Kategorie: Europa

Dagmar Nick zum 100.

Von den Kentauren
hab ich die Liebe gelernt
und den Raub
und schneller zu sein
als die Jäger

Befreie!

258 Wörter, 1 Minute Lesedauer. Heute vor einem Jahr ist die Saßnitzer Lyrikerin Irmgard Senf kurz nach ihrem 90. Geburtstag an den Folgen einer Operation gestorben. Sie hinterließ das Manuskript eines neuen Gedichtbandes, aus dem ich hier ein Gedicht vorstelle. Eine Eigenart ihrer poetischen… Continue Reading „Befreie!“

Der Raum reißt

Da ist ein Riss in der Wand, geht quer
über die weiße Raufasertapete gleich hier.
Ist er über Nacht gekommen, will er bleiben?

Kopf ab

Die Radios
fangen gleichzeitig
ein riesiges Geschwätz an Die elektrischen
Wellen
umschlingen die Wassertropfen
dass das Klopfen am Küchenfenster
aus dem Takt gerät

Carmina Burana

Wäre die ganze Welt mein,
vom Meer bis an den Rhein,
darauf wollte ich verzichten,
wenn der König von England
in meinen Armen läge.

«100 Jahre nach mir»

und alle MENSCHEN schlafen nachts
und fühlen die magischen Offenbarungen nicht
die in mir aus mir strahlen.

Kopf – Geschlecht

100 Wörter, 1 Minute Lesedauer. Verena Stefan  (* 3. Oktober 1947 in Bern; † 29. November 2017 in Montreal, Kanada) KopfBrust und BrustHüfte und Bauch und HüfteGeschlecht Aus: Frauen | Lyrik. GEDICHTE IN DEUTSCHER SPRACHE. Im Auftrag der Wüstenrot Stiftung herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Anna Bers. Stuttgart: Reclam, 2020, S.… Continue Reading „Kopf – Geschlecht“

Meine gewissen Rezepte

Lehrt eure Kinder das Füchsinneneinmaleins
Dreht die Blätter im Garten auf ihre Silberseite
Beredet euch mit dem Kauz

Wunderkammer

120 oder 593 Wörter, 1-3 Minuten Lesedauer. Iain Sinclair DIE AUSSTELLUNG, DIE ICH IN DER TATE NICHT HATTE, HÄTTE FOLGENDES BEINHALTET(1) ½ vom eingemachten Gehirn Wyndham Lewis'(2) den Umhang des Powhatan(3) die verlorene Arche der Tradescants(4) die abgeschälte Rückenhaut von Lord Archer (samt der… Continue Reading „Wunderkammer“

kein ersatz

„mir fällt kein ersatz für mich ein“

Wo sind wir her Wo gehn wir hin

Wo sind wir her
Wo gehn wir hin
Vom Mutterkuchenfressen
bis zum Fraß der Würmer
Die Spur dazwischen spült der Regen

Henryk Bereska (1926-2005)

Gelbe Fische schwimmen zwischen Seetang,
Austern und Korallen;
über dem Rohrspalt steigt Gott Poseidon
mit dem Dreizack auf, vom Lift der
Warmluft aus dem Meer gehievt

liebhaberzählen

liebhaberzählen. MAX, SEBASTIAN, KAI
und zweimal ein CHRIS oder CHRISTOS,
dann alle jungen im zug, schliesslich
du selbst, denn du magst dich ja sehr.

Blinde Dame

Die blinde Dame mit den blutigen Augen setzt ihre Worte gut
Sie vertraut keinem Menschen an wie weh ihr das alles tut

Melancholie

Der tag war schön. und war doch nur geliehn.