Kategorie: Kolumbien

97. Lyrikbegeistert

Medellín feierte die „Inauguración“ vor viertausend lauschenden, ja begeisterten Zuhörern. Bei dreißig Grad und beständiger lauwarmer Brise saßen fünfzig Dichter aus beinahe ebenso vielen Ländern ihrem Publikum im Carlos Vieco Stadion gegenüber, und einer nach dem andern trat ans Mikrofon und sang, sprach artikuliert in den Zungen dieser Welt – bisweilen begleitet von Muschelhorn, Djembe, Tröte und Bravo-Rufen aus dem Publikum und jeweils tosendem Applaus. …

In diesem Jahr steht das größte Poesiefestival der Welt, das 2006 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, im Zeichen des Geistes der indigenen Völker. So sind die ersten fünf Dichter des Abends allesamt Repräsentanten nationaler Minderheiten. Eine Inuit schwingt die Trommel und beschwört die Götter ihrer Vorfahren, der lautstarke Maori Apirana Taylor, der bei der vorausgegangenen Pressekonferenz angab, dass er das Festival auch besuche, um Gemeinschaft in der großen Familie der Dichter zu finden, bläst ins Horn und überzieht seine Bühnenzeit gründlich. Vertreter anderer Volksgruppen Kolumbiens und ganz Südamerikas, gewandet in traditionelles Tuch, treten auf. / Nora Gomringer, FAZ

Zu den Teilnehmern gehören: Rachid Boudjedra (Algerien), Saba Kidane (Eritrea), Atala Uriana (Venezuela), Jane King (St. Lucia), Karenne Wood (USA), Hugo Jamioy Juagibioy (Kolumbien), Esdauletov Ulugbek (Kasachstan), Dunya Mikhail (Irak/ USA), Ion Deaconescu (Rumänien), Andreas Neeser (Schweiz), Andriy Bondar (Ukraine), Philip Hammial (Australien). Mehr

70. ALBA erscheint

Wir erwarten Euch diesen
Freitag, 20. April, um 19.30

Café Commune, Reichenberger Straße 157, Berlin

Wir stellen die erste Nummer der deutsch-lateinamerikanischen Literaturzeitschrift vor!

Mit Julián Herbert u.a.

Musik: Nico Miquea, Martin Goldenbaum, Zé Berlin

Der Eintritt ist frei.

Flyer auf facebook.com/revista.alba

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Erstes Heft mit Texten u.a. von Alonso Cueto, Julián Herbert, Jorge Kanese, Mariana Mariasch, Horacio Castellanos Moya, Víctor Montoya, Lina Meruane, Cristina Peri Rossi, Fernanda Trías, Raúl Zurita sowie einem Dossier zu zeitgenössischer Lyrik aus Kolumbien.

Preis: 6,80€

Herausgeber/Redaktion: Timo Berger, Rike Bolte, Jorge J. Locane, Léonce W. Lupette, Julieta Mortati, María Ignacia Schulz, Karina Theurer, Claudia Wente, Association Alba Culture Hispano-Américaine à Paris.

95. Hinterm Prellbock auf der Niemandsschneise

Die poetische Umrundung der Welt führt die Leser von OSTRAGEHEGE diesmal über Russland (Olga Sedakova), Tschetschenien (Apti Bisultanov) und Kolumbien (Alberto Vélez) nach Leipzig (Thomas Böhme) und Berlin (Kerstin Hensel und Daniela Seel). Nico Bleutge, der Daniela Seel in der Rubrik „Junge deutschsprachige Lyrik“ vorstellt, konstatiert auch für deren Dichten die Überwindung von Fremdheitserfahrungen: „Am Anfang kann eine ,abstoßung’ stehen, ein Eingang, die ,dämmerung’ … Die Welt, die so vor den Augen und Ohren Gestalt und Laut gewinnt, ist gleichermaßen real und künstlich, eigen und fremd …“

Gleich an zwei Stellen dieser Ausgabe wird der im Frühjahr erschienenen Anthologie sächsischer Gedichte „Es gibt eine andere Welt“ (Poetenladen Verlag) gedacht. Hans-Peter Lühr nähert sich dabei eher kritisch-euphorisch der Gedichtauswahl an. Der im fernen Montpellier lebende Dichter Ulrich Zieger notiert im Ergebnis eines lustvoll-poetischen Umherwanderns im Buch: „Sing, mei Sachse, sing dein stilles, dein trunkenes Lied hinauf in den Sternenlaich über dem treibenden Mondfisch, brenn Dir aber vorher eine an, denn Sanduhren öffnend steht da der Tod mit dem Glasbläsermund … dort hinterm Prellbock auf der Niemandsschneise.“

(viele Links – durchklicken!)

72. World Poetry Movement

Die Poesie als weltverändernde, revolutionäre Kraft: Dieses Ziel verfolgen 37 poetische Vereinigungen, die in der Vorwoche auf dem 21. Poesiefestival im kolumbianischen Medellin das Manifest “World Poetry Movement” unterzeichnet haben. Aus Österreich mit von der Partie: Die Wiener Schule der Dichtung von Ide Hintze. “Es geht nicht um Bürokratie und Statuten, sondern um eine Bewegung”, unterstreicht der Lyriker im APA-Gespräch. / Der Standard

Aus Deutschland dabei: Thomas Wohlfahrt, director of Literaturwerkstatt Berlin (Germany); Regina Dyck, director of Poetry on the Road (Bremen, Germany)

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89. Uwe Kolbe in Medellín

Christoph Schmitz: In der kolumbianischen Hauptstadt oder Großstadt Medellín wurde es gegründet, vor 20 Jahren: das mittlerweile größte Poesiefestival der Welt. Poesie gegen Gewalt, Verbrechen, Mord in einem krisen- und bürgerkriegsgeschüttelten Lande. Das Gedicht als Gegengewicht zum Tod, zum Drogenkrieg, um Stadt, Land und Menschen zu retten. Wie viel die Poesie im allmählichen Befriedungsprozess Kolumbiens geleistet hat, ist schwer zu ermessen, das Festival gibt es jedenfalls immer noch – zehn Tage lang Dichtkunst Dutzender Lyriker aus aller Welt zieht die Bevölkerung an. 2006 wurde es dafür mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Am Wochenende ist die jüngste Ausgabe zu Ende gegangen, aus Deutschland war der Lyriker und Romancier Uwe Kolbe aus Berlin dabei. Gestern ist er zurückgekehrt: Welche sind Ihre Haupteindrücke kurz nach dem Ende des Festivals und wieder zurück in Berlin?, das habe ich ihn zuerst gefragt.

Uwe Kolbe: Mir geht es in einem Punkt genauso wie all den anderen Autoren. Was auch immer zu Hause im Heimatland ist, zum Beispiel hier in unserer Kultur in Westeuropa, welche Rolle da Poesie spielt, insbesondere wie marginalisiert sie ist – wenn man einmal in Medellín/Kolumbien bei diesem Festival war, dann weiß man, wie es sich anfühlt, ein Star zu sein.

Schmitz: Das müssen Sie beschreiben – wie hat das Publikum reagiert?

Kolbe: Das ist in einem Amphitheater, in einem Open-Air-Theater, 2000, 3000 Leute, Zuhörer, offensichtlich sichtbar alle Schichten der Bevölkerung, also vom wirklich, von den Intellektuellen, von Oberschichtangehörigen sichtlich bis hin zu Leuten aus den Barrios, sensibel, wach, dabei reagierend auf jeden Satz, den man natürlich sagt in Ansprache an das Publikum, aber auch bereit, spontan zu reagieren auf Themen, auf Aspekte von Poesie, auf einzelne Gedichte zu reagieren mit sehr differenziertem Beifall, mit sehr differenziert … mit Bravorufen – es ist einfach verrückt.

/ DLF 20.7.

www.festivaldepoesiadeMedellin.org

29. Poetry International Web

Die erste von zwei Juliausgaben von PIW (Poetry International Web) ist erschienen mit Dichtern aus Kolumbien (zweisprachig) und den USA. Es sind

aus Kolumbien

  • Eduardo Cote Lamus
  • Margarita Cardona

und aus den USA

  • Amy Beeder
  • Kay Ryan
  • Ron Silliman

Außerdem mit 45 Poetry Clips vom Poetry International Festival 2010 in Rotterdam.

Clip of the Month: THE CRY OF A MARE ABOUT TO BECOME A BUTTERFLY von Kamran Mir Hazar (Afghanistan)