Kategorie: Rußland

36. Durch den Albtraum des Grossen Terrors

Viele Gedichte sind zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt worden. Im Nachwort zu seiner Übersetzung bemängelt Nitzberg «das Fehlen von Metrum und Reim» in den vorangehenden Übertragungen. Vor allem reibt er sich an Peter Urban. Dieser kleinkarierte Hickhack soll den Leser aber nicht stören.… Continue Reading „36. Durch den Albtraum des Grossen Terrors“

35. Putin-Gedicht legt Oppositions-Telefon lahm

… titelt der Focus. Klingt nach Hölderlin: „Und ihre Vaterlandsgesänge lähmen die Knie den Ehrelosen“. Aber ganz so schlimm ist es wohl nicht. (Wenn auch bös genug. Lupenreine Demokratie ist nicht jedermanns Sache.) Es handelt sich um keinen Putinschen Vaterlandsgesang, sondern „nur“ um ein… Continue Reading „35. Putin-Gedicht legt Oppositions-Telefon lahm“

14. Gründung der russischen Dichtkunst

Die Dichtung ist das beste an Russland. Ihr Gründer: Der 1711 im hohen Norden Russlands in dem kleinen Dorf Mischaninskaja geborene Bergbaustudent Michail Wassiljewitsch Lomonossow mit seiner Ode an die Eroberung der Festung Chotyn. … Der in Deutschland auf Staatskosten Bergbau studierende 28-jährige Michail… Continue Reading „14. Gründung der russischen Dichtkunst“

9. Zwei erotische Gedichte

Daniil Charms An Marina Wohin Marina richtest du den Blick Den listigen in diesem Augenblick? Wozu lockst du mit kindlicher Grimasse Mich fort vom Tisch damit ich lasse Die Bücher Bücher sein, Papier und Feder Und trinke deine junge nasse … Und mit der… Continue Reading „9. Zwei erotische Gedichte“

8. Charms und seine Zeit

Für einen Exzentriker, einen Happening-Künstler muss die Zeit kurz nach der Revolution eine gute Zeit gewesen sein. Nie wieder gab es an Newa oder Moskwa eine so wilde avantgardistische Szene. Das surreale, groteske Umfeld hat die Szene geformt (und später vernichtet). Da gab es… Continue Reading „8. Charms und seine Zeit“

111. Zwischen Rußland und Deutschland

Kaum zufällig beginnt der Band mit einem Kapitel, das einen treffenden Titel trägt und so etwas wie eine Mini-Autobiografie, mithin auch eine Mini-Poetik Scherstjanois präsentiert: «Liebes Deutschland, ich lebe seit 30 Jahren in dir, mit dir. […] Ich hätte früher nie daran gedacht, dass… Continue Reading „111. Zwischen Rußland und Deutschland“

86. Universalgenie Prigow

Dmitri Prigov (1940 – 2007) war, bescheiden ausgedrückt, ein Universalgenie. Als einer der Väter des russischen Konzeptualismus schrieb er über 35 000 Gedichte, schuf Grafiken, Installationen und Performances, trat in Filmen und bei Konzerten auf. Die Galerie Sandmann zeigt eine repräsentative Auswahl, und nicht… Continue Reading „86. Universalgenie Prigow“

77. Ermordet

In Moskau wurde am Mittwoch die Leiche eines tschetschenischen Dichters und Wissenschaftlers aufgefunden. Die Ermittler sprachen von einem Auftragsmord. Ruslan Achtachanow wurde von einer Kugel in den Kopf getroffen, der Mörder floh in einem Auto. Menschenrechtsorganisationen werfen dem tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadirow vor, Folter… Continue Reading „77. Ermordet“

37. Was ist dann ein Gedicht?

Und was ist dann ein Gedicht, wenn es keine Lautdichtung gibt? Ist die Lautdichtung von der Zeit abgestempelt? Wer bestimmt die Zeit? Die Armeen der tüchtig schreibenden konventionellen Lyriker? Valeri Scherstjanoi: Mein Futurismus. Mit einem Nachwort von Michael Lentz. Berlin: Matthes & Seitz 2011,… Continue Reading „37. Was ist dann ein Gedicht?“

101. Meine Anthologie 77: Dmitri Prigow, Das Schnepfenfeld

  Das Schnepfenfeld   Ich habe alle aufgestellt Die einen ganz nach rechts gestellt Die andern ganz nach links gestellt Die übrigen erst mal zurückgestellt Die Polen habe ich zurückgestellt Franzosen habe ich zurückgestellt Die Deutschen habe ich zurückgestellt Hab meine Engel herbestellt Und… Continue Reading „101. Meine Anthologie 77: Dmitri Prigow, Das Schnepfenfeld“

20. Pillenknick

Die Jüngerinnen, die Jünger der Sappho sind aber schon generell beklagenswerte Geschöpfe: Man entsinnt sich ihrer wie lästiger Plagen. Die gesangliche Wurzel der Sprachen, das Bannen der Welt durch die Magie der Wörter, ist nicht bloß in Verruf geraten. Die ausübenden Dichterinnen und Dichter… Continue Reading „20. Pillenknick“

139. Weltunglück

Vor siebzig Jahren ermordeten SS- und Wehrmachtssoldaten wurden in der Schlucht Babij Jar mehr als 33.000 Menschen. Mittlerweile hat die Großstadt Kiew die Schlucht umschlossen. Sie ist heute ein Park. Von Katja Petrowskaja, FAZ 29.9. Ich habe nie verstanden, warum dieses Unglück immer das… Continue Reading „139. Weltunglück“

121. Philosophendampfer oder Exekution

Gorki war nach der Verhaftung Nikolaj Gumiljows,  (der mit 60 anderen Verdächtigen Anfang August der “konterrevolutionären Verschwörung” angeklagt worden war) nach Moskau zu Lenin geeilt. Nach der einen Version hatte Lenin sich geweigert, den Dichter – der übrigens unschuldig war – zu “begnadigen”, nach der anderen… Continue Reading „121. Philosophendampfer oder Exekution“

58. Meine Anthologie: Assejew, unser Kläuschen

1973 erschien ein Gedichtband von Nikolaj Assejew in der „Weißen Lyrikreihe“ des Verlages Volk und Welt. Ich kaufte ihn, wie die ganze Reihe, las aber wenig darin. Assejew schien mir der Inbegriff des (langweiligen) Sowjetdichters. Ich kannte Achmatowa (schon 1967 in der Reihe), Jessenin,… Continue Reading „58. Meine Anthologie: Assejew, unser Kläuschen“

24. Michael Lentz über Scherstjanoi

Die Vergangenheit hat Begriffe und Namen: russischer Futurismus, Saum’-Sprache; David Burljuk, Welimir Chlebnikow, Alexej Krutschonych, Wladimir Majakowski und – für die jüngste Vergangenheit – Carlfriedrich Claus, den Scherstjanoi 1982 kennenlernte. Ohne die Freundschaft mit Scherstjanoi wäre Claus’ künstlerische Rezeption des russischen (Kubo-)Futurismus auf der… Continue Reading „24. Michael Lentz über Scherstjanoi“