Getagged: Jan Skudlarek
52. Lange Leipziger Lesenacht
L3 Lange Leipziger Lesenacht
14. März 2013 | 20:00
Mitwirkende:
Sascha Kokot, Simone Kornappel, Levin Westermann
Veranstalter:
ClaraPark, Leipziger Buchmesse, Moritzbastei , luxbooks,edition AZUR
Beschreibung:
Sascha Kokot “Rodung”; Levin Westermann; Simone Kornappel “Raumanzug”
Ort:
Moritzbastei, Ratstonne Universitätsstr. 9, 04109, Leipzig (Zentrum)
Eintritt:
Tageskasse / Abendkasse , 10 / 7€ erm.

L3 Lange Leipziger Lesenacht
14. März 2013 | 21:00
Mitwirkende:
Sünje Lewejohann, Christian Schloyer, Jan Skudlarek
Moderation:
Ulrike Feibig
Veranstalter:
ClaraPark, Leipziger Buchmesse, Moritzbastei , poetenladen , luxbooks, CVB
Beschreibung:
Sünje Lewejohann “In den Hirschen”; Jan Skudlarek “landzungen”; Christian Schloyer “panik · blüten”
Ort:
Moritzbastei, Schwalbennest, Universitätstr. 9, 04109, Leipzig (Zentrum)
Eintritt:
Tageskasse / Abendkasse , 10 / 7€ erm.
51. Teil der Bewegung
Teil der Bewegung. Lyriknacht an Musik
16. März 2013 | 20:00
Mitwirkende:
Martina Hefter, Kerstin Hensel, Simone Kornappel, Steffen Popp, Lars Reyer, Rike Scheffler (Musik), Jan Skudlarek, Charlotte Warsen, Martina Weber, Aleš Šteger
Veranstalter:
Schöffling & Co. , poetenladen , kookbooks, luxbooks, Texttonlabel KOOK , Edit e.V.
Art der Veranstaltung:
Lesung mit Musik
Ort:
Hochschule für Grafik und Buchkunst, Wächterstr. 11, 04107, Leipzig (Süd)
39. Sonst nichts? Doch.
Warum trifft man immer wieder auf jüngere Dichterinnen und Dichter, die auf irgendeine Weise mit Westfalen verbandelt sind?
Nicht daß mich die Frage sonderlich umtreibt. Ich gucke mal lieber, ob außer Westfalen auch gutes Texte da sind. Und tatsächlich, viele gute Namen. Na also.
Dabei hatten sie es nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, auf eine historische Anthologie abgesehen – etwa von Annette von Droste-Hülshoff bis Herbert Grönemeyer – , sondern trugen junge gegenwärtige Lyrik zusammen, insgesamt zweiunddreißig Dichter und Dichterinnen in alphabetischer Reihenfolge, Herausgeber eingeschlossen, darunter mit Nicolai Kobus, Jan Skudlarek, Dagmara Kraus, Hendrik Jackson, Sabine Scho und Hendrik Rost weitere GWK-Förderpreisträger. Und es ist bereits bezeichnend für die Sinnhaftigkeit des Unternehmens, dass – würde man in dem Buch etwa nicht den geringsten Hinweis auf den Landstrich Westfalen finden – diese Anthologie trotzdem als aktuelle Sammlung deutschsprachiger Gegenwartslyrik durchgehen würde. In diesem Sinne ist der Titel „Westfalen, sonst nichts?“ auch eher augenzwinkernd zu verstehen, die Betonung liegt also schwergewichtig auf dem Fragezeichen. (…)
Eine ganz andere Saite schlägt die aus Iserlohn stammende Lyrikerin Angela Sanmann an. Sie steuert der Sammlung mit den Gedichten „mandeln und mahdia“ oder „ticken“ (Seite 130/131) bezaubernde surreale Gleichnisse bei: „du hast den wecker an den baumstamm genagelt // jetzt sitzen wir davor und fragen / uns jede stunde abwechselnd nach der uhrzeit // wir wollen so genau wie möglich sein / in der bestimmung unseres kleinsten / gemeinsamen nenners“
Den Facettenreichtum der Anthologie unterstreicht schließlich der Hammenser Jan Skudlarek, der sich als ein Meister des Enjambements erweist, dessen Texte durchgängig Überraschungsmomente bergen und eine stete Spannung bis zum Ende halten: „ich leuchte im dunkeln – wie ein hirn in seinem / tank. ein kurzer moment der unachtsamkeit und / der kirchturm perforiert den himmel“ („magische pilze, sixtinische lamellen“, Seite 153) Kurz gesagt, in diesem Buch kann jeder seine Favoriten finden, aber vor allem nichts Uninteressantes. Mein persönliches Highlight sind die fünf Gedichte des Warendorfers Daniel Ketteler auf den Seiten 79-83, die mit ihrem musikalischen Drive, ihrem Ideen- und Bilderreichtum, ihrem liebevollen Sarkasmus mich zu wiederholtem Lesen animieren. / Dominik Dombrowski, Fixpoetry
Adrian Kasnitz / Christoph Wenzel (Hrsg.): Westfalen, sonst nichts? Eine Anthologie. Gedichte, 200 Seiten, 14,00 Euro, ISBN: 978-3-9813587-2-8. parasitenpresse Köln + [SIC]-Literaturverlag Aachen, Zürich 2013
103. Offene Poetik
Gleich zwei Literaturzeitschriften, das sehr experimentierfreudige Literaturheft „randnummer“ und die dereinst von Höllerer selbst begründete Zeitschrift „Sprache im technischen Zeitalter“, haben nun bislang unveröffentlichte Gedichte aus dem Nachlass des 2003 verstorbenen Höllerer ausgegraben, die im Umfeld des Bandes „Systeme“ anzusiedeln sind. Der Berliner Dichter und Veranstaltungsmacher Tom Bresemann hat vor einiger Zeit im Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg ein Typoskript mit Höllerer-Gedichten gefunden, die vielleicht auch wegen ihrer formalen Kühnheit nie zur Veröffentlichung gelangt waren. In der aktuellen Ausgabe, dem Heft 5 der „randnummer“ hat Bresemann nun einige Funde zusammengetragen und in einem kleinen Vorwort kommentiert.
Im aktuellen Heft 203 von „Sprache im technischen Zeitalter“ werden weitere Höllerer-Gedichte im Faksimile präsentiert und in einem kundigen Aufsatz von Dieter M. Gräf in ihrem literaturhistorischen Kontext erschlossen. Gräf verweist zum Beispiel auf die berühmten „Thesen zum langen Gedicht“, in denen Höllerer bereits 1965 den Weg zu einer offenen Poetik bahnte, die dann in seinem Band „Systeme“ Gestalt annahm. In diesen Thesen spricht Höllerer dem langen Gedicht eine besondere Beweglichkeit zu: „die Entscheidung für ganze Sätze und längere Zeilen bedeutet Antriebskraft für Bewegliches.“ Die offene poetische Form manifestiert sich in den Nachlass-Gedichten in dem Umstand, dass die einzelnen Verse systematisch aus der Reihe tanzen und sich auf der Buchseite in vielfach aufgefächerten, sehr unregelmäßigen, oft auch fragmentierten Gedichtzeilen gruppieren. Diese sehr freie Versform ist zum Teil auch ein Import aus der modernen amerikanischen Poesie, den Höllerer in den frühen 1960er Jahren selbst organisiert hat. (…)
Es geht bei dieser Ausgrabung der nachgelassenen Gedichte Walter Höllerers jedoch nicht um bloße Literatur-Archäologie. Denn die „randnummer“ nutzt diese offene Poetik Höllerers ganz offenkundig als literarisches Leitbild. Neben die Höllerer-Gedichte platziert die Redaktion sehr reizvolle visuelle Poeme der Autorin Angelika Janz, in denen durch verschiedene Montagetechniken Zeitungsausrisse oder kleine Malereien in die poetische Textur integriert werden. Das ist ebenso als eine widerständige Poesie in Bewegung zu begreifen wie die hier abgedruckten Gedichte von Norbert Lange, Léonce Lupette oder Jan Skudlarek, in denen Verfahren der Überschreibung, der semantischen De-Regulierung oder gar des Rückbaus von Texten angewandt werden. Jan Skudlarek beispielsweise reduziert expressionistische Großstadtgedichte von Georg Heym oder Ernst Blass auf wenige Wörter, um sie damit gleichzeitig semantisch ungeheuer aufzuladen. Überhaupt ist dieses neue Heft der „randnummer“ als ein vielversprechendes Manifest der offenen Poetik und ihrer avanciertesten Autoren aus der jungen Generation zu lesen. / Michael Braun, Poetenladen
- randnummer, No 05

c/o Simone Kornappel, Okerstr. 43, 12049 Berlin. 252 Seiten, 8 Euro. - Ostragehege, No 67

c/o Axel Helbig, Birkenstr. 16, 01328 Dresden, 70 Seiten, 4,90 Euro - Edit, No 59

Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig. 112 Seiten, 5 Euro. - Sinn und Form, 5/2012

Postfach 2102 50, 10502 Berlin. 130 Seiten, 9 Euro. - Idiome, No 4

c/o Florian Neuner, Lübecker Str. 3, 10559 Berlin.104 Seiten, 9,90 Euro.
2. FLARF BERLIN – 95 NETZGEDICHTE
04.10.12 20.00 - / .HBC
Wie klingt Berlin im Internet? Am 4.10. gibt das Texttonlabel KOOK genau 95 Antworten: mit dem Literatur-Experiment “Flarf Berlin”, einer Leseperformance im .HBC am Alexanderplatz.
Mit Ann Cotten, Greta Granderath, Alexander Gumz, Simone Kornappel, Tristan Marquardt, Björn Kuhligk, Sabine Scho, Jan Skudlarek, Ron Winkler, Uljana Wolf
Visuals: Andreas Töpfer
Gastgeber: Stephan Porombka
Für „Flarf Berlin“ stellen sich zehn Lyrikerinnen und Lyriker wechselseitig Suchaufgaben für Google. Zu Material wird, was die Suchmaschine ausspuckt, wenn man ihr Worte mit Berlin-Bezug eingibt. Die ersten Sätze der gegoogelten Listen verwandeln sich in Gedichte, die ein surreales, witziges und zugleich präzises Bild der Berliner Gegenwart im Netz entwerfen.
Dieses von der Flarf-Bewegung aus den USA übernommene Verfahren überschreitet bewusst die Grenze von Zufall und künstlerischer Produktion, von Finden und Erfinden. Ein dezentraler, netzartiger Schreibprozess entwickelt sich, der die vielen Orte und Gesichter Berlins spiegelt.
Alle Textstücke erscheinen zur Veranstaltung in einer Anthologie, die der Grafiker Andreas Töpfer gestaltet und illustriert, basierend auf Fotos, die er mit den selben Suchbegriffen im Internet aufgestöbert hat.
Zusammen ergibt „Flarf Berlin“ ein Portrait der Stadt in Schlaglichtern – eine vielstimmige, gedichtete Symphonie der Großstadt, medial und thematisch aktualisiert für das Jahr 2012.
Flarf the pain away!
Eine Veranstaltung des Texttonlabel KOOK. Gefördert durch: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.
Eintritt: 7 € / ermäßigt 5 € (inkl. Anthologie)
Ann Cotten, geboren 1982 in Iowa, lebt seit 1987 in Wien, seit 2006 in Berlin. Ihr Debütband „Fremdwörterbuchsonette“ erschien 2007, 2010 folgte „Florida-Räume“ (beide im Suhrkamp Verlag). Zusammen mit Daniel Falb, Hendrik Jackson, Steffen Popp und Monika Rinck veröffentlichte sie ausserdem „Helm aus Phlox. Zur Theorie des schlechtesten Werkzeugs“ (Merve Verlag 2011). Cotten erhielt u. a. den Reinhard-Priessnitz-Preis 2007, den Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg 2008 und den Förderpreis des Hermann-Hesse-Literaturpreises 2012.
Greta Granderath, geboren 1985 in Gelsenkirchen, ist Autorin und Theatermacherin, lebt in Hamburg. Veröffentlichung von Lyrik und Prosa in Zeitschriften und Anthologien, u. a. „Jahrbuch der Lyrik“, Edit und randnummer, aktuell in „Westfalen, sonst nichts?“ im [SIC]-Literaturverlag. 2001 erhielt sie den Förderpreis der Stadt Gelsenkirchen, 2004 den Hattinger Förderpreis. Einladung zum internationalen Literaturfestival Lit.Cologne und zum poesiefestival berlin. 2009 war sie Finalistin des 17. open mike der Literaturwerkstatt Berlin
Alexander Gumz, geboren 1974 in Berlin, Redakteur und Veranstalter beim Texttonlabel KOOK und für das poesiefestival berlin. Gedichte und Nachdichtungen in Zeitschriften und Anthologien. Ausgewählte Gedichte wurden ins Englische, Polnische, Spanische, Slowakische, Persische und Hebräische übersetzt. Sein erster Gedichtband, „ausrücken mit modellen“, erschien 2011 bei kookbooks. Wiener Werkstattpreis für Lyrik 2002. Stipendiat der Villa Decius in Krakau 2007 und des Berliner Senats 2010. Clemens Brentano Preis der Stadt Heidelberg 2012.
Simone Kornappel, geboren 1978 in Bonn, Mitherausgeberin der randnummer literaturhefte. Spätherbst 2012 erscheint der Debütband „raumanzug“ bei luxbooks.
Björn Kuhligk, geboren 1975 in Berlin, lebt dort. 1997 war er Preisträger des open mike der Literaturwerkstatt Berlin, 2007 erhielt er ein Arbeitsstipendium der Stiftung Preußische Seehandlung und 2008 ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats. Als Mitherausgeber editierte er zuletzt „Lyrik von Jetzt zwei“ (mit Jan Wagner, Berlin Verlag 2008), und „Das Kölner Kneipenbuch“ (mit Tom Schulz, Dumont Taschenbuch Verlag 2011). Zuletzt erschienen der Gedichtband „Von der Oberfläche der Erde“ (Berlin Verlag 2009), sowie „Bodenpersonal“ (Verlagshaus J. Frank 2010). Im Frühjahr 2013 kommt „Die Stille zwischen Null und Eins“ bei Hanser Berlin heraus.
Tristan Marquardt, geboren 1987 in Göttingen, lebt in München und Zürich. Er ist Mitglied der Berliner Lyrikgruppe G13, deren Mitgründer er 2009 war. Finalist beim 19. open mike der Literaturwerkstatt Berlin. Seit 2011 verfasst er mit Linus Westheuser gemeinsame Gedichte, seit 2012 veranstaltet er mit Walter Fabian Schmid in München eine Lesereihe für neue Lyrik. Publikationen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt: „40 % paradies. Gedichte des Lyrikkollektivs G13“ (luxbooks, 2012). 2013 erscheint sein Debütband bei kookbooks.
Sabine Scho, geboren 1970, lebt in Berlin und São Paulo. Bisher erschienen zwei Gedichtbände von ihr: „Album“ und „farben“ (beide kookbooks 2008) und eine Umdichtung von Adelbert von Chamissos „Frauenliebe und -leben“ (hochroth Verlag 2010). Scho wurde ausgezeichnet u. a. mit dem Leonce-und-Lena-Preis 2001, dem Förderpreis zum Ernst-Meister-Preis 2001, einem Stipendium in der Villa Aurora 2003 und dem Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis der Deutschen Schillerstiftung 2012.
Jan Skudlarek, geboren 1986 in Hamm, wuchs in Deutschland und Spanien auf, lebt in Berlin. Veröffentlichung in Zeitschriften und Anthologien, u. a. in Neue Rundschau, randnummer, [sic], Edit und Versnetze_drei. Sein Lyrikheft „erloschene finger“ erschien 2010 in der parasitenpresse, Köln. Er erhielt u.a. den Literaturförderpreis 2008 der Gesellschaft zur Förderung der Westfälischen Kulturarbeit und den Förderpreis zum Ernst-Meister-Preis 2011. 2013 erscheint ein Gedichtband im Verlag luxbooks.
Uljana Wolf lebt in Berlin und Brooklyn. Sie veröffentlichte neben Lyrikübersetzungen die Gedichtbände„kochanie ich habe brot gekauft“ (kookbooks 2005) und „falsche freunde“ (kookbooks 2009), den Essay „BOX OFFICE“ (Lyrikkabinett 2010) und die Sonett-Ausstreichungen „Sonne From Ort“ (kookbooks 2012), zusammen mit Christian Hawkey. Wolf war Mitherausgeberin des Jahrbuchs der Lyrik (S. Fischer 2009). Sie erhielt u. a. den Peter-Huchel-Preis 2006, den Dresdner Lyrikpreis 2006, ein Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles 2010 und des Berliner Senats 2012.
Ron Winkler, geboren 1973 in Jena, lebt in Berlin und wechselt sporadisch zwischen Schriftsteller und Übersetzer. 2011 Jahr erschien neben seinem dritten Gedichtband „Frenetische Stille“ (Berlin Verlag) die One-Man-Show „Torp“ (Verlagshaus J. Frank). Er ist Herausgeber u.a. von „Schwerkraft. Junge amerikanische Lyrik“ (Jung und Jung 2007), „Die Schönheit ein deutliches Rauschen. Ostseegedichte“ (Connewitzer Verlagsbuchhandlung 2010) und „Schneegedichte“ (Schöffling & Co 2011). 2005 erhielt er den Leonce-und-Lena-Preis, 2006 den Mondseer Lyrikpreis.
Adresse:
.HBC
Karl-Liebknecht-Straße 9
10178 Berlin
100. totsein ist gut in amerika
In der zeitgenössischen Lyrik gibt es immer noch ein wichtiges Spannungsfeld, nämlich dass ein Dichter in sich hineinhorcht, dass er versucht, sich bis in die Nervenfasern zu spüren, um empfindsam seine Umwelt in sich aufzunehmen. Und dass er dann im Ausdruck seines Gedichts ein großes Ich in die Welt zu setzen pflegt; zugleich kann er nicht anders, als die völlige Nichtigkeit eines jeden Ichs im Raum-Zeitgefüge zu erkennen – was jedweder empfundenen Einmaligkeit einen relativierenden Dämpfer gibt. In genau diesem Spannungsfeld steckt auch Peter Gizzi. Und er lotet es in vielerlei Richtungen aus: Er fischt nicht mit kurzen Gedichten nach schnellen Pointen, sondern umspult und umgarnt in immer neuen Anläufen Naturbeobachtungen, biografisch-historische Begebenheiten, Phänomenologisches, Wissenschaftlich-Reflektiertes – das, was war, und das, was ist, wird in einen großen Topf geworfen und dann wird ein Feuer darunter entfacht und umgerührt; alles relativiert sich, so die Botschaft, die Gizzi auch in seinem lyrischem Testament, den prosaisch-durchnummerierten “Apokryphen” weitergibt:
An die Times Roman gebe ich mein Stammeln, meine Verbissenheit, meine Neue-Welt-Gewalttätigkeit, Form und all das, Formulare, und all das Papier, Windstöße. Kleine Strebwerke.
Ich sende liebe Grüße und Waffen an jeden, der von nächtlichen Visionen besessen ist.
In einem Interview betont Peter Gizzi die Rolle, die das Nichtwissen beim Schreiben seiner Gedichte spielt. Vor allem das Nichtwissen ist in der Lage, Realität in einem Gedicht zu erzeugen, so Gizzi. Man spürt beim Lesen seiner Gedichte, dass sie von einem intuitiven Geist mitgetragen sind. Das macht es dem Leser nicht immer einfach: Gizzi klebt nicht lange an den Bildern, die er entwirft, sondern zwingt seine Leser, ständig im Kopf umzuschalten; es gibt kein mildes Nachschmecken, sondern vielmehr ein Zack! – und ein neues suggestives Bild kreuzt den imaginären Blick, nimmt einen mit in eine wieder andere Gedankendrift. – / Arne Rautenberg, DLF
Peter Gizzi, totsein ist gut in amerika
luxbooks-verlag, 200 Seiten, 24 Euro
7. Lyrikmarkt
Samstag, 02.06.
Poets’ Corner
Sa 2.6. ab 13:00
Uhr
In den Bezirken, Eintritt frei
Die Dichter Berlins erobern die Stadt. Sommerlesungen in den Bezirken.
13:00–15:00 Uhr
Neukölln: open air. Vor dem Kreativraum an der Galerie im Körnerpark.
Mit Norbert Lange, Jinn Pogy, Jan Skudlarek, Jan Wagner, Fiona Wright
15:00–17:00 Uhr
Treptow-Köpenick: Wagendorf Lohmühle, Lohmühlenstraße, Ecke Kiefholzstraße. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Shane Anderson, Nora Bossong, Tom Bresemann, Catherine Hales, Björn Kuhligk, Ron Winkler, Mathias Traxler Jazz: Christopher Dell (vibraphon) / Christian Lillinger (drums)
15:00–16:30 Uhr
Tempelhof-Schöneberg: HAUS am KLEISTPARK,
Grunewaldstraße 6–7. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Norbert Hummelt, Hendrik Jackson, Nadja Küchenmeister, Dana Ranga, Tom Schulz, Asmus Trautsch
15:00–16:30 Uhr
Charlottenburg-Wilmersdorf: Kurfürstendamm / Ecke Uhlandstraße
Mit Simone Kornappel, Birgit Kreipe, Stephan Reich, Johann Reißer, Lutz Steinbrück
17:00–18:30 Uhr
Lichtenberg: Studio im Hochhaus, Zingster Straße 25. Bei schlechtem Wetter ebenfalls dort.
Mit Rebecca Ciesielski, Max Czollek, Maria Natt, Friederike Scheffler, Ilja Winther
Poesiegespräch: Gegenschein
Sa 2.6. 17:00 Uhr
Akademie der Künste, Hanseatenweg, Clubraum, Eintritt € 5 / 3
Michael Palmer Dichter und Übersetzer, USA, im Gespräch mit Daniela Seel Dichterin, Verlegerin, Berlin
50. Hammer Autoren
Ausgezeichnet worden ist der 33-Jährige [in Meran] für seinen Zyklus „das schwarzbuch die farbfotos“ mit dem Alfred-Gruber-Preis, der mit 3 500 Euro dotiert ist. Darin setzt Wenzel mit ideenreichen Wortschöpfungen seiner Heimat – dem Ruhrgebiet allgemein und auch der Stadt Hamm speziell – ein derart originelles Denkmal, dass dies sogar dem Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine positive Würdigung wert war.
Zurzeit bereitet Wenzel als Herausgeber eine Anthologie mit rund zwei Dutzend westfälischen Lyrikern vor, in der neben Texten von ihm selbst auch Texte der Hammer Autoren Jan Szkudlarek [sic] und Andreas Bülhoff enthalten sein werden. Die Anthologie wird voraussichtlich im Sommer im „Sic-Literaturverlag“ erscheinen. / Westfälischer Anzeiger 10.5.
75. Platz für Lyrik
Ob es zu Goethes Zeiten schon so war, ich weiß nicht. Christian Felix Weiße, Steuereinnehmer und Lyriker, war ein Star mittleren Alters, den der Student eher verachtete, obwohl er selber so unendlich besser noch nicht war. Er hat ja auch das meiste verbrannt – als er soweit war, war er nicht mehr in der Pleißestadt.
Heute ist Leipzig ein gutes Pflaster für die Literatur und, was mich hier interessiert, ein hervorragender Platz für Lyrik. Nicht nur leben hier viele Lyriker, manche nur ein paar Jahre und manche länger – es kommt auch viel Publikum. Im Trubel der lärmenden Messehallen nicht immer mit voller Platzauslastung, aber ich habe keine Lesung gefunden, die ohne Publikum auskommen mußte trotz des Überangebots (das Programm ist 467 Seiten stark). Gestern 16:00 bis 16:30 lasen Artur Punte und Sergej Timojejev von der lettischen Poetengruppe ORBITA ihre russischen Gedichte, danach wechselte ich ein paar Stände weiter, wo schon seit 16:00 drei Autoren unter der Rubrik “Kleine Sprachen – Große Literaturen” lasen, Serhij Zhadan aus der Ukraine hatte ich verpaßt, als ich kam, las gerade der Litauer Sigitas Parulskis und dann der Schweizer und Engelerartist Arno Camenisch, dieser zweisprachig Surselvisch und Deutsch. Zum Schluß gabs noch eine furiose Soundzugabe aller drei Dichter in den Originalsprachen ohne Übersetzung, aber ein Ereignis!
Eine ähnliche Überlagerung hatte ich schon am Donnerstag erlebt. Ich hörte junge Lyrik aus Ungarn – es lasen András Gerevich und Attila Végh eine Probe im Original, dann eine junge Frau mit zu dünner Stimme Übersetzungen, die nicht sehr markant klangen im lauten Hintergrundrauschen um das “Café Europa”. Dann aus der Nähe sehr lauter Applaus und dann in einer fremden Sprache sehr laut und klangvoll ein Mann, die Moderatorin kommentierte, irgendein politischer Appell störe die Lyriklesung, die “Störung” dauerte an und schwächte die Aufmerksamkeit für die Ungarn, die nach der politischen Situation in ihrer Heimat ausgefragt wurden. Ich sah später nach, die Störung kam kam aus dem Buchmesseschwerpunkt “Tranzyt” und hier speziell von einer Lesung zweier weißrussischer Dichter, Volha Hapejeva und – vermutlich der Herr mit der durchdringenden Stimme – Zmicer Vishniou. Da hatte ich mich falsch entschieden und dennoch eine akustische Kostprobe bekommen.
Entscheiden, ob richtig oder falsch, muß man sich hier ständig. Als ich im English Room zweisprachig Texte von Peter Gizzi, H.D. und George Oppen hörte, verpaßte ich, nur einige Namen zu nennen, Thomas Böhme und Tom Bresemann, Georg Klein und Andreas Reimann, Wladimir Kaminer, Jan Skudlarek, Christian Kracht, Franzobel, Wiglaf Droste, Marcel Beyer, Ralph Dutli und und und. Gestern nachmittag hörte ich Chirikure Chirikure aus Simbabwe, der Englisch und auch einmal Schona las und sich in phonetischem Deutsch probierte. Im fliegenden Wechsel dort bei arte in der Glashalle traf ich meinen Freund Alex, der tschechische Autoren gehört hatte und zur nächsten Lesung weiterflog.
Am Abend fuhr ich in den quirligen, offenbar noch nicht von Gentrifizierung bedrohten Süden, nach Plagwitz, wo das junge Leben pulsiert und auch das der Lyrik. Im Abstand von 150 Metern zwei attraktive Veranstaltungsorte, zwischen denen nicht nur ich pendelte, ein Stempel auf der Hand machts möglich. Bis nach Mitternacht konnte man im Lindenfels Westflügel “UV – die Lesung der unabhängigen Verlage” genießen, zu Beginn lasen unten im “Café” Lydia Daher, Norbert Lange und Monika Rinck aus ihren neuen Büchern, während gleichzeitig oben im “Saal” DDR-Altstar Werner Heiduczek sowie Peter Wawerzinek und Karsten Krampitz zu hören waren. Beide Räume waren voller Zuhörer, und auch das dort ausgeschenkte “Industriebier” ist empfehlenswert. Unter vielen weiteren Autoren nenne ich nur Enno Stahl und Thomas Meyer. Ein Stück weiter die Lyrikbuchhandlung mit attraktivem Buchangebot zahlreicher Lyrikverlage – keine Buchhandlung kann sich damit messen, der Verkäufer empfahl, nicht zu viel Bargeld mitzubringen, womöglich hatte er recht. Auch dort drängte sich das junge Publikum bei Bertram Reinecke und Dagmara Kraus. Leipzig bildet seine Leute immer noch – auch seine Lyriker und Lyrikleser, q.e.d.
48. Edit auf der Messe und Edit Essaypreis
Zur Leipziger Buchmesse erscheint die Frühjahrsausgabe Edit 58. Auf 128 Seiten versammelt dieses Heft Prosa und Lyrik, Kunst und Kritik; es geht um den Perserkönig Xerxes, industriell hergestellte Seifenopern, sich selbst zerlegende Körper, Flughäfen als Wanderziele, dubiose Landhotels, Sprachverlust und kontrafaktische Geschichtsdarstellung. Gemeinsam ist allen Texten eine Lust am Erzählen, ein Schwanken zwischen Wahrheit, Wahn und Witz, eine Freude am literarischen Wagnis.
Bevor in der Woche vom 19. März der Versand beginnt, steht hier in Leipzig noch alles im Zeichen der Buchmesse. Besuchen Sie uns am Stand “Junge Magazine” auf der Buchmesse (Halle 5, D201) oder kommen Sie zu einer unserer Abendveranstaltungen im Rahmen von “Leipzig liest”. Wir werden bei jeder Gelegenheit einen Bauchladen mit frisch gedruckten Edits tragen.
Sie erinnern sich vielleicht: Im Oktober letzten Jahres riefen wir etwas ins Leben, das es so noch nicht gegeben hat: Einen Wettbewerb für genuin literarische Essays ohne Vorgabe eines Themas oder einer Altersgrenze, den ersten Edit Essaypreis. Dieser wird nun im Rahmen der “Langen Leipziger Lesenacht” am 15. März verliehen. Und dies sind die Preisträger:
- Simone Schröder – “Manchmal wie ein großer schwarzer Kasten”
- Francis Nenik – “Vom Wunder der doppelten Biografieführung”
- Bruno Preisendörfer “Zeitsprünge”
Danke & schöne Grüße aus Leipzig!
Jörn Dege & Mathias Zeiske
Donnerstag bis Sonntag, 15.-18. März, 10-18 Uhr
Edit am Gemeinschaftsstand “Junge Magazine”
mit BELLA triste, randnummer, sprachgebunden, Umlaut
Buchmesse, Halle 5, Stand D201
Donnerstag, 15. März, 20 Uhr
Magazinlese
BELLA triste & Edit präsentieren
Alexander Langer & Jan Skudlarek
L3 – Lange Leipziger Lesenacht
Moritzbastei, Universitätsstraße 9 (Schwalbennest)
Donnerstag, 15. März, 23 Uhr
Edit Essaypreis 2012 – Preisverleihung
L3 – Lange Leipziger Lesenacht
Moritzbastei, Universitätsstraße 9 (Ratstonne)
Freitag, 16. März, 20 Uhr
Literarischer Freitag-Salon
mit Michael Angele, Jakob Augstein,
Jörn Dege und Jana Hensel
Centraltheater, Erfrischungsfoyer, Bosestraße 1
(Eintritt frei)
Freitag, 16. März, 21.30 Uhr
Auf drei!
Lesung mit Olga Grjasnowa,
Andreas Martin Widmann
und Wolfram Lotz
Skala, Gottschedstraße 16
(Eintritt: 5 Euro)
Freitag, 16. März, 22 Uhr
Papageien und Spiegel
Lesung mit Olga Martynova und Oleg Jurjew
Moderation: Jan Kuhlbrodt
Horns Erben, Arndtstraße 33
(Eintritt: 5 Euro)
Samstag, 17. März, 12-20 Uhr
It’s a book, it’s a stage, it’s a public place
Edit beim Treffen unabhängiger Verlage und Publikationsprojekte
Centraltheater, Garderobenfoyer, Bosestraße 1
Samstag, 17. März, 19.30 Uhr
Teil der Bewegung – Lyriknacht
Lesungen: Tanja Dückers, Michael Fiedler, Peter Gizzi,
Dagmara Kraus, Marie T. Martin, Kerstin Preiwuß, Monika Rinck,
Andre Rudolph, Ulrike Almut Sandig mit Marlen Pelny,
Ulf Stolterfoht, Musik: Susie Asado & Band
Moderation: Mathias Zeiske und Alexander Gumz
Galerie der HGB Leipzig, Wächterstraße 11
(Unkostenbeitrag: 5 Euro)
Eine Veranstaltung von Edit, kookbooks, luxbooks, Poetenladen und Schöffling & Co. – mit Unterstützung der Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst

