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Veröffentlicht am 27. August 2026 von lyrikzeitung
173 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
(* 28. September 1903 in Süchteln am Niederrhein; † 9. April 1989 in Dülken am Niederrhein)
Eine kleine Melancholie rutscht mir den Buckel runter. Schon beim Aufstehn spür ich sie, bis mittags erreicht sie die Bauchpartie und hält die Verdauung munter. Eine kleine Melancholie steigt mir in die Augen. Bis zur Träne kommt es nie – weinen können wohl nur die, die zum Leben taugen. Eine kleine Melancholie klingt mir in den Ohren. Stört der Weise Harmonie – und doch bin ich ohne sie wie ein Takt verloren. Eine kleine Melancholie klopft in meinem Herzen. Bleicht das Blut zur Anämie – Lebensflamme, leuchtest nie froh mit tausend Kerzen. Eine kleine Melancholie schwingt in meinen Reimen. Manchem Leser schmecken sie nach höherem Blödsinn und Anarchie, die auf meinem Pessimistbeet keimen. Meine kleine Melancholie, bleib mir auf den Socken! Sei mein Engel spät und früh, du weißt, ich bin kein Freudenvieh – ich brauche den saueren Brocken.
Aus: „Komm, heilige Melancholie“. Eine Anthologie deutscher Melancholie-Gedichte. Mit Ausblicken auf die europäische Melancholie-Tradition in Literatur- und Kunstgeschichte. Herausgegeben von Ludwig Völker. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 1983, S. 260f
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Albert Vigoleis Thelen, Anarchie, deutsche Literatur, deutsche Lyrik, Freudenvieh, Gedicht über Melancholie, höhere Blödsinn, Humor, Kleine Melancholie, komische Lyrik, Komm heilige Melancholie, Ludwig Völker, Melancholie, Pessimismus, Reclam, Schwermut, Selbstironie, Vigoleis Thelen
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