Kritik der Kritik

Vermutlich soll man froh sein, daß Gegenwartslyrik, junge zumal, überhaupt besprochen wird. Vielleicht soll man nicht an den zarten Pflänzchen der Kritik herumzupfen. Ich lobe an Kurt Drawert, daß er sich für junge Autoren einsetzt. Schließlich, selbst eine schlechte Kritik ist besser als gar keine.
Ist das eine schlechte Kritik?

Kurt Drawerts zu Recht lobende Kritik zu Gedichten Paul-Henri Campbells erschien in der Dresdner Literaturzeitschrift Ostragehege und wurde jetzt bei Faustkultur digital zugänglich gemacht. Wenn ich die vermutlich redaktionelle Moderation beiseitelasse, löst der erste Absatz überwiegend Zustimmung bei mir aus:

Wer länger in Amerika war, versteht sicher besser, warum die amerikanische Lyrik narrativer ist, stofflich oft ausschwingender als die europäische und vor allem die deutsche. Damit verbunden sind keine Qualitätskriterien, sondern andere poetische Dispositionen, die anderen Systemen von Wahrnehmung folgen. Schon in den 1960er Jahren hat es in Deutschland die Gespräche über das kurze und das lange Gedicht gegeben, wie sie etwa Karl Krolow mit Walter Höllerer führte, und auch in der zeitgenössischen Lyrik herrscht alles andere als Tendenzgleichheit vor. Die Lakonie, ihre enorme Komprimierung und Assoziationsfähigkeit, ist dabei eine Möglichkeit, Sprache lyrisch zu verwenden. Der Langvers, der die Vorgänge des Gedichtes in eine tiefere Bewegung führt und seine Nähe zur Prosa immer wieder auflösen muss, ist eine andere. Paul-Henri Campbell, ein junger deutsch-amerikanischer Lyriker, der, nach einem Studium in klassischer Philologie und katholischer Theologie, heute in Frankfurt am Main lebt, beherrscht beide Tonlagen. Vor allem aber das Langgedicht, das sich über Motivketten und einem seriellen Ordnungssystem aus sich selbst heraus entfaltet, ist seine Stärke. (…) Entscheidend aber ist das ästhetische Ding, das Gedicht, ob es oder ob es nicht gelungen ist. Und Campbell, der leider noch zu wenig bekannt ist, schreibt geradezu atemberaubende, in ihrem Rhythmus, ihrem Sound, ihrer Bildlichkeit unverwechselbar eigene, soll heißen: dem Leben „abgerungene“ Gedichte.

Die Aussage zum narrativeren und oft ausschwingenden Charakter (eines Teils) der amerikanischen Lyrik ist mir vertraut. Allenfalls das Wörtchen „sicher“ im ersten Satz irritiert etwas: was ist schon sicher. Allem, was man sagen kann, wird widersprochen werden. Ich war nicht lang genug in den USA und nur als Tourist, über die amerikanische Lyrik gelesen und nachgedacht hab ich großteils zu Hause. Ich sehe ähnliche Frontstellungen im Lyrikdiskurs wie hierzulande, so zwischen „akademischer“ und „verständlicher“ Lyrik, nur in weiterem Rahmen. Öfter als bei uns scheinen mir dort die sprachorientierten („sprachverliebten“ sagt man merkwürdigerweise, wenn man es kritisieren will, als wäre Verliebtsein peinlich) Dichter auch zum langen, narrativeren, ausgreifenden Gedicht zu tendieren, während wir uns vorwiegend im kurzen Gedicht austoben und die Unterscheidung vielleicht eher darin besteht, wieviel humoriges, „niederes“ Sprachmaterial zugelassen wird. Wenn ich es an Preiszuerkennungen messe, z.B. beim Huchelpreis, so scheinen dort starke Einzelgedichte Vorrang vor großen Entwürfen zu haben. Im Jahr, als Marion Poschmanns „Geistersehen“ ausgewählt wurde, gab es mit Paulus Böhmers „Am Meer. An Land. Bei mir“ und Ann Cottens „Floridaräume“ starke Konkurrenz von der ausgreifenderen Art. Für 2015 gab es einen starken Bewerber und eine Bewerberin: Sabine Scho und Andreas Töpfer: The Origin of Senses.  Ein langes Gedicht, das „Lyrik“ mit Kunst, Wissenschaft und Kommentar vermischt, unreine Poesie. Spielte es eine Rolle? Wäre es in Frage gekommen? Ausnahmen bestätigen die Regel, Ulf Stolterfohts „Holzrauch über Heslach“ fällt mir ein. Böhmer wurde zwei Jahre später doch noch bedacht, aber z.B. Oswald Egger kam „nur“ mit einem kleineren Nebenwerk quasi zum Zuge.

Also da bin ich ganz bei Drawert. Bin ich? Unversehens nämlich stürzt dieser erste Absatz dann komplett ab mit dem letzten Teilsatz „unverwechselbar eigene, soll heißen: dem Leben ‚abgerungene‘ Gedichte.“ Scho, Cotten, Böhmer: raus seid ihr! Er will blutvolle, dem wahren Leben abgerungene, reine Poesie, nicht so intellektuelles Zeug. Ich sehe den Dichter mit „dem Leben“ ringend. Aber ist es sein eignes? Fremdes? Oder „das Leben“ schlechthin? Kommt man dabei ins Schwitzen? Drawerts Satz impliziert einen Gegensatz von „blutvollem“ Leben und „blutleerer“ Kunstfertigkeit als der „wahren“ Kunst Fremdem. (Thomas Kling hilf!)

Überwiegend prekär wird Drawerts Argumentation im Folgenden. Ich kommentiere es mal punktuell.

Es sind Körpertexte, Schnittstellen zwischen innerer und äußerer Welt, die sich, einem Möbiusband gleich, notorisch ineinander verschieben und ihre Perspektiven, ihre Orte des Anschauens, wechseln.

Was „Körpertexte“ sind, was daran Körpertext ist, wird nicht ausgeführt, die Teilsätze dieses Satzes schieben sich gleichsam „einem Möbiusband gleich, notorisch ineinander“. Körpertexte, Möbiusband, klingt (post)modern, aber wieso „Schnittstellen“ (Chirurgie?). Es geht [ich spreche von Drawerts Satz, nicht von Campbells Gedicht) gar nicht um Schnitte, sondern um Vermittlung. Es ist Dialektik (bald wird das Wort auftauchen), aber es ist keine schneidende Dialektik, keine hart im Raume stoßende Materie – es ist jene eigenartig vermittelnde „Dialektik“, wie sie im DDR-Sprachgebrauch bis in die Umgangssprache gedrungen war. „Das mußt du dialektisch sehen“ hieß da: nimm die Schärfe raus, frag nicht so dumm nachbohrend, alles iiiiiiiiiist wie es iiiiiiiiiist. Damit nahm man jeder schüchternen oder forschen Frage den Schneid, was IST, IST, weil es IST… Die Perspektive wird eben nicht gewechselt, wie das Möbiusband suggerieren will. Schnittstellen zwischen innerer und äußerer Welt, das ist der älteste Hut der sozialistischen Ästhetik und des irgendwie hegelianischen idealistischen deutschen 19. Jahrhunderts.

Weiter im Text:

Das Subjekt im Gedicht wird so zu einem Allgemeinen, wie das Allgemeine im Subjekt erscheint.

Idealistischer Budenzauber, „erscheint“. 50er Jahre:

„Lyrik (…) unmittelbare Gestaltung innerseelischer Vorgänge im Dichter, die durch gemüthafte Weltbegegnung (…) entstehen, in der Sprachwerdung aus dem Einzelfall ins Allgemeingültige, Symbolische erhoben werden …) (Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur – West -, 1955). – „literar. Hauptgattung, in der die subjektive Aussage bzw. die auf das Subjekt bezogene Widerspiegelung der Wirklichkeit ihren allgemeinsten Ausdruck findet.“ (DDR-Lexikon)

Im weiteren spricht er von „Form“ und „Stoff“, geht kurz auf Campbell ein, um dann in die große „positive“ Zwischenbilanz zu münden:

Das jedoch mündet nie in absoluter Negation oder einer Lust an der Zerstörung dessen, das über zerstörerische Kräfte verfügt. Im Gegenteil, es ist reines dialektisches Denken und nimmt poetisch auf, was die Erfolgsgeschichte in sich selbst nicht mehr spiegelt.

Es ist kein „unreines“, negatives dialektisches Denken, sondern „reines dialektisches Denken“, das heißt bei ihm nicht „absolut negierend“, sondern eben vermittelnd. Damit ist er bei seinem Thema:

– „die verschleppte rache / der schlachten, die im wechselspiel kalter schultern / verschlungene wege der schuld vergelten. // diese seltsame periode, darin in jeder aggression/ eine notwehr trauert, hilflos vor angst (…).“ Das ist im expressiven O-Menschheits-Ton vielleicht nicht ganz so modern, wenn man die oft sprachverspielten und in sich selbst versunkenen Poetiken anderer Autorinnen und Autoren seiner Generation dagegenhält, die sich manchmal an Harmlosigkeit noch überbieten. Aber es ist, in eben dieser Unterscheidung, überhaupt ein Ton, eine Stimme, eine Haltung.

Es gibt Kritiken, da verreißt Rezensent die Konkurrenten, damit sein zu lobender Gegenstand desto heller strahle. Bei Drawert kommt es mir anders herum vor. Der lobt Campbell – zu Recht. Ich sage nicht, daß er es nicht meint. Ich sage, er benutzt die Gelegenheit, um seine Position im Lyrikkampf zu bekräftigen. Campbell ist ihm zu einem Rundumschlag gut.

Im folgenden Absatz spricht Drawert von sich selber:

Es mag an meinem Alter liegen, dass ich wie das Huhn über dem Kochtopf hängend die digitale Welt mehr erleide als verstehe und deren Reflexe in der Literatur eben darum auch nicht oder eben nur schlecht lesen kann.

Aha; bis hierhin war nur von – analogen – poetischen Positionen die Rede, Campbell versus „andere Autorinnen und Autoren seiner Generation“, die er für „sprachverspielt“, „in sich selbst versunken“ und harmlos hält. Offensichtlich sind das „Reflexe“ der digitalen Welt, wie nur? „Digitale Welt“ ist für ihn eine Metapher für alles, was ihn an der Gegenwartslyrik stört. Um die geht es im Folgenden wieder. Ein Satz noch zur Betrachtung:

Aber es erschreckt mich zutiefst, wenn das sowieso schon bis zur Auslöschung zerstreute Subjekt auch von denen aufgegeben wird, die es zu bewahren und sprachlich neu zu organisieren hätten – den Schriftstellern nämlich, und im besonderen den Dichtern.

Das ist interessant. Aufgabe der Dichter wäre es, die Risse im Weltbau zu kitten und das „sowieso schon“ bedrohte „Subjekt … zu bewahren und sprachlich neu zu organisieren“? Starker Tobak. Wenigstens im Gedicht möge die Welt heil sein. Das Subjekt ganz sein.

Es war, beiläufig, Sigmund Freud vor über hundert Jahren, der der kosmologischen Kränkung – daß die Erde nicht mehr im Mittelpunkt des Weltalls stand – und der biologischen Kränkung durch Darwin – daß der Mensch nicht mehr das Zentralgestirn des Lebens und Krone der Schöpfung, sondern Ergebnis der Evolution war – die psychologische Kränkung hinzufügte: daß der Mensch auch nicht mehr Herr im eigenen Ich war. Dichter, antreten zur Wunderheilung! kann man da nur sagen. Man braucht nicht mehr den folgenden Satz, in dem er direkt seine Position „kürzlich“ gegenüber anderen jüngeren Autoren rechtfertigt. Das hat Campbell nicht verdient.

Nachsatz: Aber ab der Stelle, wo Drawert sagt, hier frage er nicht weiter, sondern zitiere, kann ich ihm wieder uneingeschränkt zustimmen, der Schluß lautet:

„wie axthieb wie hindurch wie brustbein/ wie ein kalter nasser schmerz wie krass/ wie im erwachen wie ohne wie mit naht/ der nacht (…)/ und auskehrend wieder o atem/ und er geht fort (…)/ jener/ komplize des skalpells der offen sah dich/ dir ins herz“. Würde er die Verse laut lesen, könnten wir seinem hastigen Gestus folgen, seiner Geschwindigkeit, mit der er denkt, lebt und handelt. Es ist, als hätte einer niemals Zeit, auch wenn er Zeit hat. In diesem Zyklus nämlich geht es um Leben und Tod, denn Paul-Henri Campbell muss mit einer schweren Herzkrankheit leben, und er lebt so immer auch in einem Bewusstsein von der Endlichkeit. Und wie die Kerze, die an beiden Seiten brennt, beschleunigt sie auch seine Zeit, seine Dichtung, seine kluge, hellwache Art, die Welt sich verständlich zu denken.

11. Februar

Am 11. Februar

  • 2017 findet zum 15. Mal der Tag der vietnamesischen Poesie statt. Ort: Tempel der Literatur, Hanoi. U.a. mit einem Gedicht- und Rezitationswettbewerb: Gedichte auf das Land, die Partei und Präsident Ho Chi Minh (1890-1969). Auch wird eine „Gedichtstraße“ eröffnet. Mehr

 

Leseecke 24

FullSizeRenderLeseecke ist eine Rubrik, die sich langsam, Stück für Stück der digitalen Veröffentlichung aller 154 Sonette Shakespeares in Günter Plessows Übersetzung und dem Originaltext (im Jubiläumsjahr 2016 bei Signaturen) anschließt und hier Leseecke und Forum zur Diskussion über die Sonette und / oder Übersetzungen sein kann. Jedenfalls ich werde an 154 Tagen (mit Zwischenraum, um durchzuschaun) mir jeweils eins der Sonette vornehmen und hier den Originaltext und zusätzliches Material anbieten. Einladung zum Pendeln von Shakespeare zu Plessow und zurück (wenns sein muß auf Umwegen über Schlegel/Tieck, Bodenstedt, George, Kraus & Co). (Die Zahl neben dem Wort Leseecke ist die Nummer des Shakespearesonetts). Zur Originalschreibweise: u / v und i / j sind fast regellos austauschbar, liue lies live, ioy lies joy.
Sonette 22-28 bei Signaturen hier
Bisherige Folgen der Leseecke hier.

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MIne eye hath play’d the painter and hath steeld,
Thy beauties forme in table of my heart,
My body is the frame wherein ti’s held,
And perspectiue it is best Painters art.
For through the Painter must you see his skill,
To finde where your true Image pictur’d lies,
Which in my bosomes shop is hanging stil,
That hath his windowes glazed with thine eyes:
Now see what good-turnes eyes for eies haue done,
Mine eyes haue drawne thy shape, and thine for me
Are windowes to my brest, where-through the Sun
Delights to peepe, to gaze therein on thee
   Yet eyes this cunning want to grace their art
   They draw but what they see, know not the hart.

Einige Anmerkungen zum Text:

steeld stelled, a) gesetzt, gestellt b) gemalt, porträtiert; könnte aber auch mit steel zusammenhängen: gehärtet, gestählt

2 table (Bild)Tafel oder Notizbuch

3 ti’s ‚tis (it is)

perspectiue gesprochen pèrspective

5, 8 der Wechsel von thy zu you Zufall oder Absicht? In diesem Fall laut Plessow selbstgewisses Bekenntnis versus ungeschützte Nähe

glazed zweisilbig zu sprechen: glazèd

12 peepe peep, blicken gaze starren

13 cunning Können, Fähigkeit: lassen diese Fähigkeit vermissen

Deutsche Fassung von Karl Simrock:

Mein Auge wird zum Maler, und geschickt
 Malt es dein Bild in meines Herzens Tiefe.
 Der Rahmen ist mein Leib, durch den man blickt;
 Des Malers beste Kunst ist Perspektive.
Nur durch den Künstler schaut dein Herz hinein
 Und sieht dein wohlgetroffen Angesicht:
 Es hängt in meines Herzens Kämmerlein
 Und dies empfängt von deinen Augen Licht.
So schafft ein Aug dem andern Auge Wonne:
 Meins malt dein Bild, und deins in meiner Brust
 Dient mir als Fenster, wo hindurch die Sonne
 Zu blicken liebt und dich beschaut mit Lust.
  Ach, daß den Augen eine Kunst gebricht:
  Sie malen was sie schaun, die Liebe nicht.

Quellen

  • Q = Shake-speares Sonnets. Never before imprinted (1609) (Quelle der Originaltexte)
  • B = Benson, Poems: Written by Wil. Sh. (1640)
  • Burrow = W. Shakespeare: The Complete Sonnets and Poems. Ed. Colin Burrow (Oxford World’s Classics), Oxford University Press, 2002
  • B/H = Shakespeare, The Sonnets. Hrsg. Raimund Borgmeier, Michael Hanke. Stuttgart: Reclam, 2006
  • Borgmeier = Shakespeare: The Sonnets. Die Sonette. Engl. u. in ausgewählten deutschen Versübersetzungen. Hrsg. Raimund Borgmeier. Stuttgart: Reclam, 1974

Wer kennt Ales Rasanau?

Wer kennt Ales Rasanau? Der bedeutendste zeitgenössische Dichter weissrussischer Sprache lebt zurückgezogen in Minsk, macht von seiner Person kein Aufhebens, schreibt jedoch beharrlich an seinem Œuvre, das mittlerweile rund zwei Dutzend Bände umfasst. Seine jüngste poetische Arbeit stellt einen Dialog mit den Schriften des Buchdruckers Franzisk Skaryna dar, der vor fünfhundert Jahren den Psalter ins Altbelarussische übertrug.

(…)

Obwohl er politische Inhalte mied, trugen ihm nach Lukaschenkos Machtübernahme 1994 einige allegorisierende Texte mit regimekritischem Unterton jahrelanges Publikationsverbot ein. Ab 1999 weilte dRasanau auf Einladung häufig in Deutschland, Österreich und der Schweiz, wo einige seiner Bücher in beleuadeutscher Übersetzung erschienen und wo er den Versuch unternahm, Kurzgedichte auf Deutsch zu schreiben. «Wortdichte» nannte er diese Miniaturen, die nun, durch neue Proben ergänzt, unter dem Titel «Von nah und fern» einen aparten Band der Minsker Werkausgabe bilden. Rasanau spielt so souverän auf den Registern der deutschen Sprache, dass es einem schwerfällt, ihn nicht als Muttersprachler anzusehen. Vor allem aber bleibt er sich auch in der Fremdsprache treu. / Ilma Rakusa, Neue Zürcher Zeitung

Ales Rasanau: Von nah und fern. Neue Wortdichte. Verlag Logvinau, Minsk 2016. 143 S.

Inselschreiber Sylt 2018 – „Wandel und Identität“

Die Sylt Foundation schreibt bereits zum 18. Mal das „Sylt-Quelle Literaturstipendium Inselschreiber“ für deutschsprachige Autorinnen und Autoren aus.

Das Stipendium beinhaltet einen acht Wochen langen Aufenthalt auf der Insel Sylt. Neben kostenfreiem Wohnen in einem komfortablen 2-Zimmer-Appartment auf dem reizvollen Gelände der Sylt-Quelle in Sylt/Rantum umfasst das Stipendium eine einmalige Zahlung von 2.000 Euro. Während des Stipendiums besteht Präsenzpflicht.

Bewerben können sich deutschsprachige Autor/innen, die bereits in Buchform publiziert haben, unabhängig von Alter, Wohnsitz oder Staatsangehörigkeit. Publikationen im Selbstverlag/Selbstzahlerverlag sowie Beiträge in Anthologien erfüllen die Voraussetzung nicht. Der Bewerbung hinzuzufügen sind ein Lebenslauf und ein noch unveröffentlichter Essay oder eine noch unveröffentlichte Erzählung von ca. 4 DIN A4 Seiten Länge. Mit der Teilnahme am Wettbewerb willigen die Bewerber/innen ein, dass der Gewinnertext auf der Website der Stiftung veröffentlicht wird. Die Rechte am Text bleiben beim Autor/der Autorin.

Thema des Essays / der Erzählung 2018: „Wandel und Identität“

Die Bewerbungsunterlagen bitte nur per Mail (max. 9 MB) an:
inselschreiber@syltfoundation.com, Stichwort: Inselschreiber.

Bewerbungsschluss ist der 5. Juni 2017.

Über die Vergabe des Sylt-Quelle Literaturstipendiums entscheidet eine unabhängige Jury in einem zweistufigen Auswahlverfahren. Der Preisträger / die Preisträgerin wird im Juli bekannt gegeben.

Die bisherigen Gewinner waren André Georgi, Uwe Kolbe, Britta Boerdner, Jan Brand, Katharina Hartwell, Petra Morsbach, Gunther Geltinger, Gernot Wolfram, Judith Kuckart, Franzobel, Jan P. Bremer, Jenny Erpenbeck, Thomas Hettche, Juli Zeh, Feridun Zaimoglu, Moritz Rinke, Terézia Mora.


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  • Ausschreibung
    Ausschreibung

Eleven Eleven 21

Eleven Eleven 21
Hugh Behm-Steinberg, Editor

Poetry. Fiction. Drama. Literary Nonfiction. California Interest. Asian & Asian American Studies. African & African American Studies. Latino/Latina Studies. Native American Studies. Jewish Studies. Middle Eastern Studies. Women’s Studies. Gay. Lesbian and Transgender Studies. Art.

Featuring poetry by Frank Lima, Michael McClure, K. Lorraine Graham, Dong Li, Jennifer Elise Foerster, Heather Bourbeau, Cole Swensen, Erín Moure, Mónica de la Torre, Dan Encarnacion, Rajiv Mohabir, Laura Da‘, Jesse Nissim, Shamala Gallagher, nick johnson, Marcela Sulak, Joshua Merchant, Paula Cisewski, Will Alexander, and Chloé Veylit;

Prose by Shizue Seigel, Katie Farris, J.K. Fowler, Lisa Locascio, Sequoia Nagamatsu, Harrison Candelaria Fletcher, Lucas Church, Sonya Huber, Jennifer Zeynab Maccani, Joel Hans, Tessa Mellas, Deborah Steinberg, Na’amen Gobert Tilahun, Rochelle Spencer, Janet Towle, Kevin A. Thayer, Sandy Yang, Tom Pyun, Jenny Bhatt, Megan Padilla, and Erika T. Wurth;

Translations and adaptations of Sara Tuss Efrik (Johannes Göransson), Laura Cesarco Eglin (Jesse Lee Kercheval & Catherine Jagoe), Surah al-Jinn (Adam al- Sirgany), Marosa di Giorgio (Jeannine Marie Pitas), The Chemical Wedding by Christian Rosencreutz (Adapted by John Crowley), Minerva Reynosa (Stalina Emmanuelle Villarreal), Elisa Biagini (Gregory Conti), Uri Zvi Greenberg (Leonard Kress), Philippe Soupault (Alan Bernheimer), Shuzo Takiguchi (Mary Jo Bang & Yuki Tanaka), Maruxa Vilalta (Alia Volz), Dalthon Pineda (Jake Sandler), Abraham Sutzkever (Maia Evrona), Dashdorjiin Natsagdorj (Ottilie Mulzet), Kazuko Shiraishi (Yumiko Tsumura), Florencia Castellano (Alexis Almeida), and Nhã Thuyên (Kaitlin Rees);

Plays by Erik Ehn and Zakiyyah Alexander; Art by Joshua Lee, Cianna Valley, Hyeyoung Kim & Arlo Keo Valera, Devin Leonardi, Ellen Kooi, Jason Adkins, Fran Herndon, Mequitta Ahuja, Paper Buck, Max Papeschi, Samuel Ribitch Martin, and Shannon Ebner;

Reviews of IF, by Nicholas Bourbaki (Emily Swaim), PRESENTIMIENTO: A LIFE IN DREAMS by Harrison Candelaria Fletcher (Sonja Swift), Know The Mother by Desiree Cooper (Audrey T. Williams), and MOSS-HAIRED GIRL: THE CONFESSIONS OF A CIRCUS PERFORMER: By Zara Zalinzi: Annotated by Joshua Chapman Green by R.H. Slansky (Nathan Freeman);

Plus an interview with John Crowley by Will Waller, and excerpts from the diaries of Lola Ridge, afterword by Terese Svoboda.

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Pub Date:9/14/2016
Publisher: Eleven Eleven
Product Number:24304
ISBNNo ISBN
SKU #: H11G

Binding:PAPERBACK
Pages:248
Weight1 lbs.0 oz.
Quantity Available: 23
Price:
$ 12.00

L&Poe ’17-05

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431seit Ende 2000 gibt es die Lyrikzeitung, 15 Jahre als Tages-, jetzt als Wochenzeitung. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound.  In der heutigen Ausgabe: Scho, Hansen, Huidobro, Söllner, Shakespeare, Harry Mathews, Rinck und manches andere. Lesen!

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Die Themen in dieser Ausgabe

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Das neue Gedicht

Sabine Scho

alligator

man stelle sich einfach vor
man habe diesen alligator
dieses krokodil, ich frag’
besser den kurator (später)
als farbenblindes, oder nur
mit einem schwarzweiß-tv
auf diesen schrank hier, dabei
fällt mir ein, es müsste wie
bei dickinson sein, wir
sperren es gleich da rein
regeln die temperatur hoch
und backen uns eins aus
blätterteig, schicht um schicht
krokodile häuten sich nicht
die schuppen sich auf
mit fingergleichen tastorganen
fingern sie nach den häppchen
baklava. das sieht nur nicht
ganz so filigran wie hier
beschrieben aus, ich such’
sofort den kanal, dann alles
nochmal in zeitlupe

 

 

 

 

 

Die Tastsinnrezeptoren sind bei Krokodilen höher entwickelt als bei allen anderen Reptilien. Sie liegen in der Unterhaut und erreichen die Sensibilität menschlicher Fingerspitzen, sind allerdings über den ganzen Krokodilkörper verteilt. Mit ihnen nehmen sie Druckwellen wahr
und spüren so unter anderem ihre Beute auf.

Emily Dickinson

They shut me up in Prose –
As when a little Girl
They put me in the Closet –
Because they liked me “still” –

Still! Could themself have peeped –
And seen my Brain – go round –
They might as wise have lodged a Bird
For Treason – in the Pound –

Himself has but to will
And easy as a Star
Abolish his Captivity –
And laugh – No more have I –

(ca. 1862)

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Mit freundlicher Genehmigung aus: Sabine Scho. Andreas Töpfer. The Origin of Senses. An Intervention. Museum für Naturkunde Berlin 2015, S. 20

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Hansens Flaschenpost

Eine neue Kolumne von Dirk Uwe Hansen

hansen1In diesem Sinne leicht ist das Übersetzen von Gedichten für mich häufig dann, wenn das Zwischen-den-Wörtern mir klar zu sein scheint. Dann muss ich, wie ein Regisseur, dem ein guter Plot vorliegt, nur noch ein Ensemble geeigneter Wörter zusammensuchen und sie mit etwas diplomatischem Geschick dazu bringen, im Sinne dieses Plots miteinander zu agieren. Ich idealisiere. Aber manchmal klappt das wirklich so.
Aber wenn die Wörter sich vordrängeln, und ich, noch ehe ich weiß, was auf der Bühne passieren soll, mit dem fertigen Ensamble konfrontiert bin, dann wird die Sache schwierig. Denn auch wenn ich brav griechische Vokabeln gelernt habe, und mir auch eine Reihe von Wörterbüchern zur Verfügung stehen: Da werden aus harmonischen Paaren erbitterte Gegner, die, kaum in der Zielsprache angekommen, wie Eteokles und Polyneikes einander an die Gurgel gehen, oder aus erbitterten Gegnern harmonische Langweiler, die einander müde anschnarchen, oder die Ensemblemitglieder kümmern sich überhaupt nicht umeinander und erfinden jeder für sich neue Handlungen. Hier gehts zum kompletten Text
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Sprechenmüssen

Alexandru Bulucz: Deine Zeilen „Freiheit, wort- / los zu sein! // Als sei jenseits der Sprache / eine andere, flüssige Welt.“ („Seestück“) kann man auch mit dem verstehen, was du soeben gesagt hast: Wir müssen gar nichts. Als ich deine Zeilen gelesen habe, dachte ich vielmehr an Celans berühmtes Gedicht „Fadensonnen“: „Fadensonnen / über der grauschwarzen Ödnis. / Ein baum- / hoher Gedanke / greift sich den Lichtton: es sind / noch Lieder zu singen jenseits / der Menschen.“

Werner Söllner: Wenn du Celan erwähnst, fühle ich mich fast auf Metaphysisches verwiesen, und dann fühle ich mich ein bisschen klein. Ich selber habe nichts Metaphysisches im Sinn. Ich habe mich jahrelang dazu verpflichtet gefühlt, zu sprechen, zu schreiben. Das hat in der Jugend angefangen. Das Schreiben, auch das Nachdenken über Schreiben und Sprechen, hat oft in der Gruppe stattgefunden, im Freundeskreis, im Kollegenkreis. Sprechen war wie eine moralische Verpflichtung, eine moralische Selbstverpflichtung. Das war aber nicht nur in der Jugend so, die ich in einer Diktatur verbracht habe, wo man auch nachvollziehen kann, dass Sprechen, das Sprechen gegen die Diktatur, so etwas wie eine moralische Verpflichtung sein kann. Ich habe auch in den Jahren danach das Sprechen und das Schreiben als ein Muss teilweise praktiziert, teilweise empfunden. Dieses Sprechenmüssen gibt es auch hier unter ganz anderen Voraussetzungen. Hier hat es etwas mit dem Kommerz zu tun. Man muss andauernd im Gespräch sein, man muss andauernd liefern, man muss präsent sein, wenn man berufsmäßig schreibt oder diesen Beruf ausübt, man muss andauernd artikulieren bis zum Gehtnichtmehr. Was passiert, wenn man unter diesen Voraussetzungen vielleicht ganz normal nur eine Phase erlebt, in der man einfach Lust hat, die Schnauze zu halten. Im Extremfall ist man beruflich tot.

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Gestorben
  • Am 28.1. meldete die Rheinische Post, daß Hans Braam (Jg. 1939) in Kleve verstorben ist. „Dreißig Jahre hat er am Ende an seiner Statistik gearbeitet, etwa 60.000 Gedichte von circa 6.000 Autoren in nahezu 600 Anthologienbänden wurden erfasst, von denen ungefähr 20.000 Texte mehrfach belegt sind … Seine Datenbank ist am Deutschen Literaturarchiv Marbach angesiedelt.
  • Am 27. starb der österreichische Theatermacher und Dichter Ernst M. Binder (64) (ORF)

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Die Shakespeare-Leseecke

geht weiter mit Sonett #23: AS an vnperfect actor on the stage, deutsch von Eduard Saenger: Dem schlechten Spieler auf der Bühne gleich

shaksperssongs

Hier die aktuelle und alle bisherigen Folgen

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Begriffsstudio

12 von 4160 Begriffen aus dem Begriffsstudio von Monika Rinck, Supplement zur Dezemberliste, Stand (27) Jan 2017,

  • 4140     leichtfertige Hirsche im Äther weidend
  • 4141     Schwere, Schere, Schurke
  • 4142     Hauptstraße des Seelengartens
  • 4143     der durchsiebte Elefant
  • 4144     von Käse, Pistazien und Sirup trunken
  • 4145     Schwarmgeisterei
  • 4146     katastrophenblindes Vertrauen auf Kulturharmonie
  • 4147     munter, kühl und gesättigt
  • 4148     das eintägige Laub
  • 4149     Lauben mit Amoretten
  • 4150     der schmelzende Wohllaut O
  • 4151     Schabernack mit Maulbeersaft

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Harry Mathews †

Mr. Mathews, an idiosyncratic novelist, poet, essayist, translator and self-described refugee from an upper floor of an apartment building on the Upper East Side of Manhattan, died on Jan. 25 in Key West, Fla., after decades of confounding critics and captivating readers. He was 86. (…)

Since his first book was published, in 1962, when he was 32 and living in Paris, he had become a cult figure, more so to non-English-speaking fans abroad than in his native United States. In its interview with him, The Paris Review said Mr. Mathews “rightfully belongs to the experimentalist tradition of Kafka, Beckett and Joyce.” / New York Times

Ein Artikel in der Zeit vom 11.9. 1992
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Neue Zeitschriften
  • Lettre International 115. Winter 2016. Trumps Amerika. Donald Trump hatte sich als erigierter Phallus beworben, als sexuell aggressiver Mann, der die Regeln verletzen, unsere Feinde zerschmettern und Amerika wieder stark machen könne. – Im Posthistoire werden die Visionäre durch Manager ersetzt, fleißige Arbeitsgruppen nähmen die Rolle der Gründerväter ein. Jede Vernunfttätigkeit, die dem pragmatischen Prinzip widerspreche, stehe als l’art pour l’art und Orchideenwissenschaft unter Generalverdacht. – Lange Gedichte von Vicente Huidobro und Yang Lian. – Der Staat, der einen unerklärten Krieg führt, steht vor demselben Problem wie der klassische Mörder: Wohin mit der Leiche? (Die russische Autorin Oksana Timofejewna über den Krieg ihres Landes gegen die Ukraine) Mehr hier
  • Weimarer Beiträge 4/2016. Gerd Irrlitz: Erkennen – Beschreiben – Abbilden. Diagramme als Darstellungs- und Fortbildungaweise von Erkenntnissen. Zu John Bender, Michael Marrinan: Kultur des Diagramms

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Kurz gesagt
  • I’ve always felt that I’ve written poetry more by not writing it than writing it. Elizabeth Bishop More
  • If “Neruda is the great river” that Chile doesn’t have, then Zurita is its current. He is the poem that man will contemplate at the far edge of paradise. / Nathalie Handal, Prairieschooner

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Kurz berichtet
  • Nach über 50 Jahren schließt Katharina Wagenbach-Wolff aus Altersgründen Ende März 2017 ihren Verlag Friedenauer Presse, wie sie mitteilt. Mehr
  • Im Rahmen der 67. Wangener Gespräche hat der frühere Hanser-Verleger Michael Krüger den Eichendorff-Literaturpreis entgegengenommen. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert. / Börsenblatt
  • Ansicht der leuchtenden Wurzeln – Die erste Lyrikanthologie aus allen vier Literaturinstituten – Leipzig, Hildesheim, Biel, Wien erscheint beim Poetenladen
  • Zeichnungen von Rimbaud stehen bei Sotheby’s zur Auktion (hier eine französische Nachricht mit Faksimile eines frühen Comics von Rimbaud)
  • Tehran-born poet Kaveh Akbar began tweeting out poetry written by poets from the seven countries — Iran, Libya, Yemen, Sudan, Somalia, Iraq, and Syria — impacted by President Donald Trump’s executive order that temporarily bans immigrants from those countries. / More
  • Über den Großen Tag der jungen Münchner Literatur berichtet die Süddeutsche Zeitung
  • 42 Dichter aus 16 Ländern stehen auf der Shortlist des Wettbewerbs „Prinz der Poeten“ in Abu Dhabi / The Gulf Today
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Lyrikkalender

Zum Lyrikkalender gehts hier. Wintermitte. Zum 70. Todestag Hans Falladas am 5. gibt es im Geburtshaus in Greifswald, Steinstraße 58, ein Festival vom 3.-5.
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Rückblende: Dezember 2001

Christian Saalberg, Thomas Kling und Richard Anders leben. Léopold Sédar Senghor stirbt und viele Deutsche haben ihre Probleme mit dem „Neger“. Viel Traum (Draesner, Rinck), Halluzinogenes (Anders) sowie Liebeswahn (Lavant). Die Dichter haben immer recht (sogar Stalin zögert einen Moment), aber die Dichtung wirft nicht viel ab., Dies und mehr hier.
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Zum Schluß Hansjürgen Bulkowskis Poetopie

Werte wackeln – Wünsche werden immer dringlicher

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02-08

Am 8. Februar

In Slowenien ist Prešerentag (siehe unter 1849)

  • 1487: Ulrich, Herzog von Württemberg *. „Da nemlich ist Ulrich / Gegangen; oft sinnt, über den Fußtritt, / Ein groß Schicksaal / Bereit, an übrigem Orte.“ (Hölderlin: Der Winkel von Hahrdt)
  • 1552: Agrippa d’Aubigné, französischer Dichter und Soldat † (* 1630)
  • 1612: Samuel Butler, englischer Dichter und Satiriker *. Witzigerweise ist sein Taufdatum und -jahr (!)  Gegenstand gelehrten Streits: „His date of birth is unknown, but there is documentary evidence for the date of his baptism of 14 February.The date of Butler’s baptism is given as 8 February by Treadway Russell Nash in his 1793 edition of Hudibras. Nash had already mentioned Butler in his Collections for a History of Worcestershire(1781), and perhaps because the latter date seemed to be a revised account, it has been repeated by many writers and editors. However, The parish register of Strensham records under the year 1612: „Item was christened Samuell Butler the sonne of Samuell Butler the xiiijth of February anno ut supra“. Lady Day, 25 March, was New Year’s Day in England at the time, so the year of his baptism was 1613 according to the modern Gregorian calendar. (Wikipedia)
  • 1750: Aaron Hill, englischer Dichter † (* 1685)
  • 1794: Agnes Franz, schlesische Schriftstellerin *
  • 1795: Moritz Gottlieb Saphir, österreichischer Schriftsteller *. 1827 gründete er in Berlin die literarische Gesellschaft „Tunnel über der Spree“ nach dem Vorbild der Ludlamshöhle, der er in Wien angehört hatte.
  • 1819: John Ruskin, einflußreicher englischer Schriftsteller, Kunstkritiker * (†1900)
  • 1819: Carl Friedrich Wilhelm Jordan, deutscher Schriftsteller und Politiker *
  • 1822: Hermann Grieben, deutscher Journalist und Dichter *. Ostsee-Zeitung in Stettin,  Lübeckische Zeitung, Pommersche Zeitung in Stettin, Kölnische Zeitung.  Ernst Moritz Arndt von Rügen. Beitrag zum Arndt-Denkmal auf dem Rugard. 1869. (Gedichte)
  • 1822: Maxime Du Camp, französischer Schriftsteller *. Les convulsions de Paris (1875/79, 4 Bde.) – Chants modernes. Gedichte (1860) – Les convictions. Gedichte (1858) – Chants de la matière. Gedichte (1860)
  • 1828: Jules Verne, französischer Schriftsteller * († 1905)
  • 1834: Dmitri Iwanowitsch Mendelejew, russischer Chemiker * (27. Jan. alten Kalenders). Schuf das Periodensystem der Elemente. Oskar Pastior: Das Periodische System (1955), Zitat: „…Beli Boku / Stisa Flune / Namagalsi Phoschwehklar…“ (Berillium, Lithium, Bor, Kupfer, Stickstoff, Sauerstoff, Fluor, Neon)
  • 1835: Zacharie Astruc, französischer Kunstkritiker, Journalist, Dichter, Komponist, Maler und Bildhauer *
  • 1849: France Prešeren, slowenischer Dichter † (* 1800). Gilt als Nationaldichter.  Der Text der Nationalhymne stammt von ihm. Schrieb auch deutsche Gedichte. Deutsche Dichtungen, herausgegeben von Wilhelm Baum (Reihe Tangenten). Kitab, Klagenfurt 1999. Preširenklänge (1880) (Lyrikzeitung)
  • 1882: Mary S. B. Dana, US-amerikanische Schriftstellerin †
  • 1892: Ralph Chubb, britischer Dichter, Drucker und Künstler *
  • 1908: Emil Staiger, Schweizer Professor der Germanistik an der Universität Zürich *. Grundbegriffe der Poetik (1946), Die Kunst der Interpretation (1955). Nach 1945 lange Zeit der „Papst“ der (textimmanenten) Literaturwissenschaft. „Begreifen was uns ergreift“. Demontierte sich selber mit einer Generalattacke auf die Moderne bei einer Rede in Zürich 1966 („Zürcher Literaturstreit“). (Lyrikzeitung)
  • 1911: Elizabeth Bishop, US-amerikanische Schriftstellerin * († 1979) (Lyrikzeitung)
  • 1911: Gustaf Fröding, schwedischer Lyriker †
  • 1914: Adam Trabert, deutscher Schriftsteller und Jurist †. Deutsche Gedichte aus Österreich, 1. Bd. Schwertlieder eines Friedsamen, 1888, 2. und 3. Bd., 1889
  • 1915: Nagatsuka Takashi, japanischer Schriftsteller †.
  • 1916: Gustav Falke, deutscher Schriftsteller †
  • 1920: Richard Dehmel, deutscher Dichter und Schriftsteller † (Lyrikzeitung)
  • 1921: Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, russischer Anarchist, Geograph und Schriftsteller †
  • 1922: Erika Burkart, Schweizer Schriftstellerin * (Lyrikzeitung)
  • 1926: Neal Cassady, US-amerikanischer Autor, Beatnik *
  • 1930: Eva Strittmatter, deutsche Dichterin * (Lyrikzeitung)
  • 1940: Hans Ostwald, deutscher Journalist und Schriftsteller †. Rinnsteinsprache, Berlin 1906 – Das Berliner Dirnentum, 10 Bände, Leipzig 1905–1907 – Hrsg. Lieder aus dem Rinnstein, 3 Bände, Leipzig/Berlin 1903, 1904, 1906
  • 1943: Pirzada Qasim, pakistanischer Dichter (Urdu) *
  • 1944: Alfons Paquet, deutscher Autor †
  • 1950: Gründung der Stasi in Ostberlin (Biermann: Die Stasi ist mein Eckermann https://youtu.be/v2K47KkZc_M)
  • 1952: Das Statistische Bundesamt teilt mit, dass 9,6 Millionen Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland leben.
  • 1959: Josef Friedrich Perkonig, österreichischer Schriftsteller †. „„In mir selbst wirkt aus den Ahnen väterlicherseits ein leiser Tropfen slawischen Blutes“ oder „…zu deutscher Seele hin ist mein Sinn gerichtet, slawischer Seele aber weiß ich nachzuspüren“. Perkonig erläutert vor allem die Menschen und Landschaften des österreichisch-slowenischen Grenzgebiets: „Als ein Dichter des deutschen Grenzlandes weiß ich wohl, daß ich für mein Volk auf Vorposten stehe, daß ich ein Vermittler sein muß zwischen Drüben und Herüben.“ Man betrachtet sein schriftstellerisches Tun als Beginn der eigenständigen Kärntner Dichtung. Er gilt indes vor allem als „Dichter eines ganzen, ungeteilten Kärnten, der in der Sprache des deutschen die Geheimnisse und Schönheiten des slowenischen preist““ (Wikipedia) Außerdem NS-Sympathisant und -Propagandist.
  • 1960: J. L. Austin, englischer Philosoph und Linguist † (* 1911). Sprechakttheorie. How to Do Things with Words.
  • 1962: August Lämmle, schwäbischer Mundartdichter †
  • 1986: Ishizuka Tomoji, japanischer Haikudichter t
  • 1998: Halldór Laxness, isländischer Schriftsteller, Nobelpreisträger †
  • 1999: Iris Murdoch, anglo-irische Schriftstellerin †
  • 2000: Angelika Mechtel, deutsche Schriftstellerin †
  • 2016: Margaret Forster, englische Autorin † (* 1938)
  • 2016: Nida Fazli, indischer Dichter und Liedermacher † (* 1938)

10. Februar

Am 10. Februar

  • 1126: Wilhelm IX., Herzog von Aquitanien (Guillaume IX de Poitiers) * Hier sein heute berühmtestes Lied „Ich mach ein Lied aus reinweg nichts“ (Textkette | Lyrikgeschichte mit der Fassung Norbert Langes)
  • 1609: John Suckling, englischer Dichter * († 1642)
  • 1685: Aaron Hill, englischer Dichter * (†1750)
  • 1695: Daniel Triller, deutscher Mediziner und Schriftsteller *
  • 1729: Johann von Besser, deutscher Dichter †
  • 1775 – Charles Lamb, englischer Schriftsteller * († 1834)
  • 1837: Alexander Puschkin, russischer Dichter † (* 1799) (Lyrikzeitung)
  • 1847: Nabinchandra Sen, bangladeschischer (indischer) Dichter * († 1909)
  • 1878: Katayama Hiroko, japanische Lyrikerin und Übersetzerin *
  • 1888: Giuseppe Ungaretti, in Ägypten geborener italienischer Dichter * († 1970) „Ich erleuchte mich / durch Unermeßliches“ (Lyrikzeitung)
  • 1890: Boris Pasternak, russischer Dichter, Literaturnobelpreis * († 1960) (Lyrikzeitung)
  • 1898: Bertolt Brecht * († 1956) (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1899: Archibald Lampman, kanadischer Lyriker †
  • 1906: Anton Hermann Albrecht, deutscher evangelischer Theologe und Dichter †
  • 1909: Min Thu Wun, myanmarischer Dichter, Wissenschaftler und Politiker * († 2004)
  • 1921: Margarete Hannsmann, deutsche Schriftstellerin *
  • 1934: Kareen Fleur Adcock, britisch-neuseeländische Dichterin und Übersetzerin *
  • 1938: Aleksander Majkowski, kaschubischer und polnischer Autor †. Studierte 1900-1901 in Greifswald Medizin, wurde wegen patriotischer Betätigung für Polen der Universität verwiesen und studierte in München weiter.
  • 1952: Macedonio Fernández, argentinischer Schriftsteller †
  • 1956: Leonora Speyer, amerikanischer Dichter und Musiker † (* 1872)
  • 1961: Jakub Deml, tschechischer Priester und Dichter †
  • 1966: Renata Przemyk, polnische Liedermacherin *
  • 1975: Nikos Kavvadias, griechischer Dichter und Seemann † (* 1910)
  • 1995: Paul Monette, amerikanischer Schriftsteller und Aktivist † (* 1945)
  • 2005: Arthur Miller, US-amerikanischer Schriftsteller †

02-07

Am 7. Februar

  • 1127: Frau Ava, Ava von Göttweig, erste namentlich bekannte deutschsprachige Dichterin †. (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1478: Thomas Morus, englischer Staatsmann, Philosoph und Autor *. Katholischer Märtyrer, Luthergegner. Utopia.
  • „Anfang Februar 1497 ließ Savonarola große Scharen von Jugendlichen und Kindern („fanciulli“) durch Florenz ziehen, die im Namen Christi alles beschlagnahmten, was als Symbol für die Verkommenheit der Menschen gedeutet werden konnte. Dazu zählten nicht nur heidnische Schriften (oder solche, die von Savonarola dazu gezählt wurden) oder pornographische Bilder, sondern auch „Luxusgegenstände“ wie Gemälde, Schmuck, Kosmetika, Spiegel, weltliche Musikinstrumente und -noten, Spielkarten, aufwändige Möbel oder teure Kleidungsstücke. Teilweise lieferten die Besitzer diese Dinge auch selbst ab, sei es aus tatsächlicher „Reue“ oder aus Angst vor Repressalien. Am 7. Februar 1497 und am 17. Februar 1498 wurden all diese Gegenstände auf einem riesigen Scheiterhaufen auf der Piazza della Signoriaverbrannt. Der Maler Sandro Botticelli warf einige seiner Bilder selbst in die Flammen.“ (Wikipedia)
  • 1529: Baldassare Castiglione, italienischer Höfling und Schriftsteller †. „so erwidere ich, daß alles, was die Männer begreifen können, auch von den Frauen begriffen werden kann und daß, wohin der Verstand des einen dringt, der der anderen auch dringen kann.“ Schrieb auch Liebessonette.
  • 1603: Bartholomäus Sastrow, deutscher autobiographischer Schriftsteller † in Stralsund. Geboren 1520 in Greifswald. Bürgermeister von Stralsund.
  • 1637: Mit dem Ende der großen Tulpenmanie in den Niederlanden kommt es zum ersten „Börsencrash“ der Geschichte. Der Handel stoppt gänzlich, die Preise fallen um über 95 %. Vgl. Bertram Reinecke: Andreas Gryphius im Jahre 1638, als er sahe, wie sie zu Holland Tulipan for Gold genommen… In: Sleutel voor de hoogduitsche spraakkunst. Roughbook 019 (2012)
  • 1775: Johann Diederich Gries, deutscher Übersetzer (Tasso, Ariost) *. „Lieber gute Übersetzungen als mittelmäßige Gedichte“
  • 1802: Johann Nepomuk Vogl, österreichischer Schriftsteller *. Balladen. Schnadahüpfeln. Ein Beitrag zur österreichischen Volkspoesie (1860)
  • 1809: Frederik Paludan-Müller, dänischer Schriftsteller *
  • 1823: Ann Radcliffe, britische Schriftstellerin †. (* 1764). Ode to Terror, 1810. Pionierin des Gothic Novel und „erste Poetin der Liebesromane“ (Walter Scott). Schrieb auch Gedichte (Textkette)
  • 1834: Estanislao del Campo, argentinischer Dichter und Journalist *
  • 1841: Hermann Menge, deutscher Altphilologe, Bibelübersetzer (Menge-Bibel) *
  • 1864: Vuk Karadžić, Serbischer Dichter, Philologe, Sprachreformer † (* 1787). Propagierte ein Großserbien „überall, wo serbische Sprache gesprochen wird“, also Kroatien und Bosnien eingeschlossen. Volkslieder der Serben. Metrisch übersetzt und historisch eingeleitet von Talvj. 1825 ff. – Serbische Volkslieder. Aus dem Serbischen. Teile einer historischen Sammlung. Gesammelt und hrsg. von Vuk Stefanović Karadžić. Übersetzt von Talvj. Ausgewählt und mit einem Nachwerot versehen von Friedhilde Krause. Reclam, Leipzig 1980.
  • 1867: Laura Ingalls Wilder, US-amerikanische Schriftstellerin (Our little Farm) *. „If I would have been an Indian, I think I would have scalped more white folks“
  • 1889: Ludwig Winder, österreichischer Schriftsteller und Literaturkritiker *. Gehörte zum „Prager Kreis“. Sein Theaterstück „Die Frau ohne Eigenschaften“ diente Robert Musil zur Vorlage für seinen Roman.
  • 1904: Emil Rosenow, deutscher Schriftsteller, Reichstagsabgeordneter †
  • 1904: Ernst Ginsberg, deutscher Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller, Theaterleiter *. Litt an Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). „Als er sich schon nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen konnte, diktierte er seiner Pflegerin noch, mit Hilfe des Morsealphabets, mit den Augenlidern Gedichte.“ (Wikipedia)
  • 1910: Max Bense, Physiker, Philosoph, Schriftsteller *. Theoretiker der Konkreten Poesie. Stuttgarter Gruppe. „Bense bekannte sich ausdrücklich dazu, Rationalist und Atheist zu sein; er entwarf eine Informationsästhetik, die darauf angelegt war, ihre Urteile auch statistisch zu fassen und empirisch zu begründen. Er liebte es, im Radio und im Fernsehen diskussionsfreudig aufzutreten, rhetorisch kühn zu pointieren und sich auch essayistisch an eine breitere Öffentlichkeit zu wenden. Er war einer der führenden Köpfe in der Literatur- und Kunstszene der ›experimentierenden‹ Avantgarde jener Jahre, veranstaltete Ausstellungen und Lesungen und schrieb selber ›experimentelle Texte‹. CDU-Politiker in Stuttgart fühlten sich von ihm so provoziert, dass sie der TH Stuttgart eine zweite Philosophie-Professur bewilligten, unter der Auflage, dass sie mit einem christlich orientierten Philosophen zu besetzen sei. (So kam Robert Spaemann nach Stuttgart, dem freilich nur allzubald von der Universität München ein größerer Wirkungskreis mit Erfolg angeboten wurde). Helmut Kreuzer (Lyrikzeitung)
  • 1925: Herbert Eisenreich, österreichischer Schriftsteller *
  • 1929: Alejandro Jodorowsky, chilenischer Regisseur, Schauspieler und Autor *. „1975 begann Jodorowsky mit der Arbeit an der Verfilmung von Frank Herberts Roman Der Wüstenplanet. Nach Jodorowskys Ideen sollte der Film zehn Stunden lang sein und sah Orson Welles, Salvador Dalí und Gloria Swanson als Darsteller vor. Die Filmmusik sollte von Pink Floyd und der französischen Musikgruppe Magma, jeweils eine der beiden Bands sollte eines der Herrscherhäuser repräsentieren, die Ausstattung von HR Giger stammen. Als sich die Geldgeber aus dem Projekt zurückzogen, wurde David Lynch mit der Verfilmung beauftragt.“ (Wikipedia)
  • 1935: Heinz Czechowski, deutscher Lyriker * (Lyrikzeitung)
  • 1937: Doris Gercke, deutsche Krimi-Schriftstellerin (Bella Block) * in Greifswald
  • 1938: Friedrich Karl Barth, deutscher Pfarrer und Liedautor *
  • 1940: Christopher John Arthur, britischer Philosoph und Autor *. „Er vertritt die sogenannte „Homologiehypothese“ („Homology Thesis“), nach der sich die dialektischen Methoden von Marx und Georg Wilhelm Friedrich Hegel von der Form her gleichen, aber auf unterschiedlichen ontologischen Ebenen befinden. Die reale Bewegung des Austausches, wie sie Marx in Das Kapital darstellt modelliere demnach die selbstbewegenden Gedankenformen aus Hegels idealistischer Theorie.“ (Wikipedia)
  • 1940: Julius Wahle, österreichischer Literaturwissenschaftler †. Leiter des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar. Mitarbeiter an der Weimarer Ausgabe von Goethes Werken. 1933 als Jude zum Austritt aus der Goethe-Gesellschaft gezwungen.
  • 1941: Kevin Crossley-Holland, englischer Dichter, Kinderautor *
  • 1947: Ruth Aspöck, österreichische Schriftstellerin *. Gedichtet. Prosaische Lyrik (1995)
  • 1948: Friedrich Ach,  fränkischer Mundartautor *
  • 1955: Alban Nikolai Herbst, deutscher Schriftsteller *
  • 1957: Lioba Happel, deutsche Schriftstellerin  *
  • 1969: Alma Rogge, deutsche Schriftstellerin †
  • 1971: 66 % der Schweizer stimmen für die Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen auf Bundesebene.
  • 1972: Walter von Sanden-Guja, deutscher Schriftsteller, Naturforscher, Fotograf †
  • 2008: Frank Geerk, deutscher Dichter †

Lyrikkalender 6-2017

Am Sonnabend, 4.2.

Wintermitte. Aßmann von Abschatz, Bellman, Ulrike von Levtzow, Jacques Prévert, Dietrich Bonhoeffer, Neal Cassady u.a. hier

Am Sonntag, 5.2.

Hans Fallada (70. Todestag), Lou Andreas-Salomé (80. Todestag). Runebergtag in Finnland u.v.a. hier

Am Montag, 6.2.

Nationaler Tag der Samen. Zwei politische Antipoden haben an diesem Tag Geburtstag: Der Pole Julian Ursyn Niemcewicz (* 1757) schrieb ein verschwörungstheoretisches Buch über eine organisierte „jüdische Verschwörung“ gegen Polen. Der deutsche und jüdische Schriftsteller Saul Ascher (* 1767) schrieb gegen die mit Namen wie Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwig Jahr verbundene völkische und antisemitische Ideologie an und bemerkte hellsichtig, dass nach der Verdammung der Philister und Juden nun „Indier, Mohammedaner, Chinesen und ungläubige Barbaren an die Reihe kommen“. Mehr hier

Am Dienstag, 7.2.

Botticelli verbrennt seine pornographischen Bilder. Baldassare Castiglione glaubt, daß alles, was Männer begreifen, auch Frauen begreifen können. 66% der Schweizer stimmen ihm 450 Jahre später zu. Max Bense, Alejandro Jodorowsky und viele andere hier.

Am Mittwoch, 8.2.

Prešerentag (Slowenien). France Prešeren, Samuel Butler, Arndt von Rügen? Eva Strittmatter und Austin mehr hier

Am Donnerstag, 9.2.

Der größte tschagataiische Dichter, der wichtigste moderne japanische Dichter, der Erneuerer des englischsprachigen Theaters und wichtigste irische Dichter… und andere Koryphäen und Kuriositäten hier Plus: 90. Geburtstag von Rainer M. Gerhardt

Am Freitag, 10.2.

Geburtstag Bertolt Brechts und des ersten Trobadors Wilhelm IX. von Aquitanien („Ich mach ein Lied aus reinweg nichts“). Außerdem von Giuseppe Ungaretti, Boris Pasternak und Margarete Hannsmann. Und der 180. Todestag Alexander Puschkins. Mehr hier

02-06

Am 6. Februar

Nationaler Tag der Samen (die in Norwegen, Schweden, Finnland und Rußland leben) (Lyrikzeitung)

  • 1620: Elisabeth von Baden-Durlach, deutsche Spruchdichterin * („Wer sich viel wissenschafft zu lernen wil bequemen / der muß die züchtigung zu leiden sich nicht schämen“)
  • 1639: Daniel Georg Morhof, deutscher Literaturhistoriker *. Erkannte das Genie der jung verstorbenen Dichterin Sibylla Schwarz. (Lyrikwiki)
  • 1753: Évariste de Parny, französischer Dichter * († 1814)
  • 1757: Julian Ursyn Niemcewicz, polnischer Dichter, Freiheitskämpfer, Politiker *. Emigrierte nach Deutschland, Amerika und Frankreich. Schrieb ein Buch über eine organisierte „jüdische Verschwörung“ gegen Polen.
  • 1767: Saul Ascher, deutsch-jüdischer Schriftsteller *. „1811 beschrieb er die Berliner romantisch-nationalistische Christlich-deutsche Tischgesellschaft, die in ihrem Vereinsstatut eine Mitgliedschaft von Juden oder Jüdischstämmigen grundsätzlich ausschloss. Dabei brachte er im Hinblick auf antisemitische Publikationen Clemens Brentanos die Befürchtung zum Ausdruck, dass nach der Verdammung der Philister und Juden nun „Indier, Mohammedaner, Chinesen und ungläubige Barbaren an die Reihe kommen“.“ (Wikipedia) Wirkte gegen die antifranzösische und antisemitische Volkstumsideologie mit den Wortführern Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ludwig Jahn. Seine Schrift Germanomanie wurde beim Wartburgfest der Burschenschaften verbrannt.
  • 1778: Ugo Foscolo, italienischer Dichter * († 1827)
  • 1843: Frederic William Henry Myers, englischer Dichter und Philologe, Mitbegründer der Society for Psychical Research * († 1901)
  • 1845: Ernst Eckstein, deutscher Schriftsteller *. 1874 bis 1882 Herausgeber der Leipziger Deutschen Dichterhalle, einer wichtigen Zeitschrift der gründerzeitlichen Lyrik, in der Felix Dahn, Emanuel Geibel, Karl Gutzkow und Paul Heyse publizierten
  • 1854: Ulrich Volkhausen (Pseud. Korl Biegemann), lippischer Mundartdichter *
  • 1860: Bruno Wille, deutscher Philosoph, Journalist und Schriftsteller *. Mitglied des Berliner Naturalistenvereins und des Friedrichshagener Dichterkreises. Mitgründer der Freien Volksbühne. Freidenker und Sozialist. Einsiedler und Genosse. Soziale Gedichte nebst einem Vorspiel. Berlin 1890. – Hölderlin und seine heimliche Maid. Roman. Dresden 1921.
  • 1864: John Henry Mackay, deutscher Philosoph und Schriftsteller schottischer Herkunft, Anarchist * († 1933)
  • 1872: Alfred Mombert, deutscher Schriftsteller *. Visionärer Dichter, Seher, Kosmiker. „während meiner Lebensperiode sah oder las ich drei Juden, die ich als genial bezeichnen würde: Weininger, Else Lasker-Schüler, Mombert“ (Gottfried Benn)
  • 1880: Alexander von Bernus, Schriftsteller, Alchemist *. In England aufgewachsen. 1.000 Gedichte. Versspiele und Kurzprosa, übersetzte englische Lyrik ins Deutsche
  • 1882: Anne Spencer (eigentlich Annie Bethel Spencer), US-amerikanische Schriftstellerin *. Die erste Afroamerikanerin, deren Gedichte in die Norton Anthology of American Poetry aufgenommen wurden.
  • 1886: Sergio Corazzini, italienischer Dichter *. Gedichte in römischem Dialekt u.a. Piccolo libro inutile (Kleines, nutzloses Buch; 1906)
  • 1890: Ernst Wilhelm Lotz, deutscher Lyriker *. Und schöne Raubtierflecken … (Gedichte) (1913). Hart stoßen sich die Wände in den Straßen. Am 26.9. 1914 in Frankreich gefallen. (Textkette)
  • 1902: Sophie Sichart von Sichartshoff, deutsche Dichterin †
  • 1915: Kavi Pradeep, indischer Dichter und Liedermacher * († 1998)
  • 1916: Rubén Darío, nikaraguanischer Dichter † (* 1867) (Lyrikzeitung)
  • 1919: Takashi Yanase, japanischer Dichter und Illustrator * († 2013)
  • 1923: Adolf Heyduk, tschechischer Dichter †
  • 1924: Paolo Volponi, italienischer Schriftsteller *
  • 1926: Lothar Zenetti, deutscher Theologe und Schriftsteller *. Gedichte, Kirchenlieder. „Gemeinsam mit Albert Mangelsdorff reiste er in die USA und brachte von da die Idee zu lebendigeren, zwanglosen Gottesdiensten mit, die mit Jazz- oder Beatmusik gestaltet werden sollten.“ (Wikipedia)
  • 1929: Geraldo Holanda Cavalcanti, brasilianischer Schriftsteller, Übersetzer und Diplomat *.  Präsident der Academia Brasileira de Letras 2014.
  • 1931: Heinz Kahlau, deutscher Lyriker * († 2012). 20 Gedichtbände, in hohen Auflagen verbreitet. (Lyrikzeitung)
  • 1932: Ernst Herhaus, deutscher Schriftsteller * († 2010) (Lyrikzeitung)
  • 1933: Letzte Sitzung der Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie unter Leitung Heinrich Manns. Man beschließt, daß gegenwärtig kein zwingender Grund für das „Erstarken der Kulturreaktion“ gegeben sei. Man müsse abwarten und wachsam bleiben.
  • 1935: Bruno Hillebrand, Literaturwissenschaftler und Schriftsteller *. Sehrreale Verse. Gedichte. (S.Fischer Verlag) Frankfurt a.M. 1966. Reale Verse. Gedichte. (S. Fischer Verlag) Frankfurt a.M. 1972. Hrsg. Gottfried Benn. Gesammelte Werke in der Fassung der Erstdrucke.
  • 1943: Bogislav von Selchow, Schriftsteller, Teilnehmer am Kappputsch gegen die Weimarer Republik † (* in Köslin). Deutsche Gedanken, Gedichte 1920. Von Rotz und Treue, Gedichte 1921. Wächter der Schwelle, 1930. 1933 Aufruf von 48 Persönlichkeiten: Wählt Hitler
  • 1945: Otto Thörner, deutscher Pädagoge und Heimatdichter †
  • 1954: Maxwell Bodenheim, US-amerikanischer Schriftsteller *
  • 1959: Dermot Bolger, irischer Schriftsteller, Herausgeber und Verleger (Raven Arts Press / New Island Books) *.
  • 1960: Aris Fioretos, schwedischer Schriftsteller und Übersetzer (Hölderlin, Serner, Waterhouse) *
  • 1985: Inger Hagerup, norwegische Lyrikerin †
  • 1995: James Merrill, amerikanischer Dichter u. Dramatiker † (* 1926) (Lyrikzeitung)
  • 2005: Armin Müller, deutscher Schriftsteller und Maler †
  • 2008: Dieter Noll, deutscher Schriftsteller † (Die Abenteuer des Werner Holt)
  • 2011: Andrée Chedid, libanesisch-französische Schriftstellerin †
  • 2014: Maxine Kumin, US-amerikanische Dichterin † (* 1925) (Lyrikzeitung)

02-09

  • 1441: Mir ʿAli Schir Nawāʾi, türkischer Dichter, Linguist und Maler am Hof der Timuriden in Herat. * († 1501). Er gilt als einer der bedeutendsten Dichter der tschagataischen Sprache. „In Tadschikistan und Usbekistan wird Nawā’ī heute als Volksheld gefeiert, bei ersteren vor allem wegen seiner Tätigkeit als Bauherr und Kunstförderer, bei zweiteren wegen seiner tschagataischen Dichtung. Er gilt vielen als der größte turksprachige Dichter aller Zeiten und wird gleichgesetzt mit Dichtern wie Yunus Emre.“ (Wikipedia)
  • 1769: Susette Gontard, Geliebte des Dichters Friedrich Hölderlin *
  • 1777 (230. Geburtstag): Louise Brachmann, deutsche Schriftstellerin *. Lebte ab 1787 in Weißenfels, wo sie Novalis kennenlernte, der die Veröffentlichung einiger Gedichte in Schillers „Horen“ und seinem Musenalmanach vermittelte.
  • 1783: Wassili Andrejewitsch Schukowski, russischer Dichter und Übersetzer (deutsche u. englische Balladen, Odyssee) *. Ab 1841 in Deutschland. Als Kunstsammler Förderer Caspar David Friedrichs.
  • 1789: Franz Xaver Gabelsberger,  Erfinder der Stenografie * Hier sein berühmtestes Gedicht in seiner Kurzschrift.
  • 1803: Jean François de Saint-Lambert, französischer Dichter und Philosoph † (* 1716)
  • 1842: Johann Diederich Gries, deutscher Übersetzer †
  • 1848: „Wegen Handgreiflichkeiten zwischen der Bevölkerung und der studentischen Leibgarde seiner Konkubine Lola Montez verfügt der bayerische König Ludwig I. die sofortige Schließung der Universität München und fordert alle Studenten zum Verlassen der Stadt auf. Dies löst tags darauf starke Proteste in der Stadt aus.“ (Wikipedia)
  • 1857 (vor 160 Jahren): Dionysios Solomos, griechischer Dichter und Übersetzer † (* 1798). Gilt als griechischer Nationaldichter und schrieb den Text der Nationalhymne. (Lyrikzeitung)
  • 1867 (150. Geburtstag): Natsume Sōseki, japanischer Schriftsteller * († 1916). Schrieb Romane, Haiku, Kanshi, Märchen. Gilt vielen als der größte neuere Autor Japans.
  • 1874: Amy Lowell, US-amerikanische Dichterin * († 1925) (Lyrikzeitung)
  • 1898: Jūkichi Yagi, japanischer Dichter * († 1927)
  • 1906: Paul Laurence Dunbar, US-amerikanischer Schriftsteller † (*1872). Schrieb im „Negerdialekt“ der Südstaaten, im regionalen Dialekt des Mittleren Westens und in konventionellem Englisch.
  • 1923: Brendan Behan, irischer Dichter und Dramatiker * († 1964). Schrieb Englisch und Irisch und gilt weithin als einer der größten irischen Autoren aller Zeiten. In seiner Jugend Freiwilliger in der IRA. 1939-47 fast durchgehend in Haft. Erneuerer des englischsprachigen Theaters.
  • 1927 (90. Geburtstag): Rainer Maria Gerhardt, deutscher Schriftsteller, Verleger und Übersetzer *. Übersetzte und edierte Ezra Pound,  William Carlos Williams, Basil Bunting, T.S. Eliot, Robert Creeley, Aimé Césaire, Henry Miller. Zeitschrift „Fragmente“. Literarisch isoliert und finanziell ruiniert nahm er sich 1954 das Leben. (Lyrikzeitung)
  • 1931: Thomas Bernhard, österreichischer Schriftsteller * († 1989) (Lyrikzeitung)
  • 1944 : Alice Walker, amerikanische Schriftstellerin *
  • 1979: Allen Tate, amerikanischer Dichter † (* 1899)
  • 1996: August Kühn, deutscher Schriftsteller †
  • 2009: Kazys Bradūnas, litauischer Dichter †
  • 2012: Dimitri T. Analis, griechischer Schriftsteller und Diplomat † (Lyrikzeitung)

02-04

Am 4. Februar

  • (ungefähre) Wintermitte
  • 1447: Lodovico Lazzarelli, italienischer Dichter ± († 1500)
  • 1505: Mikołaj Rej, polnischer Dichter * († 1580) (Lyrikzeitung)
  • 1508: Conrad Celtis, deutscher Dichter in lateinischer Sprache † (* 1459) (Textkette | Lyrikzeitung)
  • 1646: Hans Aßmann Freiherr von Abschatz, deutscher Barocklyriker *
  • 1713: Anthony Ashley-Cooper, 3. Earl of Shaftesbury, englischer Politiker, Philosoph und Schriftsteller *
  • 1740: Carl Mikael Bellman, schwedischer Dichter * († 1795) (Lyrikzeitung | Textkette)
  • 1799: João Baptista da Silva Leitão de Almeida, Visconde de Garrett, portugiesischer Schriftsteller und Politiker *
  • 1804: Ulrike von Levetzow, Goethes letzte Liebe  (naja, nimmt man an) * (Marienbader Elegie)
  • 1848: Jean Aicard, französischer Dichter * († 1921)
  • 1849: Jean Richepin, französischer Dichter * († 1926)
  • 1892: E. J. Pratt, kanadischer Dichter * († 1964)
  • 1900: Jacques Prévert, französischer Dichter und Chansonnier * († 1977) (Lyrikzeitung)
  • 1902: Charles Lindbergh, US-amerikanischer Pilot * (1927 erste Alleinüberquerung des Atlantik. Sprecher des America First Committee, von Hitler mit einem Orden geehrt. Brechts Hörspiel „Der Ozeanflug.
  • 1906: Dietrich Bonhoeffer, deutscher Pfarrer, Widerstandskämpfer, wurde 1945 kurz vor Kriegsende hingerichtet * (Von guten Mächten wunderbar geborgen)
  • 1908: Julian Bell, englischer Dichter * († 1937)
  • 1914: Alfred Andersch, deutscher Schriftsteller und Rundfunkredakteur *. Gründungsmitglied der Gruppe 47. 1976 löste das Gedicht Artikel 3 (3)  (über die Notstandsgesetze) einen Skandal aus.
  • 1916: Gavin Ewart, britischer Dichter * († 1995)
  • 1921: Carl Hauptmann, deutscher Schriftsteller †
  • 1921: Lotfi Zadeh, US-amerikanischer Informatiker, Vater der Fuzzy Logik *
  • 1926: Katharina Zitelmann, deutsche Schriftstellerin †
  • 1933: Durch die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes durch Reichspräsident Paul von Hindenburg werden die Grundrechte der Weimarer Verfassung, insbesondere Versammlungs- und Pressefreiheit eingeschränkt. Reichsinnenminister Wilhelm Frick erhält weitreichende Vollmachten.
  • Der Nazi Bernhard Rust wird Reichskommissar und kommissarischer Leiter des preußischen Kulturministeriums, damit auch Kurator der Akademie der Künste.
  • 1936: Radium als erstes radioaktives Element synthetisch hergestellt (Majakowski: Dichten ist wie Radium gewinnen)
  • 1939: Edward Sapir, US-amerikanischer Ethnologe und Linguist †
  • 1950: Charlot Strasser, Schweizer Psychiater und Schriftsteller †. Gedichte von einer Weltreise und andere Lieder Zürich, Rascher, ca. 1909
  • 1968: Neal Cassady, amerikanischer Schriftsteller, Beatnik † (* 1926).
  • 1970: Louise Bogan, US-amerikanische Dichterin † (* 1897)
  • 1970: Norman Ohler, deutscher Schriftsteller *. 1995 veröffentlichte Ohler die Geschichte des stummen Detektivs Maxx Rutenberg aus New York im Internet, als vermutlich der erste Hypertext-Roman in deutscher Sprache im WWW. Als Buch Die Quotenmaschine.
  • 1974: Ozaki Kihachi, japanischer Schriftsteller †
  • 2007: Ilya Kormiltsev, russisch-englischer Dichter und Übersetzer † (* 1959)
  • Across the Universe Day.2008 wurde der Beatles-Song Across the Universe, codiert als MP3, von der Madrider Deep-Space-Antenne abgestrahlt, er wird die 2,5 Billiarden Kilometer entfernte Polarstern-Region im Jahr 2439 erreicht haben.

Lettre International 115

Die europäische Kulturzeitschrift erscheint in ihrem 115. Heft mit den Schwerpunkten

  • Trumps Amerika
  • Über Grenzen
  • Digitale Verunsicherung
  • Kunstkonzepte
  • Lebenswege
  • Östliches Gelände

Roger Friedland schreibt angesichts der Wahl Donald Trumps über Staat und Geschlecht. Die Erotisierung der Macht und die Verheißungen des Patriarchats. Bei der US-Wahl sei es um das Geschlecht des Staates gegangen. „Donald Trump hatte sich als erigierter Phallus beworben, als sexuell aggressiver Mann, der die Regeln verletzen, unsere Feinde zerschmettern und Amerika wieder stark machen könne. (…) Die Leute haben seinen Schwanz gewählt. Nie zuvor hatte ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat die Länge seines Penis verteidigt, geschweige denn in einem Rededuell in bester Sendezeit versichert, seine kleinen Hände ließen nicht darauf schließen, daß auch alles andere klein sei. ‚Ich garantiere Ihnen, es gibt da kein Problem. Glauben Sie mir!‘, schoß er in einem Streitgespräch des Vorwahlkampfes zurück. (…) Auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner skandierte die Menge nicht ‚Yes, we can‘, sondern ‚Yes, you will‘.“ (S. 7)

Timothy Snyder rät in 20 Vorschlägen „zur Bewahrung der Freiheit in der Unfreiheit„, angesichts dieser Wahl ein Zeichen zu setzen. Hier stark verkürzt einige dieser Vorschläge:

  1. Gehorchen Sie nicht schon im voraus.

[In der öffentlichen Debatte geschieht es längst, ich meine nicht seine Anhänger]

6. Gehen Sie glimpflich mit unserer Sprache um. Meiden Sie Phrasen, die jeder drischt.Überlegen Sie sich ihre eigene Ausdrucksweise, auch wenn es nur darum geht, auszudrücken, was Ihrer Ansicht nach jeder sagt. (Benutzen Sie das Internet nicht vordem Schlafengehen. Halten Sie Ihre Gerätschaften vom Schlafzimmer fern und lesen Sie was.)

9. Ermitteln Sie selbst. Versuchen Sie selbst auf etwas zu kommen. Gehen Sie den Dingen selbst auf den Grund. Verwenden Sie mehr Zeit auf lange Artikel.

12. Übernehmen Sie Verantwortung für das Gesicht der Welt. Achten Sie auf Hakenkreuze und all die anderen Zeichen von Haß. Schauen Sie nicht weg und gewöhnen Sie sich nicht an sie. Entfernen Sie sie selbst und setzen Sie somit selbst ein Zeichen.

Und Masha Gessen plädiert für hartnäckigen Widerstand (und kritisiert Obama und Clinton, die nach der Wahl resigniert und konziliant redeten – als hätte Trump all das, was er im Wahlkampf sagte, nicht so gemeint).

Martin Burckhardt denkt über das Verschwinden des Intellektuellen im Posthistoire nach. Der Intellektuelle habe sich aus der Öffentlichkeit verabschiedet. Im Posthistoire werden die Visionäre durch Manager ersetzt, fleißige Arbeitsgruppen nähmen die Rolle der Gründerväter ein. Jede Vernunfttätigkeit, die dem pragmatischen Prinzip widerspreche, stehe als l’art pour l’art und Orchideenwissenschaft unter Generalverdacht.

„Können wir also, schlußendlich, den Tod des Intellektuellen ausrufen? Ja und nein. „Ja“ deswegen, weil die Repräsentationsfunktion des Großschriftstellers oder Großphilosophen ausgedient hat, zerschellt ist an einer Welt, in deren Inneres man nicht mehr vordringen kann, jedenfalls nicht, solange man das Geheimnis ihrer Ordnung ignoriert: den Code der Simulation. Schon von daher sind Rundumschläge à la Enzensberger („Schmeiß dein Handy weg!“) Zeugnisse einer gründlichen Satisfaktionsunfähigkeit — stürmt man hier unbewaffnet auf einen Gegner zu, der sich um derlei Kampfgeschrei nicht bekümmert, so wenig wie sich die Windmühlen um Don Quixotes Ehrbegriff sorgen. Weiß er sich dennoch nicht anders zu helfen, regrediert der Intellektuelle zum Ritter von der traurigen Gestalt. Ein Zurückgebliebener, der vielleicht bei Kirchentagen oder im Heimatmuseum seine besorgte Zuhörerschaft findet, aber der Herrschaftsgrammatik verlustig gegangen ist: jenes Codes, über den sich die Ordnung der Dinge (und damit die Welt) fügt. Hatte Julien Benda den „Verrat der Intellektuellen“ im Partikularismus und in der Parteinahme verortet, könnte man im Schriftverlust die entscheidende Ursache für den Bedeutungsverlust des Intellektuellen sehen. Indes ist die Agraphie keineswegs eine Zwangsläufigkeit. Dort nämlich, wo das Verhältnis zur Herrschaftsgrammatik nach wie vor existiert, gibt es Anlaß, die Frage nach dem Tod des Intellektuellen mit einem entschiedenen „Nein“ zu beantworten. „Nein“ deswegen, weil die Funktion des Intellektuellen — also seine Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu lesen — sich keineswegs erübrigt hat. Ganz im Gegenteil. Sie ist um so nötiger, als sich die Schrift nicht mehr zwischen Buchdeckeln einhegen läßt, sondern im Begriff ist, die ganze Welt zu erobern.“ (S. 35)

Noch zwei Splitter.

Wie fatal sich die Abwesenheit eines kritischen Bewußtseins auswirkt, macht die Debatte über die Digitalisierung deutlich, die, politisch begriffen, vielmehr dem Code der Simulation hätte gelten müssen: jener Herrschaftstechnik also, welche die überkommenen repräsentativen Institutionen schleift und ersetzt. Daß die Debatte über die NSA—Überwachung lediglich eine Forderung nach „Datensouveränität“ produziert hat (was immer das ist), aber jede ernsthafte Diskussion, wie die Digitalisierung den Charakter des Politischen überhaupt affiziert, eine Leerstelle geblieben ist, läßt auf einen fatalen Mangel an intellektueller Geistesgegenwart schließen. Das Ausbleiben dieses längst überfälligen Diskurses (der darüber hinaus auch klären müßte, inwiefern sich dieser Prozeß in den Lauf unserer geschichtlichen Überlieferung einfügt) bewirkt, daß man sich blind und bewußtlos in sein Schicksal ergibt, metaphorisch gesprochen: daß die sozialen Systeme in den Selbstfahrermodus übergehen. (…)

2. (…) die Universalisierung der Schrift ermöglicht selbst dem Analphabeten, das in der Maschine inkorporierte geistige Navigationssystem für sich nutzbar zu machen. Folgt man den Anweisungen der Benutzeroberfläche, wird man in eine Welt der Gespenster entführt, ein Spektrum von Möglichkeiten, das Jahr für Jahr an Verführungskraft zunimmt. Dabei führt die Skalierungslogik des Netzes dazu, daß, neben dem Konsum, vor allem die starken Gefühle, Ressentiment, Gruppenzugehörigkeit, Angst und Indolenz verstärkt werden — als habe man das Internet erfunden, um die Existenz von Geistern und paranormalen Aktivitäten beweisen zu können. (…)

Wie zu Zeiten der Reformation, da Luthers Lehre die Gläubigen aus dem katholischen Vermittlungsprozeß löste und sie in eine Gottesunmittelbarkeit hinein katapultierte, fühlen sich die User durch die Maschine ermächtigt, elektrisiert, mag sich ein jeder einreden, der Größte zu sein.

Gewiß handelt es sich hier um ein Phantasma — dennoch belegt die Rede von der postfaktischen Weltsicht, daß die Ablösung vom Realitätsprinzip zum Massenphänomen geworden ist. Wo jede Fremdheit mit einem Copy-and-paste assimiliert werden kann, muß der Hinweis auf das kryptische Innere der Schrift wie Spielverderberei wirken, eine ebenso übellaunige wie hinterhältige Erinnerung an jene Alterität, welche die glänzende Oberfläche doch vergessen machen will.

In Anbetracht dieser abgründigen Selbstermächtigungslogik versteht man den Intellektullenhaß, ja, die tiefe Verachtung, die sich in der Internationale der Katzenvideoliebhaber breitgemacht hat. Denn zuvorderst geht es darum, die innere Natur der Sache nicht zur Kenntnis zu nehmen, sie statt dessen als Wunschmaschine für alle erdenklichen Begierden zu instrumentalisieren.

Was es sonst noch gibt. Darknet. Literarisches Erzählen in Zeiten des Internets. Harold Pinter zu Shakespeare. Goethes italienische Reise. Bora Ćosić. Ostukraine. Kunst von Valérie Favre. Lange Gedichte von Vicente Huidobro und Yang Lian. Jakob der Fatalist. … Viel Lesestoff, Denkstoff.

Dichter, die Welt ignoriert euch, weil eure Sprache zu winzig ist, zu sehr klebt
an eurem mittelmäßigen Ich, feiner ist als euer Konfekt. Ihr habt den Sinn für das Ganze verloren,
vergessen, wie das schöpferische Wort heißt.
(…) Als Spezialist, Dichter,
ist es dein wichtigstes Spezialgebiet, Mensch zu sein, ganz Mensch. Es geht nicht darum, deine Arbeit
zu verneinen, doch deine Arbeit ist die eines Menschen und nicht die einer Blume.

Vicente Huidobro: Total. Lettre 115, S. 93

 

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