39. Klangskulpturen sind wir

Der in Nordrhein-Westfalen und Spanien aufgewachsene, heute in Berlin lebende Autor kommt ganz vom Klang her, vom Rhythmus des mündlichen Vortrags und der Performance. Er ist ein Akustikerder den digitalen Zeitgeist mit seinen surrenden Laptop-Lüftern und Störgeräuschen einfängt, aber nicht minder ein Morphologe, der bekennt: „wir durchsuchen den / wortschatz auf der suche nach nuggets“. Vor allem aber ist Jan Skudlarek der Phonologe unter den jungen Dichtern. „klangskulpturen sind wir, nicht wahr“ heißt eines der Gedichte.

Hier spricht er den Leser ganz direkt an, baut auf Zustimmung und Widerspruch gleichermaßen. Denn zum Klang gesellen sich der Sinn der Rede, das Sprachbild, die Metapher, der Rhythmus des Erzählens und die vielfachen Bezüge. Er hat ein offenes Ohr für andere Stimmen und Traditionen, mit denen seine Verse korrespondieren: Ovid, Sappho, aber auch Durs Grünbein, etwa in „hautzone, morgens“. Was das „Wir“ im Elektrosmog wahrnimmt, ist eine mehr denn je mit allen Sinnen erfahrene Welt. / Dorothea von Törne, Die Welt

Jan Skudlarek: Elektrosmog. Luxbooks, Wiesbaden. 80 S., 19,80 €.

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