Zu zart für Gedanken

Über den Mystiker und Dichter Ibn Arabi sagt die deutsche Wikipedia:

Muhyī d-Dīn Abū ʿAbd Allāh Muhammad ibn ʿAlī Ibn ʿArabī al-Hātimī at-Tāʾī (arabisch محي الدين أبو عبد الله محمد بن علي بن عربي الحاتمي الطائي, DMG Muḥyī d-Dīn Abū ʿAbd Allāh Muḥammad ibn ʿAlī Ibn ʿArabī al-Ḥātimī aṭ-Ṭāʾī; * 7. August 1165 in Murcia; verstorben am 16. November 1240 in Damaskus) war einer der bekanntesten Sufis. Er wird wegen seines großen Einflusses auf die allgemeine Entwicklung des Sufismus auch asch-schaich al-akbar („Der größte Meister“) bzw. latinisiert Magister Magnus genannt. Vielen gilt er als Advokat religiöser Toleranz.

Die englische Version des Weltlexikons hat andere Daten und Schreibweisen des Namens:

Ibn ʿArabi (26 July 1165 – 16 November 1240), full name Abū ʿAbd Allāh Muḥammad ibn ʿAlī ibn Muḥammad ibnʿArabī al-Ḥātimī aṭ-Ṭāʾī, was born in southeast Spain.

Die spanische wieder ein bißchen anders:

Abū ʿAbd Allāh Muḥammad ibn ʿAlī ibn Muḥammad ibnʿArabī al-Ḥātimī aṭ-Ṭāʾī (en árabe: أبو عبد الله محمد بن علي بن محمد بن عربي الحاتمي الطائي‎‎; Murcia, 28 de julio de 1165 – Damasco, 16 de noviembre de 12401​), más conocido como Ibn Arabi, Abenarabi y Ben Arabi, fue un místico sufí, filósofo, poeta, viajero y sabio musulmán andalusí. Sus importantes aportaciones en muchos de los campos de las diferentes ciencias religiosas islámicas le han valido el sobrenombre de Vivificador de la Religión (en árabe: محيي الدين, Muhyi al-Din) y el Más Grande de los Maestros (en árabe: الشيخ الأكبر, as-Sheij al-Akbar).

Und so weiter. Selbst die Lebensjahre scheinen zu schwanken – eine von mir benutzte deutsche Anthologie gibt sie mit 1160-1245 an.

Wie dem sei – heute oder an einem anderen Tag kann man seinen Geburtstag feiern. Er gilt als der größte islamische Mystiker und wird noch heute „von Marokko bis Malaysia bewundert“ – und warum nur dort? Der Namensteil al-Hatimi übrigens weist auf eine deutsche Spur. Er bedeutet, daß er aus dem Geschlecht des vorislamischen Dichterfürsten Hatim oder Hatem abstammt; und apropos Dichterfürst: in einem Gedicht versteckt sich Goethe per Reimspiel hinter dem Namen Hatems:

Du beschämst wie Morgenröte
Jener Gipfel ernste Wand,
Und noch einmal spüret Hatem
Frühlingshauch und Sommerbrand.

Aber jetzt das Geburtstagskind. Bei mystischen Dichtern weiß man ja nie so genau, meinen sie jetzt Wein? Oder Sex? Oder in Wirklichkeit irgendetwas Himmlisches? (Als wären Wein oder Sex nicht auch etwas Himmlisches…, naja. Zumindest wäre die Metapher und der Vergleich unverständlich, wenn nicht Dichter und Leser eine Ahnung von verschiedener Art Himmlischkeiten hätten.)

Ibn Arabi hat glühende Liebesgedichte geschrieben, und die Orthodoxen und Schriftgelehrten hielten den mystischen Gehalt nur für Tarnung. Also schrieb er ein ganzes Buch, Dolmetsch der Sehnsüchte, wo er in gelehrten Kommentaren erklärte, was Blume, Blitz oder Brust eigentlich bedeuten. Natürlich glaubte man ihm nicht. (Immerhin wurde er nicht hingerichtet wie andere Mystiker verschiedener Religionen).

Hier ein Gedicht daraus in zwei deutschen Fassungen. Die eine gibt nur die Gedichte und versucht die kunstvollen Verse wenigstens als Ahnung ins Deutsche zu bringen. (Klugerweise verzichtet sie auf den nur mühsam ins Deutsche zu übertragenden Reimschmuck und deutet den Kunstcharakter nur in reimlosen Jamben an). Die andere übersetzt die Verse in Prosa und gibt den vollständigen Kommentar dazu. Das Gedicht paßt auf eine Seite, der Kommentar braucht vier Seiten. Ich habe ihn aber hier weggelassen.

Aus: Das Wunder von al-Andalus. Die schönsten Gedichte aus dem Maurischen Spanien. Aus dem Arabischen und Hebräischen ins Deutsche übertragen und erläutert von Georg Bossong. München: C.H. Beck, 2005, S. 154

Aus: Ibn ‚Arabi: Urwolke und Welt. Mystischen Texte des Größten Meisters. Aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Alma Giese. München: C.H. Beck, 2002, S. 290

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