Das Auge

110 Wörter, 1 Minute Lesedauer.

Stan Lafleur

das Auge sieht das Innere außen, Party im Tod, das Messer 
auf dessen Klinge sich die Augen der Frauen spiegeln, es
sieht den Jungen, dessen Auge es ist, frisch geschlüpft, das
Liebesdotter schlürfen und dabei Eier zertrümmern, es
sieht Dinge unterhalb des Geschehens, traumklar, es sieht
die Zukunft als Rückblende, es sieht unfassbar präzise das
Vergehen als Werden, es sieht die Hoffnung, sogar Gerüche
es wurden Bibeln verfasst auf Basis seines Sehvermögens
wenn es etwas gibt, das das Auge nicht sieht, verformt
es sich sogleich zu einem Dolch im Herzen der Wirklichkeit

Aus: Cinema. Lyrikanthologie. Hrsg. Wolfgang Schiffer & Dincer Gücyeter. Collagen Stefan Heuer. Elif Verlag 2019, S. 42

Metadaten

Autor: Stan Lafleur
Gedichtanfang: das Auge sieht das Innere außen
Quelle: Cinema. Lyrikanthologie
Herausgeber: Wolfgang Schiffer und Dinçer Güçyeter
Collagen: Stefan Heuer
Verlag: ELIF Verlag
Erscheinungsjahr: 2019
Seite: 42
Gattung: Gedicht, Gegenwartslyrik
Themen: Sehen, Wahrnehmung, Film, Wirklichkeit, Traum, Zeit, Erinnerung, Zukunft, Werden und Vergehen
Motive: Auge, Messer, Klinge, Spiegelung, Junge, Ei, Dolch, Herz
Formale Merkmale: freie Verse, Kleinschreibung, langer Satz, Wiederholung, anaphorisches „es sieht“, filmische Bildfolge
Bibliographische Angabe: Stan Lafleur: [„das Auge sieht das Innere außen …“]. In: Cinema. Lyrikanthologie. Hrsg. von Wolfgang Schiffer und Dinçer Güçyeter. Collagen von Stefan Heuer. ELIF Verlag, 2019, S. 42.

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