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76. meine drei lyrischen ichs
Münchens Lesereihe für neue Lyrik
18.04.13 mit KRAUS, WESTERMANN und STEIGERWALD
Münchens Lesereihe für neue Lyrik geht ins zweite Jahr und freut sich, auch 2013 spannende Vertreter_innen der zurzeit sehr agilen Lyrikszene präsentieren zu können. Im Veranstaltungsteam begrüßen wir neu Tillmann Severin, der sich in München bereits durch zahlreiche Projekte an der Schnittstelle von Literatur und Kunst verdient gemacht hat. Und auch unser Einzugsgebiet wächst: Mit Dagmara Kraus und Levin Westermann stellen wir diesmal eine Dichterin und einen Dichter vor, die aus Frankreich bzw. der Schweiz anreisen und jeweils ihren im letzten Jahr erschienenen Debütband im Gepäck haben. Dass beide sehr unterschiedliche Ansätze im Schreiben verfolgen, verspricht ebenso spannend zu werden wie unser Münchner Gast: Ayna Steigerwald, die beweist, dass sich auch in München in der jungen Lyrik etwas tut. Und schließlich setzen wir unsere Interaktion mit der Kunstszene fort: Diesmal wird Benjamin Zuber den Gewölbekeller gestalten.
Lyrik
Dagmara Kraus, 1981 in Wrocław geboren, lebt in Beaumont-les-Autels (Frankreich). Sie schreibt Lyrik und übersetzt aus dem Polnischen. Ihr Debütband kummerang ist 2012 bei kookbooks erschienen, es folgten Übersetzungen von Miron Białoszewski und Edward Stachura bei Reinecke & Voß und Hochroth Berlin. Dagmara Kraus wurde mit dem Prosanova-Publikumspreis 2008 und dem GWK-Förderpreis 2010 ausgezeichnet.
Levin Westermann, 1980 in Meerbusch geboren, lebt in Biel (Schweiz). Er studierte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie an der Hochschule der Künste Bern. Nach anderen Auszeichnungen erhielt er zuletzt 2013 ein Aufenthaltsstipendium des Literarischen Colloquiums Berlin. Sein Debütband unbekannt verzogen erschien Ende 2012 bei luxbooks.
Ayna Steigerwald, 1986 in Brüssel geboren, lebt in München. Als Mitglied der Schreibwerkstatt der Komparatistik koordinierte sie mehrere Semester deren Treffen und Lesungen. Sie veröffentlichte in Zeitschriften (zuletzt: Der Greif 6) und arbeitet zudem als Dramaturgin bei Theaterprojekten.
Kunst
Benjamin Zuber, geb. 1982 in Bamberg, lebt in München. Er studierte an den Kunstakademien in Nürnberg, Karlsruhe und Wien. Zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland.
Moderation: Tristan Marquardt und Tillmann Severin.
Ort: Kulturzentrum Einstein, Einsteinstraße 42 (U 4/5 Max-Weber-Platz)
Zeit: 20 Uhr
Eintritt: 4/6 Euro
27. Gedichte in Restsprache
Seit über zehn Jahren beschäftigt sich Susann Körner, geboren 1972, mit Fundstücken unseres Konsumalltags, mit Warenbezeichnungen auf Kassenbons: Ein sprachliches Paralleluniversum, in dem Produktnamen durch elektronisch bedingte Abkürzungen zu hermetischen Bedeutungsträgern mutieren. Was ist eine “Bismarck Emotion”, was eine “Montage Noir” und wie sieht ein “Happy End feucht” aus? Es entstand die Idee, gezielt so einzukaufen, dass ein Gedicht auf dem Kassenzettel entsteht. Die Hamburger Künstlerin sichtete Unmengen von Kassenbons, extrahierte skurrile Produktabkürzungen und schuf so einen eigenen Wortschatz, den sie “Restsprache” nennt. Einzelne Wörter kombiniert sie zu poetischen Wortbildern, die Gedicht und Einkaufszettel zugleich sind. Anschließend kauft sie im Supermarkt die Produkte passend zu den ausgewählten Wörtern, legt sie in einer bestimmten Reihenfolge aufs Band und ratterratterratterpiep: Fertig ist das Kassenbongedicht! Halb Ready-made, halb Konkrete Lyrik und 100 Prozent Dada. Das scheinbar sinnlos Zufällige wird aus dem gewohnten Kontext gelöst, eine neuartig anarchistische Dimension entsteht.
Mit archivarischer Sammelwut hat sie im Laufe von sieben Jahren einen nach Sachgruppen geordneten Kassenbonwortschatz zusammengestellt, ein 120-Seiten-dickes Nachschlagewerk. Wörter wie “Williams Christ” oder “Lux Dusche Götter” findet man unter “Religion”, “Boticelli” unter dem Schlagwort “Kunst”. Viel Arbeit steckt da drin und ein großes komisches Potential. Texttableaus, Kassenbongedichte, Videoinstallationen, Künstlerbücher, Fensterbeschriftungen, Lesungen – Körner nähert sich dem Phänomen Kassenbon mit unterschiedlichen Medien. / Kultur Vollzug (München)
45. Bei aller Liebe zur Kleinstadt
Berlin ist nun mal der Ort, wo sehr viele Schriftsteller, gerade Dichter hinkommen. Es ist eben auch billiger als in München oder in Köln oder in Hamburg – auch wenn es immer teurer wird. Hier spielen sich einfach die Dinge ab, sehr viele kommen hier her, und bei aller Liebe zur Kleinstadt, die ich historisch in mir trage – gibt es nun mal Berlin und das ist auch gut so und deswegen glaube ich, dass das Zentrum hier seinen richtigen Ort hätte.“/ Norbert Hummelt im Interview mit rbb inforadio (ab 13’05″) zum geplanten Poesiezentrum
31. Kavafis Project
Das ‘Kavafis Project’ mit Wiener Kammerorchester und Singakademie kommt nach München, berichtete die Süddeutsche Zeitung am 1.2. (die Aufführung war am 2.2.):
Der gleichzeitig verklärende und objektivierende Blick des Exilanten auf die Heimat faszinierte. Auch den griechischen, aber in Frankfurt am Main aufgewachsenen Komponisten Alexandros Karozas, als er vor fast 25 Jahren das erste Mal mit den Gedichten Kavafis in Berührung kam und mit 17 Jahren die erste Melodie zu einem davon schrieb. Aus diesen frühen Skizzen entstand ein Liedzyklus, fern von Volkstümelei und Griechischer-Wein-Kitsch.
Das nun symphonisch ausgearbeitete ‘Kavafis Project’ erscheint als groß angelegter Brückenschlag zwischen Kultur, Musik und Zeit – uraufgeführt 2011 in Wien. (…) Der in der ägyptischen Stadt Alexandria geborene Sohn griechischer Eltern verteilte seine Gedichte zu Lebzeiten ausschließlich in Kleinstauflage an ausgewählte Freunde. Doch posthum, er starb 1933, wurde er wiederentdeckt.
Und mutmaßt:
Bertolt Brecht war angeblich ein Verehrer Kavafis. Jacky O. auch.
Über Jacky K./O. haben sie sich informiert. Bei Brecht wäre es auch nicht schwer gewesen. Ein erster Blick in die 30bändige “Große Berliner und Frankfurter Ausgabe” hätte eine Spur gebracht. Band 30 ist ein Registerband, einschließlich Personenregister. Da findet man eine der Buckower Elegien, die sich auf ein Gedicht des Griechen bezieht. Für den Rest hätte wahrscheinlich schon eine einfache Googlesuche weiterführen können. Aber ob das die Leser des Blattes interessiert?
56. FINALE 2012 – LYRIKPREIS MÜNCHEN VERGEBEN
Der in diesem Jahr von der Münchner Bank gestiftete Lyrikpreis München in Höhe von 1000 Euro ging am 07.12.12 im Vortragssaal der Bibliothek im Gasteig an die Zürcherin Anne-Marie Kenessey. Die 39jährige Autorin beeindruckte die Jury durch zum Teil an den Dadaismus und Oskar Pastior angelehnte Gedichte sowie durch eine hervorragende Rezitation. Der zweite, von einem unbekannten Gönner gestiftete Preis (500 Euro) ging an Jürgen Flenker aus Münster, dessen Alltagsgedichte durch Authentizität bestachen; den dritten Preis (250 Euro), von den Oberbayerischen Bibliotheken gespendet, erhielt Jörg Neugebauer aus Neu-Ulm. Dieser hatte die Juroren mit seinem Langgedicht „Shadow Play“ überzeugt. Bei der Veranstaltung im Vortragssaal der Bibliothek im Gasteig am vergangenen Freitag traten als Juroren nicht nur Vertreter des literarischen Lebens aus München wie Bettina Hohoff, Rolf Grimminger und Ludwig Steinherr hervor, sondern auch der Verleger Andreas Heidtmann vom Leipziger Poetenladen und der Literaturwissenschaftler Professor Wolfram-Malte Fues aus Basel. Ausgerichtet wird der Lyrikpreis München vom Münchner Literaturbüro.
29. Horst Samson liest in München
Zu einer Autorenlesung von Horst Samson lädt das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München (IKGS) für den 7. Dezember um 18.30 Uhr nach München ein. Veranstaltungsort ist das Internationale Begegnungszentrum der Wissenschaft München e.V. (IBZ), Amalienstraße 38, in München, zu erreichen mit der U3 oder U6, Haltestelle „Universität“. Der Eintritt ist frei. Website: www.ikgs.de.
Der Lyriker Horst Samson ist einer der wichtigen Vertreter der jüngeren rumäniendeutschen Literatur, zu der auch Autoren und Autorinnen wie Herta Müller, Richard Wagner, William Totok, Johann Lippet und Ernest Wichner zählen. Er wurde 1954 als Kind von Banater Schwaben im Weiler Salcîmi/Rumänien in der Bărăgansteppe geboren, wohin seine Eltern deportiert wurden. Nach seiner Ausbildung wird er zunächst Grundschullehrer in Busiasch im Banat. Zwischen 1977 und 1984 arbeitet Samson als Journalist bei der Neuen Banater Zeitung (Temeswar) sowie als Redakteur der Neuen Literatur (Bukarest). Der Schriftsteller stand der regimekritischen Aktionsgruppe Banat (1972-75) nahe und war zwischen 1981 und 1984 Sekretär des Adam-Müller-Guttenbrunn-Kreises in Temeswar. 1985 erhält er Schreibverbot und ist permanenten Repressionen und Bedrohungen durch die Securitate ausgesetzt. Schließlich reist Samson mit seiner Familie 1987 in die BRD aus; heute lebt er in Neuberg in Hessen und arbeitet als Redaktionsleiter des Bad Vilbeler Anzeigers in der Nähe von Frankfurt am Main. Nach der späten Freigabe der Securitate-Unterlagen im Jahre 2006 konnte Horst Samson Einsicht in seine Akten nehmen. Sie belegen eine beinahe lückenlose Überwachung des Schriftstellers, der vom rumänischen kommunistischen Geheimdienst als „schädliches Element“ und „westdeutscher Spion“ geführt wurde.
Horst Samson veröffentlichte in Rumänien und der Bundesrepublik Deutschland bislang sieben Lyrikbände. Für sein Werk wurde er mehrfach mit literarischen Auszeichnungen (u.a. Lyrikpreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes 1981, Stipendiat des Deutschen Literaturfonds Darmstadt 1988/89, Meraner Lyrikpreis 1998) geehrt. Texte von Samson sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden, so ins Englische, Französische, Russische, Rumänische und Ungarische.
27. Lyrikpreis München
19. Haidhauser Büchertage
15. LYRIKintern
Die zweite Ausgabe von „LYRIKintern“ ist erschienen. Sie will “Wissenswertes aus dem Literaturbetrieb” nahebringen. “Geleitet von dem Anspruch, mit nicht alltäglichen Themen zu informieren und zu unterhalten, stellen wir Ihnen mit dem „Lyrik-Kabinett“ in München zugleich eine ungewöhnliche Frau vor. Der leidenschaftlichen Mäzenin Ursula Haeusgen ist die Gründung der Lesegesellschaft zu verdanken, die mittlerweile die zweitgrößte öffentlich zugängliche Poesiesammlung in Europa besitzt. Wir sprachen mit Maria Gazzetti, der Geschäftsführerin des Lyrik-Kabinetts. Unser Interview versucht, dem Balanceakt eines Lyrik-Übersetzers nachzuspüren. Unser Interview-Partner ist der Berliner Übersetzer und Autor Timo Berger. Er übersetzt u. a. die Gedichte des Argentiniers Sergio Raimondi. Lesen Sie selbst, wie viel Mühen Timo Berger auf sich nimmt, um seinen Autor so authen- tisch wie möglich zu übersetzen. Und was ist Authentizität in diesem Zusammenhang überhaupt?”
14. Verleihung des Rainer-Malkowski-Preises
Verleihung des Rainer-Malkowski- Preises an Christoph Meckel und Lutz Seiler und der Stipendien an Monika Rinck und Ron Winkler
Begrüßung und Vorstellung der Stipendiaten: Michael Krüger
Lesung: Monika Rinck und Ron Winkler
Preisverleihung: Dieter Borchmeyer
Christoph Meckel und Lutz Seiler im Gespräch
Bayerische Akademie der Schönen Künste
Lesung: Christoph Meckel und Lutz Seiler
Donnerstag, 6.12. 2012 Beginn 19 Uhr
Die diesjährige Verleihung des Rainer-Malkowski-Preises verspricht ein großes Poesie-Ereignis zu werden. Christoph Meckel und Lutz Seiler erhalten zu gleichen Teilen den von der Rainer-Malkowski-Stiftung ausgelobten, mit 30.000 Euro dotierten Preis, Monika Rinck und Ron Winkler die Stipendien, die dieses Jahr zum ersten Mal vergeben werden. mehr
Lyrik von Jetzt
Lesung: Monika Rinck, Nico Bleutge, Jan Wagner
Mittwoch,12.12. 2012 Beginn 19 Uhr
Wie aufregend, wie vielfältig die jüngere deutsche Lyrikszene ist, läßt sich seit über einem Jahrzehnt beobachten, nicht zuletzt in Berlin. Drei Vertreter der dortigen Lyrikszene, Monika Rinck, Nico Bleutge und Jan Wagner, stellen sich und ihre Gedichte in einer gemeinschaftlichen Lesung dem Münchener Publikum vor – und zeigen so nicht nur, in welch unterschiedlichen Formen sich die Lyrik heute manifestiert, sondern auch und vor allem, wie lebendig und wie belebend diese Gattung nach wie vor ist. mehr

