Nicht in Zeitungen, sondern in der Lyrik

Das Ringen um die Moderne stehe sehr wohl im Mittelpunkt des intellektuellen Lebens der arabischen Länder. Dabei sei die Frage entscheidend, ob der Weg in die Moderne ein Verlust der historischen Identität bedeute und ob es zwangsweise in Richtung „Verwestlichung“ gehen müsse. Creswell erklärte, die interessantesten Debatten über die Moderne würden nicht in Zeitungen, Romanen oder gelehrten Abhandlungen geführt, sondern in der Lyrik. Sie sei das bedeutendste arabische kulturelle Erbe, „die Königin der Künste“ bis heute, auch wenn ihre Bedeutung langsam abnehme. „Die Dichtung ist die Chronik der Araber“, heiße nicht zufällig eine alte arabische Maxime, sie sei ein „Archiv ihrer historischen Erfahrungen“.

(…)

Neben dem umstrittenen, mittlerweile über 80-jährigen Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis-Träger – Adonis stellte 2011 die syrische Revolution in Frage mit der Begründung, die syrische Gesellschaft sei noch nicht reif für eine Revolution – kam noch ein anderer, vor allem klassenkämpferischer und antikolonialistischer Dichter zur Sprache: der 1941 geborene Palästinenser Mahmud Darwisch, der die „poetische Stimme seines Volkes“ genannt wurde. Sein berühmtestes Gedicht: „Schreib’s auf! Ich bin Araber, / ich placke mich ab wie meine Gefährten im Steinbruch …“. Aber Darwisch ist schon 2008 gestorben. Wie es um die jüngere arabische Poesie steht, ließ der interessante Abend indessen weitgehend offen. / Verena Großkreutz, Eßlinger Zeitung

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