Greifswalder Denkmalstreit 1854

Greifswalder Universität entschied sich für Ernst Moritz Arndt

oder ein Greifswalder Denkmalstreit

Von Karl-Heinz Borchardt (Greifswald)

L&Poe Journal #02 – Betrachtung und Kritik

„Es war einmal“. So beginnen viele Grimm‘sche Märchen. Die Formulierung geht auf Märchenanfänge der Bretagne zurück. Sie steht für Sicherheit und Bestimmtheit. Denn was einmal war, „hat die Tendenz immer wieder zu kommen“ (Max Lüthi).  Ernst Moritz Arndt begann sein bekanntestes Märchen, Die Geschichte von den sieben bunten Mäusen, mit den Worten „Vor langer, langer Zeit“. Im Herbst 1817 und im Winter 1820/21 schrieb Arndt seine Märchen und Jugenderinnerungen.  Der erste Teil der Sammlung erschien 1818 bei Georg Andreas Reimer (1776-1842) in Berlin. Das Buch verkaufte sich schlecht. 1842, nach dem Tod des Freundes, brachte dessen Sohn eine 2. Auflage heraus und schloss 1843 einen zweiten Teil der Sammlung an. Von beiden Teilen waren noch 1910 Restbestände im Lager. Aber auch die erste Ausgabe der Grimm’schen Märchen, die zu Weihnachten 1812 ebenfalls bei dem aus Greifswald gekommenen Verleger Georg Reimer erschien, verkaufte sich unbefriedigend. Doch der Erfolg kam nach und nach und aus den Kunstmärchen wurden Volksmärchen. Aber was hat das, was wir im Gedächtnis unter Grimm’sche Märchen gespeichert haben, mit dem vor allem durch Wilhelm Grimm geprägten Ursprungstext zu tun. Hin und wieder sollten wir Autoren, über die wir sprechen, auch wieder lesen. Bei den Grimm’schen Märchen glauben viele neben der Eingangsformel, „es war einmal“, auch eine Schlussformel zu kennen: „und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch“. Aber so endet nur das Märchen Fundevogel (KHM Nr. 51). Nur in diesem Märchen findet sich dieser Schluss.  

Es ist nicht einfach, aber einfach notwendig, dass wir beim Hinterfragen einer anderen Meinung auch die eigene kritisch betrachten, und wenn wir über Autoren sprechen, sie auch wieder lesen. Nun erweisen sich einige Arndt-Texte, wohl auch sein Hauptwerk Geist der Zeit, für einen heutigen Leser als sperrig. Wer sich Arndt nähern möchte, könnte mit den Erinnerungen aus dem äußeren Leben (1840) oder Meine Wanderungen und Wandlungen mit dem Reichsfreiherrn Karl Friedrich vom Stein (1858) beginnen oder mit den Reisebeschreibungen, z.B. Pariser Sommer 1799.Eine erste Annäherung könnten auch die Märchen sein. Es sind dies Werke aus verschiedenen Lebensepochen Arndts. Denn, wer von Arndt spricht, sollte auch sagen, von welchem Arndt.

Wenn die jüngeren Kontroversen dazu beigetragen haben, dass über Arndt nicht nur gesprochen, sondern Arndt auch gelesen wird, waren sie nicht unnütz. Die Universität Greifswald hat dabei aber eine große Chance verpasst, nämlich die Kontroverse in eine Debatte zu führen. Mit der Organisation von Seminaren, Symposien und Vorträgen als Voraussetzung zur Erarbeitung einer kritischen Gesamtausgabe der Arndt’schen Schriften. (vgl. Götz Aly, Stuttgarter Ztg. vom 29.05.2017). Eine solche Erarbeitung, von der seit Jahrzehnten gesprochen wird, müsste fächerübergreifend geschehen, denn Arndt wirkte in Politik, Kultur, Geschichte, Theologie und Literatur und wurde zu einer „der bedeutendsten Figuren der jüngeren deutschen Geschichte“ (Erhart, Koch, S. 3).  

Zur 400-Jahrfeier der Universität (1856) legte Johann Gottfried Ludwig Kosegarten (1792-1860) eine zweibändige Geschichte der Universität vor. Kosegarten, Sohn des Dichters Ludwig Gotthard Kosegarten, war nicht nur ein Kenner orientalischer Sprachen, sondern auch der pommerschen Landesgeschichte. Im Vorfeld des Jubiläums, in den frühen 50er Jahren, entstand der naheliegende Gedanke zu der Jahrhundertfeier ein Denkmal zu errichten. War doch das 19. Jahrhundert das Jahrhundert der Denkmäler. Aber bereits die inhaltliche Diskussion in den Gremien der Universität zeigte sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Gestaltung des Denkmals. Zudem mussten die Vorstellungen der königlichen Akademie Greifswald mit den preußischen Behörden abgestimmt werden, und auch der preußische König Friedrich Wilhelm IV. nutzte u.a. seine Greifswald-Aufenthalte um sich nachdrücklich in die Diskussion einzubringen.

Den Gedanken, das Universitätsjubiläum mit der „Errichtung eines Monuments“ zu würdigen, trug der Professor für Klassische Philologie und Archäologie Karl Ludwig von Ulrichs (1813-1889) 1852 in die Gremien der Universität. Mit dem Denkmal sollte an „einen der Stifter oder Förderer der Universität“ erinnert werden. Dabei dachte v. Ulrichs an den Herzog Wartislaw IX. oder Heinrich Rubenow. Das Konzil der Universität unterstützte generell diese Vorstellungen und zur konkreten Beratung wurde eine Kommission gebildet, der u.a. Kosegarten und von Ulrichs angehörten, letzterer war auch der Sprecher. Die Kommission einigte sich relativ schnell auf Heinrich Rubenow, den auch das Konzil favorisierte. Aber zur Realisierung des Denkmals war die finanzielle Unterstützung der preußischen Behörden nötig und deshalb stellte man an den Kanzler der Universität, den Fürsten Wilhelm Malte I. (1783-1854) zu Putbus, den Antrag, „er möge sich beim Ministerium für Geistliche, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten“ um diese Gelder bemühen. In dem Schreiben an den Kanzler wurden aber drei Personen vorgeschlagen, die „vorzugsweise beachtenswert“ seien: Bogislaw XIV. (†1637), der letzte pommersche Herzog, war für die wirtschaftliche Stärke der Universität besonders wichtig, da er die Güter des herzoglichen Amtes und früheren Klosters Eldena der Universität überließ. Als zweite Person wurde Wartislaw IX. erwähnt, in der Zeit seiner Herrschaft wurde 1456 die Universität gegründet. Zudem wurde Heinrich Rubenow vorgeschlagen, aber etwaige Gegenargumente gleich mitgeliefert: „sein niedriger Rang als Privatmann und die Rücksicht auf die erhabene Stellung des Landesfürsten“ (Zitate Schroeder, S. 9/10). Da die königliche Genehmigung einzuholen war, und dessen Vorstellungen nicht unbekannt waren, scheute das Konzil die eigenen Vorstellungen klar zu benennen. Diese wurden aber über verschiedene Kanäle  dem preußischen doch König übermittelt. Zwar brachte der Kanzler, ohne auf die Vorschläge der Universität einzugehen, in seinem Antwortschreiben Friedrich Wilhelm III., den Vater des regierenden Königs, in die Debatte. So sollte mit einem Standbild Friedrich Wilhelms III. daran erinnert werden, dass Greifswald unter dessen Regentschaft wieder preußisch wurde.

Aber Friedrich Wilhelm IV. erwies sich in dieser Angelegenheit toleranter als angenommen. So schlug er vor, von der früher beabsichtigten „Errichtung einer Statue abzusehen und dagegen ein Monument zu wählen, welches die Möglichkeit gewähren würde, den verschiedenen Männern, welche sich um die Hochschule verdient gemacht oder derselben zur Zierde gereicht haben, ein ehrendes Andenken zu stiften“ (Hoefer, 80). Gleichzeitig wurde der Hofbaurat Friedrich August Stüler, der Nachfolger Schinkels, aufgefordert, einen Entwurf für ein solches Denkmal anzufertigen. Stülers Entwurf, der nicht erhalten ist, war wohl ein wesentlicher Schritt zu dem heutigen Rubenow-Denkmal. So sollten die fürstlichen Persönlichkeiten des Denkmals vom König festgelegt werden und die Universität ihre Vertreter benennen. Die Universitätsleitung überließ es den Fakultäten mitzuteilen, wen sie als ihren Vertreter auf dem Denkmal zu sehen wünschten. Nur in der Philosophischen Fakultät kam es dabei zu einer längeren Diskussion. Auf ihrer Sitzung im September 1854 sollte über einen Vorschlag Kosegartens, der der Theologischen Fakultät angehörte, abgestimmt werden. Kosegarten hatte die Historiker Johann Philipp Palthen (1672-1710) und Albert Georg Schwarz (1687-1755) vorgeschlagen. Karl Ludwig von Ulrichs, der an der entscheidenden Sitzung der Fakultät nicht teilnehmen konnte, äußerte sich brieflich: „Sollte es aber nicht besser sein, E. M. Arndt, einen echten Landsmann und eine populäre Gestalt zu wählen? A. lebt zwar noch, aber gehört doch der gegenwärtigen Generation nicht eigentlich an. Wer weiß, ob er die Vollendung des Denkmals erlebt? Für ihn stimme ich vor Allem“ (Schroeder, 21).

Auf der Fakultätssitzung wurde zunächst auch Johann Carl Dähnert (1719-1785) vorgeschlagen. In der Diskussion waren sich dann aber rasch alle einig Palthen von der Liste zu streichen. Auch Dähnert konnte in der Diskussion nicht durchgesetzt werden, weil „die Verdienste des fleißigen Sammelns und Aufbewahrens von wissenschaftlichen und gesetzgeberischen Quellen gleichwohl unter den Verdiensten der wissenschaftlichen Forschung ständen“ (Schroeder, 21). Letztlich konnte sich die Fakultät aber nicht darüber einigen, ob Ernst Moritz Arndt oder Albert Georg Schwarz als Fakultätsvertreter der Universitätsleitung vorgeschlagen werden sollte.

Der Historiker Schwarz kam aus der alten gleichnamigen Greifswalder Patrizierfamilie. Der Vater von Albert Georg Schwarz, ein Pfarrer, war ein Cousin der Dichterin Sibylla Schwarz. Bemerkenswert ist, dass Kosegarten zwar Schwarz in die Denkmaldiskussion einbrachte, er aber dessen Werke in seiner Universitätsgeschichte lediglich erwähnt, Arndts Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen dagegen ausführlich vorstellt. Umfassender würdigte Dähnert in seiner Gedächtnisrede auf Herrn Albert Georg Schwarz im Greifswalder Dom dessen Wirken. Schwarz sei „der erste seiner Art gewesen, der Pommern aus der Unwissenheit von sich selbst gerissen, den ungestallten Begriffen von diesen Landen die rechte Form gegeben“ und „dem Vaterlande sey es vorbehalten, das was hierunter ihm vor andern geleistet ist, zu schätzen, und zu verewigen“ (Dähnert, 200 ff.). Die Verschriftlichung seiner Gedächtnisrede beendet Dähnert mit einem Verzeichnis sämtlicher Werke von Albert Georg Schwarz. Zu den Befürwortern von Schwarz gehörten u.a. Georg Friedrich Schömann, er war 1856 bei der 400-Jahr-Feier Rektor der Universität und wohl noch interessanter, Albert Hoefer, der 1863 im Vorwort zu seinem Buch Ernst Moritz Arndt und die Universität Greifswald schrieb: „Es ist beachtenswert, in welchem Umfange und in welchem Sinne er sich über die mannigfachsten Gebiete der gesamten Welt- und Culturgeschichte verbreitet und es ist neu oder nur wenigen bekannt, dass er als Philologe seine Vorlesungen über einen weiten Kreis alter und lebender Sprachen und ihrer Denkmäler erstreckt hat.“

Über das Für und Wider von Ernst Moritz Arndt als Fakultätsvertreter wurde umfassend debattiert. Die Professoren, die sich für Arndt aussprachen, verwiesen auf seine „Verdienste um das deutsche Volk“, auf die Bedeutung Arndts als „politischer und historischer Schriftsteller“ und „Volksdichter“. Zudem sei er „ein geborener Greifswalder“ (! B.). Zu den Gegenargumenten gehörten, dass „Arndts Wirksamkeit an der Universität doch zu unbedeutend und den wenigsten in Erinnerung“ sei, und „als Gelehrter und Lehrer habe er sich nicht ausgezeichnet; seine geschichtlichen Schriften seien wissenschaftlich von nur untergeordnetem Wert“. Auch seine „Popularität und seine öffentliche Wirksamkeit können den Ideen des Zwecks unserer Wahl keinesfalls genügen“ (Schroeder, 21). Zudem gab es die Bemerkung, dass Arndt noch am Leben sei und lebenden Personen sollte kein Denkmal errichtet werden. Albert Hoefer schreibt rückblickend, sein eigenes Abstimmungsverhalten übergehend, in seinem Arndtbuch über den Denkmalstreit von 1854: „Da ward Arndt ausersehen, unsere philosophische Fakultät zu vertreten. Die Ansichten waren geteilt, sehr geteilt: es fehlte nicht an solchen, die bei diesem Anlass und an diesem Orte einen anderen zu ehren für angemessener hielten: aber die Stimme ist nicht vernommen, die Arndt diese Ehre nicht für würdig, ihn für uns und unsere Universität nicht als dauernde Zierde angesehen hätte.“ (Hoefer, 80). Während der Arndt-Schwarz-Debatte formulierte Hoefer noch, dass Ernst Moritz Arndt „gänzlich ungeeignet erscheint“ (Schroeder, 24).

Da sich die Fakultätsmitglieder im September 1854 nicht einigen konnten, kam es zu einer namentlichen Abstimmung, die ergab eine Mehrheit von 7:4 Stimmen für Schwarz. Die philosophische Fakultät teilte dann im Oktober 1854 dem Rektor mit, dass sie sich für Albert Georg Schwartz als ihren Vertreter entschieden habe. Der Senat der Universität sprach sich allerdings sehr eindeutig für Arndt aus (7:1). Die Philosophische Fakultät beanstandete wiederum, dass sich der Senat über ihre Mehrheitsentscheidung hinweggesetzt habe. Einige Mitglieder der Fakultät, darunter Hoefer, akzeptierten den Senatsbeschluss nicht und wollten sich direkt an den zuständigen Minister Karl Otto von Raumer wenden, ein Hauptvertreter des orthodox-monarchischen Flügels im Kabinett. (24)

Es lässt sich nicht sagen, inwieweit diese Professoren bewusst die politische Karte spielen wollten oder sie einfach nur der Senatsbeschluss verletzt hatte. Aber die Revolutionsjahre 1848/49 lagen noch nicht lange zurück und Raumers Einstellung konnte ihnen nicht unbekannt sein. So nahm Karl Ludwig von Ulrichs 1855 einen Ruf nach Würzburg an, den er wohl abgelehnt hätte, wenn vom Berliner Kultusministerium dies unterstützt worden wäre. Aber dem Kultusminister missfiel Ulrichs Haltung in der Revolutionszeit. Ulrichs, 1813 in Osnabrück geboren, wurde 1849 als Abgeordneter des Kreises Greifswald in die Zweite Kammer des Preußischen Landtags gewählt. Vorstellbar ist deshalb auch, dass konservativen Fakultätsmitgliedern Arndt suspekt war, weil Arndt nicht nur Abgeordneter der Nationalversammlung gewesen war, sondern auch zu den Delegierten zählte, die dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die deutsche Kaiserkrone anboten, die dieser zurückwies, da eine solche Krone „mit dem Ludergeruch der Revolution“ behaftet sei. Der Minister wollte jedenfalls Arndt auch nicht als Fakultätsvertreter sehen. In einem Brief an den Senat schrieb er, „ob es nicht angemessen sein würde, bei den Vorschlägen für alle Fakultäten Männer auszuschließen, welche noch am Leben sind“. (Schroeder, 27). Die Universitätsleitung bekannte sich jedoch klar zu Arndt: „Wir legen einen Werth darauf, dass sein geschichtlicher Name durch das Denkmal dauernd an unsere Hochschule geknüpft werde.“ (ebenda)

 Auf größere Kompetenz gegenüber dem Senat konnten sich die Mitglieder der Philosophischen Fakultät wohl nicht berufen. So waren für das Abstimmen spezifische Kenntnisse nicht nötig, man musste sich nicht kundig machen und es gab seitens der Fakultät auch keine weitere Information. So bekannte der Philosoph Professor Ernst Stiedenroth freimütig: „Ich weiß von dem Herrn Albert Schwartz gar nichts und halte den Herrn E. M. Arndt aus verschiedenen Gründen, die hier auszuführen zu weitläufig sein würde, für gänzlich ungeeignet.“

Friedrich Wilhelm IV. plädierte für Arndt, und der Kultusminister hatte dann die Aufgabe dies der Universität mitzuteilen, und so notierte der Dekan der Philosophischen Fakultät:  „Auf den von etlichen Fakultätsmitgliedern eingereichten Antrag an S. Exzellenz, dass Schwartz gewählt werden möchte, erfolgte der Bescheid, dass auf Befehl seiner Majestät Arndt als Repräsentant der Philosophischen Fakultät auf dem Denkmal anzubringen ist.“ (Schroeder, 24)

Das Gesamtkonzept des Denkmals zu 400-Jahrfeier entwarf Friedrich August Stüler. Bei der Ausführung des Projekts arbeitete Stüler mit erfahrenen Berliner Bildhauern zusammen. Für die vier Fürsten, in Nischen stehend, war Wilhelm Stürmer verantwortlich und für die vier Fakultätsvertreter, „standesgemäß“ eine Ebene tiefer und sitzend, Bernhard Afinger (1813-1882). Afingers größte Sorge galt Ernst Moritz Arndt: „Eine lebensgroße Figur eines Mannes, der noch lebt, machen wollen, ohne ihn gesehen zu haben, ist für mich undenkbar, und noch dazu eines Mannes, der vom deutschen Volk so geliebt und ebenso gekannt ist.“ (Schroeder, 36) Zudem schloss Afinger nicht aus, dass der alte Arndt bei der Einweihung des Denkmals mit seinem eigenen Abbild konfrontiert werden könnte. So kam es dann zu seiner Reise nach Bonn. Vorher machte er in Frankfurt am Main, auf Anratens Arndt, Station, um sich ein Porträt Arndts „in jüngeren Jahren“ (37) anzuschauen. Wahrscheinlich bezog sich Arndt hierbei auf die von Jacob Seib gefertigte Daguerreotypie, die er von allen Mitgliedern der Nationalversammlung gemacht hatte. Dieses Arndt-Porträt befindet sich heute im Historischen Museum Frankfurt am Main und an diesem Bild orientierte sich Afinger für seine Arndt-Skulptur. In Bonn modellierte Afinger eine lebensgroße Büste von Arndt, die viel Anerkennung erhielt und eine entscheidende Voraussetzung war für einen seiner größten Aufträge, das Bonner Standbild von Ernst Moritz Arndt (1864).

Die Einladung zur 400-Jahrfeier der Universität konnte der 86jährige Arndt nicht wahrnehmen. Die lange Reise von Bonn nach Greifswald wäre zu beschwerlich gewesen und an Rektor und Senat gewandt schrieb Arndt: „Wo Denkmäler errichtet werden, da feiert man gleichsam Todtenfeste.“

Eine kleine Geschichte aus dem 19. Jahrhundert. Eine objektive Geschichte? Was sagt Mariechen am Ende des Arndt-Märchens Der Bauerndom zu ihrem Lebensmärchen: „Aber ein wenig haben wir es auch eingerichtet nach unserem Märchen, denn von selbst wollen die Märchen auch nicht so werden.“ Ein Satz, der sicherlich nicht nur für die Arndt-Rezeption gilt.

Lit.:

-Alvermann, Dirk, Birgit Dahlenburg: Greifswalder Köpfe. Gelehrtenporträts und Lebensbilder des 16.-18. Jahrhunderts aus der pommerschen Landesuniversität. Rostock 2006.

-Dähnert, Johann Carl: Gedächtnisrede auf Herrn Albert Georg von Schwarz Königl. Professor der Geschichte zu Greifswald in der St. Nicolai Kirche den 16. Jun. 1755 gehalten. In: J.C. Dähnerts Pommersche Bibliothek, 4. Bd., 6. Stück. Für den Junius, Greifswald 1755, S. 195-207 (Digitale Bibliothek MV).

-Dühr, Albrecht (Hg.): Ernst Moritz Arndt. Briefe. Darmstadt 1972 (Bd. 1), 1973 (Bd. 2).

-Erhart, Walter / Arne Koch (Hg.): Ernst Moritz Arndt (1769-1860). Tübingen 2007.

(Walter Erhart war von 1997-2007 Professor an der EMAU)

-Gärtner, Hannelore: Das Rubenow-Denkmal. Eine Fallstudie. In: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Jahrbuch Bd. 1, 1995/1996, S. 111-118.

-Hoefer, Albert: Ernst Moritz Arndt und die Universität Greifswald zu Anfang unseres Jahrhunderts. Ein Stück aus seinem und ihrem Leben. Mit einem Anhange aus Arndts Briefen. Berlin 1863.

-Kosegarten, Johann Gottfried Ludwig: Geschichte der Universität Greifswald. Erster Theil. Greifswald 1857 (Digitale Bibliothek MV).

-Kroymann, Jürgen: Geschichte der Klassischen Philologie an der Universität Greifswald. In: Festschrift zur 500-Jahrfeier der Universität Greifswald, Bd. II. Greifswald 1956, S. 120-135.

-Schroeder, Horst-Diether: Das Rubenow-Denkmal in Greifswald. Nach Akten des Universitätsarchivs. Greifswald 1977. (o. S., Seitenzählung B.)

(Abschnitt, überarb. u. erw., eines Vortrags im Greifswalder Falladahaus zum 250. Geburtstag Ernst Moritz Arndts)

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