Sandra Trojan 1980-2026

236 Wörter, 1 Minute Lesedauer.

Ihre Gedichte leuchten. Beim Wiederlesen nach 15 Jahren springt mich aus jedem etwas an. Wenn ich in Bienen spreche, in Birnen. Ein Bienentanz, und damit meine ich: Bienentanz. Wenn der Abend kommt und sich die Schlange durchs Kürbisbeet windet. Wenn ich blinzle, wird der Horizont ganz flach. Wie viele Knochen im menschlichen Körper? Genug, einen Archäologen glücklich zu machen. Am Tag dreizehn Berührungen der Frau, fünf dem Mann. Ich sage Birne, du sagst Birne. Der Boden ein Beinhaus voll schlafender Füße, & bloß der Fuchsschwanzdocht in meiner Metahöhle leitet noch das Licht. Du bist über den Dielenboden geschlittert, drehtest dich um die blanken Knöchel so schutzlos, ich konnte nicht mehr.

Oder 

Contortio

Sich nicht um Verbindungen kümmern –
kein Schmerz, wenn sich Bänder
zu Kordeln drehen und Schultern
aus ihren Sockeln springen. Spielt
das Akkordeon aus Rippen und Haut
klopfen Fersen am Hinterkopf an
kratzen Zehen Schorf von der Wange.
Ein kleiner Schubs und schon rutscht
die Lawine gestapelter Schindeln
ist beim Mikado der Nächste am Zug.

Ein Karton im Regal bewahrt Bilder auf –
jeden Abend, wenn Muskeln das Fleisch
zum Nachinnenbiegen drängen und
Kamerablitze jede Windung einfangen
wird so ein Bild zwischen Haut
und hautenges Trikot gesteckt
um den Körper daran zu erinnern
wohin die Knochen einmal gehörten.

Aus: Sandra Trojan, Um uns arm zu machen. Gedichte. Leipzig: poetenladen, 2009, S. 27

Am 6. März ist Sandra Trojan in Albuñol in Spanien gestorben, 46 Jahre alt.

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