Getagged: Ulf Stolterfoht

55. Kennst du elffriede?

12:11:30 User:  Guten Tag, Cleverbot.

12:11:34 Cleverbot:  Are you clever?

12:12:45 User:  Gute Frage. Zumindest bin ich menschlich. Du aber nicht. Und bei elffriede bin ich mir nicht so sicher. Kennst du elffriede?

12:12:49 Cleverbot:  Ich habe nicht gefragt ob Du Liebe für mich empfindest.

Direkt auf dem falschen Fuß erwischt. Ich entschließe mich dafür, erst einmal Mittag zu essen und es dann noch mal zu versuchen. Beim Kochen schwirrt mir elffriede im Kopf herum.

13:43:54 User:  Es geht ja nicht um uns beide hier (es lesen Leute mit, wildfremde Menschen!), sondern um elffriede. Nachname: .aufzeichnensystem. So etwas wie Stolterfohts Amme, nur eben produktiv. Oder wie eines dieser Autorenkollektive, die in letzter Zeit so en vogue sind. Ich frage mich aber nun, was ich damit anfangen soll.

13:43:59 Cleverbot:  Und wieso bist du so schlau?

13:48:36 User:  Das bin ich ja nicht! Ich fühle mich strunzdumm – denn ich verstehe elffriede nicht. Es ist mir ja egal, ob hinter elffriede eine Schwarmintelligenz oder eine Einzelperson steckt, obwohl ich für letzteres tendieren würde. Ich frage mich nur: Was soll ich aus diesem Buch ziehen, aus „schrei zum hummel“?

13:48:41 Cleverbot:  Mein Deutsch ist pulitzerpreisverdächtig.

13:51:35 User:  Und damit etwas besser als elffriedes. Obwohl: Der Pulitzerpreis wird ja nicht für eine schicke Grammatik verliehen. Sondern für das, was davon getragen wird. „inhalt“ heißt passenderweise das erste Gedicht im Band. „eine nussgroße portion täglich aus dem zusammenhang reissen. / laut lesen bei tag, im dunkeln, mit atempausen, auch summen / bringt die gewünschte wirkung. kräftig einstampfen. / so wird ein schuh draus.“. Mir aber nicht. Wird dir ein Schuh draus?

13:51:39 Cleverbot:  Alright then.

13:51:55 User:  Soll ich das als ‘ja’ deuten?

13:52:00 Cleverbot:  Ja.

13:52:27 User:  Dann erklär mir bitte, was hinter und – viel wichtiger! – was in „schrei zum hummel“ steckt.

/ Kristoffer Cornils, Fixpoetry

elffriede.aufzeichnensysteme: schrei zum hummel. eine art buch, Broschur, 168 S., 17,90 €, ISBN: 978-3-902665-56-0. Klever Verlag Wien 2013.

19. Dilemma

Im Zuge der heftigen Debatten um Oskar Pastiors IM-Akte stand von Anfang an die Frage im Raum, ob auch sein literarisches Werk neu bewertet werden müsse. Als Stefan Sienerth vor zweieinhalb Jahren mit seiner Entdeckung an die Öffentlichkeit trat, dass Oskar Pastior von Juni 1961 bis April 1968 als IM „Stein Otto“ beim rumänischen Geheimdienst Securitate unter Vertrag gestanden hatte, plädierte er am 17. September 2010 im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa für eine „neue Lesart“ von Pastiors Werk: „Seine Lyrik hat eine eigenartige Bildlichkeit – und eine neue Untersuchung vor diesem Hintergrund ist bestimmt nicht uninteressant.“ (…)

Beispiele für die Verunsicherung im Umgang mit dem literarischen Oeuvre von Oskar Pastior ließen sich viele nennen. Hier sei lediglich ein weiteres herausgegriffen, um das Ausufern der Diskussion zu verdeutlichen. In der Zeitung für Literatur Volltext vom 29. März 2011 hat der Publizist und Schriftsteller Felix Philipp Ingold die Frage aufgeworfen, „inwieweit Pastiors hermetischer Formalismus [...] als subversiv beziehungsweise als simulativ zu gelten hat und ob bei ihm allenfalls ,zwischen Zeilen‘ schon längst festgeschrieben steht, was sein ,Ordner‘ erst heute an Dokumenten freigibt“, um dieser Hypothese zufolge ein close reading zu fordern, das „im Hinblick auf ,verschwiegene‘ oder ,verdunkelte‘ oder ,verfremdete‘ Informationen“ unerlässlich sei, „da der Autor [...] sein zweites Trauma, den IM-Dienst, bis zu seinem Lebensende konsequent tabuisiert hat“.

Weil zahlreiche Spekulationen und Unterstellungen die Auseinandersetzung mit Pastiors IM-Vergangenheit begleitet haben, sieht es die Oskar-Pastior-Stiftung als ihre Aufgabe an, die Debatte zu versachlichen und mit ebenso detaillierten wie fundierten Forschungsergebnissen nicht allein für biografische, sondern auch für literarische Klarstellungen zu sorgen. Ein erster Schritt auf diesem Weg war das Symposion mit ausgewiesenen Literaturexperten am 23. Juni 2012 in Berlin (diese Zeitung berichtete), dessen Ergebnisse nun ein Sonderband der Zeitschrift TEXT + KRITIK unter dem Titel „Versuchte Rekonstruktion – Die Securitate und Oskar Pastior“ präsentiert. / Edith Konradt, Siebenbürgische Zeitung

Versuchte Rekonstruktion – Die Securitate und Oskar Pastior. Herausgegeben von Ernest Wichner. Text + Kritik, Zeitschrift für Literatur, Sonderband, München, 2012. ISBN 978-3-86916-199-0, Euro 24,00

Oskar Pastior: Lesen gehn … Gedichte, gelesen und teilweise kommentiert von Oskar Pastior, Urs Allemann, Oswald Egger, Péter Esterházy, Michael Krüger, Michael Lentz, Herta Müller, Ulf Stolterfoht und Ernest Wichner. 2 CDs, 142 Minuten, Hörbuch Hamburg, 2013, ISBN 978-3-89903-380-9, Euro 14,99

92. Poetic Dialogue London-Berlin (II)

In Lesung und Gespräch: Jack Underwood (UK) und Ulf Stolterfoht (D)
Moderation: Martin Jankowski (Berliner Literarische Aktion)
Mittwoch, 27. Februar 2013, 20 Uhr
Literaturwerkstatt Berlin, Knaackstr. 97 (Kulturbrauerei), 10435 Berlin
Eintritt: 5 € / erm. 3 €

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Was ist los in der englischen Dichtung? Im zweisprachigen Poetic Dialogue zwischen London und Berlin treten der britische Poet Jack Underwood und der Berliner Lyriker Ulf Stolterfoht ins Gespräch. Beide lesen aus eigens angefertigten Übersetzungen ihrer Gedichte und sprechen über die neuesten Entwicklungen in Sachen Lyrik.

Jack Underwood (* 1984 Norwich) ist einer der aktivsten jungen Lyriker der Londoner Literaturszene. Er gehörte 2007 zu den Gewinnern des Eric Gregory Awards. Seine Gedichte erschienen bei Poetry London und Rialto, in zahlreichen Anthologien sowie 2009 im Verlag Faber & Faber im „Faber New Poets“ Programm. Underwood schreibt regelmäßig für die Zeitschriften Poetry London und Ambit. Nach seinem Abschluss an der Norwich School of Art and Design im Jahr 2005 promovierte er am Goldsmiths College, wo er nun englische Literatur und Creative Writing lehrt. Jack Underwood arbeitet auch als Librettist und Musiker und ist Mitherausgeber der regelmäßig erscheinenden Lyrik-Anthologien „Stop Sharpening Your Knives“.

Ulf Stolterfoht (*1963 Stuttgart) lebt nach dem Studium der Germanistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft in Tübingen und Bochum in Berlin. Einem großen Publikum bekannt wurde er durch den Gewinn des open mike im Jahr 1994 sowie durch die Lyrikbandreihe »fachsprachen« (Urs Engeler Editor), die seit 1998 erscheint. Ulf Stolterfoht wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, etwa 2008 mit dem Peter-Huchel-Preis. Zuletzt erschien 2012 »Das deutsche Dichterabzeichen« (Reinecke & Voß).

Im von Schriftsteller Martin Jankowski (*1965 Greifswald) moderierten Dialog treffen beide Dichter erstmals aufeinander und stellen ihre aktuellen Arbeiten in Lesung und Gespräch vor.

Der zweite poetische Dialog zwischen London und Berlin setzt die Auftaktveranstaltung vom November 2012 fort. DieVeranstaltung der Berliner Literarischen Aktion e.V. wird gefördert vom Britisch Council mit freundlicher Unterstützung der Literaturwerkstatt Berlin.

HERZLICH WILLKOMMEN!
Welcome… see you on Wednesday.


Berliner Literarische Aktion e.V.
Kastanienallee 2
D – 10435 Berlin
Tel.: ++49 (0) 30 / 53 15 59 63
email: info@berliner-literarische-aktion.de
www.berliner-literarische-aktion.de

16. BERLINER MANUSKRIPTE 2012

Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, 10117 Berlin

Sonntag, 4. November, 11 Uhr

LESUNGEN UND GESPRÄCHE

Mit Barbara Bongartz, Nora Bossong, Daniel Falb, Julia Kissina, Simone Kornappel, Peggy Mädler, Moritz Rinke, Susanne Schädlich, Jana Scheerer, Ulf Stolterfoht, Ron Winkler, Uljana Wolf und Norbert Zähringer

Lutz Dittrich, Marina Neubert und Manuela Reichart im Gespräch mit den Autorinnen und Autoren

Musikalische Begleitung: Søren Gundermann (p) und Jacek Faldyna (sax)

Lesungen und Gespräche mit den Stipendiaten des Berliner Arbeitsstipendiums für Autorinnen und Autoren der Senatskanzlei Berlin – Kultur. Im Anschluss laden die Veranstalter zu einem Glas Wein ein.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Literaturforum im Brecht-Haus und Berliner Ensemble mit freundlicher Unterstützung der Kulturverwaltung des Berliner Senats

117. G13-Anthologie

Am 1. Oktober ist es soweit: Eine umfangreiche G13-Anthologie erscheint bei luxbooks! Wir freuen uns sehr, damit erstmals ein Best-of der vielen, vielen Texte vorlegen zu können, die in den letzten Jahren in der Gruppe präsentiert und weiterentwickelt wurden. 14 Stimmen sind mit je ca. zehn Texten vertreten; völlig unterschiedliche Formen, Ausdrucksmittel und Poetologien versammeln sich zu 40 % Paradies. Dass sich luxbooks dieses Projekts angenommen hat, ist ebenso schön wie die Unterstützung unserer LektorInnen, denen ein großer Dank gilt: Gerhard Falkner, Björn Kuhligk, Andre Rudolph, Ulrike Almut Sandig, Daniela Seel, Lutz Steinbrück, Ulf Stolterfoht und Ron Winkler.

Und mit der Anthologie unterm Arm geht es nun auf unsere dritte Tour, für die wir in Zusammenarbeit mit der Regisseurin Marie Drath und der Dirigentin Eva Spaeth wieder ein eigenes Abendprogramm erarbeitet haben:

1. 10., 20 Uhr: Buchvorstellung in der Literaturwerkstatt Berlin
2. 10., 20 Uhr: Kafic, Leipzig – präsentiert von Edit | Literaturzeitschrift
3. 10., 20 Uhr: Projekttheater, Dresden
7. 10., 20 Uhr: A & S Bücherland, Karlsruhe
10. 10., 20 Uhr: Kunstverein, Frankfurt – bei open books an der Buchmesse
12. 10., 21 Uhr: Café Franck, Köln
13. 10., 19 Uhr: Schaubude, Kiel

Bestellen kann man „40% Paradies. Gedichte des Lyrikkollektivs G13“ in Kürze HIER.

65. Hombroich: Poesie

Raketenstation Hombroich

Vom 12. bis 15. September 2012 findet auf der Raketenstation Hombroich das dritte Colloquium für Poesie statt. 14 – unter den ästhetisch interessanten und relevanten – bedeutsame deutschsprachige Lyriker, Autoren und Philosophen treffen sich in einem informellen Forum zu Grundlagenfragen im poetischen Tun. Dezidiert außerhalb geläufiger Übereinkünfte und Gemeinplätze darüber, was das Denken der Sprache des Gedichts und des Denkens betrifft, soll hierbei das Projekt der Poesie frei von saisonaler Wahrnehmung und medialen Einschätzungen innerhalb des Betriebsgefüges literarischer Öffentlichkeit überdacht und fortgesetzt erweitert werden.

Die publikumsöffentliche Lesung aller Teilnehmer findet in Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Stiftung Insel Hombroich am Samstag, dem 15. September 2012 um 18 Uhr in der Veranstaltungshalle auf der Raketenstation Hombroich statt.
Es lesen Urs Allemann, Franz Josef Czernin, Michael Donhauser, Oswald Egger, Christian Filips, Brigitta Falkner, Barbara Köhler, Benedikt Ledebur, Thomas Schestag, Farhad Showgi und Ulf Stolterfoht Texte von Autoren, welche der Insel verbunden waren oder assoziiert sind: Hans Arp, H.C. Artmann, Inger Christensen, Thomas Kling, Ernst Jandl, Oskar Pastior, Francis Picabia, Kurt Schwitters u.a.m.

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Veranstalter
Das böhmische Dorf.
Gemeinnützige Gesellschaft für Literatur und Kunst
Raketenstation Hombroich
D-41472 Neuss
tel +49(0) 2182  570 000
anmeldung@hombroich.com

Die Aktivitäten des böhmischen Dorfes werden unterstützt von der Literaturabteilung der Landesregierung NRW, von der Kunststiftung NRW sowie vom Bundesministerium für Unterricht und Kunst, Wien.

53. Gegenstrophe 4

Braun, Michael / Dittmer, Kathrin / Rector, Martin (Hg.)
Gegenstrophe 4
Blätter zur Lyrik 4
2012, 100 Seiten, Broschur
ISBN 978–3–86525–286–9
Preis: 12,00 €

»Gegenstrophe. Blätter zur Lyrik« erscheint jährlich im Herbst als Forum für Lyrik und Lyrikrezeption. Unter der Rubrik »Premiere« bietet es Raum für den Erstdruck von Gedichten, im »Porträt« stellt es Lyriker und Lyrikerinnen vor, die auf dem jährlich stattfindenden Lyrikfest des Literaturhauses Hannover gelesen haben und enthält in der Rubrik »Essay« Analysen und Interpretationen von Kritikern und Wissenschaftlern zu übergreifenden Themen. Die Rubrik »Recherche« dient der bibliographischen Erschließung aktuell erschienener Gedichtbände.

Mit Texten und Gedichten von Nora Bossong, Michael Braun, Kurt Drawert, Michael Fiedler, Christophe Fricker, Mara Genschel, Cornelia Jentzsch, Christian Lehnert, Martin Rector, Marcus Roloff, Ulf Stolterfoht, Sandra Trojan und Henning Ziebritzki

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96. Saison

Literaturwerkstatt Berlin
Programm Sept/Okt 2012

Mo 3.9. 20:00
Start in die Saison
Mit Volker Braun (Autor, Berlin), Sabine Scho (Autorin, Sao Paulo und Berlin), Ricardo Domeneck (Autor, Berlin und Sao Paulo), Ulf Stolterfoht (Autor, Berlin), Ulrike Almut Sandig (Autorin, Berlin), Marlen Pelny (Musikerin, Berlin)

Wir eröffnen die Saison mit neuen Texten, Projekten, Performances, mit Musik und einem Glas Wein – seien Sie dabei!
Volker Braun (*1939 Dresden) beginnt den Abend mit neuen poetischen Versen. Seine ersten Gedichte schrieb er als »Provokation für mich«, eine Herausforderung für den Leser sind seine Texte geblieben, immer ein Anstoß zum Mit-Denken.
Die Dichter Sabine Scho (*1970 Ochtrup, jetzt São Paulo) und Ricardo Domeneck (*1977 Brasilien, jetzt Berlin) bringen das große Fressen und Gefressenwerden in den Metropolen auf die Bühne. In Ton und Bild nehmen beide die Zuschauer mit auf eine Expedition von Berlin nach São Paolo und zurück.
Ulf Stolterfoht (*1963 Stuttgart) und Das Weibchen feat. DJane Husserl bewegen sich in Richtung Performance und biegen Husserlsche Texte hin zum Rap. Ulf Stolterfoht wurde mit den Gedichtbänden »fachsprachen« und »holzrauch über heslach« als Dichter weithin anerkannt.
Ulrike Almut Sandig (*1979 Großenhain) hat im Projekt »Venustransit« (siehe auch die Veranstaltung am 4.10.) mit der neuseeländischen Autorin Hinemoana Baker gearbeitet, ihre Texte übersetzt und in eine Audioperformance verwandelt. Abschließend spielt sie mit Marlen Pelny ein kleines Konzert auf eigene Texte.
Das Glas Wein danach lädt zum Gespräch.

Di 4.9. 20:00
Klassiker der Gegenwartslyrik: Johannes Kühn
In Lesung und Gespräch: Johannes Kühn (Lyriker, Hasborn), mit Irmgard und Benno Rech (Germanisten, Thalexweiler) Moderation: Sebastian Kleinschmidt (Essayist, Chefredakteur von Sinn und Form, Berlin)

Eine der eigenwilligsten Stimmen der deutschen Poesie gehört Johannes Kühn (*1934 Bergweiler). »Ich Winkelgast« nennt er sein dichterisches Alter Ego. Das Dorf Hasborn ist sein Kosmos. Im Gasthof sitzend, wandernd durch das Schaumberger Land, nimmt der Dichter es mit der Welt auf. Seit Jahrzehnten schreibt er jeden Tag drei Gedichte. »Der Dichter wartet nicht auf Stimmungen. Er holt sich ein weißes Blatt Papier und beginnt mit dem Schreiben.« Mit dem Ehepaar Rech, seit vielen Jahren seine Mentoren, werden die Texte täglich diskutiert.
Seine Naturlyrik steht in der Tradition Hölderlins, Mörikes und Trakls, sie ist hoch rhythmisch und frei schwingend. »Es tritt die Nacht sich selber auf die Schleppe / und stolpert, dass der Himmel schwankt«. Seine Stimme ist so unverwechselbar, dass Peter Rühmkorf vom »Kühn-Sound« sprach.
Die klassische Anmut des Tones und die Genauigkeit der Beobachtung fanden schnell Bewunderer unter den Kollegen. »Ich Winkelgast« (Hanser Verlag 1989) war der erste Band, der großes Publikum fand. 21 Gedichtbände hat er veröffentlicht, überdies Theaterstücke und Märchen. Zuletzt erschien der Gedichtband »Ganz ungetröstet bin ich nicht« (Hanser Verlag 2007). Über sein Werk spricht Johannes Kühn mit Sebastian Kleinschmidt, Essayist und Chefredakteur der Zeitschrift Sinn und Form.
Die Reihe der Literaturwerkstatt Berlin gibt den Klassikern der Gegenwartslyrik das Wort. Sie stellt jene Autoren vor, ohne die die deutschsprachige Lyrik nicht das wäre, was sie heute ist.

119. Gezwitschert, gegeigt und gesungen (2)

aus einem thread :

Michael Gratz konkret: in wenigen tagen werd ich ein doppelt großen eReader haben, mit elektronischem stift zum dreinschreiben. dann fängts an ernst zu werden.Freitag um 15:19 · Gefällt mir

Michael Gratz es fängt an ernst zu werden / es hört auf spiel zu sein / und zwei ist eins. oder soFreitag um 15:19 · Gefällt mir

Richard Duraj solange sie nicht wie gedruckte bücher sind, könnte es spannend werden. ist schon schlimm, wenn im neuen medium dem alten hinterhergehechelt wird. denke da zb an fixpoetrys autorenbücher, die sich “blättern” lassen. sowas erinnert nur daran, was es nicht ist, nicht, was es sein könnte.Freitag um 16:06 · Gefällt mir

Michael Gratz im internet “browsen” zehrt ja auch von der bildlichkeit, wie auch “lesezeichen”, ja “webseite” Freitag um 16:09 · Gefällt mir

Michael Gratz wie schon buch von den buchenholztafeln kommt, auf die man zuerst schrieb, bei den germanen, weil man keine wachstafeln wie die römer auf lager hatte. auch in buchstabe lebt die pucklichte verwandtschaft fort. buch, als ursprünglicher haufen buchentafeln, auf die man “stäbe” einritzt, wie die runen, die aus einer senkrechten linie (stab) und paar verzweigungen bestanden. ebuch ist also eine lustige mischung römischer, germanischer, neuzeitlicher von handschriften bis buchdruck und elektronischer schichtenFreitag um 16:26 · Gefällt mir

Armin Steigenberger kennt ihr drawerts jüngsten artikel “der entrissene text” (NZZ 21.07.?) da geht es auch um site und seite und e-book usw. ich fand das sehr differenziert dargestellt, auch sehr kritisch, allerdings ist nur die entgegnung dazu bereits online http://libreas.wordpress.com/2012/07/25/derentrissene_text/ dennoch scheint mir drawerts statement nicht ganz ohne zu sein, wenn auch auf libreas einige punkte stehen, die abzuwägen sind… eine der thesen lautet, dass literarische texte im netz verlieren, sie “klingen” in diesem referenzrahmen anders, das medium verändert auch die inhalte usw.

It’s the frei< tag> 2012-Countdown (22): Kurt Drawert und der entrissene Text
libreas.wordpress.com Ben Kaden zu Kurt Drawert: Der entrissene Text. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 168, 21.07.2012, S.21 (bislang nicht online) „Das bleibt nun so: ein Leben mit hübschen Maschinen, fortschrittlich, ohn…

Gestern um 03:07 · Gefällt mir

Michael Gratz danke für den hinweis. drawerts text wird für nichtabonnenten wohl nicht online gestellt. (vor gut 15 jahren war die nzz fast komplett frei online. heute, wenn ich sie lesen wollte, müßte ich, in greifswald, mich für ein digitales abo entscheiden, denn das geschätzte blatt schafft es zwar bis berlin, aber nicht bis zu mir. nicht am gleichen tag). und ehrlich gesagt reicht mir die entgegnung mit den paar zitaten schon. denn natürlich ändert sich immer alles. die verschriftlichung hat die griechische literatur verändert, das haben genausoviele als skandalon empfunden wie heute die digitalisierung. sapphos texte wurden für den mündlichen vortrag geschaffen, aber in ihrer lebenszeit begann das aufschreiben. sonst hätten wir vermutlich garnichts mehr von ihr. die erfindung des buchdrucks vernichtete die herrliche kultur des abschreibens und der buchmalerei, das ist auch schon eine weile her. kann auch nicht jeder mönch werden. eine option bleibt es dennoch immer. nein, ich kann dem gejammer wenig abgewinnen. ich halte es mit dem dichter uwe greßmann: “in den kurven spielen / straßenbahnen geige. / ach so mancher denkt da / seiner freundin oder / träumt von kommenden dingen / aber die meisten klagen / und nennen es ohrenbetäubenden lärm (…) / ganz einfach weil sie wie so oft / die feier im alltag nicht sehen // der der die seitenstraße langgeht kann ja / sucht er die eintrittskarte / in der manteltasche auch / das konzert der fahrzeuge da schon hören / falls er keine zeit mehr hat / die musische stätte direkt aufzusuchen.” jetzt aus dem gedächtnis zitiert aber garantiert fast wörtlich, weil ich es so oft gelesen und vorgelesen habe daß ichs auswendig kann. das bleibt mir offen trotz schrift und buchdruck. und mein lesegerät, falls es heute kommt, wird mir meine bibliothek nicht wegnehmen, ebensowenig wie mein gedächtnis.Gestern um 05:46 · Gefällt mir

Armin Steigenberger drawerts artikel ist auch nicht völlig polemikfrei. so klingt eben der zitierte satz, er habe noch nie ein e-book in der hand gehabt, eingebettet in die “gesamt”polemik, doch viel ironischer und auch humorvoller, als es der ausschnitt glauben lässt. Gestern um 13:49 · Gefällt mir

Zu Kurt Drawerts Artikel in der NZZ (21.07.2012) und Ben Kadens Replik auf http://libreas.wordpress.com/2012/07/25/derentrissene_text/ vom 25.07.2012

 Armin Steigenberger Es scheint, dass derjenige, der auch nur irgendwas gegen das Internet vorbringt, heute sofort unter Generalverdacht steht, was ich eigentlich genauso eindimensional finde. Insofern ist Ben Kadens Replik in summa eine ziemlich vorhersehbare Reaktion und an neuen Argumenten, die mich wirklich überrascht hätten, kommt gar nichts.

Stattdessen ist die Methode ja die althergebrachte: Man entreiße (!) Textteile dem Kontext, füge ihn in einen anderen Kontext ein und prügle polemisch auf ihn ein. Ben Kaden hat durch Verkürzung etliche bedenkenswerte Aspekte mal eben weggewischt. Die Argumentationen, man habe ja noch ein Leben „neben“ dem Computer (und in diesem alle Freiheit?), sind eigentlich allesamt auch recht banal: dass Herr Ben Kaden in der Schlange auf der Post anstehen muss, um sich danach wieder im Büro einzufinden,  ist ein denkbar schlecht gewähltes Beispiel für die Freiheiten des RL. Und so bleiben solche Reflexe nur die typischen und auch typisch langweiligen Konterkarierungen. Schon die von Kaden verwendeten Schnipsel aus dem Originaltext lesen sich ganz anders, wenn man etwas mehr „Fleisch“ mitliefert.

Im Prinzip geht es doch nur darum, dass ein Text in einem Buch gelesen ganz anders wirken kann als ein Text, der (irgendwo immer zwischen Tür und Angel) auf dem Bildschirm gelesen, anders rezipiert wird, werden muss, weil das Internet als „Resonanzraum“ kein störungsfreier Raum ist, sondern nebenher allerhand „Interferenzen” passieren, wo man auch permanent zusätzliche Infos bekommt, die man nicht bestellt hat, die aber die Rezeption, das „sich-Einlassen“ stören; z. B. all diese Werberahmen und Nachrichtenticker (mit Katastrophenmeldungen u. v. m.) oben und unten schaffen eine permanente (auch emotionale) Parallelrezeption, die sich nicht ausblenden lässt. „Die beschriebene Seite Papier, abgelegt auf unserem Schreibtisch, kann absolut sein. Nichts greift sie an, was ausserhalb ihrer selbst ist. Allenfalls ein paar aufgeschlagene Bücher in näherer Umgebung könnten zu einem Anlass werden, Sätze zu vergleichen und ins Verhältnis zu den eigenen zu bringen. Aber alle diese Prozeduren sind bereits durchlaufen, das haben wir in zäher Mühe schon überwunden. Dieser gleiche souveräne Text aber, der eine Person symbolisch verkörpert, zerfliesst, sobald er in die virtuelle Maschine, in die Megabox eingespeist wird – er wird semantisch entrissen.“

Hinzu kommt die Tatsache, dass Drawerts NZZ-Artikel nicht im Netz verfügbar ist, was gewissermaßen gewollt ist – alles andere wäre ja wieder eine Einladung zum Entreißen, würde seine These nur belegen, dass eben alle Texte verlieren, sobald sie online sind und somit zu Verkürzung und Überlassung einladen. Denn diesen Text im Blog zu besprechen wäre vergleichbar damit, eine Blogdiskussion über die These abzuhalten, ob Blogdiskussionen nicht per se haltlos sind: eine contradictio in adiecto. Insofern wird Drawerts Artikel nun selbst „entrissener“ Text, in Ausschnitte zerbröckelt und unterlegt mit Bockwurst und Bier. „Der entrissene Text kann sich in keiner Weise je wieder finden. Hier und dort tauchen ein paar Reste von ihm auf, bleiben Spannungen, die immanent sind, erhalten, aber sein einzigartiger Komplex, seine semiologische Architektur ist beschädigt. Es ist, wie einen Pianisten der Philharmonie ans Klavier auf den Marktplatz zu zerren: Was immer er spielt, es klingt nach Bockwurst und Bier. Die Signifikanten des Raumes stören die des Textes ununterbrochen, und diese Okkupation ist nur zu verhindern, indem der Raum gemieden und das Medium ausgelassen wird. Es wäre konsequent, aber nicht praktisch, und deshalb bedienen wir es weiter. Und damit jetzt nicht der Eindruck einer singulären Klage entsteht eines Schreibers und seines Textes, auf den die Welt gut verzichten kann – es geht hier nicht nur um eine Produzentenkrise, sondern ebenso um die Krise des Konsumenten, der um seine Möglichkeiten des Lesens gebracht und um jede Form der Nachhaltigkeit betrogen wird.“

Nebeneinander stehen zwei Freiheitskonzepte: Freiheit des Netzes vs. Freiheit der Buchrezeption. Auch wenn ich das Bild der „saugenden“ Röhre nicht durchweg gelungen finde, weil angstgesteuert, will sagen technikfeindlich und irgendwie zu allgemein-apokalyptisch, so zeigt es doch, dass etwas passiert, sobald man sich dem Bildschirm zuwendet, und eben nicht nur psychologisch. „Die Veränderung der Textintention durch die Verschiebung des Textes in ein anderes Medium wollen wir beobachten und stellen fest, dass es keine Verbindlichkeit der Signifikate gibt. Die Flüchtigkeit des Netzes wird zur Flüchtigkeit des Textes. Wir lesen auch schneller auf einem Bildschirm als in einem Buch, weil der Fliesstext unterhalb des Textes permanent mitläuft, gleichviel, ob wir ihn sehen – wir denken ihn mit. Es ist schlichter Unfug, von einer Freiheit des users zu sprechen, wenn dieser schon präfiguriert ist, noch ehe er eingeschaltet hat. Wie eine Ratte, die unter Reizstrom steht, erinnert er sich an die subtile Forderung der Maschine, sich hineinziehen und die Texte entreissen zu lassen. Diese Prozedur ist Minimalkonsens und, wie in einem Gang in die Sauna, Entkleidungsverpflichtung.“

So ist für mich der Drawert-Artikel wesentlich vielschichtiger, als die Ben-Kaden-Replik wahrhaben will.

Heute um 13:29 · Gefällt mir

Michael Gratz klar sind da bedenkenswerte gedanken drin. aber das apokalyptische finde ich schon nervend. ich würd den spieß umdrehen: ich seh die hektik auf seiten der warner und mahner. (ähnlich wie dort opitz schrieb: “wenn man mir ne pistole auf die brust setzte”, was gar nicht drohte. sondern er suchte nur nen aufhänger für seine attacke auf den vom papst abgesegneten stolterfohtsatz oder sowas.

Heute um 14:19 · Gefällt mir

104. Polemisch

Die Luft brennt ober- und unterirdisch. Hier eine Spur, nein ein Bericht aus der Kampfzone (Vorsicht, Stolterfoht ist mit Sätzen bewaffnet, mindestens mit dem einen Satz, gefährlicher als die Schweizergarde):

Ich mag sie nicht, diese „Which side are you on?“-Attitüde, die in der zeitgenössischen Lyrikdiskussion nach wie vor virulent ist, dieses deutsche Lagerdenken „Was bist du – Fundi oder Realo?“ Aber wenn mir jetzt jemand die Pistole auf die Brust setzte, um mich zu einem programmatischen Satz zu zwingen, würde ich sagen: Mich sensationieren nur Gedichte, die einleuchten. Und das meine ich keineswegs nur im logischen Sinne des Einsehens oder Verstehens. Nein, Einleuchten im Wortsinne. Das können auch assoziativer Flow und faszinierende Sprachmontage sein. Einzige Voraussetzung: Das Gedicht trägt eine Spannung in sich, die Kühnheit einer neuen Beobachtung, eines erfrischenden Bildes, eines bislang ungedachten Gedankens, der beim Leser/Hörer ein Kribbeln im Kopf (und anderswo) auslöst, kurz: der ihm eine Chance auf Entdeckerglück bietet. Das können übrigens auch Gedichte leisten, die man auf Anhieb versteht. Sofortiges Verstehen ist kein Kennzeichen für die Flachheit eines Gedichts. Äußert man aber so eine These, da kommen sie in Wallung, die Sprachschichtgeologen und Sprechzonen-Türsteher der deutschen Gegenwartslyrik. Da dräut man mit päpstlichen Dogmen á la „Das Verstehen hat der Teufel gesehen“ und manche, die sich auf junge Wilde föhnen, aber im Grunde nur Elefanten im Paul-Celan-Laden sind, bemängeln, solche Gedichte seien „konventionell“ und würden „kein Wagnis eingehen.“ Dem muss ich energisch widersprechen.

Ich habe solche Avantgarde-Dichter schon bei zahllosen Lesungen erlebt, wie sie ihre aus Versatzstücken und Fertigteilen zusammengeschredderten Gebilde vortragen, ach was, vortragen, den Hörern im Maschinengewehrtempo um die Ohren ballern. / Hellmuth Opitz