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Zum Schäkespears Tag

Eine Rede  zu Ehren des britischen Dichters, gehalten von Goethe am 14.10. 1771 in Frankfurt/ Main
Mir kommt vor, das sey die edelste von unsern Empfindungen, die Hoffnung, auch dann zu bleiben, wenn das Schicksaal uns zur allgemeinen Nonexistenz zurückgeführt zu haben scheint. Dieses Leben, meine Herren, ist für unsre Seele viel zu kurz, Zeuge, dass ieder Mensch, der geringste wie der höchste, der unfähigste wie der würdigste, eher alles müd wird, als zu leben; und dass keiner sein Ziel erreicht, wornach er so sehnlich ausging – denn wenn es einem auf seinem Gange auch noch so lang glückt, fällt er doch endlich, und offt im Angesicht des gehofften Zwecks, in eine Grube, die ihm, Gott weis wer, gegraben hat, und wird für nichts gerechnet.

Für nichts gerechnet! Ich! Da ich mir alles binn, da ich alles nur durch mich kenne! So ruft ieder, der sich fühlt, und macht grosse Schritte durch dieses Leben, eine Bereitung für den unendlichen Weeg drüben. Freylich ieder nach seinem Maas. Macht der eine mit dem stärcksten Wandertrab sich auf, so hat der andre siebenmeilen Stiefel an, überschreitet ihn, und zwey Schritte des letzten bezeichnen die Tagreise des ersten. Dem sey wie ihm wolle, dieser embsige Wandrer bleibt unser Freund und unser Geselle, wenn wir die gigantischen Schritte ienes, anstaunen und ehren, seinen Fustapfen folgen, seine Schritte mit den unsrigen abmessen.

Auf die Reise, meine Herren! die Betrachtung so eines einzigen Tapfs, macht unsre Seele feuriger und grösser, als das Angaffen eines tausendfüsigen königlichen Einzugs.

Wir ehren heute das Andencken des grössten Wandrers und thun uns dadurch selbst eine Ehre an. Von Verdiensten die wir zu schätzen wissen, haben wir den Keim in uns.

Erwarten Sie nicht, das ich viel und ordentlich schreibe, Ruhe der Seele ist kein Festtagskleid; und noch zur Zeit habe ich wenig über Shakespearen gedacht; geahndet, empfunden wenns hoch kam, ist das höchste wohin ich’s habe bringen können. Die erste Seite die ich in ihm las, machte mich auf Zeitlebens ihm eigen, und wie ich mit dem ersten Stücke fertig war, stund ich wie ein blindgebohrner, dem eine Wunderhand das Gesicht in einem Augenblicke schenckt. Ich erkannte, ich fühlte auf’s lebhaffteste meine Existenz um eine Unendlichkeit erweitert, alles war mir neu unbekannt, und das ungewohnte Licht machte mir Augenschmerzen. Nach und nach lernt ich sehen, und, danck sey meinem erkenntlichen Genius, ich fühle noch immer lebhafft was ich gewonnen habe.

Ich zweifelte keinen Augenblick dem regelmäsigen Theater zu entsagen. Es schien mir die Einheit des Orts so kerckermäsig ängstlich, die Einheiten der Handlung und der Zeit lästige Fesseln unsrer Einbildungskrafft. Ich sprang in die freye Lufft, und fühlte erst dass ich Hände und Füsse hatte. Und ietzo da ich sahe, wieviel Unrecht mir die Herrn der Regeln in ihrem Loch angethan haben, wie viel freye Seelen noch drinne sich krümmen, so wäre mir mein Herz geborsten, wenn ich ihnen nicht Fehde angekündigt hätte, und nicht täglich suchte ihre Türne zusammen zu schlagen.

Das griechische Theater, das die Franzosen zum Muster nahmen, war, nach innrer und äuserer Beschaffenheit, so, dass eher ein Marquis den Alcibiades nachahmen könnte, als es Corneillen dem Sophokles zu folgen möglich wär.

Erst Intermezzo des Gottesdiensts, dann feyerlich politisch, zeigte das Trauerspiel einzelne grose Handlungen der Väter, dem Volck, mit der reinen Einfalt der Vollkommenheit, erregte ganze grose Empfindungen in den Seelen, denn es war selbst ganz, und gros.

Und in was für Seelen!

Griechischen! Ich kann mich nicht erklären was das heisst, aber ich fühls, und berufe mich der Kürze halber auf Homer und Sophokles und Theokrit, die habens mich fühlen gelehrt.

Nun sag ich geschwind hinten drein: Französgen, was willst du mit der griechischen Rüstung, sie ist dir zu gros und zu schweer.

Drum sind auch alle Französche Trauerspiele Parodien von sich selbst.

Wie das so regelmäsig zugeht, und dass sie einander ähnlich sind wie Schue, und auch langweilig mit unter, besonders in genere im vierten Ackt das wissen die Herren leider aus der Erfahrung und ich sage nichts davon.

Wer eigentlich zuerst drauf gekommen ist die Haupt und Staatsaktionen auf’s Theater zu bringen weiss ich nicht, es giebt Gelegenheit für den Liebhaber zu einer kritischen Abhandlung. Ob Shakespearen die Ehre der Erfindung gehört, zweifl’ ich: genung, er brachte diese Art auf den Grad, der noch immer der höchste geschienen hat, da so wenig Augen hinauf reichen, und also schweer zu hoffen ist, einer könne ihn übersehen, oder gar übersteigen.

Shakespeare, mein Freund, wenn du noch unter uns wärest ich könnte nirgend leben als mit dir, wie gern wollt ich die Nebenrolle eines Pylades spielen, wenn du Orest wärst, lieber als die geehrwürdigte Person eines Oberpriesters im Tempel zu Delphos.

Ich will abbrechen, meine Herren, und morgen weiter schreiben, denn ich binn in einem Ton, der Ihnen vielleicht nicht so erbaulich ist als er mir von Herzen geht.

Shakespears Theater ist ein schöner Raritäten Kasten, in dem die Geschichte der Welt vor unsern Augen an dem unsichtbaaren Faden der Zeit vorbeywallt. Seine Plane sind, nach dem gemeinen Styl zu reden, keine Plane, aber seine Stücke, drehen sich alle um den geheimen Punckt, |: den noch kein Philosoph gesehen und bestimmt hat :| in dem das Eigenthümliche unsres Ich’s, die prätendirte Freyheit unsres Willens, mit dem nothwendigen Gang des Ganzen zusammenstösst. Unser verdorbner Geschmack aber, umnebelt dergestalt unsere Augen, dass wir fast eine neue Schöpfung nötig haben, uns aus dieser Finsternis zu entwickeln.

Alle Franzosen und angesteckte Deutsche, sogar Wieland haben sich bey dieser Gelegenheit, wie bey mehreren wenig Ehre gemacht. Voltaire der von ieher Profession machte, alle Maiestäten zu lästern, hat sich auch hier, als ein ächter Tersit bewiesen. Wäre ich Ulysses; er sollte seinen Rücken unter meinem Scepter verzerren.

Die meisten von diesen Herren, stosen auch besonders an seinen Carackteren an.

Und ich rufe Natur! Natur! nichts so Natur als Shakespeares Menschen.

Da hab ich sie alle überm Hals.

Lasst mir Lufft dass ich reden kann!

Er wetteiferte mit dem Prometheus, bildete ihm Zug vor Zug seine Menschen nach, nur in Colossalischer Grösse; darinn liegts dass wir unsre Brüder verkennen; und dann belebte er sie alle mit dem Hauchseines Geistes, er redet aus allen, und man erkennt ihre Verwandtschafft.

Und was will sich unser Jahrhundert unterstehen von Natur zu urteilen? Wo sollten wir sie her kennen, die wir von Jugend auf alles geschnürt und geziert an uns fühlen, und an andern sehen. Ich schäme mich offt vor Shakespearen, denn es kommt manchmal vor, dass ich beym ersten Blick dencke, das hätt ich anders gemacht! Hinten drein erkenn ich dass ich ein armer Sünder binn, dass aus Shakespearen die Natur weissagt, und dass meine Menschen Seifenblasen sind von Romanengrillen aufgetrieben.

Und nun zum Schluss, ob ich gleich noch nicht angefangen habe.

Das was edle Philosophen von der Welt gesagt haben, gilt auch von Shakespearen, das was wir bös nennen, ist nur die andre Seite vom Guten, die so nothwendig zu seiner Existenz, und in das Ganze gehört, als Zona torrida brennen, und Lapland einfrieren muss, dass es einen gemäsigten Himmelsstrich gebe. Er führt uns durch die ganze Welt, aber wir verzärtelte unerfahrne Menschen schreien bey ieder fremden Heuschrecke die uns begegnet: Herr, er will uns fressen.

Auf, meine Herren! trompeten Sie mir alle edle Seelen, aus dem Elysium, des sogenanndten guten Geschmacks, wo sie schlaftruncken, in langweiliger Dämmerung halb sind, halb nicht sind, Leidenschafften im Herzen und kein Marck in den Knochen haben, und weil sie nicht müde genug zu ruhen und doch zu faul sind um tähtig zu seyn, ihr Schatten Leben zwischen Myrten und Lorbeergebüschen verschlendern und vergähnen.

Todestage

Früher galt der 23. April 1616 als Todesdatum gleich zweier großer Dichter, William Shakespeare und Miguel de Cervantes. Inzwischen haben die Spanier ihr Datum korrigiert. Am 23. April wurde der Dichter begraben – man nimmt offiziell an, daß er am Tag davor starb. Er war 68 Jahre alt, Todesursache Diabetes. Das Sterbehaus in Madrid heißt heute Casa de Cervantes, Cervanteshaus.

Als Cervantes begraben wurde, blieben Shakespeare noch 10 Tage. Denn in Spanien galt schon der Gregorianische Kalender. Am 23. April alten Stils schrieben die kalendarisch moderneren katholischen Länder den 3. Mai. Am 3. Mai wird der Tod Shakespeares also genau 400 Jahre zurückliegen. Die Verschiebung gibt also den Vorteil – in England genau wie in Pommern und den meisten evangelischen Ländern, nur Preußen hatte sich auf Druck Polens dem päpstlichen Kalender schon angeschlossen –, die Wiederkehr eines Ereignisses im 17. Jahrhundert gleich zweimal zu begehen, am Kalenderdatum und noch einmal nach heutigem Kalender.

Shakespeares Lebensdaten ergeben übrigens eine praktische Eselsbrücke zur zeitlichen Zuordnung englischer und deutscher Literaturgeschichte. Shakespeare wurde im Jahr (15)64 geboren und starb 1616. Andreas Gryphius umgekehrt: geboren 1616, gestorben (16)64.

Einladung zum Shakespearejahr

Ein Knüller zum Shakespearejahr bei Signaturen:

Im Shakespeare-Jahr
sieben Sonette wöchentlich
– übersetzt und kommentiert
von Günter Plessow

Jeder Leser ist eingeladen, an den nächsten 155 Tagen jeden Tag ein Gedicht des englischen Barden zu lesen. Oder einmal am Wochenende alle sieben Wochengedichte:

Wir präsentieren Shakespeares Sonette für Anfänger, das heißt: für die Kenner, die anfangen, sich einzugestehen, wie wenig sie eigentlich von dem kennen, über den sie so viel gelesen und so oft gesprochen haben.

Wir präsentieren die ganze Sequenz, so wie sie dasteht: 154 Sonette, englisch und deutsch, in verdaulichen Portionen, wöchentlich sieben zum Septett gebündelt, zweiundzwanzig Wochen lang, ohne zu vergessen, das Erzählgedicht A Lover’s Complaint folgen zu lassen. Leser, die Lust haben, diesen Schritten zu folgen, werden entdecken, daß dies Werk kein Sammelband für Liebhaber panegyrischer Gedichte ist (aber auch kein in sich geschlossener Zyklus), sondern eine eigentümlich offene Komposition, die einem Takt folgt und deren Elemente eng und weiträumig aufeinander reagieren, vergleichbar einer lyrischen Suite mit vier kontrapunktisch angelegten Sätzen: 1. Maßvoll getragen, 2. maßlos erregt, 3. nebenbei bemerkt, 4. desillusioniert.

Bards Without Borders

In London wird es zu Ehren des 400. Todestages von William Shakespeare auch eine Ehrung durch Flüchtlings- und Migrantendichter geben. Am 23. April 1616 (julianischer Kalender – in katholischen Ländern schrieb man den 3. Mai) starb der Dichter in Stratford-upon-Avon. Am 23. April veranstaltet Bards Without Borders in London eine Lesung mit 10 Dichtern aus 9 Ländern, darunter Nigeria, Kolumbien, Bosnien, Somalia und Afghanistan. Die Dichterin Laila Sumpton, Mitgründerin, sagt: „Shakespeare verkörpert die britische Kultur und Identität, aber er ist ebenso global. Seine Werke werden in der ganzen Welt gesehen, so daß wir sagen können, daß er nicht Englands Eigentum ist. Unsere Poeten erforschen dieses Konzept und laden mit ihrer Lesung zum Mittun ein.“ Die Show soll den Dichtern eine Plattform geben, ihre Erfahrungen als Migranten und Flüchtlinge mitzuteilen.

Arne Pohlmeier, ein anderes Gründungsmitglied von Bards without Borders, sagt: “Shakespeares Stücke sind randvoll mit Geschichten von Migration, Vertreibung und kulturellem Anderssein. Viele seiner Figuren riskieren lange Reisen und enden als Schiffbrüchige an fremden Ufern. Prospero aus dem Sturm, Perikles, Viola aus Was ihr wollt sind einige der markantesten Beispiele.

Viele andere Figuren sind oder fühlen sich in ihrer Umgebung fremd, was ihre Identität, Gesundheit und Realitätswahrnehmung in Frage stellt, wie Hamlet, Lear, Antipholus von Syrakus in der Komödie  der Irrungen. Das sind Erfahrungen, die Shakespeares Figuren mit uns teilen, den Migranten und Flüchtlingen von heute.“ / A younger theatre

Bards without Borders will performance a celebration of Shakespeare’s life on April 23 at Rich Mix. 

Datenkünstler

US-Künstler Nicholas Rougeux hat erst jüngst in seinem Kunstprojekt „Between the Words“  gezeigt, wie große Literaturklassiker aussehen, wenn man die Wörter weglässt und nur die Leer- und Satzzeichen visualisiert.

Seine neueste Arbeit heißt „Sonnet Signatures“. Darin beschäftigt sich Rougeux mit dem Gedichtband„Shakespeares Sonette“  aus dem Jahr 1609. Der Daten-Designer zeigt die 154 Sonette des englischen Dichters als verschnörkelte, abstrakte Zeichnungen, die aussehen, als hätte jemand gerade unter Zeitnot seine Unterschrift gekritzelt. / Benedikt Plass-Flessenkämper, Wired

It’s about sex

Sonnet 129“ by William Shakespeare

Mad in pursuit, and in possession so,
Had, having, and in quest to have, extreme;
A bliss in proof, and proved, a very woe;
Before, a joy proposed; behind, a dream.

Shakespeare wrote a lot about sex. He just has such a highbrow reputation these days, that sometimes it’s hard to remember that he was considered lowbrow in his own time. His plays and sonnets are riddled with innuendo, but „Sonnet 129“ is especially vague in talking about physical love. He only mentions lust once, but the rest of the poem is about pursuing and then having and then kind of regretting and feeling ashamed of what you’ve had. Really, he’s talking about sex that seems like a good idea before the fact, but then turns out to have been a very bad idea. We’ve all had nights like that, Shakespeare.

/ CHARLOTTE AHLIN, bustle.com

Andere Gedichte, denen sie „es“ nachweist, sind: „Come Slowly – Eden!“ by Emily Dickinson; „Putting in The Seed“ by Robert Frost; „I Sing the Body Electric“ by Walt Whitman; „First Fig“ by Edna St. Vincent Millay; „In Adoration“ by Sappho; „To a Dark Moses“ by Lucille Clifton.

Okay: bei Whitman und Sappho wird man nicht erstaunt sein. Und im Deutschen? Probieren Sie mal, im Deutschkurs (oder im Proseminar?) zu sagen, daß dieses Gedicht von Rilke von der „Überwindung der Masturbation“ handelt, oh je!:)
XXIII. Sonett

O erst dann, wenn der Flug
nicht mehr um seinetwillen
wird in die Himmelstillen
steigen, sich selber genug,

um in lichten Profilen,
als das Gerät, das gelang,
Liebling der Winde zu spielen,
sicher, schwenkend und schlank, –

erst, wenn ein reines Wohin
wachsender Apparate
Knabenstolz überwiegt,

wird, überstürzt von Gewinn,
jener den Fernen Genahte
sein, was er einsam erfliegt.

Aus: Die Sonette an Orpheus, Erster Teil (1922)

Zwei 400. Todestage

Sowohl Shakespeare als auch Cervantes sollen am 23. April 1616 gestorben sein. Dennoch war einer um zehn Tage früher dran – in Spanien hatte man schon den Gregorianischen Kalender eingeführt, in England hingegen galt noch der Julianische, der etwas hintennach war. Und wer weiß, ob die Engländer nicht ein bisschen geschwindelt haben. Der 23. April ist nämlich auch der Todestag St. Georgs, ihres Landespatrons, zu Beginn des vierten Jahrhunderts. Das Gedenken an den legendären Drachentöter ist doch ideal für den Abschied vom größten englischen Dichter, der in seiner Heimatstadt starb, in Stratford-upon-Avon. Eingefleischte Stratfordianer behaupten auch, dass Shakespeare am 23. April 1564 geboren wurde. Relativ sicher ist aber nur, dass am 26. April seine Taufe stattfand.

Das aber nur nebenbei, denn beim 400. Jubiläum, das 2016 gefeiert wird, geht es um letzte Dinge. Und die erwiesen sich bei diesen zwei Dichtern doch als recht unterschiedlich. Shakespeare war 52 – ein beachtliches Alter für einen Menschen der frühen Neuzeit, der eine Pestepidemie und einige Theater überlebt hatte. Am schönsten ist es, sich vorzustellen, dass der aus London in seine Geburtsstadt zurückgekehrte Dramatiker nach der eigenen Geburtstagsfeier gestorben sei. Das mag glauben, wer das Tagebuch John Wards gelesen hat. Der Pfarrer der Holy Trinity Church in Stratford notierte darin, dass William nach einer fröhlich durchzechten Nacht verschied:

„Shakespear, Drayton and Ben Jonson had a merry meeting and it seems drank too hard, for Shakespear died of a feavour there contracted.“ / Die Presse

„In England, muß ich sagen“

Bei Manuzio bespricht Bertram Reinecke die dritte, erneut erweiterte Ausgabe des von Ulrich Erckenbrecht herausgegebenen Bandes „Shakespeare Sechsundsechzig“. Auszug:

Besonders interessant ist für mich, dass die Behauptung des Herausgebers, dass Shakespeares Sonett 66 in Zeiten politischer Misere den deutschen Dichtern besonders wichtig wird, in diesem Nachtrag überraschend deutliche Beglaubigung findet. 3 zu DDR-Zeiten entstandene Fassungen ergänzen die bisherigen, 2 davon sind aus Stasiakten überliefert (Wilhelm Bartsch und Rayk Wieland).

An Rayk Wielands Fassung fanden sich in der Stasiakte folgende Bemerkungen: „Defätistische Tendenzen“, „Plumpe Demagogie“ „Verhöhnung der Errungenschaften des Sozialismus“ „Parolen des Klassenfeinds“ „Staatsfeindliche Hetze“ „Verächtlichmachung führender Persönlichkeiten“ „Diffamierung des sozialistischen Rechtssystems“ „Konkret geäußerte Absicht einer Republikflucht“ So allgemein, wie sein Text gehalten ist (siehe Auszug unten) muss ich an einen alten DDR Witz denken: Ein Mann geht an den Auslagen eines Geschäfts vorbei und murmelt „Scheiß Staat!“ Dies hört ein Polizist und sagt: „Ich muss sie festnehmen, sie haben den Staat beleidigt“ Nach einer Weile meint der Mann „Aber sie wissen doch gar nicht, welchen Staat ich meine.“ Der Polizist lässt ihn laufen. Einen Augenblick später steht er wieder vor ihm: „Ich muss sie doch mitnehmen.“ „Ja warum das denn?“ fragt der Mann. „Es gibt nur einen Scheiß Staat.“.

Lässt sich Rayk Wielands Dichtung auch auf die Übelstände verschiedener Zeiten oder Staaten beziehen, mag eine winzige Verschiebung die Stasi hellhörig gemacht haben. „Ich hab es satt, ich möchte weg sein bloß/ Noch liebe ich. Und das lässt mich nicht los“ übersetzt Wieland die letzten beiden Zeilen und unterdrückt hier den Todesgedanken des Originals. Man könnte das für die bloße Tilgung einer Redundanz halten, denn dieser Todessehnsucht kommt ja bereits in Zeile eins einmal vor, aber so lassen sich die letzten Zeilen dann eben auch als konkrete Fluchtgedanken lesen. Und man kann durchaus unterstellen, dass auch Leser, die nicht so paranoid lasen wie die Stasi, dies so wahrgenommen haben. Man sieht hier. Zensur ist ein Ritt auf einem Tiger, man kann nicht absteigen. Wenn etwas zu äußern verboten wird, finden sich Anspielungen, die dies auszusprechen dennoch ermöglichen. Diese müssen dann ihrerseits verboten werden und werden dann durch wiederum andere ersetzt. „Mich jammert’s! In England, muß ich sagen, und nicht jäh.“ beginnt Jendryschiks Fassung. Je treuherziger er versichert, dass er nicht hiesige Zustände meint, desto aufmerksamer wird der Leser, ob sich das Ganze denn nicht doch auf die DDR beziehen ließe. Und er wird diese Zeile etwa folgendermaßen deuten: „Ich muss behaupten, ich redete von England, weil mir über die hiesigen Zustände zu sprechen verwehrt wird“

(…)

Ich hab es satt. Wär ich ein toter Mann.
Wenn Würde schon zur Bettelei geborn
Und Nichtigkeit sich ausstaffieren kann
Und jegliches Vertrauen ist verlorn
Und Rang und Namen Fähigkeit entbehrt
Und Fraun vergebens sich der Männer wehrn
Und wenn der Könner Gnadenbrod verzehrt
Und duldende nicht aufbegehrn […]

Rayk Wieland

Ulrich Erckenbrecht (Hrsg.): ‚Shakespeare Sechsundsechzig‘
Verlag: Muriverlag
Erscheinungsjahr: 3. erweiterte Auflage 2009, neue Beilage 2015
Seitenzahl: 380 Seiten
Preis²: 10 €
ISBN-13²: 978-3922494263
ISBN-10²: 3922494269 

18. The only begetter

Die Shakespeare-Forschung ist um eine These reicher: Der amerikanische Forscher Geoffrey Caveney will mit einem im Journal «Notes and Queries» der Oxford University Press erschienenen Essay möglicherweise den Adressaten der Widmung identifiziert haben, die der 1609 erschienenen Ausgabe von Shakespeares Sonetten vorangestellt ist. Bis dato fand sich keine plausible Erklärung dafür, wer sich hinter dem nur mit den Initialen «Mr. W. H.» bezeichneten Widmungsträger verbarg, der als «onlie begetter» (einziger Erzeuger) der folgenden Gedichte angesprochen wird. Der erotische Unterton des Wortes «begetter» wie auch die Tatsache, dass «W. H.» ein Fortleben in der «eternitie promised by our ever-living poet» verheissen wird, legten immerhin die Vermutung nahe, dass jener schöne Jüngling gemeint sein könnte, dem die Sonette ausgiebig huldigen und dessen Identität ebenso wenig gesichert ist wie diejenige der im letzten Teil der Gedichtsammlung angesprochenen «Dark Lady».

Caveneys Recherche hat nun eine wesentlich nüchternere Variante ergeben: Er liest aus der Widmung eine Hommage des Verlegers der Sonette, Thomas Thorpe, an seinen 1607 verstorbenen Kollegen William Holme. / Neue Zürcher

65. Venus und Adonis

Wenn die von Claus Eckermann vorgelegte Sonett-Übersetzung (2012) bisweilen manieriert erscheint, dann gilt Gleiches für seine jüngst erschienene Venus und Adonis-Übersetzung. Doch während dieser Manierismus der gedanklichen Beweglichkeit und der in Teilen radikalen Perspektive der Sonette nicht ganz gerecht wird, ist die gekünstelte Sprache hier ein großer Gewinn. Venus ist entbrannt für Adonis, Adonis zeigt ihr seine kalte Schulter – bei Eckermann liest man:

„Gib Mitleid,“ ruft sie, „Gunst und Gnade mir!“
Doch er springt fort und läuft zu seinem Tier.

Melodramatisch und satirisch verfremdet erscheinen diese Zeilen. Schillers „Sir, geben sie Gedankenfreiheit“ kommt einem bei „Gib Mitleid“ in den Sinn. Eckermann opfert das idiomatische „Hab Mitleid“, das textnähere „Mitleid“ oder Freiligraths „O Mitleid“ (1850) einer rhetorischen Spielerei, dem Zeugma. Dabei ist Shakespeares Venus hier bereits mit ihrem Latein und ihrer Rhetorik am Ende. Farcenhaft erscheint die vergebliche Liebesmüh’ der Göttin zu dem Jüngling Adonis. Und das Objekt ihrer Begierde wird von einer Antiklimax zur nächsten getrieben. Hier versucht er vergeblich „zu seinem Tier“ zu laufen. Bei Freiligrath war es immerhin noch sein Pferd:

„O Mitleid,“ ruft sie, „bin ich nichts denn wert?“
Doch er springt auf, und eilt nach seinem Pferd.

Bei Shakespeare heißt es:

„Pity,“ she cries, „some favour, some remorse!“
Away he springs, and hasteth to his horse.

In zwei Zeilen bringt Shakespeare hier die Verzweiflung Venus’ und die Hasenfüßigkeit Adonis’ auf den Punkt. Das ist tragisch, aber in der Anlage natürlich auch melodramatisch avant la lettre. Shakespeare dichtet parataktisch, Eckermann auch, aber die rhetorische Raffinesse in der Übertragung lässt unweigerlich eine ironische Brechung vermuten, eine Distanz zwischen Figurenperspektive, hier Venus’ Perspektive, und der Perspektive der Erzählinstanz. Diese ironische Brechung, die in Shakespeares Ovid-Lektüre bereits angelegt ist, präpariert Eckermanns Übersetzung großartig heraus. / Felix Sprang, literaturkritik.de

William Shakespeare: Venus und Adonis. Englisch/deutsch. 
Mit einem Nachwort von Christa Jansohn und Dieter Mehl. 
Übersetzt aus dem Englischen von Claus Eckermann. 
NOA NOA Hörbuchedition, München 2014. 
100 Seiten, 4,90 EUR.
ISBN-13: 9783932929823

61. Zwei neue Übersetzungen der Shakespeare-Sonette

Nachdichtung oder Übersetzung, Verfremdung oder Eindeutschung, philologische Akribie oder poetische Freiheit – zwischen diesen vermeintlichen Polen bewegen sich die gut siebzig Gesamtübertragungen der Sonette Shakespeares, die in deutscher Sprache vorliegen. Mit Claus Eckermanns und Alexander Gieses Übersetzungen reihen sich nun zwei weitere Gesamtübertragungen ein – und natürlich steht außer Frage, dass auch diese beiden Übersetzungen mit ihrer jeweils eigenen interpretatorischen Perspektive einen Beitrag zur Rezeption leisten; denn Eckermann und Giese gelingt es, eine jeweils eigene Tonart anzuschlagen und diese konsequent durchzuhalten. Beide Übersetzungen sind weit entfernt von Ulrike Draesners „Radikalübersetzung“ (2000), die auf eine Aktualisierung der semantischen Felder in Richtung Technik und Wissenschaft setzt und dabei Wortschöpfungen wie „tintenstrahl-füße“ hervorgebracht hat. Modernisierung ist hier nicht das Gebot der Stunde, vielmehr ist beiden Übersetzern daran gelegen, Shakespeares Klang- und Bildraum als eigenständige literarische Welt vorzustellen. Verglichen mit Christa Schuenkes Übersetzung (1999, 52011), die sich in den letzten Jahren als maßstäblich durchgesetzt hat, wirken beide Übersetzungen allerdings archisierend, wobei sich Eckermann an einem barocken, bisweilen manierierten Stilideal orientiert, während Giese das lyrische Ich als Stimme des Sturm und Drang entwirft. Insofern markieren beide Übersetzer stilistisch sehr deutlich, dass sie das Paradigma der romantischen Liebe, das dem frühneuzeitlichen Liebesdiskurs nur bedingt gerecht wird, als Rezeptionsrahmen für nicht geeignet halten.

Eckermanns Zugriff ist geradezu historisierend. Tongebend ist – trotz der fünfhebigen Jamben – ein barockes Dichtungsmodell, das antithetische Gegenüberstellungen und überhöhte Bildhaftigkeit auskostet: „confounding age’s cruel knife“ (Sonett 63) wird zu „des welken Alters scharfer Klinge“, „But if that flower with base infection meet, / The basest weed outbraves his dignity“ (Sonett 94) wird zu „Doch wo die Blum auf welkes Siechtum stieß, / Schlägt ihren Wert gar Unkraut, öd und siech. “ Diese Bildhaftigkeit schafft Distanz, entrückt die Sonette aus der Alltagserfahrung und betont deren Literarizität. Keineswegs anbiedernd ist diese Übertragung: Eckermann will es seinen Lesern sichtlich nicht leicht machen, sie sollen beim Lesen oder Rezitieren nicht vergessen, dass sie sich in einem sprachlich-formalen Kunstwerk bewegen. Es gelingt jedoch nicht immer, die angebotenen Bilder mit Leben zu füllen: mir jedenfalls fällt es schwer, eine „Blum“ zu sehen, die „auf welkes Siechtum stieß“. Zugegeben, Sonett 94 gilt als besonders schwer zu übersetzen. Shakespeares lyrisches Ich ist hier enigmatischer als sonst: Das Herrschaftsideal, das mit botanischen Vanitas-Motiven ins Bild gesetzt wird, bleibt obskur, die Botschaft, die sich an den „fair youth“ richtet, unklar. Trotz dieser Ambiguitäten ist Shakespeares Sprache jedoch direkt und aggressiv: Shakespeare verweist mit „infection“ recht deutlich auf die Syphillis, wählt mit „outbraves“ eine ironisch gebrochene Konversion, die der konventionellen Gegenüberstellung von Blume und Unkraut einen kühnen Anstrich gibt. Es gelingt Eckermann nicht immer, diese Nuancen im Register und Lexikon zu retten.

(…)

Auch Giese nutzt Abweichungen vom fünfhebigen Jambus äußerst spärlich, und doch wirkt seine Übersetzung luftiger, metrisch weniger streng organisiert. Verglichen mit Eckermanns Übertragung ist die Anrede direkter, der Sprachduktus lässiger, geradezu keck an manchen Stellen. Dieser Eindruck mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass Giese Wortwiederholungen nicht scheut. In Sonett 8 verwendet er beispielsweise viermal das Wort „süß/Süßes“ und sucht nicht nach Synonymen, im Sonett 152 begegnen uns „schwört“, „Bettschwur“, „Schwören“, „schwor“, „Schwüre“, „schwör’n“, „geschworen“, „schwören“. Gieses Liebender, aber auch der mahnende Freund zuvor, haben beide keine Zeit, nach trefflichen Worten zu suchen und ihre Ausdrücke zu modulieren. Diese Haltung zeigt sich besonders deutlich an Sonett 66, dem Meilenstein für deutsche Übersetzungen:

Bin alles müd’, nach Todesruh’ ich schrei,
Da doch Verdienst zum Bettler nur geboren,
Und nicht’ge Nullen sich freu’n an Narretei,
Und reinste Treu elendig falsch geschworen,
Und gold’ner Ruhm, schmachvoll wird er missachtet,
Und Mädchentugend rücksichtslos geschändet,
Und höchst Vollkomm’nes unverdient verachtet,
Und selbst Kraft in schwacher Herrschaft endet,
Der Kunst die Zung’ bindet die Staatsgewalt,
Und Narrheit doktorgleich treibt Wissenschaft,
Und echte Wahrheit wird verkannt als Einfalt,
Und wertvoll Gut gerät in schlimme Haft;
Müd dieser Welt ließ gern ich alles sein,
Wär nicht – stürb ich – mein Liebstes ganz allein.

Nicht großes Pathos, kein uferloser Zorn, sondern eine tiefgehende und gefasste Empörung spricht aus diesen Versen. Giese bricht mit der Anaphora in Zeile 9 und hebt mit seiner Anklage neu an. Und auch metrisch lässt sich dieser Sprecher nicht vereinnahmen: „geboren“, „geschworen“, „missachtet“, „geschändet“, „verachtet“, „endet“ wenden sich gegen das Diktat des Metrums. Somit ist diese Übertragung näher an den Übersetzungen von Lachmann (1820) und Gelbcke (1867) als an der zusatzfüßigen von Biermann (2004) oder der metrisch idealtypischen von Schuencke (1999) [Für eine ausführliche Rezension der Biermann-Übersetzung von Jürgen Gutsch siehe literaturkritik Nr. 10, Oktober 2004; ein Interview mit Christa Schuenke, das Christa Jansohn geführt hat, ist abgedruckt in literaturkritik Nr. 4, April 2014].

/ Felix Sprang, literaturkritik.de

William Shakespeare: Der Zeit entgegen – Shakespeares Vanitas Sonette [Tonträger]. Jacques Breuer liest Shakespeare.
NOA NOA Hörbuchedition, München 2012.
1 CD, 14,90 EUR.
ISBN-13: 9783932929793

William Shakespeare: Die Sonette. Englisch und deutsch.
Übersetzt aus dem Englischen von Claus Eckermann.
Haag + Herchen Verlag, Hanau 2012.
328 , 24,00 EUR.
ISBN-13: 9783898466486

William Shakespeare: Shakespeare Sonette.
E-Book.
Übersetzt aus dem Englischen von Alexander Giese.
Aumayer Druck + Verlag, Munderfing 2013.
164 Seiten, 4,90 EUR.
ISBN-13: 9783902923011

43. Shakespeare-Rätsel

„Was man wissen muss, um Shakespeare zu verstehen“ – das hat bereits 1970 der US-Autor Isaac Asimov in seinem monumentalen zweibändigen Guide to Shakespeare zusammengetragen (1500 Seiten). Davon wiederum hat nun der Alexander-Verlag Berlin zwölf Essays zu den hierzulande am häufigsten aufgeführten Stücken in einem neuen, eigenen Band zugänglich gemacht. Eine Heldentat. Einem Pulk an jungen Übersetzerinnen und Übersetzern ist es gelungen, die pfiffige Sprache Asimovs so klar und direkt, wie es der Autor in all seinem Schreiben stets beabsichtigt hat, ins Deutsche zu übertragen. (…)

Und manchmal gibt selbst Asimov auf, dann heißt es einfach: „Wir werden es nie erfahren.“ Oder: „Uns kann das beim Lesen […], ehrlich gesagt, auch egal sein.“ / Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 7.1.

22. Shakespeares Sonette, die 69.

Die Sonette Shakespeares neu übersetzt von Hans Saenger

Hans Saenger, Jahrgang 1949, legte im September 2012 mit Anschreiben gegen den Tod. Die Sonette die insgesamt 69. Gesamtübertragung dieses Gedichtzyklus vor. Von Beruf kein Anglist, wie er im Nachwort betont, beschäftigte sich Saenger – hauptsächlich durch sein Interesse an der Autorschaftsfrage dazu bewegt – „fast ein Jahrzehnt lang intensiv“ mit den Sonetten William Shakespeares.

Vorangestellt ist den Gedichten eine kurze Einleitung, in der der Autor deutlich macht, dass die Lektüre der Sonette prinzipiell in keiner bestimmten Reihenfolge erfolgen müsse, dass es nicht von Bedeutung sei, ob die Gedichte „von vorne nach hinten oder umgekehrt oder kreuz und quer“ gelesen würden. Allerdings stellt laut Saenger das 144. Sonett den „natürliche[n] Einstieg“ in Shakespeares Sonettzyklus dar, da dieses die Ausgangssituation aller 154 Gedichte beschreibt: Zwei Lieben hat der Dichter, nämlich eine „allem Anschein nach ideelle zu einem schönen blonden Jüngling, eine zweite, alles andere als ideelle, aber zu einer Dame mit dunklem Haar und schwarzer Seele“. / Elisabeth Julie Herrmann, literaturkritik.de

William Shakespeare: Anschreiben gegen den Tod. Die Sonette. 
Übersetzt aus dem Englischen von Hans Saenger
Edition Volaris, Klostermarienberg 2012. 
200 Seiten, 25,00 EUR.
ISBN-13: 9783200027312

3. Is poetry useful?

In the 4th part of the National Poetry Month blog, I ask America’s best poets to answer five more questions by readers of poetry.

1. April 23 is Shakespeare’s 450th anniversary. If you went back in time and could ask him one question, what would that question be?

David Lehman (author of The Last Avant-Garde):
Did you mean „solid“ or „sullied“ when you wrote, „Oh, that this too, too solid [sullied] flesh would melt. . .“?

Henri Cole (author of Touch):
I would ask him if he likes American poetry, and if he thinks we’re doing okay by the sonnet, and if he would like to eat a sandwich in the park next door.

4. Are prizes like Pulitzer, NBA, NBCC are good for poetry. Is there discrimination against women poets, non-white poets, gay poets?

Alfred Corn:
A big prize like the Pulitzer will certainly advance the career of the poet who wins, bringing prize money, well-paid invitations to read, and a boost in book sales. Also, the domino effect: those who win one prize are likely to win others, since committees like to make choices that seem plausible.

David Lehman:
Such prizes are good for those who win them. Their market value goes up. Otherwise, the prizes don’t mean shit.

Henri Cole:
Prizes don’t matter much if other poets don’t admire you. I’m always hoping to convert those who discriminate against me.

John Gallaher:
Prizes are fine and good things. They give newspapers a reason to mention poetry. There is discrimination of all kinds, as these things are run by people. A specific complaint I have is how narrow the aesthetic focus of many awards is. They claim to be rewarding the best, but what it seems is more that they are rewarding a kind of poetry more than a general regard for the totality of what’s being written.

Adam Fitzgerald:
Prizes are for poets, not poetry. Where there’s people, there’s discrimination.

5. Is poetry useful?

Henri Cole:
Must we ask this? Is air useful? Food? Love?

/ Huffington Post

98. Gerard Vergés

Der katalanische Lyriker und Essayist Gerard Vergés ist am 23. April im Alter von 83 Jahren in seiner Heimatstadt Tortosa gestorben. Vergés, im Hauptberuf Pharmazeut, hatte bereits in den 1950er Jahren die Zeitschrift Géminis mitherausgegeben. 1981 erhielt er für seinen Debutband L’ombra rogenca de la lloba [Der rötliche Schatten der Wölfin] den angesehenen Carles-Riba-Preis, es folgten u.a. der Premi Josep Pla 1985 und die Verleihung der Creu de Sant Jordi 1997. Vergés übersetzte unter anderem Shakespeares Sonette ins Katalanische; sein letzter Gedichtband El jardí de les delícies [Der Garten der Lüste] gehörte in seiner Heimatgegend, dem Ebro-Delta, zu den meistverkauften Büchern am Sankt-Georgs-Tag, dem in Katalonien traditionell verwurzelten Tag des Buches, an dem er starb. /ara.cat

[Vergés‘ Lyrik zeichnet sich durch eine tiefe Skepsis gegenüber Mythifizierung, Erhabenheit, Rhetorik und Pathos aus, die er als Ausdrucksformen repressiver Machtstrukturen unterwandert]

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