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Veröffentlicht am 19. Mai 2026 von lyrikzeitung
130 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Peter Brasch
(* 18. September 1955 in Cottbus; † 28. Juni 2001 in Berlin)
FRAU ZEUKE
5. Januar. Frau Zeuke tot. Drei Tage
lag sie auf dem Teppich
die Beine auf dem Bett. Der Kopf im Teppich.
64 Jahre alt und jedes Jahr in
diesem Haus die Dielen abgetreten seit
sie laufen konnte und jeden Tag in
diesem Haus die Stufen gezählt
bis in den vierten Stock.
Jetzt zählen Sie die Träger
vom Bestattungsinstitut.
Wo sind wir her
Wo gehn wir hin
Vom Mutterkuchenfressen
bis zum Fraß der Würmer
Die Spur dazwischen spült der Regen
schaben die Füße in der Choriner Straße 36
die Dielen im Haus wurden erneuert.
Wer schreit da noch von Geschichte.
Aus: Peter Böthig (Hrsg.): sprachzeiten. Der Literarische Salon von Ekke Maaß. Eine Dokumentation von 1978 bis 2016. Berlin: Lukas Verlag, 2017, S. 79
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Berliner Literatur, Choriner Straße, DDR-Literatur, Ekke Maaß, Ekkehard Maaß, Erinnerung, Frau Zeuke, Gedicht, Gegenwartslyrik, Geschichte, Lyrik, Lyrikzeitung, Peter Böthig, Peter Brasch, sprachzeiten, Todesmotiv, Vergänglichkeit
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