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Veröffentlicht am 20. April 2026 von lyrikzeitung
153 Wörter, 1 Minute Lesedauer.
Michel Leiris
(* 20. April 1901, heute vor 125 Jahren, in Paris; † 30. September 1990)
Zeitkreis
Halsschmuck untermeerisch
der geruch in zeiten der regime pflanzt sich fort in
wellenlängen wiederholungen von farben
über wiederholungen von kilometern
Löscht alkohol zu meinen händen und allen anschein
und mein kopf wird das faß sein
scherbe der intelligenz mit blut bespritzt die handteller
von einem kleinen marodeur gefallen vom himmel
genannt Ludwig und das alter 14einhalbjährig
Haifische kommen vorbei und kommen zurück
sie wittern den hinterhalt
schrecklichen hinterhalt der häuser
der fensterklappen fallbeile
Die Selbstentleibten letzter tage mit den Heiligen
vergangener tage
verrotten irgendwo
dort unten in Amerika
da ist steinsalz die krönung und höhere kost als der frost
und der himmel ist nichts als ein frost
(1926)
Deutsch von Wolfgang Hilbig, aus: SURREALISMUS IN PARIS 1919-1939. Ein Lesebuch. Mit Abbildungen. Herausgegeben und mit einem Essay von Karlheinz Barck. Leipzig: Verlag Philipp Reclam jun., 1986, S. 354
Kategorie: Frankreich, FranzösischSchlagworte: französische Avantgarde, französische Literatur 20. Jahrhundert, Karlheinz Barck, Michel Leiris, Surrealismus 1920er Jahre, Surrealismus in Paris 1919–1939, Surrealismus Paris, surrealistische Gedichte, surrealistische Lyrik, Wolfgang Hilbig, Wolfgang Hilbig Übersetzung, Zeitkreis Gedicht
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