Kategorie: Palästina
98. Poetistanbul
Das Istanbuler Institut für Geschichte und Sozialwissenschaften veranstaltet das achte Internationale Poetistanbul- (ŞiirIstanbul-) Festival vom 1.-4.6. Bislang nahmen an dem festival bereits 181 bekannte Dichter aus 67 Ländern teil sowie mehr als 300 türkische Dichter. In diesem Jahr nehmen 39 Dichter teil, 17 aus der Türkei und 12 aus dem Ausland.
Hürriyet Daily News 27.5.
Zu den Teilnehmern gehören: Abdulselam Hallum (Syrien), Ahmed El Şahavi (Ägypten), Aische Basri (Marokko), Dimitru M.Ion und Carolina Ilica (Rumänien), Gassan Zaqdan und Hanan Awwad (Palästina), Sanja Domazet (Serbien), Sasho Serafimov (Bulgarien), Jean-Luc Pouliquen (Frankreich) und Katica Kulavkova (Kata Ćulavkova) (Mazedonien).
Hier Programm und Texte der Teilnehmer (auch Englisch)
35. Märtyrer-Kult
Friederike Pannewick erforscht die arabische Literatur – und findet darin nicht nur eine große, hierzulande kaum bekannte ästhetische Kunstfertigkeit, sondern auch gesellschaftliche Einstellungen von aktueller politischer Brisanz. Etwa in diesem Gedicht:
Ein Körper liegt da, hingeworfen zwischen Bergpfaden,
Raubtiere streiten sich um ihn.
Blut überzieht die Erde mit Purpur und macht den Ostwind
Schwer vom Duft des Moschus.
Ein Lächeln umspielt seine Lippen, voll Spott
Über dieses niedere Dasein.
Der palästinensische Dichter Abd ar-Rahim Mahmud verherrlichte den Tod eines Märtyrers 1937, im Kampf gegen jüdische Einwanderer, die in Palästina ihren eigenen Staat gründen wollten. Damals entwickelte sich in der arabischen Welt eine intensive Verehrung für Männer, die für eine gerechte, aber aussichtslose Sache ihr Leben opfern. Der Märtyrer-Kult hält bis heute an, ob in Afghanistan oder Tunesien. Die Wurzeln dafür hat Pannewick, Professorin an der Universität Marburg, im 7. Jahrhundert gefunden. Damals erhob Hussein, der Enkel des Propheten, Anspruch auf Mohammeds Nachfolge und wurde von einer Übermacht seiner Gegner getötet.
“Diese Situation passte wunderbar, strukturell gesehen, für eine Situation wie die der Palästinenser Anfang des 20. Jahrhunderts, als die zionistische Siedlungsbewegung stark wurde und auch gegen das britische Mandat ein fast aussichtsloser Kampf geführt wurde. Also der Märtyrer als eine Figur, die einer sehr stark in die Enge getriebenen Gruppe die Hoffnung gibt, in irgendeiner Form, und sei es transzendental, zu einem Sieg zu kommen, obwohl die politische Situation nahezu aussichtslos ist.”
/ Matthias Hennies, DLR
36. “Dichten für Millionen”
Tausende fühlten sich berufen, aber nur 48 sind auserwählt: Diese 48 Dichter aus allen Teilen der arabischen Welt treten nun gegeneinander an, über 15 Wochen in einer Art künstlerischem KO-Verfahren, bis einer oder eine übrig bleibt. Der kuwaitische Dichter Seyad Ibin Nahit hat eine der früheren Runden von “Sha’ir al miliun” gewonnen – und ist seitdem ein gefeierter Lyriker. …
Neu an dem diesjährigen Wettbewerb: Bei den Kandidaten zählt fortan auch ihre Körpersprache. Denn auch die ist wichtiger Bestandteil ihrer Ausdrucksfähigkeit. Einer, darin so stark ist wie wenig andere, ist der palästinensische Dichter Tamim al Baruti. Auch er nahm an dem Wettbewerb, fiel aber durch – wegen eines winzigen Grammatikfehlers. Denn auch auf korrekte Grammatik kommt es an in diesem Wettbewerb, da sind die Veranstalter streng. Aber Baruti ist seit seinem Auftritt ein echter Lyrik-Star in der arabischen Welt. / Kersten Knipp, DLF
81. Ausländer unerwünscht?
Auch Ägypten hat ein Problem mit im Land geborenen “Ausländern”:
Der ägyptische General Hassan al-Rowini, Mitglied des SCAF (Supreme Council of the Armed Forces, Arabisch المجلس الأعلى للقوات المسلحة), hat Verärgerung bei ägyptischen Intellektuellen ausgelöst mit einer Bemerkung über den palästinensischen Dichter Tamim al-Barghuti. Der General sagte in einer Fernsehsendung, Ausländer wie Barghuti sollten nicht über ägyptische Angelegenheiten sprechen. Er wundere sich, daß ein junger Mann mit “komischem Akzent und unägyptischen Gesichtszügen” Fragen der nationalen Sicherheit diskutiere. Ägypten mit seinen 86 Millionen Menschen warte nicht auf einen Palstinenser, um die Politik des Landes zu bestimmen. Schriftsteller wie Bahaa Taher, Sonallah Ibrahim, Ahmed Fuad Negm und Abdel Rahman al-Abnudi verurteilten die Erklärung des Generals als diskriminierend und wiesen darauf hin, daß alle Araber und alle Menschen gleich seien
Tamims Gedichte wurden wiederholt während der Revolution auf dem Tahrirplatz vorgetragen und gesungen. Er wurde 1977 in Kairo als Kind des palästinensischen Dichters Murid al-Barghuti und der ägyptischen Romanautorin Radwa Ashur geboren und studierte in Kairo und Boston. 1999 besuchte er Palästina zum erstenmal, um seine Sammlung “Mijana”, Gedichte in palästinensischem Dialekt, vorzustellen. / Ola El-Saket, Al-Masry al-youm
53. Lob des Protests
Nach einem alten Spruch werben Politiker mit Lyrik aber regieren mit Prosa. Die Vitalität der großen Straßengedichte der 60er-Jahre-Vietnam-Proteste lebt fort im arabischen Frühling. Letzten Monat wurde eine junge Frau aus Bahrain [die Dichterin Ajat Al-Kurmisi] zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie ein Gedicht in der Öffentlichkeit vorgelesen hatte, das die an den König gerichtete Zeile enthielt: “Wir sind das Volk, das die Entwürdigung töten und das Elend morden wird. Hörst du ihre Schreie? Hörst du ihre Wut?” Der palästinensische Lyriker Tamim al-Barghuti sagte kürzlich im Zusammenhang mit der tunesischen Revolution, daß die Lyrik “die Phantasie des Volkes bereichert und ihre Wahrnehmung verändert hat, ihr Selbstvertrauen stärkte und ihnen zeigte, wie schwach ihre Tyrannen sind”. Al-Barghuti war einer der Dichter, deren Werk in dieser Woche bei einem Festival zur Literatur des arabischen Frühlings gefeiert wurde. / Guardian
132. Arabische Lyrik beim poesiefestival
Schnelle Veränderungen erwartet Hint Shoufani nicht, solange es an demokratischer Gesinnung mangelt. Die Palästinenserin, Jahrgang 1978, gehört zu den schillerndsten Figuren der arabischen Frauenliteratur, ihre Themen sind: „Tod, Politik und Sex“.
Aus ihren englischen Gedichten spricht Pessimismus, aber auch eine kraftvolle Sinnlichkeit, die sich in assoziativen Wortketten den Weg bahnt. …
Aggressiven Rap zu hämmernden Hip-Hop-Beats schmettert der 22-jährige Tunesier El Général. Seine Protesthymne „Rais Lebled“ (Chef meines Landes) ist eine direkte Aussprache mit Staatschef Ben Ali. Über Facebook fand das zensierte Video seinen Weg in die Welt, mittlerweile gilt es als Auslöser für den Sturz des Kleptokraten. Die provokative Diktatoren-Konfrontation sucht auch die junge Ägypterin Hend Hammam. Ihr Gedicht „Brief an den Präsidenten der Republik“ formuliert eine in rhythmischen Reimversen verfasste Anklage gegen Hosni Mubarak: scharfzüngig, in einfachem Umgangsarabisch. Mit ihrem Landsmann Deeb teilt sie ein zentrales Anliegen: die Demokratisierung in der Kunst antizipieren, durch den Gebrauch des landeseigenen Dialekts, der noch die untersten Schichten erreicht. / Martin Ernst, Tagesspiegel
110. Ängstliche Wahl
Festzuhalten bleibt aber, dass die Friedenspreisjury es nicht einmal in diesem Jahr geschafft hat, einen Autor auszuzeichnen, der nicht in den großen Sprachen der jüdisch-christlichen Tradition schreibt. Dabei gibt es mittlerweile etliche Arabisch schreibende Autoren, die ebenso gut oder schlecht auf dem deutschen Buchmarkt vertreten sind wie Sansal und literarisch locker in derselben Liga spielen: der Ägypter Alaa al-Aswani, die Palästinenserin Sahar Khalifa, der Libanese Elias Khoury, der Libyer Ibrahim al-Koni, der Syrer Adonis.
Aber einen von diesen Autoren zu wählen, war der Jury offenbar zu riskant: Wen holt man sich da eigentlich in die Paulskirche, wenn man Adonis, Al-Koni, Khalifa, Khoury, Al-Aswany auszeichnet? Wurde Adonis und Al-Koni nicht gerade noch vorgeworfen, sie stützten irgendwie die repressiven Regime in ihrer Heimat, ja, sie seien mit denen sogar verbandelt? Wie die beiden sich wirklich zur Revolution positionierten, hat dann leider niemanden mehr interessiert, nachdem ein aus der Hüfte geschossener Denunziationsjournalismus den Verdacht erst einmal ausgesprochen hatte. Sahar Khalifa? Zu brisant, da eine vehemente Israelkritikerin. Dass Khalifa auch eine fulminante Kritikerin des Islamismus und palästinensisch-arabischen Machismo ist, interessiert dann schon gar nicht mehr. Für Elias Khoury und Alaa al-Aswani gilt dasselbe. So sehr sie die Zustände in ihrer Heimat kritisieren: Wenn sie erst einmal anfangen, auszuteilen, dann kriegt auch der Westen, dann kriegen auch wir unser Fett ab.
Was uns Boualem Sansal am 16. Oktober in der Paulskirche sagen wird, wissen wir noch nicht. Aber in seinem bisherigen Werk deutet wenig darauf hin, dass er uns unangenehme Fragen stellen wird. / Stefan Weidner, Süddeutsche 14.6.
96. e.poesie
poesiefestival berlin
So 19.6.20:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Foyers
Eintritt €10/7
Mit und von Ondřej Adámek Tschechien / Sjón Island; Mark Barden USA / Zakaria Mohammed Palästina; Eliav Brand Israel / Michael Stauffer Schweiz; Dmitri Kourliandski Russland / Stanislaw Lwowski Russland und Rozalie Hirs Niederlande sowie Natalia Pschenitschnikowa Stimme, den Schauspielerinnen Anna Kubelík und Samia Dauenhauer, weiteren Solisten / Performern, dem KNM Berlin sowie dem KNM campus ensemble.
e.poesie beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Wort und Musik, genauer mit der perspektivreichen Relation aus zeitgenössischer Poesie und der Musik von heute. Fünf Komponisten präsentieren mit ihren Poetenkollegen aktuelle Positionen im Grenzbereich zwischen deklamiertem Text, Instrumentalmusik und Klang- bzw. Lautperformance. Musik und Poesie erobern sich die spektakuläre Architektur der Akademie der Künste und beziehen sie in die Kompositionen ein.
78. Neue Arabische Welt
Colloquium: Neue Arabische Welt
Sa 18.6. 18:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Black Box
Eintritt €5/3
Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen Moderation Arian Fariborz Politologe, Islamwissenschaftler und Journalist, Köln
Revolution, politischer Umsturz, Protest: Die Arabische Welt ist in Bewegung. In der Diskussion wird nach dem künstlerischen Umgang mit den derzeitigen Umbruchprozessen und gewaltvollen Auseinandersetzungen gefragt. Wie manifestieren sich Wünsche und Sehnsüchte in dichterischen Formen? Inwieweit bahnt sich die Wut ihren Weg in die Texte? Wie sieht die Situation in den unterschiedlichen Ländern und regionalen Wirklichkeiten aus? Welche Rolle spielen die Dichter in den Protesten, sind sie Beobachter, Katalysatoren oder gar Tongeber?
Neue Arabische Welt
Sa 18.6. 20:00
Akademie der Künste, Pariser Platz, Plenarsaal
Eintritt €10/7
Mit Ali Al-Jallawi Bahrain Deeb Ägypten El Général Tunesien Hend Hammam Ägypten Hind Shoufani Palästina Abdouldaim Ukwas Libyen Moderation Pyranja Rapperin, Journalistin, Berlin
Die jungen Poeten und Performer aus der Arabischen Welt stellen ihre Werke und ihre Sicht auf das Alltagsleben vor. Jenseits von gängigen Orientalismen wird ein Wortkaleidoskop dargeboten, das von klassischer Poesie über poetry performance bis hin zu Rap reicht. Die Vielstimmigkeit der jungen Künstler spiegelt die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Ägypten, Bahrain, Libyen, Tunesien und dem Libanon wider und ermöglicht einen facettenreichen Einblick in eine heterogene Region aus erster Hand.
59. Rückblende Juni 2001: Nicht jeder mag Berlin
Machmud Darwisch lebt noch und ist einer der letzten Dichter, die selber ein Mythos sind, einer wie Lorca, wie Majakowski, wie Neruda oder Nazim Hikmet. Agnes Miegel ist eine Nazisse:
1940 erhielt sie den »Goethepreis der Stadt Frankfurt«.
Frau Miegel bedankte sich artig, wurde Mitglied der NSDAP und schmiedete beispielsweise diese Hymne auf den »Führer«: »Neid hat er und Bruderhaß gestillt. Unsere Herzen, hart von Not und Krieg, hat mit seinen glühenden, glaubensvollen Worten ER durchpflügt wie Ackerschollen, bis ein neuer Frühling in uns stieg.« So was darf mit dem Goethepreis von 1940 nicht abgegolten sein. Darum auch legten die Regierenden des Freistaates Bayern als Vorkämpfer deutscher Leitkultur 1959 den Literaturpreis der »Bayerischen Akademie die Schönen Künste« für die Ehrenbürgerin der niedersächsischen Gemeinde Bad Nenndorf dazu. 1948 war ihr dort diese Ehrung zuteil geworden; ihr einstiges Wohnhaus ist heute als »Agnes- Miegel-Haus« und Museum eingerichtet. / junge Welt 28.6.
Alle reden über Ingeborg Bachmann (75. Geburtstag). Nicht alle Männer mögen sie.
Thomas Kling: «Mainstreamkitsch», «Kulissenschieberei», «ein unelegantes Gewuchte von Bildern» oder «klassizistisches Herumfummeln mit Hölderlin» erkennt er in Bachmanns Lyrik und urteilt gnadenlos – Mittelmass.
Der andere, Marcel Reich- Ranicki, “behauptet heute noch steif und fest, an die Gespräche mit ihr könne er sich seltsamerweise nicht erinnern, wohl aber an ihr Aussehen. Wäre ein solcher Ausspruch denkbar von, sagen wir, Sigrid Löffler über Paul Celan?”
Nicht alle mögen Berlin. Gilt auch für seine Festivals. Jörg Magenau beklagt in der FAZ die “ungebrochen naive Aufklärungsmission und das Pathos mancher afrikanischer Autoren” und fragt: “Hat Berlin darunter gelitten, daß die ugandische Lyrikerin Goretti Kyomehundo noch nie in der Stadt auftrat?” Vielleicht am schlimmsten: “Für sein Literaturfestival will Berlin andere zahlen lassen”.
Ebenfalls in Berlin zeigt eine Ausstellung in der Stiftung “neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum” Leben und Werk des Dichters Jakob van Hoddis. (Was hier gezeigt werde, fragt eine Besucherin im Eingang. Irgendein russsischer Dichter, sagt einer vom Personal. Der andere durchwühlt meine Tasche wie am Flughafen.). Ernest Wichner schreibt in der Süddeutschen:
Immer wieder in Sanatorien und Kliniken eingeliefert, bei Pflegefamilien in Thüringen, von 1922 an in Privatpflege bei einer Gastwirtsfamilie in Tübingen, entmündigt, in die Universitäts-Nervenklinik eingewiesen und 1933, als seine Familie nach Palästina auswandert, in die “Israelitische Heilanstalt” in Bendorf Sayn bei Mainz verbracht, wird Jakob van Hoddis am 30. April 1942 mit hundert weiteren Patienten und den Mitarbeitern der Anstalt in den Distrikt Lublin verschleppt und bald darauf, wahrscheinlich im Vernichtungslager Sobibor, ermordet.
“Manchmal, wenn er sich im Garten befindet, springt er plötzlich auf irgendein Tier (Ameise, Schmetterling etc.) zu und begrüßt dasselbe durch sechs- bis siebenmaliges steifes Verbeugen oder durch Abnahme des Hutes”, kann man in der Göppinger Krankenakte lesen, in der – wie in allen anderen, die das umfangreiche Ausstellungsbuch versammelt – der Dichter Jakob van Hoddis nur noch Pat. (Patient) heißt.
Wann beginnt Dresden die Hauptstadt der Poesie zu werden, fragt Tomas Gärtner:
Wenn sich die ersten Lyrikfans aus der Buchstadt Leipzig mit Schlafsack und wenig Geld in der Tasche nach Dresden aufmachen, nur um das hier zu erleben.
(Und, ist das eingetroffen?)
Es ist schon seltsam, schreibt die Main-Rheiner Allgemeine Zeitung, dass einer ein Ordnungsfanatiker sein und gleichzeitig im Chaos untergehen kann. Aber bei dem Lyriker Ernst Jandl (1925-2000) hatte das seine eigene Logik.
Das Leben wenigstens “auf kleinen Sprachinseln” zu verarbeiten, zu ordnen: dies müsse wohl Jandls schöpferischer Impuls bei seinen mehr als 2500 Gedichten gewesen sein. Im übrigen hat Ernst Jandl sein Ordnungsproblem ganz praktisch gelöst: als die erste Wohnung mit Zetteln, Ordnern, Bücher und Notizen so vollgestopft war, dass man sich nicht mehr darin bewegen konnte, ließ er alles stehen und liegen, schloss die Tür ab und zog um. Kurz vor seinem Tode hatte er gerade die dritte Wohnung bezogen. Und so ist Ernst Jandl wohl zur Lebensaufgabe für seinen Lektor und Biografen geworden. / 15.6.01
Politisches zum Schluß:
Wie kommt es, dass jemand, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, noch immer nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt? SAID: Ich habe vor vier, fünf Jahren die Staatsbürgerschaft beantragt. Die Bürokratie hat mir aber mitgeteilt, dass ich dafür nicht genügend Geld verdiene. Natürlich hätte ich vor Gericht ziehen können und auch Recht bekommen, weil der Bescheid verfassungswidrig war. Aber ich fand es lächerlich, mich wegen eines Stücks Papier zu streiten. / der iranische Lyriker und deutsche Pen-Präsident Said in der Kleinen Zeitung Online