Schlagwort: Avantgarde

«100 Jahre nach mir»

und alle MENSCHEN schlafen nachts
und fühlen die magischen Offenbarungen nicht
die in mir aus mir strahlen.

Anfassgedichte

Veranstaltet ein Treffen für ein Berührungsgedicht
irgendwo in der Ferne oder an einer fiktiven Adresse
an einem fiktiven Tag.

Blinde Dame

Die blinde Dame mit den blutigen Augen setzt ihre Worte gut
Sie vertraut keinem Menschen an wie weh ihr das alles tut

Der Leser wird gebeten

Töne, töne hemmungslos – eine Mauer trennt uns bloß
Um so besser – niemand kann die Fehler hören
Ich werde heimlich dich auf dem Cello begleiten
Und das Licht ausmachen, denn im Dunkeln ist es schöner

Karl Riha (1935-2026)

225 Wörter, 1 Minute Lesezeit Am 10. Januar 2026 ist der Literaturwissenschaftler, Herausgeber und Autor Karl Riha in Siegen gestorben. Riha, der zu den prägenden Vermittlern experimenteller und avantgardistischer Literatur im deutschsprachigen Raum zählte, verband wissenschaftliche Präzision mit einem nachhaltigen Interesse an poetischen Grenzformen, Sprachspielen und… Continue Reading „Karl Riha (1935-2026)“

Luceberts Köpfe

du bist wieder in guten händen ein dichter
spricht zu dir die pohesie
wird gleichgestellt wie eine uhr

Jetzt wollen wir

wozu noch länger warten
die stecken sind geschnitzt
die geier wollen starten
steht in beton geritzt

weniger schrift

weniger hintern, auge, hirn,
das wär schon alles. weniger hand,
gut. weniger schrift. das bild weg;
weniger worte. keine schaltungen,
ausflüsse, kein dampf!

Hygiene des Halses. Ein Einwand zum 150. Geburtstag Aleister Crowleys

Für ihn war Enochianisch nicht bloß eine Erfindung, sondern ein Instrument zur Kontaktaufnahme mit transzendenten Bewusstseinsebenen – eine poetisch-magische Sprache zwischen Offenbarung und Erfindung. Jedenfalls hat er das behauptet. Für mich aber ist das poetische Glossolalie, wie sie die russischen Futuristen oder später die Dadaisten und andere Klangpoeten praktizierten.

His own song: Ernst Jandl 1925-2000

nicht wie ihr mich wollt
wie ich sein will will ich sein
nicht wie ihr mich wollt
wie ich bin will ich sein
nicht wie ihr mich wollt
wie ich will ich sein

Grabinschriften

Die Straßenhändler sind nach Mexiko ausgewandert
Alter Boxer du bist dort gestorben
Du weißt nicht einmal warum
Du hast lauter geschrien als wir in den Palästen Amerikas
und in allen Pariser Kneipen

Mühelose Schönheit

Ich bin gealtert aber hier bin ich schön
Und der sinkende Schatten aus tiefen Fenstern
Verschont jeden Abend das schwarze Herz meiner Augen.

Je suis vieille mais ici je suis belle
Et l’ombre qui descend des fenêtres profondes
Epargne chaque soir le cœur noir de mes veux.

Zum 100. Todestag von Erik Satie (1866–1925)

Hier bringt der Dichter seine ganze Hingabe und Konzentration zum Ausdruck. Er zweifelt an seinen eigenen Fähigkeiten und offenbart große Angst.

Wer den Lyrik-Avantgarden folgen will

Von Sabine Scho, hier ein Auszug: 1953 eröffnete H. C. Artmann seine „Acht-Punkte-Proklamation des poetischen Actes“ wie folgt: „Es gibt einen Satz, der unangreifbar ist, nämlich der, daß man Dichter sein kann, ohne auch irgendjemals ein Wort geschrieben oder gesprochen zu haben. Vorbedingung ist… Continue Reading „Wer den Lyrik-Avantgarden folgen will“

Locating the Avant-Garde in Philadelphia

Please join us for Locating the Avant-Garde, a one-day symposium, on Friday, October 23, 2015. The conference will focus on avant-garde activity in Philadelphia, past and future, and will also be an occasion for scholars, researchers, and artists in the Philadelphia area to share current… Continue Reading „Locating the Avant-Garde in Philadelphia“