Ich bin euch trotzdem gewogen

Werner Riegel 

(* 19. Januar 1925 in Danzig; † 11. Juli 1956 in Hamburg) 

ICH atme Frucht und Phlox 
Und ich denke an mich.
Meine Hymnen für euch Gesocks 
Sind nicht mehr feierlich.
Macht euch bloß nicht ins Hemd! 
Ich bin euch trotzdem gewogen 
Im Wind, der uns niederschwemmt. 
Wohin die Rußflocken flogen.

Das Haupthaar voller Schinn 
Und eine handvoll Abendstern 
Dafür hält man die Schnauze hin 
Im Weinberg des Herrn.
Das wollt ihr immer noch 
Mit Zungen preisen 
Bis an das stinkende Loch 
In das sie euch dann schmeißen!

Ich atme Frucht und Gras, 
Ich bin voller Gefühl.
Lau fällt die Nacht und das, 
Was ich besingen will. 
Langsam rutsche ich weg 
Im Strom der Stille.
Ihr seit der letzte Dreck, 
Mit dem ich die Strophen fülle.

Aus: Gedichte aus dem Nachlaß. In: Akzente 5/1958, S. 99 (Akzente Band II, 1957-1959, Reprint, Zweitausendeins)

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: