Kategorie: Frankreich

Maus zu Milo

In sechs gereimten Versen verwandelt der surrealistische Künstler ein berühmtes Kunstwerk in eine rätselhafte Figur zwischen Märchen, Kinderreim und Groteske. Das Gedicht erschien erstmals 1967 in den Paramythen.

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Ein Büro auf dem Rhein

Die Kölner deutsch-französische Poesiezeitschrift Ein Büro auf dem Rhein / Un bureau sur le Rhin veröffentlicht Paul Valets erschütternde „Ballade von Christus“ in der Übersetzung von Leopold von Verschuer. Das Gedicht von 1955 verbindet die Passion Christi mit der Ermordung der europäischen Juden in Auschwitz. Valet, dessen Eltern und Schwester dort ermordet wurden, lässt Christus in die Gaskammer eintreten und mit den Opfern zu einem einzigen Leib verschmelzen.

Zrtsch

„Zahniger Zorn, / ich zätsche, / zundere, / zaibe.“ In „Zrtsch“ treibt Paul Celan die Sprache an eine Grenze, an der Wörter zu Lauten werden und zugleich neue Wörter entstehen. Zischen, Härte, Stottern und Körperlichkeit bestimmen dieses kurze, verstörende Sprachgedicht.

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René Depestre 100 + 2

Ich hier
des fernen Afrikas Sohn
Vorreiter verrückter Ideen.
Das Licht suche ich
und die Wahrheit suche ich
und voll Liebe für meines Vaterlands Seele.
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das geprellte herz

mein herz kotzt über achterdeck
mein knastereingedrecktes herz
die meute lacht und ich verreck
sie geben darauf einen dreck
saudumme witze ohne scherz
mein herz kotzt über achterdeck
mein knastereingedrecktes herz
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Max Jacob (1876-1944)

Oh! ja! meine Augen werden sich mit Tränen füllen, und wenn ihr vorbeigegangen seid, werden meine Tränen nicht aufhören, da ich weiß, zu welchen Schlünden ihr wandert! ich kenne, besser als jeder andere, den, der euch beim Umweg auflauert! //

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Walter Hasenclever (1890-1940)

Irgendwo in einer Stadt im Traume /
ist es so, als ob man schon gelebt: /
einen Augenblick im schwanken Raume — /
Sonne da im Nebel, der sich hebt! //

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Ein Schweigen das lügt

Auch zum Beißen ist der Mund gemacht /
zu geifern und den Schweiß zu trinken der Furchen zieht /
zum Lachen zum Lügen //

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Blinde Dame

Die blinde Dame mit den blutigen Augen setzt ihre Worte gut
Sie vertraut keinem Menschen an wie weh ihr das alles tut

Haifische kommen vorbei

Haifische kommen vorbei und kommen zurück
sie wittern den hinterhalt
schrecklichen hinterhalt der häuser
der fensterklappen fallbeile

Lieber Augenblick

teurer Augenblick ich sehe dich
in dem weichenden Nebelvorhang
wo ich nicht mehr die langen treibenden Schwellen zu betreten brauche
und leben werde solange eine Tür
sich öffnet und wieder schließt

Verfluchte deutsche Schreckensgedanken

Wie viel von Unsern,
Wie viel von Euern
Sterben noch,
Damit Ihr hört
Auf unsre Stimme,
Auf unsre tote,
Rächende Stimme?
Die Stimme von Wilno,
Die Stimme von Warschau,
Die Stimme vom Ghetto,
Das Ihr gestürmt.
Mit Tanks und Bomben,
Mit Donner und Feuer,
Mit Braun-Kolonnen
Habt Ihr gestürmt
Die letzten Juden,
Die sich verteidigt
Fast ohne Waffen
In wilden Schlachten,
Die letzten Kämpfer
Habt Ihr erwürgt.

Magie in Knittelversen

Mög‘ es fröhlichen Knittelversen gelingen,
Alle Menschenherzen damit zu durchdringen,
Um die allgemeine Wohlfahrt heiter herbeizuzwingen!

Die Geheimen Botschaften von Erik Satie

die poesie glaubt man novalis
ist ziemlich blau blüht der
enzian singen die vom berg
wenn das glas leer ist enden
auch die verse.

Grabinschriften

Die Straßenhändler sind nach Mexiko ausgewandert
Alter Boxer du bist dort gestorben
Du weißt nicht einmal warum
Du hast lauter geschrien als wir in den Palästen Amerikas
und in allen Pariser Kneipen