Lyrikzeitung & Poetry News

11. November 2011

47. LATINALE 2011: Ein mobiles Festival der Entdeckungen

Eine Kooperationsveranstaltung von KRASH NEUE EDITION und Instituto Cervantes Berlin – gefördert vom NRW KULTURsekretariat (Wuppertal) und vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport

Die LATINALE versteht sich als jährlich stattfindendes Forum, auf dem aktuelle Tendenzen der lateinamerikanischen Lyrik präsentiert werden. Seit ihrer Gründung 2006 durch Rike Bolte und Timo Berger hat sich das Festival als Plattform für in ihren Heimatländern herausragende, in Deutschland aber noch weitgehend unbekannte junge Autorinnen und Autoren etabliert. Die LATINALE bemüht sich, in Zusammenarbeit mit deutschen Autoren und Autorinnen, Übersetzern und Übersetzerinnen sowie Studierenden, Schülern und Schülerinnen und den jeweiligen dahinter stehenden Institutionen, einen ästhetischen und intellektuellen Dialog zwischen den Kulturen zu initiieren.

Die LATINALE legt seit ihrem Anbeginn großen Wert auf professionelle Übersetzungen ins Deutsche. Im Jahr 2011 werden deutsche Autorinnen und Autoren aktiv am Festival teilnehmen; ihre Werke werden ins Spanische übersetzt, so dass die lateinamerikanischen Gäste in den Genuss kommen, in Berlin, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Köln, Wuppertal (und später in Guadalajara) deutschsprachige Literatur kennen zu lernen. Gleichzeitig werden die Gedichte der lateinamerikanischen Gäste ins Deutsche übersetzt, so dass ein paralleles Cross-Over in beiderlei Richtungen möglich wird. Ziel ist die Förderung des nachhaltigen Kulturaustausches (in Form von Publikationen, Audio-Aufnahmen und einem „Übersee-Archiv“) zwischen beiden Erdteilen.

Die LATINALE ist ein mobiles Festival, das sich an verschiedenen Orten präsentiert, neben dem Schwerpunkt Berlin wurden in den letzten Jahren immer auch andere Bundesländer mit bedacht. Im November 2011 wird nach einer Veranstaltungsschiene in Berlin ein eigenes NRW-Programm realisiert, das – neben den Aspekten Nachhaltigkeit und Interkulturalität – auch wegen der vergleichsweise geringen Wahrnehmung zeitgenössischer Lyrik im bevölkerungsreichsten Bundesland begrüßenswert erscheint. Denn Lyrik-Veranstaltungen sind in NRW noch dünn gesät. In den Programmen der Literaturhäuser und anderer institutioneller Veranstalter gibt es kaum oder gar keine Lyriktermine. Hier kann die LATINALE mit mehreren attraktiven Poesie-Veranstaltungen Ergänzung und Anstoß bieten.

Im Jahr 2011 wird der räumliche Fokus des Festivals neben den deutschen Spielstätten erstmalig auch in Guadalajara, Mexiko, liegen. Hier werden einige der deutschen Autorinnen und Autoren (u.a. Swantje Lichtenstein, Tom Schulz, Enno Stahl und Uljana Wolf) nach den Veranstaltungen in der Spree-Metropole und in NRW in einem weiteren faszinierenden Kulturgebiet mit Aussicht auf einen zukunftsträchtigen Austausch auftreten. Neben den Berliner Festival-Initiatoren und Kuratoren Timo Berger und Rike Bolte wird der NRW-Teil kuratiert von Enno Stahl.

Folgende Termine werden NRW angeboten:

(weiterlesen…)

1. November 2010

4. Ihr Kanu

Einsortiert unter: Altägyptisch, Ägypten, Ketschua, Peru, USA — Schlagworte: , , , , , — lyrikzeitung @ 23:26

Die alten Ägypter hatten die Sonne und den Fluß:

Die Liebe der Schwester ist auf jener Seite.’
Es ist der Fluß dazwischen.
Krokodile liegen auf der Sandbank.

Ich steige herab zum Wasser.

(Liebe sagen. Gedichte aus dem ägyptischen Altertum. Leipzig: Reclam 1973, S. 45)

Die Inka die Sonne und den Mais:

Sonne mein! Es lodert
das prächtige Gold deines Haars,
hat unsere Maisfelder umhüllt!

(Ketschua-Lyrik. Leipzig: Reclam 1982, S. 85)

Die Chippewa im wasserreichen Minnesota ihr Kanu:

In her canoe I see her,
Maiden of my delighted eyes.
I see in the rippling of the water
The trailing light slipped from her paddle blade.
A signal sent to me.
Ah, maiden of my desire,
Give me a place in thy canoe

Translated by Frances Densmore, with assistance from Robert Higheagle, as it appears in “Where One Voice Ends Another Begins: 150 Years of Minnesota Poetry,” published by MHS Press. Vollständig hier, Marianne Combs, MPR News

4. August 2010

25. Poetry International Festival 2010

Einsortiert unter: Belgien, Englisch, Frankreich, Französisch, Indien, Irland, Niederlande, Niederländisch, Peru, Spanisch, USA — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 20:06

Auf der Website des Poetry International Web neu: Aufnahmen von Autorenlesungen des diesjährigen Poesiefestivals: Carlos López Degregori (Peru), Erik Spinoy (Belgien),  Thomas McCarthy (Irland), Marc Kregting ( Niederlande) und Valérie Rouzeau (Frankreich) sowie Gespräche und Diskussionen von Herausgebern und Dichtern der US-amerikanischen und japanischen Sektion des PIW. Neu in der ersten Augustausgabe Gedichte aus Indien und Irland.

www.poetryinternationalweb.org

45 poetry clips filmed on location at Atlanta Hotel in Rotterdam.

POETRY CLIPS – Poetry International Festival 2010

9. Juni 2010

49. Sprachwechsel

Global Literature ist eine Literatur in Bewegung, eine Literatur ohne festen Wohnsitz, eine Literatur der Unbehaustheit, sehr oft überdies eine Literatur der Nicht-Muttersprachlichkeit, die von Sprachwechslern geschrieben wird. Türken, Serben, Bosnier, Bulgaren, Ungarn, Tschechen, Russen wandern in die deutsche Sprache ein und mutieren zu deutschsprachigen Schriftstellern: Feridun Zaimoglu, Dimitre Dinev und Ilija Trojanow, Libuše Moniková, Wladimir Kaminer und Vladimir Vertlib, Terézia Mora und Saša Stanišić.

Die überwiegende Mehrzahl dieser Sprachwechsler wechselt allerdings ins Englische. Inder, Peruaner, Palästinenser, Äthiopier, Karibik-Bewohner, Kurden, Afghanen, Pakistani, Libanesen, Tamilen, Bangladescher, Somalier, Vietnamesen, Chinesen lassen ihre Herkunftssprachen hinter sich und beginnen, auf Englisch zu schreiben. Die führende Sprache der einstigen Kolonialherren ist zur Lingua franca der postkolonialen globalen Literatur geworden, ironischerweise.

Die Sprache, insbesondere das Englische, ist demokratisch. Man kann sich der englischsprachigen Literatur von überall her zugesellen: „Jeder kann die englische Sprache zu seiner Heimat erklären, und niemand kann aus ihr verbannt werden“, sagt etwa der Schriftsteller Aleksandar Hemon, ein gebürtiger Bosnier aus Sarajevo mit serbischen und ukrainischen Wurzeln, der in Chicago lebt und seine Bücher auf Englisch schreibt. / Sigrid Löffler in Falter : Buchbeilage 10/2010 vom 10.3.2010 (Seite 4)

28. Mai 2010

132. Fußballfrust

Einsortiert unter: Chile, Peru, Spanisch — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 02:36

Claudio Pizarro liest ein Gedicht von Pablo Neruda

Peruaner reagieren sauer. Eine große peruanische Zeitung warf Pizarro vor, damit die Peruaner zu demütigen, die nicht zur Fifa-Fußball-WM dürfen – im Gegensatz zu den Chilenen. Mehr hier.

30. Oktober 2009

166. Egon Ammann zum Tode Fritz Vogelgsangs

Liebhaber der Poesie

Eine bedeutende Übersetzer-Persönlichkeit ist tot, ein unbeirrbarer Liebhaber der Poesie, ein Homme de Lettres, ein weiser schwäbischer Buddha, einstmals unverzagter Toscani- und Toscanelli-Raucher – und wer die schwarzen Dinger kennt, weiß, dass dies die besondere Eigenheit des Rauchers unterstrich: Fritz Vogelgsang. Am 22. Oktober ist er wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag in seinem spanischen Refugium Chiva de Morella in der Provinz Castelló verstorben. Seine Asche wurde, so sein Wunsch, in den Hügeln um sein geliebtes Dorf verstreut.

Was er für die spanisch- und katalanischsprachige Literatur im deutschen Sprachraum unternommen hat, ist eine einzigartige Leistung. Nicht nur, dass er uns schon früh, in den 60er und 70er Jahren, das Werk Pablo Nerudas und Octavio Paz´ vermittelt hat. Wo es um seine geliebte Poesie ging, war er als einer der ersten mit starken Übersetzungen zur Stelle.

Wir haben uns Ende der 80er Jahre in seinem schwäbischen Pfarrhaus, das er mit seiner Familie in Markgröningen bewohnte, kennengelernt, und was ein Besuch von höchstens zwei Stunden werden sollte, weitete sich über acht Stunden bis in die Nacht hinein aus, treulich umsorgt mit Tee und Essen von seiner fürsorglichen Gattin. Damals haben zwei Begeisterte die großen Ausgaben miteinander besprochen, die sie zusammen in Angriff nehmen wollten: César Vallejo und Antonio Machado. Vallejo war der eigentliche Anlass meines Besuchs. Der Philologe Vogelgsang wies auf die Schwierigkeiten für die Übertragung der Arbeiten von Vallejo hin. Wie soll man z.B. die Vokabel “Trilce” übersetzen? Wie die indigenistischen Einstreuungen in die Texte, die sich vordergründig sehr spanisch geben, aber von hinterhältiger semantisch-ideomatischer Tiefe sind? Und über die Stunden haben wir gut und gerne die spanischsprachige Poesie des vergangenen Jahrhunderts miteinander besprochen, wobei unversehens Machado im Vordergrund stand.

In diesem Spätsommer hat Fritz Vogelgsang die Arbeit am fünften und letzten Band der Machado-Ausgabe abgeschlossen, womit erstmals das Gesamtwerk des bedeutendsten spanischen Dichters des vergangenen Jahrhunderts in vollständiger deutscher Übersetzung vorliegt, die Gedichtbücher zweisprachig, die Prosa, das Gedankenbuch “Juan de Mairena” etwa, einsprachig deutsch. Zu jedem Band hat er ausführliche Essays verfasst, die die Texte vertiefen, Bezüge aufzeigen und über die Vorlage in die kulturgeschichtlichen Referenzen hinausweisen.

/ Egon Ammann, FR 30.10.

2. September 2007

9. César Vallejo, Perus Barde

Einsortiert unter: Englisch, Großbritannien, Peru, Spanisch — Schlagworte: , , , , , — lyrikzeitung @ 18:18

Die schöne Übersetzung eines großen Dichters der Moderne meldet der Philadelphia Inquirer vom 26.8.:
Was für ein Jahr war 1922. In diesem Jahr erschien T.S. Eliots Gedicht “The Waste Land”, ebenso James Joyces “Ulysses” und  Jean Toomers “Cane”. Was auch immer man unter “Moderne” (Modernismus) versteht: 1922 war einer ihrer (seiner) Gipfel.
Im gleichen Jahr veröffentlichte ein Dichter aus Peru ein Buch mit dem Titel “Trilce” – ohne jede Resonanz zuhause oder in der Welt. Zu anders, zu weitreichend.
Die letzten 85 Jahre haben hinlänglich erwiesen, daß´”Trilce” verdient, zu den originellsten und erstaunlichsten Werken der Literatur des 20. Jahrhunderts gezählt zu werden. Sein Autor, César Vallejo (1892-1938), hob sich auch von den peruanischen Dichtern ab – er war indianischer Abstammung mit zwei Großmüttern aus dem Andenvolk der Chimú. Heute hat er einen angestammten Platz u nter den besten Dichtern des Jahrhunderts. Und jetzt haben wir diese spektakuläre Ausgabe seiner sämtlichen Gedichte, herausgegeben und ebenso spektakulär übersetzt von dem Dichter Clayton Eshleman. Ein unschätzbarer Dichter, bald erhebend, bald unverständlich, bald unnachahmlich.
Es gibt vier Vallejos, vier Poesien. / John Timpane

The Complete Poetry
A Bilingual Edition
By César Vallejo
Translated by Clayton Eshleman
University of California Press
717 pp. $49.95

In L&Poe: 2006 Nov #133. Gräber; 2007 Mrz #136. César Vallejo komplett

25. März 2007

136. César Vallejo komplett

Einsortiert unter: Englisch, Peru, Spanisch, USA — Schlagworte: , , , , — lyrikzeitung @ 13:40

Die erste vollständige Übersetzung des peruanischen Dichters César Vallejo (1892-1938) erschien in einer zweisprachigen Ausgabe Spanisch-Englisch in der University of California Press. Vallejo wird manchmal der schwierigste moderne Dichter in spanischer Sprache genannt und fast immer einer der besten neben Lorca und Neruda. Es sei daher eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres. Mario Vargas Llosa schreibt in seinem Vorwort, Vallejos Werk habe “einen nicht auf reine Vernunft reduzierbaren Kern, ein geheimes Herz, das sich allen Anstrengungen entzieht, die das rationale Begreifen unternimmt, es richtig zu verstehen.” Das erkläre, warum der Übersetzer Eshelman ein halbes Jahrhundert dafür brauchte. Sein Nachwort wird diejenigen schockieren, die glauben, Übersetzen sei eine kaltblütige akademische Übung.  / Buffalo News 25.3.

“Complete Poetry of Cesar Vallejo” Bilingual edition edited and translated by Clayton Eshelman (University of California Press, 716 pages, $49.95).

Außerdem in der Sammelbesprechung: Carl Dennis / Conversation Pieces: Poems That Talk to Other Poems / Kenneth Koch
Auf Deutsch lieferbar:

César Vallejo
Werke I – IV
Gedichte (spanisch / deutsch)
(übersetzt von Curt Meyer-Clason,
hrsg., mit Anmerkungen und einem Nachwort von Alberto Perez-Amador)
zus. 4 Abb., zus. 1525 S., geb., m. Lesebändchen, 2000
ISBN 3-89086-809-6 ISBN 3890868096
80 EU

In L&Poe 2006 Nov #133. Gräber

Theme: Silver is the New Black. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 242 other followers