Schlagwort: Symbolismus

Meine Leser

Der Mann, der inmitten der Volksmenge
den kaiserlichen Gesandten erschossen hatte,
trat auf mich zu, mir die Hand zu drücken,
mir für meine Verse zu danken.

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Müde Raubtiere

O die verrauschten Leidenschaften!
Der Träume Flut, des Lachens Klang!
Unter dem welken Laub erschlafften
Mit halbgeschloßnen Lidern, krank,

Die gelben Hunde meiner Sünden
Und meines Hasses schielende Hyänen,
Und auf verdroßnen bleichen Wiesengründen
Seh‘ ich die Löwen sich der Liebe dehnen!
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Walter Hasenclever (1890-1940)

Irgendwo in einer Stadt im Traume /
ist es so, als ob man schon gelebt: /
einen Augenblick im schwanken Raume — /
Sonne da im Nebel, der sich hebt! //

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Ich war im Traum

Es leuchtete, weiß nicht, wovon;
Es war nicht Stern, nicht Mond, nicht Sonn‘
Ein Zauber lenkte meinen Sinn,
Ich weiß nicht, wohinaus, wohin.

Caspar Hauser Lied

O lebe ich zu früh, zu spät?
Was soll ich in der Welt beginnen?
Mein Alles muss in Pein verrinnen;
O sprecht für Kaspar ein Gebet!

123. Das süße Weinen und die Revolution

Valeri Scherstjanoi liest Alexej Krutschonych 1) Das süße Weinen 2:04 Auch wer weder Russisch noch Sa-umnisch beherrscht, kann deutlich hören, wie der rauhe „Tsara“ in das Süßholzgeraspel der Poesie einbricht (bei 0:16). Nicht nur Belyj, auch der feine Herr Kandinsky erschrickt da. Außerdem, wie… Continue Reading „123. Das süße Weinen und die Revolution“

69. Porzellan-Engel

Die vielleicht schönste Definition dafür, was konkrete Kunst kann und will, hat der Begründer der konkreten Poesie einst selbst geliefert: „Es ist kein Abbilden mehr, sondern ein Umdenken der Welt in Kunst.“ Die Rede ist von Eugen Gomringer (85), der in den frühen 50er-Jahren, von… Continue Reading „69. Porzellan-Engel“