Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Richard Dehmel (* 18. November 1863 in Hermsdorf bei Wendisch Buchholz, Provinz Brandenburg; † 8. Februar 1920 in Blankenese) Radlers Seligkeit Wer niemals fühlte per Pedal, dem ist die Welt ein Jammertal! Ich radle, radle, radle. Wie herrlich lang war die Chaussee! Gleich kommt… Continue Reading „Ick radle!“
Joachim Ringelnatz (* 7. August 1883 in Wurzen als Hans Gustav Bötticher; † 17. November 1934 in Berlin) Schneiderhüpfel vor dem Ochsen am Spieß Ein Maß Bier und zwei Maß Bier Und hundert Maß Bier und tausend Maß Bier. So leben wir, so leben wir An der Isar. Und Kalbshaxn und Kalbshaxn. Wie sind keine… Continue Reading „So leben wir, so leben wir“
Gestern vor 85 Jahren wurde Wolf Biermann in Hamburg geboren. Heute vor 45 Jahren fasste das Politbüro der SED in Ostberlin den Beschluss, den unbequemen Liedermacher und unerschrockenen Regimekritiker aus der DDR „auszubürgern“ bzw., wie es in der Pressemeldung der ostdeutschen Nachrichtenagentur ADN hieß,… Continue Reading „Der Aufsteigende“
Marie T. Martin Brief im April Bekommst du noch Briefe von Toten? Ich schreibe dir ins Jahr nach deinem Tod, was siehst du ohne Augen? Hier wachsen Blauschote und Glimmerkraut, später wird sich enthüllen, welche Sätze wichtig gewesen wären. Schreibst du noch Briefe, ich… Continue Reading „Marie T. Martin †“
Àxel Sanjosé Mahlers Fünfte am Martinstag Aus der Dämmerung ein Krankenwagen, eine Fanfare. Die Lichter flackern, die Stimmen werden dünn, die Mäntel lassen den Wind durch. Wir gehen nicht nach Haus. Schlecht beleuchtet, diese Wege, und viel zu holprig für ein Kondukt. Aus: Àxel… Continue Reading „… am Martinstag“
Reinhard Goering (* 23.6.1887 Schloß Bieberstein bei Fulda, † Anfang (14. ?) Oktober 1936 Flur Bucha bei Jena, aufgefunden am 4. November) So kann ich sitzen und die Stunden fragen, Was bringt ihr mir so trüber – trübster Fracht? Und meine Stunden werden so zu Tagen, Und… Continue Reading „Leer“
Thomas Brasch (* 19. Februar 1945 in Westow, North Yorkshire; † 3. November 2001 in Berlin) BRUNKES LIEBLINGSGEDICHT ist sehr kurz. Es handelt von einer Frau mit blutigen Händen. Die steht auf dem Flur einer Schule. Neben ihr Brunke tot, in der Hand seinen Füllfederhalter. Das Motiv der Mörderin verschweigt das… Continue Reading „Brunkes Lieblingsgedicht“
Mara Genschel Aus: NEUE METAPHERN NEUNFACH IN DEN RACHEN DER LIEBE, WIEDER [I : HOFFEN] Offenen Mantels, Schlampe. Offenen Munds, um dich geschäftig sich Regendes einatmend. Offenen Morgens, Hannover. Klebrigen Daumens, Schlampe. Die Packung getrockneter Datteln halb leer. Und süß, der Attrappen-Zweig, oder? Diverse,… Continue Reading „Hoffen“
Friedrich Rückert (* 16. Mai 1788 in Schweinfurt; † 31. Januar 1866 in Neuses) Amara, bittre, was du thust, ist bitter, Wie du die Füße rührst, die Arme lenkest, Wie du die Augen hebst, wie du sie senkest, Die Lippen aufthust oder zu, ist’s bitter. Ein jeder Gruß ist, den du schenkest,… Continue Reading „Amara, bittre“
2200 Jahre nach Sappho schrieb Sibylla Schwarz, auch genannt die pommersche Sappho. Landschaftsdichtung kann sie auch. In der kurzen Lebensspanne von 17 Jahren, 5 Monaten, 2 Wochen und 2 Tagen probierte sie sich in allen Gattungen, die ihr erreichbar waren. Faunus ist eine Schäfererzählung… Continue Reading „Antike Landschaft auf pommerschem Sand“
Toni Schwabe (* 31. März 1877 Blankenburg / Thüringen; † 17. Oktober 1951 Bad Blankenburg) Die Kassiopeia kennst du Und den Himmelswagen. Mehr Bilder weißt du nicht? Ich soll dir sagen, Was all die anderen Sterne bedeuten – – – – Und einen Augenblick… Continue Reading „Die Kassiopeia kennst du“
Die Weltliteratur und so auch die deutsche sind voll von Schmähgedichten – auf Rivalen, Feinde, Schulen oder gleich ganze Epochen. Man muss es nicht immer aussprechen, man LOBT damit zugleich die eigene Schule, Richtung oder peer group. Johann Ulrich König – Hand aufs Herz,… Continue Reading „Glanz und Elend der teutschen Dicht-Kunst“
Wilhelm Busch (* 15. April 1832 in Wiedensahl; † 9. Januar 1908 in Mechtshausen) Beschränkt Halt dein Rößlein nur im Zügel, Kommst ja doch nicht allzu weit. Hinter jedem neuen Hügel Dehnt sich die Unendlichkeit. Nenne niemand dumm und säumig, Der das Nächste recht… Continue Reading „Ach!“
Johannes Theodor Baargeld (nannte sich Zentrodada, geboren wurde er als Alfred Ferdinand Gruenwald am 9. Oktober 1892 in Stettin; verunglückte am 18. August 1927 am Mont Blanc) (Noch so ein pommerscher Dadaist, der sich in der Welt herumtrieb, er in Köln, Oxford usw.). Bimmelresonnanz II Bergamotten faltern im Petroleumhimmel Schwademasten asten Schwanenkerzen Teleplastisch starrt… Continue Reading „Bimmelresonanz“
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