Kategorie: Frankreich

Jacques Roubaud 1932-2024

Die wahren Liebhaber gehen
um die Mona Lisa zu sehen
nicht ans Ende der Welt
nicht einmal in den Louvre

Breyten Breytenbach gestorben

wenn du an dein Land denkst
siehst du
Flechten und eine Brille; einen alten Hund voller Blut;
und ein Pferd ersoffen im Fluß

Blümerant

Es ist einfach, was die Überschrift ankündigt, ein Geburtstagsblaublau.

GEBET, DASS EIN KIND NICHT STERBE

Mein Gott, erhalte seinen Eltern dieses zarte Kind,
Wie du wohl auch ein Kraut erhältst im bösen Wind.
Was macht es dir denn aus – da doch die Mutter weint und fleht

Der serbische Olymp oder Dreifachdada

kerze schämt sich auf dem alpenkamm
herzen brechen gong kanal und lamm
platon holt noch mit dem kirchturm aus
blatt und ei und regen singen rund

Ich witzle und wölze mich

Laß sie doch schwadrusten, die herben Derben

Ronsard 500

Mein Leiden will ich quer durch Frankreich jagen,
Noch schneller als ein Pfeil fliegt, den wir schießen,
Ich will mit Honig mir mein Ohr verschließen:
Meine Sirene soll mich nicht mehr plagen.

„Ein zwei drei“

Seht den alten Goethe: er hüpft
wie eine Ziege über den Vesuv

Gegen-Gestirn

etwas nicht können, ganz vorsichtig gleiten die kuppen
darüber, listen, linien, wie wispernd: es nicht können,
wispert ihr echo noch: wieder nicht, denk dir, lentement

ich warte auf die zeit

man sagt die zeit vergeht
sie vergeht nicht sie steht

Leser, Heuchler, Meinesgleichen

Leser, dieses zarte Scheusal, – scheinheiliger Leser, – Meinesgleichen, – mein Bruder!

Altes Lied

Kein Zensor preist als wahre Kunst
Statt Schöpfergeist nur Phrasendunst,
Nur Kauderwelsch und Flunkerein.
So wird es sein.

„Lied von Nichts“, Rühmkorfs Fassung

Mein Lied wird um rein nichts sich drehn:
Weder um mich noch irgendwen,
Um Liebe nicht noch Jugendwehn,
Noch andern Tand

Glückliche Hand

Die Linien der Zeiten
treffen sich in der Frühe
die Zeichen der Bindungen verrinnen im Abdruck
mit dem Armband der Schatten
#MichelButor

Schlafende Sonnen

Und Träume, von wannen,
Sie folgen dem Gold
Der Sonne von dannen,
Wohin sie gesollt;
Und kamen von wannen
Und waren mir hold
Und folgen dem Gold
Der Sonne von dannen.