Was war da. Rückblick auf eine Debatte (5)

L&Poe Journal #02-2022

Weiter im Text.

Konstantin Ames: Grußwort zum Endebeginn des Lyrikbetriebs (Fortsetzung und Schluss )Kommentar Michael Gratz
Eine ganze Lyrik-Generation steht in den Startlöchern. Sie wird nichts zu sagen haben. Wie die Generation zuvor. Gebt diesen „einzigartigen“ Subjektivitäten (Darmstadtjury) Geld. Am meisten denen, die am gründlichsten schweigen; völlig rille, ob en plein air oder downtown. Und die wortbrüchigen Verdachtsmomente müssen blechen, aber so richtig.




Generation ist natürlich ein schwieriger Begriff. Wenn es eine Alterskohorte sein soll: auf welchen Punkt genau wollte man die Generation von (nur mal Geburtsjahrgang 1940) Rudi Dutschke, Rainer Langhans, Gudrun Ensslin, Franz Müntefering, Joachim Gauck, Hubert Burda, Lothar de Maizière, Hans Olaf Henkel, Rolf Dieter Brinkmann, Frank Zappa, Jürgen Todenhöfer und Hermann L. Gremliza – habe ich jemand vergessen, Armin Maiwald, Rudi Moshammer … – denn bringen? In der Lyrik wird es nicht viel anders sein. Vergessen wir auch nicht, die Textsorte ist Essay oder Pamphlet, nicht Doktorarbeit. Wenn man sich nicht gemeint fühlen muss, kann man sich auch mal zurücklehnen… Ein amüsanter Vorschlag ist es schon.
Man wird noch träumen dürfen: Dringlichkeitssimulationen (aktuell: Anthropozän) werden als das behandelt, was sie sind, als Ausreden von Leuten mit Geltungsdrang, nicht therapierter Infamie und Drittmittelbedarf. Noch mehr trotziger Optimismus: Die ersten Dichter, die Preise ablehnen werden, sind schon geboren. Dann stirbt König Lyrik endgültig. Übernehmen wird das Volk der Poesien.Ob sich die Verfasser von Gedichten schon heimlich prüfen, ob sie „Lyrik“ oder „Poesie“ sind?



Nur ein Narzisst guckt vom Podium auf die Mitfinalisten herab, und strahlt oder heult fette Tränen in die Pressekameralinse, so gerührt ist er von sich selbst …  jeder halbwegs selbstkritische Mitmensch kommt im Fall des Bepreistwerdens ins Grübeln. Ich bin als Preisträger Teil des Problems, wenn ich auch nie die Dummdreistigkeit besaß, einen leer ausgegangenen Mitbewerber zu fragen: „Naaa, wie fühlst du dich jetzt?“ Umgekehrt sind mir diese und manche andere Kleinbürgerlichkeiten schon begegnet …
Preise sind als Mittel der Poesieförderung völlig ungeeignet. Es ist an der Zeit, Teil der Lösung zu werden; gerade angesichts des sich nur vermeintlich auflösenden Kulturstaus.

Hören die Lyrikstaatsminister zu? (Ich hab mal einer Diskussion zugehört, paar Jahre her, natürlich über die Rolle der Lyrik und ihrer Förderung, bei der man Hoffnung auf Robert Habeck setzte, promovierter Germanist und Lyrikleser und wer weiß, noch mal auf höherem Posten? Sire, geben Sie Lyrikfreiheit!)
So weit ging der Text von Konstantin Ames. Was folgte, war kein Ruhmesblatt der Königsdisziplin, keine Sternstunde der unsozialen Medien und auch überhaupt kein Versuch, zur – eigentlich wichtigen – Debatte beizutragen. Mir fällt der Begriff Catch as catch can ein, sicher zu Unrecht, weil das sorgfältig choreografierte Kämpfe mit hohem Schau- und Einschaltwert sein sollen.
Nach dem Fest mehr.

3 Comments on “Was war da. Rückblick auf eine Debatte (5)

  1. Pingback: L&Poe Journal 2 (2022) – Lyrikzeitung & Poetry News

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

%d Bloggern gefällt das: