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Veröffentlicht am 28. Juli 2026 von lyrikzeitung
165 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Silke Scheuermann
Die Art wie Gedichte arbeiten
indem sie glitzern
in allergrößter Beiläufigkeit
oder sich öffnen und
hypnotisch leuchten
oder wirklichkeitsfremd
sind die Welt schwierig finden
verfliegen
Die Art wie Gedichte arbeiten
gewöhnlich und fähig
sich selbst zu illustrieren
sich der Ferne zu nähern
so dass sie fern bleiben darf
Die Art wie Gedichte arbeiten
mit Aufenthaltserlaubnis
und Flugschein
ist dem Winter durch Leugnen
immer näher zu kommen
Letztlich ein vollkommener
Kreis um die Kälte
und dabei immer
ein wenig über ihr
wie eine Boeing
die noch nicht landen darf
aber dadurch für alle unten
sichtbarer wird
Die Art wie Gedichte arbeiten
um aufzufangen und die
dreißig Seiten die nie irgendwer
geschrieben hat
in sich aufnehmen
als Fracht die du in
den Händen hältst
in der du den Himmel erkennst
den Atemzug abpasst
der dich glücklich macht
Die Art wie Gedichte arbeiten
ist zufällig
mutwillig
und von gleißend heller
Selbstverständlichkeit
Aus: Silke Scheuermann, Über Nacht ist es Winter. Gedichte. Frankfurt/Main: Schöffling & Co., 2007, S. 82f
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Über Nacht ist es Winter, deutsche Lyrik, Die Art wie Gedichte arbeiten, Gegenwartslyrik, Kreativität, Metapoesie, Poetik, Schöffling, Schreiben, Silke Scheuermann
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