Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Klaus M. Rarisch (* 17. Januar 1936 in Berlin; † 20. Juli 2016 ebendort) DEUTSCHER LENZ IN CEFALU Brände brechen aus in mir, grelle Kastagnetten knallen hinter Adern her und hallen allmetallisch Gischt hoch Gier. Durch Aortapforten schweigt Mumienmulm der Urboviste; fahnenfarb das Ungehisste… Continue Reading „„Höllerer, wo ist dein Sieg?““
Sidonia Hedwig Zäunemann ging nicht ins Kloster, ihr Gedicht spricht nur davon. Es beschreibt, wie nur die Unverheirateten von Unterdrückung und Schlägen durch Männer frei sein können. Sie selber hatte durchaus „Glück“, sie durfte unverheiratet im Haus ihrer Eltern in Erfurt leben und sich… Continue Reading „Jungfern-Glück“
Adolf Glaßbrenner (* 27. März 1810 in Berlin; † 25. September 1876 ebenda) 1 – 10. An Deutschlands bald’ger 1heit Da 2fle ich noch sehr; Ick jebe keenen 3er 4 diese Hoffnung her. 5 Nationalitäten Sind, wo 6 Deutsche stehn, Die Alle abzu7, Gebt… Continue Reading „1heit“
Nachrichten über Elisabeth Paulsen seien spärlich, schreibt Gisela Brinker-Gabler in ihrer berühmten Anthologie, aus der ich heute ein Gedicht bringe. „Sie wuchs in Holstein als Tochter eines Kirchenpropstes auf und lebte später verheiratet in Hamburg. Sie veröffentlichte zwei Gedichtbände, die in Bibliotheken nicht mehr… Continue Reading „Die Amazone“
Johann Peter Titz (* 10. Januar 1619 in Liegnitz, Schlesien; † 7. September 1689 in Danzig) Ehrengedicht für Sibylla Schwarz in der Ausgabe ihrer „Deutsche(n) Poetische(n) Gedichte“, die 1650, zwei Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges und 12 Jahre nach dem Tod der jungen… Continue Reading „Ehrengedicht für die Dichterin“
Renate Rasp (* 3. Januar 1935 in Berlin; † 21. Juli 2015 in München) Essen, was man noch nie geschmeckt hat, niemals satt sein, was es auch gibt, schmecken wie Erde ist, Eierschalen, Unrat vom Boden lecken, Gras – aus einem Kleefeld den Kopf… Continue Reading „Wie man Atem holt“
Neues Jahr, neue Lyrik(anthologie). – Nach dem „Expressionismusjahr“ 2020 (100 Jahre „Menschheitsdämmerung“) setzt die Anthologie der Lyrikzeitung im neuen Jahr kein zentrales Thema, wohl aber Akzente. Da wäre ein besonderes Herzensanliegen – der 400. Geburtstag der Dichterin Sibylla Schwarz (1621-1638). Mit ihr beginnt unsere… Continue Reading „Vier, sechs, vier“
Der letzte Tag des L&Poe-Expressionismusjahres 2020. Heute ist der 135. Geburtstag von Paul Boldt, mit dem unsere kleine Anthologie expressionistischer oder verwandter Gedichte (etwa 160 waren es) schließt. (Aber nächstes Jahr gibt es mehr Gedichte.) Paul Boldt (* 31. Dezember 1885 in Christfelde, Westpreußen;… Continue Reading „Nervenkunst 1913“
Alfred Wolfenstein (* 28. Dezember 1883 in Halle; † 22. Januar 1945 in Paris) MUND Im Wege ist mein Mund mir, wenn ich sprechen will, Er liegt so sicher und aufdringlich still, In des Gesichtes Reize ist er zu verstrickt. Er blickt zu sehr… Continue Reading „Mund“
Elsa von Freytag-Loringhoven (* 12. Juli 1874 in Swinemünde / Pommern (heute Polen); † 15. Dezember 1927 in Paris) Sinnenchemie Blut schafft Wissen Wissen schafft Wissenschaft. Blut Äther — Äther Blut. Fleisch demaskierte Sphinx. Mensch Am Tor: ALL NICHTS. ca. 1923 Aus: Mein Mund… Continue Reading „Sinnenchemie“
Wassily Kandinsky (* 4. Dezember 1866 alten = 16. Dezember neuen Stils in Moskau; † 13. Dezember 1944 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich) LIED Es sitzt ein Mann Im engen Kreis, Im engen Kreis Der Schmäle. Er ist vergnügt. Er hat kein Ohr. Und fehlen ihm… Continue Reading „Kandinskys Lied“
Max Herrmann-Neiße (* 23. Mai 1886 in Neiße, Schlesien; † 8. April 1941 in London) Absage an ein ganzes Land Ich möchte doch den ersten Lenz begehen, ich möchte irgendeine Orgie sehen! O Land, in dem ich nie ein Laster traf: was hat in… Continue Reading „„In diesem Lande gelten nur die Dummen““
Gertrud Kolmar (* 10. Dezember 1894 in Berlin; † vermutlich Anfang März 1943 in Auschwitz) Die Jüdin Ich bin fremd. Weil sich die Menschen nicht zu mir wagen, Will ich mit Türmen gegürtet sein,* Die steile, steingraue Mützen tragen In Wolken hinein. Ihr findet… Continue Reading „Die Jüdin“
Am 7. Dezember 1940 gelingt es der Dichterin und Malerin Paula Ludwig, auf der Flucht vor den Nazis in Lissabon ein Schiff nach Brasilien zu bekommen. Saget nicht: die Glücke mußt du büßen saget nicht: dein Fuß erschreckt die Schwelle Wenn ich falle werde… Continue Reading „Saget nicht“
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