In Jamaika hatte er das gefunden, was ihn begeisterte: Geschichten von großen und kleinen Gaunern – und er mittendrin. Seinen humorvollen Blick auf diese Welt hat er bis zum Schluss behalten. “In der Bar da unten war vor einiger Zeit der Superintendent dieses Bezirks Portland”, so Zahl, “dem zu Ohren gekommen war, dass ich lange im Knast gesessen habe. Als sie hörten, das der Grund eine Schießerei mit Polizisten war, waren die beiden Polizisten echt betroffen. Und dann sagte der Polizist: Damals warst du ein ‘bad boy’. Man muss wissen, dass das Wort ‘bad’ in Jamaika sechs Steigerungsformen hat: bad, badder, baddest, worse, worserer, worserest.” Selbst das Wort “bad” habe bei Schwarzen eine völlig changierende Bedeutung, so Zahl. Einmal ist es ein Verbrecher, ‘bad boy’ oder wie eben der Jimmy Cliff in dem Film ‘The Harder They Come’ ein ganz eleganter, dufter Typ – zwar rough und tough, aber ein klasse Kerl. Diese Doppelbedeutung habe ich im Auge gehabt als er fragte: ‘Sind Sie damals ein bad boy gewesen. Was bist Du jetzt?’ Jetzt bin ich noch badder.” / Cornelius Janzen, 3sat
7. Februar 2011
32. Badder
26. Januar 2011
106. Peter Paul Zahl gestorben
Am Montag starb Peter Paul Zahl im Alter von 66 Jahren im Krankenhaus von Port Antonio auf der Insel Jamaika. Jörg Sundermeier schreibt in der taz:
Als dem 1944 in Mecklenburg geborenen Peter-Paul Zahl im Jahr 1980 der Literaturförderpreis der Freien Hansestadt Bremen verliehen wurde, saß dieser junge Autor schon seit rund acht Jahren im Knast. Als mutmaßlicher Terrorist. Er hatte sich im Jahr 1972 seiner Verhaftung widersetzt, dabei von der Schusswaffe Gebrauch gemacht und einen Polizisten schwer verletzt.
Die Haftjahre nutzte Zahl, der bereits 1968 mit einem Buch in Erscheinung getreten war, zum Schreiben nicht nur politischer Texte. 1979 erschien dann schließlich sein berühmtester Roman “Die Glücklichen”, in der Zahl eine Alternativkultur beschrieb, die viele, die von den Utopien der Jahre 68 ff. geprägt waren, sehr gut kannten. “Die Glücklichen” wurde zum Kultbuch.
Der im Dezember letzten Jahres verstorbene Peter O. Chotjewitz, der nicht nur Schriftstellerkollege, sondern auch Zahls Anwalt war, erinnerte sich vor einigen Jahren, dass er Zahl – obschon dieser immerhin wegen versuchten Mordes in zwei Fällen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war und als politischer Häftling galt – einfach so mit dem Privatwagen aus der Haftanstalt abholen durfte. Chotjewitz, der selbst als Unterstützer der RAF angeklagt gewesen war, musste lediglich garantieren, den Häftling später auch brav wieder abzuliefern. Der Strafvollzug für Staatsfeinde war nach dem Deutschen Herbst des Jahres 1977 nicht immer ohne Witz.
Das steht bei FAZ.net:
Am 22. Mai 1976 veröffentlichte diese Zeitung in der „Frankfurter Anthologie“ das Gedicht eines Mannes, der damals im Gefängnis saß – von Peter Paul Zahl. Es hieß „mittel der obrigkeit“ – die Kleinschreibung und der Verzicht auf Interpunktion waren Stilmittel – und handelte von schlagenden Polizisten. Zahl sah die reine Brutalität: „man muss sie gesehen haben / diese gesichter unter dem tschako / während der schläge“. Sie schlagen weiter, und im gleichen Rhythmus ergeht die Aufforderung zum Blick in ihre Gesichter.
In L&Poe
27. Mai 2010
130. Calabash 2010
Seit 10 Jahren findet in Jamaica “Calabash” statt, ein internationales Lyrikfestival mit hervorragenden Gästen. In diesem Jahr lesen 8 Dichter, darunter Sudeep Sen and Matthew Shenoda. Am kommenden Wochenende findet das Fest statt. “Mit Sen, einem der begabtesten und gefeiertsten jungen Dichter Indiens, und Matthew Shenoda, einem ägyptisch-amerikanischen Dichter haben wir umwerfende (?? “bashical”, das Wort war mir unbekannt und googole dictionary auch) Autoren, raffiniert, ehrgeizig, engagiert und ganz einfach gut”, sagt der Programmdirektor Kwame Dawes. / Jamaica Observer