L&Poe ’17-07

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: Hadayatullah Hübsch, Tom Raworth, Dagmara Kraus, Kladde & Ingolddebatte, Shakespeare und manches andere. Lesen!

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Die Themen in dieser Ausgabe

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Das neue Gedicht

Dagmara Kraus

çatodas

drei sprachen sind zu groß für deinen mund, mein kind
kau dir an der kruste hier muskeln an, nimm
an floskeln tuste gut daran, te tłusteste zu meiden
ah, das wusstest du schon, na dann

drei sprachen sind zu groß für deinen mund, mein kind
die eine hockt noch schief im rachen, indes die andern
angenähte tanten machen, wie damals die aus
liza stara, am saalrand die, parade rara

drei sprachen sind zu groß für deinen mund, mein kind
sagst du bélier, verbrauchst du zu viel spucke
meinst du wichurę, zeigst aufs regenzuckeln
und rührst dir was aus drei familien, führst krudes

in die fleur-de-lilien und setzt dort wechselbälger aus
kuckuckskinder, bülbülschinder, wie du wörtchen
aus drei sprachen klaubst, wie du urkreol
verschraubst, was syntaktisch, synku, sich nie binden

ließe. pfui, du fiese mutter, biest du, arge hast dein kind
betrogen, um die eine muttersprache; alles dreimal
3 x strachy, 3 ça-to-das, selbdritt fällst durchs fehlerfach
deine zunge, kindlein, splisst: père, quoi to ist, äquator

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Ex Libris: Hadayatullah Hübsch (1)

Ich bin Hadayatullah Hübsch fast zweimal begegnet. Einmal waren wir in Leipzig auf der Messe, mit der Zeitschrift „Wiecker Bote“, die ich ein paar Jahre lang mit herausgab. Angelika Janz las aus ihrem „im Verlag des Wiecker Boten“ erschienenen Buch „orten vernähte alphabetien“ (2002). Neben mir saß ein bärtiger Herr. Nach der Lesung kamen zwei Bärte ins Gespräch. Weiter hier

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Tom Raworth (1938-2017)

His poetry is, maybe above all, provocative, upending readers’ expectations about how a text should operate, and inviting a level of interpretive participation that pushes the poet, the text, and the audience toward equality as co-partners in making it. Writers have characterized his work by its “laconic egolessness” (Geoff Ward); its speed, “half-emotional, like someone laughing at his own joke while he is telling it” (Fanny Howe); its “tragedian’s sense of the comic as one of life’s fated inevitabilities” (Lyn Hejinian). / Mehr

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Kladde

Gesehenes, Hingekritzeltes, Beiseitegesprochenes, Kommentare und Zitate, Stoßseufzer und Wutausbrüche, ausnahmsweise nicht von mir, sondern aus meinen Postmappen

In den Untiefen [wer wohnt in ’ner Ananas ganz tief im Meer? sprich oberflächlich also nicht?] moderner [definiere er] Dichtung ringen seit jeher [jwd] zwei [why?] widerstreitende [Steuerfestsetzungen, nein ..] Prinzipien [zwei Seelen wohnen, ach] um die Vorherrschaft [totale Poetik?]. Das Unverständliche kämpft mit dem Verständlichen [das Unverständliche kämpft also zumindest verständlich?], das Hermetische mit dem Zugänglichen [das Hermetische verschränkt einfach nur die Arme], das Autistische [Sowas macht mich sauer. Es gibt keine autistischen Texte. In diesem Fall aber einen unreflektierten Rezensenten, der sich anschickt, Autismusdiagnöschen zu verteilen] mit dem Kommunikativen [zumal autistisch und kommunikativ keine Gegensätzlichkeiten sind]

Aus & zu: Webforum für Lyrik. Glückliche Missverständnisse. Muss große Dichtung schwierig sein? Eine Kolumne zum ewigen Streit zwischen dem Verständlichen und dem Unverständlichen. Von Gregor Dotzauer. Tagesspiegel

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Plauderlyrik

Am 2. Februar veröffentlichte Felix Philipp Ingold einen Artikel über Stilverfall und Sprachverflachung in der Gegenwartsliteratur. Auszug:

Der Trend zu unreflektiertem literarischem Tun ist, wohlgemerkt, nicht bloss in Erzähltexten zu beobachten, er bestimmt auch die zeitgenössische deutschsprachige Poesie. Sie hat sich mehrheitlich – vorab in den privilegierten Genres des Liebes- und des Naturgedichts – zu einer Art Plauderlyrik gewandelt, bei der einzig der Zeilenfall oder ein parodistisch gesetzter Endreim noch kundtut, dass der Text als Gedicht zu lesen ist.

L&Poe dokumentiert Ingolds Fazit der sich anschließenden Debatte.

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Übersetzen in Randzonen

Drei Übersetzer, die sich in besonders exponierte Randzonen vorwagten, haben wir aufgesucht, um etwas über den Umgang mit solchen Schwierigkeiten zu erfahren. Es handelt sich um sprachlich und kulturell disparate Projekte, die aber gerade deshalb exemplarische Fragen aufwerfen.

William Wordsworths «The 1805 Prelude», erstmals übersetzt von Wolfgang Schlüter, tritt die lyrische Bewegungsfähigkeit einer Sprache hervor. Rainald Simon unternimmt bei seiner Übertragung des altchinesischen «Shijing» den Versuch, zwei disparate Sprachsysteme und damit Kulturen zu verbinden – das grammatisch offene, monosyllabische Chinesisch mit einer durchdeklinierten indoeuropäischen Sprache. Die für die Übersetzerin Beate Thill wegweisende Begegnung mit dem frankofonen Dichter Tchicaya U Tam’si aus der Volksrepublik Kongo wiederum illustriert die interkulturelle Wandlungsdynamik einer europäischen Ausgangssprache. / Martin Zähringer, Neue Zürcher Zeitung

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„Crossing Half of China to Sleep with You“

Eine Performance von Christoph Winkler über Lyrik, Übersetzung und Tanz in Berlin

Die chinesische Lyrikerin Yu Xiuhua wurde mit dem Gedicht „Crossing Half of China to Sleep with You“ über Nacht zum Star. Das Gedicht wurde vielfach ins Englische übersetzt. Diese Texte differieren mitunter nur in wenigen Worten – und doch ändert sich so ihre Bedeutung. Jede Übersetzung beinhaltet ein Scheitern. Für den Choreografen Christoph Winkler und den Performer Naishi Wang ist das der Ausgangspunkt für eine neue Performance:

Beide folgen beim Übertragen der Wörter in Bewegungen, Gesten und Posen einer Subjektivität, die dem Gebrauch der Worte ähnlich ist. So entstehen Kombinationen physischer Symbole und lyrischer Metaphern, die oszillieren, ineinander verschmelzen und sich gegenseitig irritieren. Über den Atem des Tänzers, werden Yu Xiuhuas Worte und Laute eingesogen und finden Resonanz in Körper und Bewegung. Das Scheitern des Übersetzungsvorgangs wiederholt sich bei der Übertragung in die Sprache des Körpers und kreiert eine Atmosphäre der Uneindeutigkeit./ Mehr

Premiere: 22. Februar 2016, 20 Uhr, Vierte Welt| Neues Zentrum Kreuzberg| Galerie 1. OG | Kottbusser Tor| Adalbertstr. 96. 

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Gestorben
  • Am 6. starb Robert Kiepert, Berlins größter Buchhändler. In seiner Buchhandlung habe ich in den 90er Jahren viele Lyrikbände kaufen können. Nachruf: Berliner Zeitung
  • Ebenfalls am 6. die italienische Dichterin Giovanna Vizzari(* 1930)
  • Am 7. starb der französische Dichter Louis-François Delisse (85) und der italienische Schriftsteller Giuseppe Colli (* 1924)
  • Wie erst jetzt bekannt wurde, ist die Schriftstellerin Anne Dorn bereits am 8. Februar im Alter von 91 Jahren in Köln verstorben. Der WDR schreibt: „Dorn ist eine Spätberufene der Literatur. Erst mit 65 Jahren, im Jahr 1991, veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Privat hatte sie sich schon viel früher mit dem Schreiben auseinander gesetzt. „Eigentlich hat mich das Leben dazu gezwungen zu schreiben“, so die Autorin. „Mein Leben war so kompliziert geworden, dass ich es mir auf dem Papier ordnen musste. Und da gibt es dann kein Zurück mehr. Das war plötzlich eine Möglichkeit zu atmen.“ Mit 86 veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband. Vgl. Sächsische Zeitung | Lyrikzeitung
  • Am 8. starb der norwegische Schriftsteller und Übersetzer Kjell Heggelund
  • Am 10. starb der ukrainische Schriftsteller Bogdan Nikolajewitsch Bojtschuk in New York im Alter von 89 Jahren
  • Ebenfalls am 10. der polnische Schriftsteller Władysław Janusz Obara
  • Am 11. starb der Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Kurt Marti mit 96 Jahren in Bern. „Kurt Martis erster Mundart-Gedichtband «rosa loui» war 1967 eine Sensation. Das Titelgedicht des Bändchens lautet: «so rosa/ wie du rosa/ bisch/ so rosa/ isch/ kei loui süsch// o rosa loui/ rosa lou/ i wett so rosa/ wär ig ou». Wer in Schweizer Wandergebieten nicht so gut bewandert ist, könnte den Text für ein Liebesgedicht halten. Dabei geht es um einen Flurnamen im Berner Oberland. Der Literaturkritiker Werner Weber schwärmte damals: «Die Röseli- und Gemüsegartenmissverständnisse, die Küsschenschämigkeiten und die Scheiden-tut-weh-Schleichereien: der ganze Trauerwonnezauber, in welchem die Mundart für den Dichter nicht einmal mehr dichtet und denkt, sondern nur noch selbsttätig abschnurrt – es ist überwunden. Der Mann, der es zustande gebracht hat, heisst Kurt Marti.» / Neue Zürcher Zeitung | Süddeutsche Zeitung | Neues Deutschland | Vgl. Lyrikzeitung
  • Am 11. die aus Frankreich stammende algerische Schriftstellerin und Kämpferin Djamila Amrane-Minne (Danielle Minne) / AL Huffington Post
  • Am 12. der in Polen geborene israelische Autor und Journalist Yitzhak Livni (82) (Jerusalem Post)
  • Am 12. der sowjetische und russische Dichter Michail Alexandrowitsch Busygin (85)
  • Am 14. starb der Schweizer Afrikakenner Al Imfeld im Alter von 82 Jahren. Vgl. bluewin.ch | Lyrikzeitung

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Die Shakespeare-Leseecke

geht weiter mit Sonett #25:

LEt those who are in fauor with their stars,

Deutsch von Dorothea Tieck:

Mag jener, den der Sterne Gunst beglückte,

Hier die aktuelle und alle bisherigen Folgen

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 Hausacher LeseLenz Ausschreibung

Die Stadt Hausach und der Hausacher LeseLenz vergeben in Kooperation mit der Neumayer Stiftung und dem Verein zur Förderung des Hausacher LeseLenzes e.V. drei Arbeits- und Aufenthaltsstipendien ohne Gegenleistung.

Zum einen in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch, zum anderen ein Stipendium für Lyrik oder Prosa. Ein drittes Stipendium trägt den Namen „Gisela-Scherer-Stipendium des Hausacher LeseLenzes“. Dieses Stipendium soll an Gisela Scherer erinnern, die im Jahr 2010 verstorben ist. Sie war Mitbegründerin des Hausacher LeseLenzes vor 20 Jahren und hatte die Idee der Hausacher Stadtschreiber-Stipendien mitentwickelt. Das Gisela-Scherer Stipendium kann sowohl für Lyrik und Prosa als auch in der Kategorie Kinder- und Jugendbuch vergeben werden.

Die Stipendien werden jeweils für drei Monate zugeteilt und bestehen aus der Bereitstellung einer Wohnung in Hausach und der Zahlung von € 1.500.- pro Monat und Stipendium.

Einsendeschluß: 30.4. Mehr hier

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Neue Zeitschriften
  • poet #21. Gesprächsthema: Literatur und Fortschritt. Peter Bürger stellt Adorno in Frage. Jo Lendle begreift die neue Vielfalt als Chance. Gespräche mit Sascha Macht, Sabine Scholl und Ann Cotten. Jürgen Ploog meint, daß unser Leseverhalten auf dem Stand der Zeit um 1900 stehengeblieben ist. Zehn venezolanische Dichter. Prosa aus Angola. Gedichte von Keith Waldrop, Andra Schwarz, Paul-Henri Campbell, Uwe Hübner und Barbara Maria Kloos. Braun & Buselmeier kommentieren Gedichte von Sonja vom Brocke, Uwe Kolbe, Elke Erb, Friedrich Ani, Carolin Callies und Jürgen Brôcan.
  • Abwärts! #18. Die Zeitung erhöht ab März auf 36 Seiten. Auf den jetzigen 32: 14 Totenscheine für unsterbliche Musiker. Gedichte von Tone Avenstroup, Bert Papenfuß (Aalheimat, mit Gebrauchsanweisung und Fußnoten), Andreas Paul, Andrej Oponenko, Kai Pohl, Jazra Khaleed, Ronald Galenza, Steve Dalachinsky, Robert Mießner, Henryk Gericke. Prosa von Jannis Poptrandov, Asta Oliva Nordenhof. Leonard Cohens Suzanne ins Singdeutsche gebracht.

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Kurz gesagt
  • Wer über Bedeutungslosigkeit klagt, hat jedenfalls von Subkultur nichts verstanden. Subkultur könnte heißen: etwas ist „nichts“ im Ganzen, aber „alles“ im Einzelnen; etwas „taucht nicht auf“ und ist trotzdem da, insistiert. Daniel Falb, Unsichtbar sein und trotzdem da sein? Interview, in: randnummer 3, 2010, S. 72
  • „Ein schöner Tag. Mein zweiundsiebtes Jahr./ Kein Lüftchen weht. Wie war es, als ich glücklich war.“ Volker Braun am 7.5.11. Aus: Volker Braun: Handbibliothek der Unbehausten. Neue Gedichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2016.  109 Seiten, 20,00 EUR. ISBN-13: 9783518425435 / Besprechung
  • University Days (one-line poem by Tom Raworth): this poem has been removed for further study

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Kurz berichtet
  • Die Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse hat am Donnerstag die nominierten Autoren bekanntgegeben. In der Kategorie Belletristik konkurrieren Brigitte Kronauer, Anne Weber, Natascha Wodin, Lukas Bärfuss und Steffen Popp um den mit insgesamt 60.000 Euro dotierten Literaturpreis. Dass unter den nominierten Titeln mit „118 Gedichte“ von Steffen Popp auch ein Gedichtband vertreten ist, sei richtig und nachvollziehbar. So spiegele die Jury die weite und facettenreiche Literaturlandschaft wider. / mehr
  • Vor 40 Jahren hat in Heidelberg alles angefangen. Der Literaturwissenschaftler und Lyriker Michael Speier stellte den ersten „Park“ vor. Der umgrenzte und zugleich gestaltete Raum stand für Gedichte, deren Autoren noch Stefan George gelesen hatten und die französische Dichtung schätzten. 40 Jahre später liegen 69 Hefte von jeweils rund 100 Seiten vor, die einen Querschnitt geben über das, was in dieser Zeit künstlerisch mit Sprache gemacht wurde. Mehr als 300 Autoren finden sich dort mit Erstveröffentlichungen … Mehr
  • Gegen den alltäglichen Twitter-Nonsens helfen nur Gedichte, und auch Gespräche über Bäume sind in politisch ernsten Zeiten umso dringender erwünscht: „Baum, hast im Wald nix verloren, / stehst, Baum, am schönsten allein! / Bist Baum, in Freiheit geboren; / nicht im Wald, sondern solo sollst sein!“, fordert F. W. Bernstein, Gründungsmitglied der Neuen Frankfurter Schule, einer der folgenreichsten Literatur-Gruppenbildungen Deutschlands. / Richard Kämmerlings, Die Welt
  • Der niederländische Lyriker Willem Tjebbe Oostenbrink und der ostfriesische Autor Wilko Lücht sind die Gewinner des Emder Preises für plattdeutsche Literatur / Mehr
  • Künstlern empfiehlt Nachtigäller in einem Blogbeitrag, aus der VG Bildkunst auszutreten, falls ihnen an ihrer Sichtbarkeit gelegen ist. Mehr
  • Die israelische Notenbank gab eine neue Serie von Geldscheinen heraus, auf der Dichter dargestellt sind. Nathan Alterman auf der neuen 200-Schekel-Note (etwa $50) und Shaul Tchernichovsky auf der 50-Schekel-Note. Rachel Bluwstein, bekannt als „Dichterin Rachel“, auf der 20-Schekel-Note und Leah Goldberg, eine Dichterin und Kinderbuchautorin, auf der 100-Schekel-Note. / Jewish Standard
  • Die amerikanische Allroundkünstlerin Patti Smith (Rockmusik, Lyrik, Malerei, Fotografie) erhielt am Mittwoch im Pariser Hôtel de Lauzun, quai d’Anjou (IVe), in dem einst Baudelaire und Rimbaud verkehrten, die Vermeil-Medaille der Stadt Paris. / Le Parisien
  • Im schottischen Edinburgh berieten Experten aller medizinischen Schulen Schottlands darüber, wie die Poesie von Robert Burns und andere Kunstwerke  unterstützend im Medizinstudium und der ärztlichen Praxis eingesetzt werden können. / Scotsman
  • Der libanesische Dichter Akl Awit erhält den Prix Nikos Gatsos für sein Buch «L’échappée», L’Orient des Livres, aus dem Arabischen übersetzt von Antoine Roumanos. / L’Orient, Le Jour

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Lyrikkalender

Am 19. ist Brancusitag in Rumänien, am 20. Welttag der Sozialen Gerechtigkeit (UNO). Am 20. Februar 1909 wurde das Futuristische Manifest in der Zeitung Le Figaro veröffentlicht. Am 20. Februar 1933 traf sich Hitler heimlich mit deutschen Industriellen zur Finanzierung seines Wahlkampfs für die letzte Reichstagswahl, zu der andere Parteien als die NSDAP zugelassen war. 21. ist Internationaler Tag der Muttersprache (UNO) und in der evangelischen Kirche Gedenktag für den „Apostel der Lappen“ Lars Levi Læstadius. Am 21. Februar 1989 wird Václav Havel wegen „Rowdytums“ zu neun Monaten verschärfter Haft verurteilt. Noch im selben Jahr wurde er Staatspräsident seines Landes, so schnell geht es manchmal.

Geburtstage haben: am 18. 1867: Hedwig Courths-Mahler, 1898: Luis Muñoz Marín (puertorikanischer Dichter), 1925: Jack Gilbert, amerikanischer Dichter, 1926: A. R. Ammons, 1931: Toni Morrison, 1933: Yoko Ono, 1934: Audre Lorde, 1938: Elke Erb,   am 19. 1473: Nikolaus Kopernikus, 1747: Heinrich Leopold Wagner, 1812: Zygmunt Krasiński, polnischer romantischer Dichter, 1826: Claus Pavels Riis, norwegischer Dichter, 1869: Howhannes Tumanjan, armenischer Dichter, 1881: Paul Zech, deutscher Dichter, 1888: José Eustasio Rivera, kolumbianischer Dichter, 1896: André Breton, 1917: Margarete Neumann, 100. Geburtstag der DDR-Schriftstellerin, Mutter von Gert Neumann, 1920: Jaan Kross, estnischer Schriftsteller, 1936: Frederick Seidel, amerikanischer Dichter, am 20. 1751: Johann Heinrich Voß, deutscher Dichter und Übersetzer, 1894: Curt Corrinth, deutscher Schriftsteller, 1909: Heinz Erhardt, 1967: Kurt Cobain, 50. Geburtstag, am 21. 1837: Rosalía de Castro, spanische Dichterin, die außer Spanisch auch Galizisch schrieb und eine Wegbereiterin der Moderne wurde, 1846: Svatopluk Čech, tschechischer Dichter, 1871: Paul Cassirer, deutscher Verleger (Else Lasker-Schüler, Walter Hasenclever, Kasimir Edschmid, René Schickele, Wolfgang Koeppen) und Galerist, 1895: Erich Knauf, Journalist, Schriftsteller und Liedtexter („Mit Musik geht alles besser“), von den Nazis hingerichtet, 1903: Anaïs Nin, 1903: Raymond Queneau, 1907: W. H. Auden, 1920: Ishigaki Rin, japanische Dichterin, 1926: Karl Otto Conrady, deutscher Literaturwissenschaftler, Gedichtanthologie „Der Conrady“, 1944: Ingomar von Kieseritzky, 1955: Gerhard Gundermann, Liedermacher, am 22. 1788: Arthur Schopenhauer, 1819: James Russell Lowell, US-amerikanischer Lyriker, Essayist und Diplomat, 1886: Hugo Ball, Dada-Mitbegründer, Pionier des Lautgedichts, 1892: Edna St. Vincent Millay, 1914: Karl Otto Götz, (K. O. Götz,) Maler des Informel, surrealistischer Lyriker, 1925: Gerald Stern,  am 23. 1899: Erich Kästner, 1899: Elisabeth Langgässer, 1942: Fernanda Seno, portugiesische Dichterin, 1945: Robert Gray, australischer Dichter, 1952: Knud Wollenberger, deutschsprachiger Lyriker dänischer Nationalität, am 24. 1304: Ibn Battuta, marokkanischer Gelehrter und Reisender, am 24. (14. alten Stls) 1621: Sibylla Schwarz (396. Geburtstag), 1786: Wilhelm Grimm, Sprachwissenschaftler, 1837: Rosalía de Castro, spanische, galizische Autorin, 1895: Wsewolod Wjatscheslawowitsch Iwanow, russischer Schriftsteller, Mitgründer der Serapionsbrüder, 1885: Stanisław Ignacy Witkiewicz, polnischer Schriftsteller, 1902: Richard Alewyn, deutscher Germanist, 1909: Abu al-Qasim asch-Schabbi, tunesischer Dichter, 1935: Ryhor Baradulin, weißrussischer Dichter

Todestage: am 18. 814: Angilbert, fränkischer Hofkaplan, Diplomat und Dichter am Hof Karls des Großen, Spitzname Homer, 1294: Kublai Khan, bekannt durch ein berühmtes Gedicht von Coleridge, 1405: Timur Lang (Tamerlan), mongolischer Herrscher, berühmt durch Mickels Gedicht „Der See“, 1546: Martin Luther, der Mönch, Reformator, Übersetzer, Antisemit war auch ein großer Dichter, 1564: Michelangelo, 1780: Kristijonas Donelaitis,  litauischer Dichter, schrieb auch auf Deutsch, 1803: Johann Wilhelm Ludwig Gleim, 1807: Sophie von La Roche, 1854: Thomas Abbott, englischer Dichter, 1939: Jakub Lorenc-Zalěski (Lorenc „hinter dem Walde“), bedeutender sorbischer Dichter und Publizist, Großvater von Kito Lorenc, 2001: Hermann Adler, deutschjüdischer Schriftsteller und Publizist, 2013: Otfried Preußler, am 19. 1837 (vor 180 Jahren): Georg Büchner, 1887: Multatuli, niederländischer Schriftsteller, 1952: Knut Hamsun,  1988: René Char, 2016: Umberto Eco, am 20. 2003: Maurice Blanchotam 21. 1721: Christoph Heinrich Amthor, deutscher Lyriker, von Telemann vertont, 1841: Dorothea Tieck, Shakespeare-Übersetzerin, 1862: Justinus Kerner, 1918: Hedwig Lachmann, Lyrikerin und Übersetzerin (ungarische Lyrik, Edgar Allen Poe), 1980: Alfred Andersch, 2006: Gennadi Ajgi, tschuwaschischer Lyriker, am 22. 1671: Adam Olearius, 1913: Ferdinand de Saussure, Schweizer Sprachwissenschaftler, 1939: Antonio Machado, spanischer Lyriker, 1943: Hans und Sophie Scholl, 1945: Ossip Brik, 1985: Salvador Espriu,  2006: Hilde Domin am 23. 1653: Georg Rodolf Weckherlin, 1821: John Keats, 1904: Friederike Kempner, schlesischer Schwan (Textkette), 1984: Uwe Johnson, 1955: Paul Claudel, am 24. 1799: Georg Christoph Lichtenberg1836: Dániel Berzsenyi, ungarischer Dichter, 1940: Ludwig Kessing, Bergmann, Arbeiterdichter, 1941: Oskar Loerke, 1975: Hans Bellmer, deutscher Künstler

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Rückblende: Februar 2002

Thomas Kling lebt, schreibt über 9/11 und zitiert Petrarca von 1352 : „Ich will, dass mein Leser, wer es auch sei, nur an eines denkt: an mich, nicht an die Verheiratung seiner Tochter, nicht an die Nacht bei der Freundin, nicht an die Intrigen seiner Feinde, nicht an Bürgschaften, nicht an sein Haus oder Feld oder an seine Geldkasse, und dass er, zumindest solange er mich liest, bei mir ist. Wenn er mit Geschäften überbürdet ist, soll er das Lesen aufschieben, sobald er sich aber anschickt zu lesen – da soll er die Last der Geschäfte und die Sorge um seine Privatangelegenheiten von sich werfen und seinen Sinn auf das richten, was er vor Augen hat. Wenn ihm diese Bedingung nicht passt, soll er von diesen unnützen Schriften fernbleiben.“ – Es ist höchste Zeit, Okopenko herauszuholen aus der österreichischen Enge. Er verdient ein größeres Publikum, das allmählich findet, dass Robert Gernhardt zwar ein passabler Kasperl ist, aber keine große Literatur schreibt, sagen die Ösis. Überhaupt, die österreichische Literatur ist keine Unterabteilung
der deutschen. Borchardt beim Duce, Literaturvereinswesen, Zoff um Anne Carson.

Dies und mehr hier.

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Zum Schluß Hansjürgen Bulkowskis Poetopie

wir – Billardkugeln, die knallend aneinanderstoßen, die Stöße lautlos weitergeben

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2 Comments on “L&Poe ’17-07

  1. Pingback: montage nr. 522 | werkmaschine

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