Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Worte können töten. Gerade wieder haben wir es im Fernsehen gesehen, aus Washington D.C.. Vor 60, 70 Jahren hatten es die Menschen gerade erlebt und – unterschiedliche – Schlußfolgerungen daraus gezogen. Nach Auschwitz könne man keine Gedichte mehr schreiben, schrieb A. B (in einem… Continue Reading „Nur Worte“
Werner Riegel (* 19. Januar 1925 in Danzig; † 11. Juli 1956 in Hamburg) Stirn und Scheitelknochen Inseln unter dem Wind, Wo tief die Zitterrochen Meiner Gedanken sind. Thule und beide Sizilien Hinter Heu irgendwo. Ich schweige im Blau, ich spiele Träumerisch mein Jo-Jo.… Continue Reading „Stirn und Scheitelknochen“
Jorge Guillén (* 18. Januar 1893 in Valladolid; † 6. Februar 1984 in Málaga) Die Namen Der Horizont der Frühe öffnet halb seine Wimpern, blickt auf. Was schaut er? Namen. Die Patina der Dinge trägt ihre Schrift. Die Rose nennt sich noch immer Rose,… Continue Reading „Die Namen“
Klaus M. Rarisch (* 17. Januar 1936 in Berlin; † 20. Juli 2016 ebendort) DEUTSCHER LENZ IN CEFALU Brände brechen aus in mir, grelle Kastagnetten knallen hinter Adern her und hallen allmetallisch Gischt hoch Gier. Durch Aortapforten schweigt Mumienmulm der Urboviste; fahnenfarb das Ungehisste… Continue Reading „„Höllerer, wo ist dein Sieg?““
Inger Christensen (* 16. Januar 1935 in Vejle, Dänemark; † 2. Januar 2009 in Kopenhagen) aus „das“ Sie fungieren, weil sie fungieren, oder damit andere fungieren können, weil andere fungieren. Weil die fiktion fungiert. Weil die zufälligen leben, der zufällige tod in der gesellschaftsfiktion… Continue Reading „sie fungieren“
Sidonia Hedwig Zäunemann ging nicht ins Kloster, ihr Gedicht spricht nur davon. Es beschreibt, wie nur die Unverheirateten von Unterdrückung und Schlägen durch Männer frei sein können. Sie selber hatte durchaus „Glück“, sie durfte unverheiratet im Haus ihrer Eltern in Erfurt leben und sich… Continue Reading „Jungfern-Glück“
Holger Drachmann (* 9. Oktober 1846 in Kopenhagen; † 14. Januar 1908 in Hornbæk, Seeland) Horch, welch ein Laut! Horch, welch ein Laut — aus dieser Einsamkeit, Tief aus des Waldes dunklen… Continue Reading „Horch, welch ein Laut“
Adolf Glaßbrenner (* 27. März 1810 in Berlin; † 25. September 1876 ebenda) 1 – 10. An Deutschlands bald’ger 1heit Da 2fle ich noch sehr; Ick jebe keenen 3er 4 diese Hoffnung her. 5 Nationalitäten Sind, wo 6 Deutsche stehn, Die Alle abzu7, Gebt… Continue Reading „1heit“
Nachrichten über Elisabeth Paulsen seien spärlich, schreibt Gisela Brinker-Gabler in ihrer berühmten Anthologie, aus der ich heute ein Gedicht bringe. „Sie wuchs in Holstein als Tochter eines Kirchenpropstes auf und lebte später verheiratet in Hamburg. Sie veröffentlichte zwei Gedichtbände, die in Bibliotheken nicht mehr… Continue Reading „Die Amazone“
Johann Peter Titz (* 10. Januar 1619 in Liegnitz, Schlesien; † 7. September 1689 in Danzig) Ehrengedicht für Sibylla Schwarz in der Ausgabe ihrer „Deutsche(n) Poetische(n) Gedichte“, die 1650, zwei Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges und 12 Jahre nach dem Tod der jungen… Continue Reading „Ehrengedicht für die Dichterin“
Paul Verlaine (* 30. März 1844 in Metz; † 8. Januar 1896 in Paris) Chanson d’automne Les sanglots longs Des violons De l’automne Blessent mon cœur D’une langueur Monotone. Tout suffocant Et blême, quand Sonne l’heure, Je me souviens Des… Continue Reading „harbst-lid“
Christo Botew (auch Hristo Botev, bulgarisch Христо Ботев, * 25. Dezember 1847 jul./ 6. Januar 1848 greg. in Kalofer; † 20. Mai jul./ 1. Juni 1876 greg. – bei einem Aufstand gegen die türkische Herrschaft erschossen bei Wraza) (Hoffen wir das Beste, dass kein… Continue Reading „Kurze Geschichte der bulgarischen Lyrik“
Heute vor 60 Jahren schrieb Paul Celan dieses Gedicht, vermutlich in Paris. Psalm Niemand* knetet uns wieder aus Erde und Lehm, niemand bespricht unsern Staub. Niemand. Gelobt seist du, Niemand. Dir zulieb wollen wir blühn. Dir entgegen. Ein Nichts waren wir, sind wir, werden… Continue Reading „Psalm“
Renate Rasp (* 3. Januar 1935 in Berlin; † 21. Juli 2015 in München) Essen, was man noch nie geschmeckt hat, niemals satt sein, was es auch gibt, schmecken wie Erde ist, Eierschalen, Unrat vom Boden lecken, Gras – aus einem Kleefeld den Kopf… Continue Reading „Wie man Atem holt“
Neueste Kommentare