Wochendigest 4

Poetry on the road

Der 1978 auf Jamaika geborene und in England lebende Kei Miller kartografiert in seiner fein durchrhythmisierten Lyrik die Karibikinsel, die vielen als Paradies gelte, was jedoch „Bullshit“ sei. Mit warmem Timbre und brillanter Modulation unterstreicht er, wie die der mündliche Vortrag die Ausdruckskraft von Gedichten zu multiplizieren vermag. Ein negatives Gegenbeispiel bietet direkt danach der österreichische Universalliterat Raoul Schrott, der seine Lyrik in einer schwermütigen Lesung teilweise geradezu vernuschelt. Allein das letzte Gedicht des 52-Jährigen – über das Grab eines eritreischen Flüchtlings in Libyen – vermag zu berühren. Doch da sind die ihm zur Verfügung stehenden zwölf Minuten bereits um und mit Wiglaf Droste kehrt die Satire ein. / kreiszeitung.de

(Mehr zu Poetry on the road bei Radio Bremen)

Wunder

Der bekannte Weßlinger Autor und Verleger Anton G. Leitner hat mit seiner Zeitschrift „Das Gedicht“ deutschsprachige Literaturgeschichte geschrieben.

schreibt Wolfgang Prochaska aus Weßling in der Süddeutschen Zeitung:

Einmal im Jahr, meist im Frühherbst, geschieht ein großes Wunder. Dann erscheint die Literaturzeitschrift „Das Gedicht“.

Wie ein Wunder fürwahr klingt seine Kunde:

Dass Lyrik plötzlich in den Buchhandlungen und in den Verlagen weniger stiefmütterlich als früher behandelt wird, ist auch dem Weßlinger zu verdanken.

Preis der Frankophonie

Der in französischer Sprache schreibende Lyriker Ziad Medoukh, Direotor der Französischabteilung der Al-Aqsa-Universität Gaza (Palästina) gewann den erstmals ausgeschriebenen Preis für frankophone Literatur des Wettbewerbes Europoésie 2016. 200 Autoren aus 40 Ländern beteiligten sich. Ziad Medoukh hat 4 Gedichtbände über Gaza und Palästina veröffentlicht, drei in Frankreich und einen in Quebec. / Palestine.solidarité

Elegie (1)

Die Subversion dieses kurzen Gedichts dürfte den DDR-Zensoren damals entgangen sein. Zeit für eine Wiederentdeckung des ostdeutschen Poeten und Ökonomen Karl Mickel.

JAN VOLKER RÖHNERT, Frankfurter Anthologie 27.5.

Kleiner philologischer Nachtrag

„Zwischen null Uhr und null Uhr ist unsere Zeit“ endet das Gedicht in der in der FAZ-Anthologie vorgetragenen Fassung (Abschrift nach der Hörfassung). Im Erstdruck in dem Gedichtband „Vita nova mea. Mein neues Leben“, Berlin u. Weimar: Aufbau Verlag, 1966, steht: „Zwischen 12.00 und 0.00 ist unsre Zeit“. Fan Volker Röhnert bezieht sich auf die ein Jahr später erschienene Lizenzausgabe bei Rowohlt, die mir nicht vorliegt. Ich sehe in der Werkausgabe nach, der erste Band, „Schriften I. Gedichte 1957-1974“, Halle-Leipzig: Mitteldt. Verlag, 1990, sagt: „die Sammlungen Vita nova mea und Eisenzeit folgen den Erstdrucken.“ Tun sie aber nicht, wie nicht nur dieses kleine Beispiel zeigt. Fassung der Werkausgabe: „Von Mittnacht zu Null Uhr ist unsre Zeit“.

 

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