachbarn.
Aus: Auftakt 63. Gedichte mit Publikum. Herausgegeben vom Zentralrat der Freien Deutschen Jugend. Berlin (Ost): Neues Leben, 1963, S. 108.
Aus der Auftaktanthologie entwickelte sich die Reihe „Auswahl 19xx. Neue Lyrik, neue Namen“, in der von 1964 bis 1988 alle zwei Jahre ein Band erschien, ein ostdeutsches Lyrik(zwei)jahrbuch.
Artur Lundkvist
(* 3. März 1906 in Hagstad, Südschweden; † 11. Dezember 1991 in Solna)
Die Freiheit
aus: Elegie für Pablo Neruda
Und nun bist du frei wie deine Dichtung, nirgends und überall,
nicht länger gebunden an Ort und Zeit, befreit von der
Kette der Siege und Niederlagen,
und es ist gleichgültig, wo sie dich schließlich begraben oder
nicht, ob sie dich der Erde anheimgeben, dem Feuer oder
dem Meer, womöglich heimlich, als fürchteten sie deine
Auferstehung,
du bist frei wie deine endlos schweifende Phantasie, du kannst,
der Biene gleich, alle Blumen dieser Erde besuchen oder
wie Sturmvogel, Wind und Wolke die irdischen Länder
überstreichen,
bist und bist nicht in einem blauen Rauchband oder dem jähen
Duft einer Balsampappel, im gefallenen Laub, das am
Schuh haftet oder im Geäst, wo du wie ein Vogelkönig
sitzt in des Pollens goldener Maske,
und ob du einer ermatteten Schwalbe gleich auf der Erde ruhst
mit abgespreizten Flügeln, bis du umarmt wirst von deinen
geliebten Wurzeln und hinabsteigst in dein letztes Heim,
wo du sein wirst bei den Quelladern, den Mineralen und Edelsteinen,
die träumen und nicht träumen von der Auferstehung
in ihren unterirdischen Reichen.
Für dich keine Grabmale, keine Steinbilder, statt dessen wird die
Erinnerung an dich fortdauern wie rinnendes Wasser, immer
in Bewegung, labend, tröstend,
so lebst du bereits im Tode, so spricht deine Stimme aus der
Stille, leuchtet dein Lächeln aus dem Finstern wie ein erblühter
Jasminzweig oder ein Splitter Meereselfenbein,
die Natur trauert um dich und leckt ihre Wunden, die Vögel suchen
dich klagend, die Wellen fragen dir nach, das Meer wäscht
seine unzähligen Hände und spült das Blut zurück
auf den Strand,
die Menschenmassen wälzen sich ruhelos, gequält im Halbschlaf,
gefangen in einem Alptraum, aus dem sie sich nicht
zu befreien vermögen, geschlossen in das Labyrinth, das
sie unwissend errichteten,
die finstren Massen, die du weiter durchstreifen wirst mit deinem
Suchlicht von Zorn und unbezähmbarer Freude, mit deiner
Kraft, die fortströmen wird wie die unsichtbare Elektrizität,
bis Widerstand die weiße Flamme entzündet!
Deutsch von Richard Pietraß. Aus: Schweden heute. Ein Lesebuch. Hrsg. Gisela Kosubek und Anne Storm. Berlin: Volk und Welt, 1983, S. 483f.
Nelly Sachs
(* 10. Dezember 1891 in Schöneberg, heute Berlin; † 12. Mai 1970 in Stockholm)
WASSERSCHÖPFERIN Ich schöpfe Wasser aus einer Quelle Bin zurück zu der Kindheit meines Volkes gelaufen Bin ganz warm geworden Durch den Wüstensand der Jahrtausende gelaufen um bei meinem Volk zu trinken. Rahels Spiegelbild schöpfe ich mit den Händen und küsse es jetzt legt mir Gott einen Stern hinein Ganz nahe bin ich zu Gott gelaufen Auch wenn ich Leitungswasser trinken muß werde ich das Geheimnis der Quelle meines Volkes schmecken.
Aus: NELLY SACHS: WERKE. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden. Herausgegeben von Aris Fioretos. Band I. GEDICHTE 1940—1950. Herausgegeben von Matthias Weichelt. Berlin: Suhrkamp, 2010, S. 167
Àxel Sanjosé
Die LemmingeDie Felsen des Nordens schwarzen] wahren das graugelbe] grenzgelbe Gras eine] keine Wiese, gewesene Zeit <Zelt?> kaumeiner Ruhe]Liebewert des Wortes] der Worte] Wörter | : dröhnender] drehender : | Wind drohende Welt Sibelius Die Themen] Säuglinge, vom Wickeltisch gefallen <mit Bleistift: Adorno nachschlagen> Auf den Grund] das Gras dieNarbeFarbeauf die Welt kommen] gehen Wirklichkeit] Wickeltisch <unleserlich, gestrichen>
Aus: Àxel Sanjosé: Gelegentlich Krähen. Gedichte. Weilerswist: Landpresse, 2004, S. 75
Leopold Marx
(* 8. Dezember 1889 in Cannstatt ; † 25. Januar 1983 in Shavei Zion, Israel )
Aus: Neujahrsgrüße aus der bösen Zeit 1934 Manches Jahr schon haben wir mit Sprüchen eingesegnet und zu Grab geleitet, aber keins noch hat den Dichterküchen so viel Hirn— und Herzensnot bereitet. Redefluß. Triumphgebrüll . . . Wir schweigen. Selbstvergottung, Hohn und Haß . . . Wir klagen. Hängt ein Schwert am Himmel? — Lauter Geigen! —— Jäger, Meute — auf zum fröhlichenjagen! Ha, das edle Blut in deutschen Adern, hört ihr’s singen nicht und mächtig rollen — Recken reinster Rasse . . . Gummiquadern, die zum Babelturm sich türmen wollen . . . bis sie drohen zimbeln, drunten schmoren einst — in tausend (oder zwanzig) Jahren. Dann wird sich erweisen, was sie waren— Welterneurer — wahnbetörte Toren.
Aus: Leopold Marx: Gedichte aus der Schaffenszeit von 1910 bis 1982, hrsg. in Zusammenarbeit mit der Schillergesellschaft von Werner P. Heyd. Gerlingen: Bleicher, 1983, S. 340f
Henriette Hardenberg
(geboren am 5. Februar 1894 in Berlin; gestorben am 26. Oktober 1993 in London)
Liebe Zwei gehen nackt durch einen Wald, Sie schreiten hoch Und lachen mit den Vogelschreien. Der wunde rasende Klang würgt ihre Kehlen. In ihren Häuten brennen sie eisig, Atemstücke brechen aus verschütteten Massen. Menschen reißen sich höher: Ihr Kopf starrt vor, Augen, die tief bluten, Stürzen in Schädel zurück. Arme und Beine sind Stricke, Sie meistern krachende Leiber. Zwei fühlen sich breit verschmelzen und berühren sich nicht. Sie schlingen sich um Bäume Und brechen entzwei.
Aus: Versensporn 52. Henriette Hardenberg. Jena: Edition Poesie schmeckt gut, 2022, S. 9
Das Gedicht stammt aus dem einzigen Gedichtband der Autorin, Neigungen (München: Roland, 1918). Zuvor war es in der Zeitschrift Die Aktion erschienen. Das Heft von Versensporn enthält Gedichte aus den Jahren 1912-1991, es kostet 4 Euro.
Ich widerstehe der Versuchung, die Aufstellung des 1. FC Nürnberg zu bemühen. Stattdessen etwas Konventionelleres. Ein Gedicht „an“ etwas. Als hätte Benn das nicht verboten, das „an“dichten. Handke schreibt ein Gedicht „an“ und „über“ die Dauer. Der Schluß des Auszugs schlägt unerwartet den Bogen zum gestrigen Gedicht. Die Dauer:
(...) hätte sie eine Regel, dann verlangte sie vielleicht nach einem Paragraphen und nicht nach einem Gedicht. Ich habe sie ja erlebt auch als Reisender, als Träumer, als Lauscher, als Spielender, als Betrachter, auf einem Sportplatz, in einer Kirche, in sehr vielen Pissoirs. Nähern möchte ich mich trotzdem dem Wesen der Dauer, es andeuten können, ihm gerecht werden, es zum Schwingen bringen, es, das mir immer wieder den Aufschwung gibt. Doch da stellt sich fürs erste nur eine Litanei aus vereinzelten Wörtern ein: Quelle, Neuschnee, Spatzen, Wegerich, Morgenwerden, Abendwerden, Wundverband, Einklang.
Aus: Peter Handke, Gedicht an die Dauer. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1986, S. 22f
Hier eine lange noch unvollständige Liste von Handkes Gedichtbüchern.
Petr Křička
(* 4. Dezember 1884 in Kelč; † 25. Juli 1949 in Okarec, heute Ortsteil von Třebíč)
Medynia Głogowska Über den Kopf die erste, die zweite pfiffen, fliegen viel dichter schon. Tiefer geduckt, im ängstlichen Spott noch begriffen, bieten die Burschen Willkomm. Fünferhaubitzen, da sind sie herangaloppiert, Herrgott, dein Wille geschehe! Mach ihre Seelen stark, wie das Schicksal regiert: Mütterchen, armes, flehe; sieh, als ein Stern steh ich dann über dem Walde, brennender Talglichtstumpf, und in der Ferne, gehn und entschwinden die Jahre, verblasse, erlösche ich dumpf. Vater, den Brief küß ich im Geiste, und deine Locken, Mädchen, so fern von hier. Und eine Springflut‚ die furchtbaren Liebeswogen sprengen die Herzfestung mir; Liebe zu allen, die leiden. Das düstre Erzittern des Herzens lösen die Welln, und die Angst, Angst vor dem allzu bittren Kelch, meines Volkes Kelch. Lukášek, Vávra, rechtschaffene Burschen, ihr edlen von dem mährischen Grund, Gott wird einst richten. Wir, die wir ehrlich lebten, sterben auch ohne Schuld. ‚Vorwärts!‘ Sie laufen, sie laufen nach meinen Befehlen, schon in gelichteten Reihn . . . Jesus, demütiger, stiller, den sie quälen, du wollest bei uns sein! . . 8. 10. 1914
Aus dem Tschechischen von Roland Erb. Aus: Die Sonnenuhr. Tschechische Lyrik aus 11 Jahrhunderten. Teil 3: 1900 – 1950. Hrsg. Ludvík Kundera. Leipzig: Reclam, 1987, S. 93/95
Medynia Głogowska ist ein Dorf im Südosten Polens. Im Ersten Weltkrieg fanden in dieser Gegend im damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Galicien blutige Kämpfe statt. Die jungen Burschen aus Mähren starben dort auf Befehl des Kaisers.
Neueste Kommentare