Freiburg – Der Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht in diesem Jahr an den in Berlin lebenden Autor Wolfgang Hilbig . Die in Freiburg tagende Jury bewertete Hilbigs Band «Bilder vom Erzählen» als herausragende Gedichtedition des Jahres 2001.
Dies teilte der Südwestrundfunk (SWR) mit. Der vom SWR und dem Land Baden-Württemberg getragene Preis ist mit rund 10’000 Euro (rund 14 600 Franken) dotiert.
Hilbig, 1941 in Meuselwitz bei Leipzig geboren, arbeitete unter anderem als Werkzeugmacher, Erdarbeiter, Monteur und Heizer. 1978 gelangten erstmals die von allen DDR-Verlagen abgelehnten Gedichte Hilbigs in die Bundesrepublik. / News.ch 13. Januar 2002
Die in Freiburg im Breisgau tagende unabhängige Jury bewertete Hilbigs erschienen Band „Bilder vom Erzählen“ (Verlag S. Fischer) als herausragende Gedichtedition des Jahres 2001. Hilbig wurde 1941 in Meuselwitz bei Leipzig geboren. Der Peter-Huchel-Preis wird alljährlich am 3. April in Staufen im Breisgau verliehen. Peter-Huchel-Preisträger früherer Jahre waren u.a. Manfred Peter Hein, Sarah Kirsch, Durs Grünbein und Raoul Schrott . / SWR
In der Süddeutschen schreibt ALBERT VON SCHIRNDING über den 1991 beim Schwimmen ertrunkenen Autor Ludwig Greve (der damals postum den Peter-Huchel-Preis erhielt). / SZ 12.1.02
LUDWIG GREVE: Ein Besuch in der Villa Sardi. Porträts, Gedenkblätter, Reden. Herausgegeben von Reinhard Tgahrt. Verlag Ulrich Keicher, Warmbronn 2001. 312 Seiten, 17,50 €
In Dolomiten, Tagblatt der Südtiroler, schreibt Josef Prantl über Georg Trakl . / Dolomiten 12.1.02.
In der Frankfurter Anthologie stellt Robert Gernhardt ein Gedicht von Peter Maiwald vor – „Kindergeburtstag“; und im Feuilleton schreibt Felicitas von Lovenberg über Robert Gernhardt als Stimmenimitator. – Harald Hartung schreibt über Jannis Ritsos als Meister des Vexierbilds (der tiefrote Flecken) :
Die Umkehrbilder des Schweigens. Gedichte. Griechisch und Deutsch. Suhrkamp, 19,80€.
/ FAZ 12.1.02
Gute aktuelle Gedichte aufzuspüren, ist nicht immer einfach. Der Lyriker Steffen Jacobs erkundet … als Poesie-Scout der „Literarischen Welt“ jede Woche die Lyrikszene. Seine besten Fundstücke präsentiert er hier: Gedichte, die ihm besonders geglückt erscheinen -oder interessant missraten.
Am 12.1.02 ein Gedicht von Rolf Haufs.
Ich weiß nicht mehr, ob ich Nazim Hikmet überhaupt je gesehen habe. Ich könnte darauf schwören, kann aber die Indizien dafür nicht finden. Ich glaube, es war 1954 in London. Vier Jahre, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war, neun Jahre vor seinem Tod. Er sprach auf einer politischen Versammlung am Red Lion Square in London. Er sagte ein paar Worte, dann las er einige Gedichte. Manche auf englisch, andere auf türkisch. Seine Stimme war kräftig, ruhig, äußerst persönlich und sehr musikalisch. Aber es war, als käme sie nicht aus seinem Hals – jedenfalls nicht in dem Augenblick. Es war, als hätte er ein Radio in der Brust, das er mit einer seiner großen, leicht zittrigen Hände an und aus schaltete. … In einem seiner langen Gedichte beschreibt er, wie sechs Menschen Anfang der vierziger Jahre eine Symphonie von Schostakowitsch im Radio hören. Drei der sechs sind (wie er) im Gefängnis. Die Übertragung ist live; die Symphonie wird zeitgleich in Moskau gespielt, mehrere tausend Kilometer entfernt. Als ich ihn am Red Lion Square seine Gedichte lesen hörte, hatte ich den Eindruck, dass die Worte, die er sagte, ebenfalls vom anderen Ende der Welt kamen. Nicht, weil sie schwer zu verstehen gewesen wären (das waren sie nicht), auch nicht, weil sie verschwommen oder müde gewesen wären (sie waren erfüllt vom Vermögen zu überdauern), sondern weil sie so gesagt wurden, als triumphierten sie irgendwie über Entfernungen und transzendierten endlose Trennungen. / FR 12.1.02
titelt der Guardian am 12.1.02 (zum Vergleich FAZ: Kirchenfreundlich. Das Testament von Philip Larkins Muse, 12.1.).
Leeuwarden – In einem niederländischen Poesie-Album von 1888 ist ein Gedicht der jungen Mata Hari entdeckt worden. Die im Ersten Weltkrieg von Frankreich wegen angeblicher Spionage für Deutschland hingerichtete Tänzerin hatte die Verse mit dem Titel „Für Grietje“ für eine Jugendfreundin verfasst, wie das Stadtarchiv von Leeuwarden am Freitag mitteilte. Der Großneffe der Freundin habe das Album in einem Stapel geerbter Papiere entdeckt. / Der Kurier , 12.1.02
Rätsel Benn. Wunder Gottfried Benn . Da lebt einer zwischen Kasino-Besäufnissen und Kaffeehausamouren, zwischen Schoppen-Dämmer, Bierabend, Vorortausflug und Kaserne, in einem Wrasen aus Spießigkeit und Schneidigkeit, mal bei den schnieken Adligen, mal bei ondulierten Kellnerinnen; und dann geht er nach Hause, Kaffee, Zigaretten – und schreibt so schöne Gedichte, wie sie kaum einer der deutschen Sprache abgerungen hat.
So spricht Fritz J. Raddatz. Seine Benn-Biographie und mehr bespricht Georg Pichler in der Presse , Wien / 11.1.02 .
Fritz J. Raddatz: Gottfried Benn. Leben – Niederer Wahn, Eine Biographie, 320 S., geb., € 22,60, S 313 (Propyläen Verlag, Berlin)
Hernach: Gottfried Benns Briefe an Ursula Ziebarth, Mit Nachschriften von Ursula Ziebarth, 504 S., geb., € 35, S 496 (Wallstein Verlag, Göttingen)
Die Dichtung von E. E. Cummings (1894-1962), in der vieles nur angedeutet wird und die Worte plötzlich eine ungeahnte Bedeutung erhalten, hat es ihr besonders angetan. In der E-Musik zählen Vertonungen von dessen Gedichten schon fast zur Tagesordnung; der zeitgenössische Jazz ist gerade daran, die von Cummings aufgespannten Assoziationsfelder zu entdecken.
Mit «A Deeper Season Than Reason» (Unit) hat der Berner Saxofonist Jürg Solothurnmann ein ganz im Zeichen des amerikanischen Eigenbrötlers stehendes Programm erarbeitet; auf Abbuehls Album ist Cummings mit fünf Gedichten vertreten, darunter «yes is a pleasant country» und «skies may be blue; yes». In beiden taucht ein Lieblingswort von Cummings auf, das Abbuehl als Albumtitel gewählt hat: «April». Nach den Assoziationen gefragt, die dieses Wort bei ihr auslöse, meint sie: «Anfang, Öffnung, Verletzlichkeit und innere Turbulenzen. Das Wort hat mehrere Schichten – im April ist der Himmel eben nicht nur blau.» / Basler Zeitung 9.1.02
«April». Susanne Abbuehl, Wolfert Brederode, Christof May, Samuel Rohrer. ECM (Phonag) 044001399923
In der taz schreibt Jamal Tuschick über Silke Scheuermann :
Silke Scheuermann will, dass das „Unverständlich-Verpickelte“ in der Lyrik aufhört. Die aus Karlsruhe gebürtige Theaterwissenschaftlerin des Jahrgangs 1973 stammt aus einem Milieu, das jeder Kunst fern steht. Allenfalls in einer „geheimen Abteilung“ ihres Wunschraums ließ sich etwas in der Art aufheben. Sie war schon über zwanzig, als ihre lyrische Produktion in Gang kam.
/ taz 9.1.02
„Der Tag, an dem die Möwen zweistimmig sangen“ (90 Seiten, 6,60 ), edition suhrkamp.
Sozusagen in der letzten Minute des „Jahres der europäischen Sprachen“ ist ein zwei-, beziehungsweise mehrsprachiger Gedichtband des Lyrikers Uwe Erwin Engelmann aus Siegen erschienen. … Mehrsprachig bedeutet: Das Programmgedicht „Dorfleben in Südosteuropa“ ist immerhin in 13 verschiedenen europäischen Sprachen abgedruckt: Deutsch, Rumänisch, Polnisch, Banat-Schwäbisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch, Serbisch, Slowakisch, Ungarisch, Italienisch und Bulgarisch. Zweisprachig heißt: Alle übrigen Gedichte Engelmanns stehen sich auf Doppelseiten in Deutsch und Rumänisch gegenüber – man kann also gut vergleichen.
Hauptschwerpunkt seines Werkes sei das geeinte Europa, erläutert Engelmann. Und das spiegelt sich eben vor allem im schon erwähnten Programmgedicht wider. Es endet mit folgenden Worten: „wir waren/eine einheit/das dorf/deutsche zigeuner rumänen ungarn/juden serben türken kroaten/wir waren/in unserem dorf schon damals/EUROPA“. / Westfälische Rundschau 8.1.02
Uwe Erwin Engelmann: Dorfleben in Südosteuropa (vormals)/Viata la tara in sud-estul Europei (pe vremuri). Zweisprachiger (deutsch/rumänisch) Gedichtband, zus. mit Marcel Turcu. Mirton-Verlag, Timisoara (Rumänien) 2001
Die Wiener Zeitung blickt nach Indien, wo die Rechte am Werk des Literaturnobelpreisträgers Rabindranath Tagore (1861 bis 1941) jetzt frei wurden:
Wie die „Times of India“ berichtete, hat die indische Regierung das Copyright des alleinigen Rechteinhabers, der Universität Vishwabharati in Westbengalen, nicht verlängert. Damit dürften auch in Deutschland neue Übersetzungen und bisher unbekannte Werke des weitgehend vergessenen Autors auf den Markt kommen, vermutet der in Indien lebende Deutsche Martin Kämpchen. Er hat viele Gedichte Tagores aus dem Bengalischen übersetzt und hofft jetzt auf eine Renaissance des Autors…. Nur ein kleiner Teil des Gesamtschaffens von Tagore ist nach Darstellung des Übersetzers bisher überhaupt in deutschen Übertragungen zugänglich. Die Werke seien nicht selten tendenziös ausgewählt worden und meist schlecht übersetzt. / Wiener Zeitung 8.1.02
Die Berliner Akademie der Künste hat das Archiv des Schriftstellers und Kritikers Helmut Heissenbüttel erworben. / Die Welt 8.1.02
Her countryman Silvio Berlusconi echoed Fallaci’s ill-spoken sentiments that, on the whole, Western civilization was superior to that of Islam. She said she was quite happy with Dante , thank you very much. She spoke too soon. Though the theory has long incited fierce debate, Dante may have been acquainted with „ascension literature,“ a fantastical literary genre that deals with Mohammed’s ascent to Heaven (using a spiraling, magical ladder; ascension literature is still popular in the Middle East and Africa). Dante was undoubtedly acquainted with Avicenna and Averroes („who made the great commentary“), assigned as they are to that benign circle of the Inferno reserved for pagan and non-Christian worthies known as Limbo — which was hard luck for Averroes, who was Christian. / George Rafael, 8.1.02 Salon.com
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