Kategorie: Europa

Und als wir voneinander schieden

Am Puschkin-Denkmal, bei den Stufen, sind wir uns dann zuletzt begegnet. Dies Moskau hatte unsre Köpfe mit roten Sternen zugeregnet. Und als wir voneinander schieden, die Lippen zuckten ein »Mach’s gut«, sahn wir: der bronzne Alexander verbarg die Wunde und das Blut. Das ist… Continue Reading „Und als wir voneinander schieden“

Wörter für Uroma Oma Tochter

Róža Domašcyna (* 11. August 1951 in Zerna, Landkreis Kamenz) Cyklen meine urgroßmutter, die bei weitem keine uroma war, sondern eine prawowka, sprach nur wendisch, wie sie es mir auf sorbisch erklärten meine großmutter, die bei weitem keine oma und auch keine uroma war,… Continue Reading „Wörter für Uroma Oma Tochter“

Sterblied

Heute vor 380 Jahren, am 10. August 1638 – in Pommern schrieb man nach julianischem Kalender den 31. Juli – starb die Tochter des Greifswalder Bürgermeisters, Sibylla Schwarz, nicht einmal siebzehneinhalb Jahr alt. Hier ihr »Christliches Sterblied«. Das Gedicht ist sangbar und in Strophen… Continue Reading „Sterblied“

Zu zart für Gedanken

Über den Mystiker und Dichter Ibn Arabi sagt die deutsche Wikipedia: Muhyī d-Dīn Abū ʿAbd Allāh Muhammad ibn ʿAlī Ibn ʿArabī al-Hātimī at-Tāʾī (arabisch محي الدين أبو عبد الله محمد بن علي بن عربي الحاتمي الطائي, DMG Muḥyī d-Dīn Abū ʿAbd Allāh Muḥammad ibn ʿAlī… Continue Reading „Zu zart für Gedanken“

Traum vom Westen

Christa Reinig * 6. August 1926 in Berlin; † 30. September 2008 in München DER TRAUM VOM WESTEN Ich träumte heute nacht, ich sei im Westen. und wachte auf und war — im Westen. Aus dem Band Schwalbe von Olevano (1969). Zitiert nach Christa… Continue Reading „Traum vom Westen“

unmöglich es leben

flanzendörfer (Frank Lanzendörfer) * 30. Dezember 1962 in Dresden-Oberpoyritz; † 5. August 1988 in Marienwerder) Aus: flanzendörfer: unmöglich es leben. texte bilder fotos. Zusammengestellt von Peter Böthig und Klaus Michael. Berlin: Janus press / Basisdruck, 1992

Äquilibristisches Eruptivgedicht

Aus: Ingrid Mössinger, Brigitta Milde (Hrsg.): … eine nahezu lautlose Schwingungs-Symbiose. Die Künstlerfreundschaft zwischen Franz Mon und Carlfriedrich Claus. Briefwechsel 1959–1997. Visuelle Texte. Sprachblätter. Kunstsammlungen Chemnitz. Kerber-Verlag Bielefeld/Berlin 2013, S. 47 Carlfriedrich Claus (* 4. August 1930 in Annaberg; † 22. Mai 1998 in… Continue Reading „Äquilibristisches Eruptivgedicht“

Ihre Seele

Johanna Ambrosius * 3. August 1854 in Lengwethen bei Ragnit, Ostpreußen; † 27. Februar 1939 in Königsberg In ihrem Elternhaus hingen keine Gainsboroughs und standen keine Goethe- und Schillerbände. Das zweite von 14 Kindern eines Handwerkers, ärmliche Verhältnisse, Dorfschule, Arbeit als Magd, Bäuerin. Aber… Continue Reading „Ihre Seele“

bibliothek

Ernst Jandl bibliothek die vielen buchstaben die nicht aus ihren wörtern können die vielen wörter die nicht aus ihren sätzen können die vielen sätze die nicht aus ihren büchern können die vielen bücher mit dem vielen staub darauf die gute putzfrau mit dem staubwedel… Continue Reading „bibliothek“

Wie die Bilder abrutschen

Angelika Janz Wie die Bilder abrutschen Unsere Gedanken aneinander: noch kindheitsbeatmet – und atembrüchig die erinnerten Lachrhythmen im Gleichschritt . Im Hörschatten leise zerdehnte Rufe nach jedwelcher Sprache, Glossolalien . Nun, öffne dich – ab heute hörn wir zum Tee Schreie in der Sprache… Continue Reading „Wie die Bilder abrutschen“

Stark steh ich hier, hab wohl erlitten

Emily Brontë (* 30. Juli 1818 in Thornton, Yorkshire; † 19. Dezember 1848 in Haworth, Yorkshire) – 200. Geburtstag Stark steh ich hier, hab wohl erlitten Wut, Haß und Hohn — ein bittres Weh Stark steh ich, lache, wenn ich seh Wie alle Welt… Continue Reading „Stark steh ich hier, hab wohl erlitten“

Zur Frühlingszeit braust der Hochzeitsgott

Simon Dach (* 29. Juli 1605 in Memel, Herzogtum Preußen, Königreich Polen; † 15. April 1659 in Königsberg, Herzogtum Preußen) Horto recreamur amoeno Der habe Lust zu Würfeln und zu Karten, Der zu dem Tanz und der zum kühlen Wein, Ich liebe nichts, als… Continue Reading „Zur Frühlingszeit braust der Hochzeitsgott“

Treulos bin ich gewesen

Franziska zu Reventlow (* 18. Mai 1871 in Husum; † 26. Juli 1918 in Locarno, Schweiz – 100. Todestag) Treulos bin ich gewesen und hab dich einst doch geliebt, Kannst du mir vergeben, wenn ich dein Leben getrübt? Treu hatt‘ ich dir geschworen, Liebe… Continue Reading „Treulos bin ich gewesen“

Sonett

Felix Philipp Ingold Fortschritt (1) Als Betonkeiler schießt an jedem Ende ein „Wir sind!“ empor, mit tollem Pathos und in blödem Einerlei nimmt das vereinte „Wir!“, bevor „Ich bin!“ zum letztenmal das Sagen hat, feist überhand und ist schon da und hält die Luft… Continue Reading „Sonett“

Epigramm

Ángeles Mora Heb deine Manneskünste auf für andere Entfernungen, subtilere. Hier in der Offenheit zwischen uns beiden bevorzuge ich die Abwesenheit von Rhetorik. Aus: Poetik. Drei Gedichte. Aus dem Spanischen von Maria Meinel. In: die horen 270 (2018), S. 156 Ángeles Mora, geb. 1952… Continue Reading „Epigramm“