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18. TRAKL UND WIR

Neue Publikation der Stiftung Lyrik Kabinett:

TRAKL UND WIR. Fünfzig Blicke in einen Opal. Herausgegeben und mit einem Nachwort sowie einer Lebenstafel versehen von Mirko Bonné und Tom Schulz. Mit einem Geleitwort von Hans Weichselbaum

Aus Anlass des 100. Todestags von Georg Trakl (am 3. November 2014) haben Mirko Bonné und Tom Schulz – gemeinsam mit dem Münchner Lyrik Kabinett – zeitgenössische Lyrikerinnen und Lyriker eingeladen, sich mit Trakls Gedichten auseinanderzusetzen. Jeder der fünfzig deutschsprachigen Autoren hat einem Gedicht, einem Textfragment oder einer Briefstelle von Georg Trakl einen eigenen poetischen oder essayistischen Text zur Seite gestellt. Entstanden ist so eine außergewöhnliche poetische Würdigung des Lyrikers Trakl.

Das Buch erscheint im Oktober und wird am Mittwoch, den 12. November, von den Herausgebern und von Hans Weichselbaum im Lyrik Kabinett präsentiert.

TRAKL UND WIR
Fünfzig Blicke in einen Opal
Herausgegeben und mit einem Nachwort sowie einer Lebenstafel versehen
von Mirko Bonné und Tom Schulz. Mit einem Geleitwort von Hans Weichselbaum
Stiftung Lyrik Kabinett, München
196 S., 22 Euro, ISBN 978 3 938776 36 0
erscheint im Oktober 2014

Trakls Gedichte funkeln wie Sterne über der Szenerie. Sie sind aus einem seltenen Material, nicht aus Eis oder Weltraumschrott, sondern aus indianischem Gold. Unschätzbar die Anzahl an Karat, letztlich unverkäuflich, und an keinem Handelsplatz dieser Welt erhältlich. Jedoch lesbar und haltbar bis in alle Ewigkeit.

Mirko Bonné und Tom Schulz, im Frühjahr 2014

Mit Beiträgen von:

Andreas Altmann, Christoph W. Bauer, Marcel Beyer, Nico Bleutge, Marica Bodrozic, Nora Bossong, Carolin Callies, Heinrich Detering, Michael Donhauser, Elke Erb, Sylvia Geist, Nora Gomringer, Durs Grünbein, Dorothea Grünzweig, Ulla Hahn, Günter Herburger, Nancy Hünger, Norbert Hummelt, Karin Kiwus, Ulrich Koch, Angela Krauß, Ursula Krechel, Nadja Küchenmeister, Johannes Kühn, Björn Kuhligk, Michael Lentz, Marie T. Martin, Friederike Mayröcker, Brigitte Oleschinski, Christoph Peters, Martin Piekar, Steffen Popp, Marion Poschmann, Kerstin Preiwuß, Arne Rautenberg, Monika Rinck, Jan Volker Röhnert, Hendrik Rost, Silke Scheuermann, Sabine Schiffner, Evelyn Schlag, Kathrin Schmidt, Katharina Schultens, Farhad Showghi, Jan Skudlarek, Ulf Stolterfoht, Hans Thill, Jan Wagner, Ron Winkler, Uljana Wolf.

Buchpräsentation im Lyrik Kabinett am 12. November 2014.

62. Noch einmal

Wer fragt, dem wird Antwort. Danke! Hier also:

Bereits zum zweiten Mal vergeben die Stadt und das Ulla-Hahn-Haus den Ulla-Hahn-Autorenpreis. Prämiert wird ein deutschsprachiges Erstlingswerk einer Autorin oder eines Autors unter 35 Jahren. Der mit 6000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre verliehen und wechselt sich mit dem UH!-Literaturpreis ab, der von einer Jugendjury vergeben wird. 2012 wurde Nadja Küchenmeister für ihren Lyrikband “Alle Lichter” mit dem Ulla-Hahn-Autorenpreis ausgezeichnet.

Eine siebenköpfige Jury schlägt Autorinnen und Autoren vor und entscheidet über den Preisträger. Vorsitzende der Jury ist Dr. Ulla Hahn. Weitere Mitglieder sind diesmal Maren Jungclaus (Literaturbüro NRW, Düsseldorf), Nadja Küchenmeister (Preisträgerin des Ulla-Hahn-Autorenpreises 2012), Prof. Dr. Swantje Lichtenstein (Schriftstellerin und Dozentin an der Fachhochschule Düsseldorf), Dr. Lothar Schröder (Rheinische Post, verantwortlicher Redakteur für Geistiges Leben), Dr. Hajo Steinert (Deutschlandfunk, Leiter der Abteilung Kulturelles Wort) und Dorothea von Törne (freie Literaturkritikerin).

Ausgezeichnet werden soll ein Werk in Prosa oder Lyrik, das in besonderer Weise den Bezug zur eigenen Herkunft und zum eigenen Leben herstellt und das Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion künstlerisch bearbeitet. Formal sind dabei insbesondere Werke erwünscht, die unterschiedliche Gattungen und Medien auf eine besondere Art miteinander in Verbindung bringen.

Nominiert für den Autorenpreis 2014 sind folgende Autoren und Titel: Katharina Hartwell, Das fremde Meer (Berlin Verlag), Fabian Hischmann, Am Ende schmeißen wir mit Gold (Berlin), Martin Kordic, Wie ich mir das Glück vorstelle (Hanser), Lisa Kränzler, Export A (Verbrecher), Dagmara Kraus, Kummerang (Kookbooks), Sabine Kray, Diamanten Eddie (Frankfurter Verlagsanstalt), Lisa Kreißler, Blitzbirke (Mairisch), Peggy Neidel, Weiß (Poetenladen), Eva Roman, Siebenbrunn (Wagenbach), Lara Schützsack, Und auch so bitterkalt (Fischer), Jan Skudlarek, Elektrosmog (Luxbooks).

Ihre Entscheidung trifft die Jury im Sommer. Die feierliche Preisverleihung ist für November geplant. / Ulla-Hahn-Haus

61. Ulla-Hahn-Preis

Lyrikerin Peggy Neidel für den Ulla-Hahn-Autorenpreis nominiert!*

Die 1981 in Zwickau geborene Lyrikerin Peggy Neidel ist mit ihrem Erstlingswerk, dem Gedichtband »weiß«, neben weiteren bedeutenden Lyrikern der jüngsten Generation offiziell für den Ulla-Hahn-Autorenpreis der Stadt Monheim am Rhein nominiert worden. Die hochkarätig besetzte Jury (darunter Dr. Hajo Steinert, Leiter der Abteilung Kulturelles Wort im Deutschlandfunk) ließ sich unter anderen Werken auch von dem im letzten November im Leipziger Verlag Poetenladen erschienenen Debüt Peggy Neidels überzeugen. Der mit 6.000 Euro dotierte Preis wird alle zwei Jahre vergeben und dient dazu, ein deutschsprachiges Erstlingswerk oder einen Autor unter 35 Jahren auszuzeichnen. Ihre Entscheidung trifft die Jury im Sommer.

Peggy Neidels Gedichtband »weiß«, erschienen als Band 5 der Reihe »Neue Lyrik«, erhielt bereits vor kurzem die Auszeichnung als »bestes Lyrikdebüt« wurde von Dorothea von Törne aus den [angeblich, M.G.] 21 Lyrikdebüts des Jahres 2013 als einer von vier Bänden (die andern waren von Marcel Maas, Odile Kennel und Jan Skudlarek) ausgewählt und auf einer Veranstaltung in Berlin vorgestellt.** Diese Auswahl wird von der Literaturwerkstatt Berlin initiiert und jeweils von einem renommierten Literaturkritiker getroffen, in diesem Jahr von der Kritikerin Dorothea von Törne, die im Berliner Tagesspiegel schrieb, Peggy Neidel arbeite »mit knappen, prägnanten Sprachbildern und szenischen Einfällen, die von Rhythmus und Klang vorangetrieben werden.«

Die Reihe »Neue Lyrik«, die von der Kulturstiftung gemeinsam mit den Autoren Jayne-Ann Igel (Dresden) und Jan Kuhlbrodt (Leipzig) herausgegeben wird, hat sich mittlerweile hervorragend etabliert. Mit der Reihe beabsichtigt die Kulturstiftung, der neuen Lyrik im deutschen Sprachraum ein Forum zu verschaffen. Die bisherigen Autoren der Reihe haben immer wieder bedeutende Preise erhalten, darunter war etwa die Vergabe des Eidgenössischen Literaturpreises für den Gedichtband „Und das ist alles genug“ von Thilo Krause.

Peggy Neidel: weiß
Gedichte
Reihe Neue Lyrik – Band 5
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
Herausgegeben von Jayne-Ann Igel, Jan Kuhlbrodt und Ralph Lindner
poetenladen 2013
Gebundene Ausgabe 72 Seiten | Euro 16.80
ISBN 978-3-940691-46-0

*) Mitteilung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Hab mir paar Retuschen erlaubt, die nicht die Autorin betreffen sondern die zur Renommiersprache neigenden Kulturförderer. Liebe Peggy Neidel: bitte nicht übel nehmen, geht wirklich nicht gegen dich und das Buch. Im übrigen warte ich auf die wahrscheinlich auch separaten Mitteilungen der zuständigen Stiftungen, wer die anderen Nominierten sind.

**) “Aus ihnen hat die Kritikerin Dorothea von Törne die ausgewählt, die für sie die besten sind.” mehr

39. Klangskulpturen sind wir

Der in Nordrhein-Westfalen und Spanien aufgewachsene, heute in Berlin lebende Autor kommt ganz vom Klang her, vom Rhythmus des mündlichen Vortrags und der Performance. Er ist ein Akustikerder den digitalen Zeitgeist mit seinen surrenden Laptop-Lüftern und Störgeräuschen einfängt, aber nicht minder ein Morphologe, der bekennt: “wir durchsuchen den / wortschatz auf der suche nach nuggets”. Vor allem aber ist Jan Skudlarek der Phonologe unter den jungen Dichtern. “klangskulpturen sind wir, nicht wahr” heißt eines der Gedichte.

Hier spricht er den Leser ganz direkt an, baut auf Zustimmung und Widerspruch gleichermaßen. Denn zum Klang gesellen sich der Sinn der Rede, das Sprachbild, die Metapher, der Rhythmus des Erzählens und die vielfachen Bezüge. Er hat ein offenes Ohr für andere Stimmen und Traditionen, mit denen seine Verse korrespondieren: Ovid, Sappho, aber auch Durs Grünbein, etwa in “hautzone, morgens”. Was das “Wir” im Elektrosmog wahrnimmt, ist eine mehr denn je mit allen Sinnen erfahrene Welt. / Dorothea von Törne, Die Welt

Jan Skudlarek: Elektrosmog. Luxbooks, Wiesbaden. 80 S., 19,80 €.

31. Mitleid mit den Lyrikfernen

Es ist eine bedauerliche Tatsache, dass Gedichtbände heutzutage nur wenige Leser finden. Man mag das zurückführen auf die Gier des Deutschunterrichts nach normierbaren Interpretationen, auf den Mangel an Werbung, die sich die auf Lyrik spezialisierten Verlage nicht in dem Umfang leisten können, wie es wünschenswert wäre oder meinetwegen auf das Wirken irgendeiner internationalen Verschwörung – leugnen lässt es sich nicht. Die Reaktionen auf diesen Missstand variieren typbedingt: Manche geben sich dem wohligen Gefühl hin, Teil einer kleinen und familiären Gruppe von Lyrikliebhabern zu sein, andere werden angesichts der Stapel pastellfarbener Prosabände in Buchhandlungen, die keinen Platz für Lyrik zu haben glauben, von kalter Wut gepackt oder auch von Mitleid mit all denen, die ihr Leben fristen müssen, ohne sich je an einem Gedicht erfreuen zu können.

Liest man die Gedichte in Jan Skudlareks Debütband „Elektrosmog“, herrscht – so erging es jedenfalls mir – das Mitleid mit den Lyrikfernen vor. Denn diese Gedichte sind eine Einladung, sich auf Lyrik einzulassen; eine Einladung, die man kaum ausschlagen kann und von der ich mir wünsche, dass jeder, der bereit ist, Augen und Ohren zu öffnen (der Mund wird ihm hier und da vor freudigem Erstaunen auch noch offenstehen), sie erhalten möge. / Dirk Uwe Hansen, Signaturen

Jan Skudlarek: Elektrosmog. Gedichte. Wiesbaden (Luxbooks Labor) 2013. 80 S., 19,80 Euro.                           

74. Elektrosmog

Skudlareks Gedichte treffen einen Ton, den man in der deutschen Gegenwartslyrik vermisst: erzählend, gänzlich unangestrengt, mit einer halsbrecherischen Sicherheit für das richtige Bild: „im gras die leere fassung eines / außenspiegels : halt sie dir ans ohr und du hörst / die autobahn rauschen“, heißt es in dem Gedicht „wie wir laborieren“, das zugleich ein Sinnbild für die Arbeit am eigenen wie an den Gedichten anderer sein kann. Denn auch die Arbeit am Gedicht beginnt zunächst einmal mit einem Code, einer Verschlüsselung, die es dann zu entziffern gilt („unterwegs immer wieder vögel, ihr / semiotischer singsang“). Der Quellcode indes erweist sich als unübersetzbar, etwas in Vergessenheit Geratenes vielleicht („wir passieren das gatter, links liegt die / weide, eine aus der mode gekommene wendung“). Doch wer ihn ausbuchstabieren will, der muss ihn neu übersetzen: der Singsang der Vögel, das ist jetzt das Rauschen der Autobahn, ein deutliches Rauschen, oha. Der Außenspiegel wird zum erweiterten Sinnesorgan, einer Quasiverbindung zur Welt.

Formal umgesetzt wird dieses Verfahren dadurch, dass Skudlarek auf Vers und Sinneinheit verzichtet: Alle Gedichte werden wie automatisch im Blocksatz gesetzt, mit großzügigem, hoch aufgelöstem Zeilenabstand. Dem Gedichtband vorangestellt ist ein Zitat von Rolf Hensingmüller, einem unbekannten Göttinger Forscher, der bereits 1911 in einer amerikanischen Südstaatenzeitung vor einem wireless-bedingten Zahnausfall warnte, einer durch die kabellose Telegraphie und Telephonie zu erwartenden um sich greifenden Zerstörung. Skudlarek unterstreicht damit einmal mehr, dass Poesie und Elektrizität etwas Entscheidendes gemeinsam haben: sie sind energetische Quellen sui generis. Auch Elektrosmog will in dieser Hinsicht eine elektromagnetische Quelle sein, ein unruhiges Feld, das sich zwischen Plus- und Minuspol aufspannt. / Peter Neumann, Fixpoetry

Jan Skudlarek
Elektrosmog
Illustration und Covergestaltung: Simone Kornappel
Luxbooks
2013 · 100 Seiten · 19,80 Euro
ISBN: 978-3-939557-74-6

44. Elektrosmog

Ein schöner kleiner böser Gedichtband in diesem an tollen Gedichtbänden nicht gerade armen Jahr ist Jan Skudlareks Elektrosmog.

schreibt Fabian Thomas, The Daily Frown

Jan Skudlarek: Elektrosmog. Gedichte. Illustriert von Simone Kornappel. Luxbooks, Wiesbaden, 100 Seiten, 19,80 €