Wie man Atem holt

Renate Rasp

(* 3. Januar 1935 in Berlin; † 21. Juli 2015 in München)

Essen,
was man noch nie geschmeckt hat,
niemals satt sein, was es auch gibt,
schmecken wie Erde ist,
Eierschalen, Unrat
vom Boden lecken, Gras –
aus einem Kleefeld den Kopf nicht heben,
mit einer Zunge dreimal so groß
Wasser trinken, sich entleeren
unter einem haarigen Schwanz,
oder ein Mann sein,
der einem Schaf
hinten sich eindrängt,
langhaarig, weiß,
vor der Krippe,
gerade geschoren,
Schaf sein,
die Frau, die ein Fell spürt,
Pfoten.
Beides haben,
und Brüste dazu
bis zum Nabel hinunter fühlen,
alles auf einmal können,
und selbst,
ununterbrochen
nie zu viel
wie man Atem holt.

Aus: Akzente. Zeitschrift für Literatur. 15. Jg., 1968, H. 1, S. 54

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