Lyrikzeitung & Poetry News

28. März 2012

126. Mäklig

Rauris scheint ein kritisches Publikum zu haben:

Der chinesische Literaturprofessor Wang Jiaxin – eigens aus Peking eingeflogen – las seine nicht zuletzt von deutscher Poesie inspirierte “Welt-Lyrik” im chinesischen Original. Aber sein Publikum erreichte er auch in der deutschen Übersetzung von Autor und Chinakenner Wolfgang Kubin nicht. Ebenso wenig funktionierte die Lyrik des Slowenen Ales Steger und des Ukrainers Juri Andruchowytsch, deren Gedankenwelten vermutlich bloß in den sperrigen Deutschkenntnissen der Autoren steckenblieben*. Auch Patrick Roth mit seiner US-amerikanischen Wortbildershow wird wohl Wenige überzeugt haben, während die witzige, schlagfertige und pointierte Bachmann-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff mit ihrer Lesung aus dem Roman “Blumenberg” ihren Ruf als eine der stärksten Stilistinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur einmal mehr verfestigte. / Salzburger Nachrichten

*) Die sprechen Deutsch – aber ob sie sich selber übersetzen? Eher zweifelhaft.

24. März 2012

108. “Ich übersetze mich nicht”

Einsortiert unter: Österreich, Deutsch, Slowenisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 10:40

Norbert Mayer (Die Presse) sprach mit der Rauris-Preisträgerin Maja Haderlap

Die intellektuelle Entwicklung in Wien erfolgte auf Deutsch, während die Muttersprache das Lyrische geblieben ist. Ist sie weiter dominant als emotionelle Sprache?

Das Deutsche wurde für mich zur Sprache der Reflexion. Bei meiner Muttersprache geht es mir aber gar nicht so sehr um die Emotion, sondern um die Intimität, die Lyrik braucht. Man führt in Gedichten meist Monologe. Für mich ist damit eher das Slowenische verbunden, weil es ja bei uns keine wirkliche gesellschaftliche Funktion hat. Man bleibt bei sich. Ich habe auch versucht, die Gedichte für Lesungen ins Deutsche zu übertragen. Ich konnte das nicht, und ich übersetze mich nicht. Entweder oder. Der Roman wird von jemandem anderen ins Slowenische übertragen.

AUS DEM ARCHIV “Die Presse”:

7. Februar 2012

24. Preis für Maja Haderlap

Einsortiert unter: Österreich, Deutsch, Slowenisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 16:50

Der mit 8.000 Euro dotierte Rauriser Literaturpreis geht heuer an die bekannte und profilierte Autorin Maja Haderlap. Sie erhält den Preis für ihren Debütroman “Engel des Vergessens”, der 2011 im Verlag Wallstein in Göttingen erschien. …

Die Kärntner Slowenin Maja Haderlap wurde 1961 in Bad Eisenkappel in Kärnten geboren und gewann im Vorjahr den Ingeborg-Bachmann-Preis für ihren Text “Im Kessel”. Maja Haderlap gilt seit Langem als die bedeutendste lyrische Stimme unter den slowenischen Österreicherinnen. Seit ihrem ersten Gedichtband aus dem Jahr 1983 hat sie sich im Bundesland Kärnten als eine der bemerkenswertesten Kräfte der Gegenwartsliteratur etabliert. Sie ist zweisprachig aufgewachsen und schreibt sowohl in Slowenisch als auch in Deutsch. / salzburg.at

15. Dezember 2011

58. Mehr als ein gutes Dutzend. Lyrik 2011 (6)

Einsortiert unter: Altgriechisch, Antike, Argentinien, Österreich, Belgien, Deutsch, Deutschland, Englisch, Französisch, Griechenland, Island, Korea, Niederländisch, Rumänien, Schweden, Serbien, Serbisch, Slowenien, Slowenisch, Spanisch, USA — Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , — lyrikzeitung @ 15:11

Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift

Wird morgen fortgesetzt und abgeschlossen. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden.  Bedenken Sie bitte, daß weder Theo Breuer noch ich 1. alles kaufen, 2. alles lesen und 3. wie Computer alles unter dem richtigen Buchstaben abspeichern können. Bei Googleabfragen können Sie testen, daß die von Theo initiierte und uns zur Verfügung gestellte Liste schon jetzt das Auffinden präziser Information sehr verbessert.

(Ergänzungen bitte unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen. Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)

  1. Isaac Schreyer · Der Tag des Einsamen. Gedichte und Nachdichtungen. Nachwort von Armin Eidherr (Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 60). 1 Abb., 172 Seiten, gebunden, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  2. Saza Schröder · Ach Kindheit du schreckliche Süße, 32 Seiten, handfadengeheftet, kartoniert, Künstler­buch, Bleisatz, edition footura black, Itzehoe 2011.
  3. Franz Schuh: Der Krückenkaktus. Erinnerungen an die Liebe, die Kunst und den Tod. Verlag Paul Zsolnay, Wien 2011. 255 S.
  4. Katharina Schultens, gierstabil, 80 S., Klappbroschur, luxbooks, Wiesbaden 2011.
  5. Iris Schürmann-Mock [Hrsg.]: O schöner, grüner Wald. Ein Lesespaziergang. Hildesheim: Gerstenberg 2011. 159 S. : Ill. ; 24 cm.
  6. Ursula Schütt: Gehen muß ich auf dem Faden Zeit. Taschenbuch: 100 Seiten. Verlag: d/m/z Druckmedienzentrum Gotha 2011.
  7. Friederike Schwab: schwebeblätter. Gedichte. 110 Seiten. edition art science, St. Wolfgang. Reihe: Lyrik der Gegenwart, Band 13.
  8. Daniela Seel: ich kann diese stelle nicht wiederfinden. kookbooks, Berlin 2011. 64 S.
  9. Giorgos Seferis · LOGBUCH III, zweisprachige Ausgabe, aus dem Neugriechischen von Evti­chios Vam­vas, 117 Seiten, Broschur mit handgedrucktem Typo-Umschlag, Waldgut Verlag, CH-Frauenfeld 2011.
  10. Faruk Šehić · Abzeichen aus Fleisch. Bosnisch / Deutsch, übersetzt von Hana Stojić. 160 Seiten, Broschur, fadengeheftet, Wien, Edition Korrespondenzen 2011.
  11. Shin Dal Ja ∙ Morgendämmerung. Gedichte (mit einigen koreanischen Originaltexten). Werkauswahl (1989–2007). Aus dem Koreanischen und mit einem Nachwort von Sophia Tjonghi Seo. Herausgegeben und Umschlaggestaltung von Juana Burghardt. 169 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
  12. Volker Sielaff · Selbstporträt mit Zwerg, 101 Seiten, Klappenbroschur, luxbooks, Wiesbaden 2011.
  13. Rajvinder Singh: WÖRTERWEHEN. Trierer Gedichte – Rajvinder Singh – Gedichte, Liz Crossley – Zeichnungen. Broschur im Format 21 x14,5 cm, 80 Seiten, 16 Abb., Berlin: Aphaia Januar 2011. Aus der Reihe Texte und Bilder.
  14. Gerd Sonntag ∙ Giovanni Santi malt eine Fliege, Nachwort von Ulrich Koch, 38 Seiten, ge­heftete Bro­schur, Silver Horse Edition, Marklkofen 2011.
  15. Thomas Spaniel · die irren kurse einer sterbenden fliege. Gedichte. 96 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  16. Michael Speier (Hg.): Berlin, du bist die Stadt. Gedichte. Reclam. 170 Seiten.
  17. Alberto Spunzberg ∙ Die Piatock-Akademie – La Academia de Piatock. Gedichte, zweisprachig. Aus dem argentinischen Spanisch von Juana und Tobias Burghardt. Umschlaggestaltung von Juana Burghardt. Mit einem Nachwort von Tobias Burghardt. 187 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
  18. Christel und Armin Steigenberger (Hg.) · außer.dem, 18. Ausgabe, mit Gedichten von Ann-Andreas Alt­mann, Kathrin Ast, Ernesto Castillo, Caroline Hartge, Birgit Kreipe, Lars Reyer u.a., 51 Seiten, geheftete Broschur, München 2011.
  19. Lutz Steinbrück: Blickdicht. Gedichte. Verlagshaus J.Frank, Berlin 2011. 76 S.
  20. Mile Stojić: Cherubs Schwert: Gedichte und Essays. Aus dem Kroatischen von Cornelia Marks. Leipziger Literaturverlag. 230 Seiten.
  21. Dieter Straub – Gedichte, Peter M. Gotthardt – Kompositionen: Delphische Paiane – Fünf Lieder nach Gedichten von Dieter Straub für Bariton und Klavier. 
Notenband im Format 29 x 21 cm, 28 Seiten, Berlin: Aphaia 2011. Aus der Reihe: Sonderausgaben.
  22. Brigitte Struzyk ∙ alles offen, mit einem Vorwort von Peter Wawerzinek und Bildern von Elke Ehninger, 117 Seiten, Broschur, fixpoetry.Verlag, Hamburg 2011.
  23. Jesper Svenbro · Echo an Sappho, zweisprachige Ausgabe, aus dem Schwedischen von Lukas Dettwiler, mit Beiträgen von Conrad Steinmann und Beat Brechbühl, CD mit musikalischen Nachschöpfungen von Conrad Steinmann zu Texten von Sappho und Alkaios, 83 Seiten, Bro­schur mit handgedrucktem Typo-Umschlag, Waldgut Verlag, CH-Frauenfeld 2011.
  24. Tammen, Johann P. (Hg.): die horen. Bei betagten Schiffen. Islands “Atomdichter”.  56. Jg., Nr. 242, 2011. 424 S. Gedichte von Stefán Hörður Grímsson, Jón Óskar, Einar Bragi, Hannes Sigfússon, Sigfús Daðasson, Steinn Steinarr, Jón úr Vör, Jóhannes úr Kötlum, Arnfriður Jónatansdottir, Elías Mar, Jónas E. Svafár, Thor Vilhjálmsson, Vilborg Dagbjartsdóttir, Matthías Johannessen, Baldur Óskarsson, Þorsteinn frá Hamri, Jóhann Hjálmarsson, Nína Björg Árnadóttir, Sigurður Pálsson, Steinunn Sigurðardóttir. Der Kampf um die Moderne. Stimmen – Gegenstimmen – Positionen. Gespräche mit Steinn Steinarr, Hannes Sigfússon. Zeitgenössische isländische Rezensionen. Nachrufe. Erinnerungen von heute. Glossar.
  25. Veno Taufer: Wasserlinge. Gedichte. Übersetzung: Daniela Kocmut, Herausgeber: Michael Braun. 48 Seiten, Format: 14 x 22 cm, Das Wunderhorn 2011.
  26. Hans Thill (Hrsg.) ∙ Meine schlichten Reisen. Gedichte aus Belgien. Dreisprachige Ausgabe: niederländisch–französisch–deutsch. Dirk van Bastelaere, Eric Brogniet, Karel Logist, Els Moors, Erik Spinoy, Liliane Wouters übersetzt von Gerhard Falkner, Zsuzsanna Gahse, Norbert Lange, Michael Speier, Ulrike Almut Sandig, Hans Thill nach Interlinearversionen von Beate Thill und Stefan Wieczorek. Gebunden, bibliophile Ausgabe mit Lesebändchen. Heidelberg, Verlag Das Wunderhorn 2011.
  27. Walter Thümler: Ist jemand da. Gedichte. Leipziger Literaturverlag. 144 Seiten.
  28. Su Tiqqun: Im Geröll des Auges. Broschur, 28 S. Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011.
  29. Toegye ∙ Als der Hahn im Dorf am Fluß krähte, hing der Mond noch im Dachgesims. Gedichte 1515–1570. Herausgegeben und mit einer Zeichnung von Juana Burghardt. Deutsche Fassungen von Tobias und Juana Burghardt auf der Grundlage der Vorarbeit von Doo-Hwan und Regine Choi. Mit einem Nachwort von Tobias Burghardt. 125 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
  30. Boško Tomašević: Früchte der Heimsuchung. Gedichte. Aus dem Serbischen von Helmut Weinberger. Leipziger Literaturverlag. 180 Seiten.
  31. Boško Tomašević:  Mitlesebuch 103 – Boško Tomašević, Berlin-Gedichte. Michael Blümel – Zeichnungen. Broschur im Format: 24 x 15 cm, 24 Seiten, fadengeheftet. 1. Auflage: 50 Exemplare, im Druckvermerk vom Autor signiert, Berlin: Aphaia, März 2011.
  32. Boško Tomašević • Allerneueste Vergeblichkeit, aus dem Serbischen übertragen von Helmut Weinberger, Nachwort von Walter Methlagl, 171 Seiten, Broschur, Pop Verlag, Ludwigsburg 2011.
  33. Þorsteinn frá Hamri: Jarðarteikn – Erdzeichen. Gedichte. Ausgewählt und aus dem Isländischen übersetzt von Gert Kreutzer. (Fäkätä 14). 36 S. Germersheim: Queich Verlag 2011.
  34. Tomas Tranströmer: Poesiealbum 298.  Hg. u. ausgew. von Richard Pietraß, Grafik Isaac Grünewald, Nachdichtung Hanns Grössel und Richard Pietraß. 32 S. Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2011.
  35. Matthias Traxler: You’re welcome. kookbooks, Berlin 2011.
  36. Verica Tričković: Als rettete mich das Wort. Gedichte teils deutsch, teils serbisch. Leipziger Literaturverlag. 120 Seiten.
  37. Charlotte Ueckert ∙ Dein Haar ist mein Nest, Vorwort von Peter Engel, 34 Seiten, Broschur, fix­poetry.Verlag, Ham­burg 2011.
  38. Nepumuk Ullmann: Von der Überwindung der Eiszeit in den Gefühlen. fhl Verlag Leipzig 2011, 170 Seiten.
  39. Sandra Uschtrin (Hg.) ∙ Federwelt. Zeitschrift für Autorinnen und Autoren, 91. Ausgabe, Lyrik-Re­daktion And­reas Noga, Gedichte von Friedrich von Hagedorn ∙ Katharina Lanfranconi ∙ Ingrid Miller ∙ Irmhild Oberthür ∙ Klaus Roth ∙ Walle Sayer u.a., 58 Seiten, geheftete Broschur, Uschtrin Verlag, München 2011.
  40. Günter Vallaster (Hg.) · Paragramme. Ein Sammelband, 156 Seiten, Broschur, Gedichte von Thomas Hav­lik · Christine Huber · Peter Huckauf · Gerhard Jascke · Ilse Kilic · Richard Kostela­netz · Axel Kutsch · Gerhard Rühm · Fritz Widhalm u.v.a., edition ch, Wien 2011.
  41. Verein Literaturgruppe Perspektive (Hg.) · perspektive. Hefte für zeitgenössische Literatur, Ausgabe 67/68: Aufstandsbeschreibungen, Gedichte von Dominic Angeloch · Ralf G. Landmesser · Rebekka Olbrich · Kai Pohl · Clemens Schittko u.a., 238 Seiten, Broschur, Graz 2011.
  42. Mikael Vogel: Massenhaft Tiere. Gedichte. Verlagshaus J. Frank, Berlin 2011. 100 S.
  43. Florian Voß: Datenströme. Datenschatten. Staub. Gedichte. Verlagshaus J. Frank, Berlin 2011. 80 S.
  44. Achim Wagner ∙ Flugschau, 67 Seiten, Hardcover, [SIC] – Literaturverlag, Aachen ∙ Zürich 2011.
  45. Friedrich Wilhelm Wagner: Jungfraun platzen männertoll. hochroth Verlag 2011.
  46. Friedrich Wilhelm Wagner: Irrenhaus. hochroth Verlag 2011.
  47. Friedrich Wilhelm Wagner · Jungfraun platzen männertoll / Irrenhaus (edition grillenfänger 18). 38 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  48. Jan Wagner · Die Sandale des Propheten. Beiläufige Prosa, 240 Seiten, Hardcover mit Schutzum­schlag, Ber­lin Verlag, Berlin 2011.
  49. Jan Wagner: Poesiealbum 295. Hg. u. ausgewählt von Richard Pietraß, Grafik Werner Friedrichs. 32 S. Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2011.
  50. Immanuel Weißglas · Der Nobiskrug. Gedichte. Nachwort von Bernhard Albers (Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 55; Lyrik-Taschenbuch Nr. 72). 80 Seiten, broschiert, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  51. Ralf S. Werder: Bruchland. Broschur, 28 S. Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011.
  52. Walt Whitman · Liebesgedichte / Love Poems. Englisch / deutsch. Ausgewählt und übertragen von Frank Schablewski. Vorwort von Johannes Urzidil. Nachwort von Jürgen Brôcan. 128 Seiten, fadengeh. Klappenbroschur, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  53. Ron Winkler (Hg.): Schneegedichte. Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2011.

28. Oktober 2011

119. Janko Messner in Klagenfurt verstorben

Einsortiert unter: Österreich, Slowenisch — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 03:53

Der kärntnerisch-slowenische Schriftsteller und Kämpfer für Minderheitenrechte hinterlässt ein umfangreiches Werk. 2002 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

„Du sprichst eine Sprache, die in meinen Ohren fremd klingt“, schreibt Janko Messner im Gedicht „Lieder für Ivo“. „Aber jede Sprache ist Musik in offenen Ohren und offenen Herzen.“ Der Kärntner-Slowene, 1921 in Aich nahe Bleiburg geboren, war neben seiner literarischen Arbeit auch politisch aktiv. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Schwarzweiße Geschichten“ (1995) und das „Kärntner Heimatbuch“ (1980). 2002 erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. Vier Jahre später schickte er es an Bundespräsident Heinz Fischer zurück, weil der ORF seinen Film „Vrnitev/Die Rückkehr“ nicht ausstrahlte. Darin geht es um die Vertreibung hunderter Kärntner Slowenen durch die Nazis im April 1942. Das Ereignis wurde in Kärnten jahrzehntelang totgeschwiegen. / Die Presse 28.10.

4. September 2011

17. Franjo Frančič

Einsortiert unter: Slowenien, Slowenisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 13:50

Die Anfänge des Dichters Frančič liegen in den späten siebziger Jahren, in einer autoritären Phase des Tito-Sozialismus; für die Kunst ist die bleierne Zeit eine Ära der Experimente, und beides, die Freiheit und den repressiven Geist der Gesellschaft, wird man in Frančičs Werk spüren. Der junge Autor tut sich schwer mit jener Gesellschaft, die der Knabe Franjo nur als Feindin erlebt hat. Die frühen Bücher haben sprechende Titel, «Egotrip», «Heimat, bleiche Mutter», «Nein», «Fuck». Frančič revoltiert gegen Cliquenwirtschaft im Literaturbetrieb, und der Betrieb reagiert beleidigt, mit Ablehnung, Boykott. Seit ein paar Jahren nun kommen sie gut miteinander aus, der Betrieb und der Paria von einst; der Autor wird verlegt und geehrt, bis in die Schulbücher hat er es geschafft.

Frančičs Werk ist ein unüberschaubarer Korpus – Prosa, Lyrik, Stücke, Hörspiele, Drehbücher, Kinderbücher. Es ist ein Strom, der Erlittenes und Erträumtes mit sich reisst, ein ewig mäandernder, sich stetig selbst imitierender Fluss von verborgener Schönheit. / Uwe Stolzmann, NZZ

11. August 2011

53. exemplum

Einsortiert unter: Litauen, Slowenien, Slowenisch — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 19:51

Nicht Respekt, sondern Zweifel ist das Instrumentarium dessen, der sich seiner Identität immer neu vergewissern muss. Ein beständiges Ich gibt es bei Ališanka nicht, nur eines, das Rollen erprobt, um sie wieder zu verwerfen. Weder Theoreme noch Definitionen kommen ihm bei. Symptomatisch heisst es in «curriculum vitae»: «hungrig geboren / absolvent des klassenspiels / diplomierter melancholiker / das ganze leben tagelöhner / am längsten ausgeübte tätigkeit – taschendieb / kurzzeitig messdiener für den einen / und sargmacher für den anderen gott / zur zeit saisonschriftsteller / lebe allein mit frau und sohn / habe mehr bücher publiziert als geschrieben / zehn erklärungen verfasst / appelle und bewerbungen / ein paar stellungnahmen / für die verkehrspolizei dieses jahr ausgezeichnet / mit einem preis des kultusministeriums / laureat im schienen-marathon / ich bitte um arbeit entsprechend meiner qualifikation / irgendwo am boden / selbst für den lohn / eines hirten mit flöte». / Ilma Rakusa, NZZ

Eugenijus Ališanka: exemplum. Gedichte. Aus dem Litauischen und mit einer Nachbemerkung von Claudia Sinnig. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2011. 111 S., Fr. 23.90. Eugenijus Ališanka / Aleš Debeljak: Baltische Adria. Zwei Essays. Aus dem Litauischen von Cornelius Hell. Aus dem Slowenischen von Ludwig Hartinger. Edition Thanhäuser, A-Ottensheim 2010. 101 S., € 20.–.

 

11. Juli 2011

40. Maja Haderlap

Einsortiert unter: Österreich, Deutsch, Slowenisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 11:16

Die Kärnter Slowenin Maja Haderlap hat am Sonntag mit einem Auszug aus ihrem Romanerstling “Engel des Vergessens” den Ingeborg-Bachmann-Preis bei den 35. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gewonnen.

Die zweisprachige Autorin, die bisher vor allem mit Lyrik-Veröffentlichungen von sich reden machte, hat ihr Buch in deutscher Sprache geschrieben, dies habe ihr “einen gewissen Schutz” gegeben, wie sie erklärt. …

Die Autorin, die ihre Lyrik in ihrer slowenischen Muttersprache verfasst, wehrt sich dagegen, in “zwei Welten” verortet zu werden, weil sie zweisprachig ist. Sie lebe in einer Welt mit zwei Sprachen, betont sie. / Kleine Zeitung

18. Juni 2011

88. Petrarca-Preis geht an John Burnside und Florjan Lipuš

Einsortiert unter: Österreich, Englisch, Schottland, Slowenisch — Schlagworte: , , , , — lyrikzeitung @ 17:31

Die Schriftsteller John Burnside und Florjan Lipuš bekommen den mit 20.000 Euro dotierten Petrarca-Preis. Sie werden “für ihre herausragenden und bedeutsamen Werke” ausgezeichnet, wie die Hubert-Burda-Stiftung, die den Preis vergibt, am Donnerstag in München mitteilte. Die Juroren um Peter Handke und Michael Krüger hätten sich einstimmig für die beiden Autoren entschieden, die sich das Preisgeld teilen müssen. / Der Standard

1. Dezember 2010

4. Zukunftslos Worte

Einsortiert unter: Slowenien, Slowenisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 12:53

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin stelle ich hier einen Text von 1987 dem Gedicht von Srečko Kosovel aus L&Poe 2010 Nov #107. Meine Anthologie 61: Srečko Kosovel, Stammbaum an die Seite. Er erschien zuerst in der Undergroundzeitschrift ariadnefabrik 1/1988. Solche Bücher waren damals Ereignisse, natürlich auch, weil das Angebot so überschaubar war, daß jeder Interessierte ungefähr die gleichen Bücher kaufte und las. Aber nicht nur, will mir meine Erinnerung sagen.

 

Zu Srečko Kosovel: Ahnung von Zukunft. Gedichte. Leipzig, Reclam Verlag 1986.

 

 

Noch in den siebziger Jahren hätte ich mich einem Buch, das in seinem Titel von Zukunft spricht, nicht so unbefangen zu nähern gewagt, all die kräftig und froh ausschreitenden Lieder und schwer-versigen Hymnen im Ohr, im Bewußtsein, die nur, und das spürten wir gewiß, in Schule und Öffentlichkeit als gültige Bekenntnisse kursierten, und jenseits unserer Grenze lag Abendland. Einfältiges Pflänzchen, das in uns gepflanzet worden war – grenzt es an Zynismus, wenn ich sage, es hat sich entwickelt? Aus Zukunftserwartung hat sich Zukunftsangst geschält, und diese ist kein schulisch abverlangtes Zeugnis mehr.

 

Was wirkt in mir, daß ich die scheinbar für den einseitigen Gebrauch gedachten Begriffe wieder für mein Denken verwenden kann? Ists, daß das Wort einer Geschichte eignet, eines Schwingraumes, unerkundeter Dimensionen; daß es sich natürlich bewegt wie ein Tier, aus dem Gatter entlassen, wenn es, bar ideologischer Vormundschaft und Beschlagnahme, wieder zum Dingwort wird, zum Wort, das den Dingen Menschen auf der Spur … So bewegen sich die Worte in Kosovels Dichtung, selbst Worte wie Revolution Menschheit Zukunft, sie bewegen sich natürlich, glaubwürdig, mensch- und dinggemäß. Die politischen Gedichte verlieren nicht an menschlicher und persönlicher Dimension, wahrnehmbar und in den Rahmen persönlicher Erfahrbarkeit gestellt sind die Bilder.

 

Entstanden die Gedichte vom Weltende im deutschen Expressionismus vor allem in der Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges, so sind sie bei Kosovel zeitlich danach angesiedelt; Gedichte vom Rande Europas, Slowenien, in das Herz des Kontinents hineingesprochen, Beschwörungen gleich. Sicher erfaßt der jung verstorbene Dichter die Nachkriegsspannungen, die Vorläufigkeit dieses Friedens, entwickelt ein Gespür für Anzeichen und Ursachen des europäischen (Kultur-?) Verfalls, die nicht allein im Krieg zu suchen sind. In EKSTAZA SMRTI (Ekstase des Todes), aber auch in EVROPA UMIRA (Europa im Sterben) und anderen Texten unterzieht Kosovel die abendländische Lebenshaltung einer Kritik; Abendland – wörtlich genommen – umreißt faktisch die geistige Konstitution unseres Kontinents, alles in Europa scheint vom Abend geprägt, unser Bewußtsein vor allem ein endzeitliches zu sein, in Vergangenheitsräume gerichtet, in denen wir das Zukünftige nicht zu entdecken vermögen. Ja selbst diese Räume konservieren wir zu Museen reiner Erinnerung, berauben sie ihres Raumcharakters, und doch wirkt und währt alles Geschehene fort …

Unglaubhaft blieben uns immer, und fern, die vermittelten Standardvisionen vom Anbrechenden Morgen, wir ziehen es vor, in heißere Länder zu reisen, doch Morgenlandfahrer im Sinne von Erkundern des Möglichen scheinen rar in Europa.

 

Kosovel ist, fern aller Mystifizierung, ein Seher; tief in Wirklichkeiten vorzudringen mit dem feinen Instrumentarium der Worte, das Fundgut zu betten in den poetischen Raum, dies heißt sowohl, Vergangenes zu entdecken als auch Zukünftiges im Vergangenem, das nicht verloren, sondern nur vergessen, verschüttet war …

Dankbar bin ich für die untergründige Religiosität dieser Dichtung, weil sie identisch ist mit einem alle Wirklichkeitsbereiche umfassenden Weltbewußtsein, mit dem Bewußtsein des notwendigen Wechselspiels zwischen Natur und Mensch. Kosovel bewegt sich mit seinem Universum hin zu einer Utopie, zu sozialen Veränderungen (siehe z.B. „An die Mechaniker“), die auch Veränderungen im Verhalten der Menschen zur Umwelt mit einschließen müssen, um glaubhaft und lebbar zu sein. Sozial beschränkt sich für ihn nicht auf soziale Sicherheit, sondern umfaßt das Geflecht menschlicher Beziehungen in seiner Gesamtheit. Es gibt für mich keine heimatlichere Gebärde als eine solche, die den Einzelnen wie das Universum mit einbezieht und in seiner Gestalt achtet.

 

Jayne-Ann Igel

Leipzig, September 1987

 

Ältere Artikel »

Theme: Silver is the New Black. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 242 other followers