L&Poe ’17-01

Liebe L&Poe-Leserinnen und -Leser,

img_4431nur wer sich ändert bleibt sich treu. Mit dem 16. Jahr startet L&Poe als Wochen-Digest. Jeden Freitag neu mit Nachrichten aus der Welt der Poesie. Poetry is news that stays news, sagt Pound. In den nächsten Wochen werde ich Logo und Leitbegriffe und -motive der alten und neuen Lyrikzeitung erörtern, ich beginne nächste Woche mit „Digest“. Für mich eine spannende (etymologische und Selbst-) Erkundung schon jetzt.

Die Themen in dieser Ausgabe

Nobelpreis 1966: Celan und Sachs? Oder keiner von beiden?

Nach 50 Jahren werden die Akten des Nobelpreiskomitees der Öffentlichkeit zugänglich. Daraus erfährt man jetzt, daß das Komitee Paul Celan für nicht preiswürdig hielt. Und einiges mehr. Hier.

Gute Nachrichten aus den Niederlanden

Wirtschaftlich mag das Goldene Zeitalter der Niederlande vorbei sein, doch literarisch ist es in vollem Gang. Das Land unterstützt seine Lyriker durch viele offizielle Positionen darin, sich als Chronist des öffentlichen Lebens zu engagieren. Neben dem Amt „Dichter des Vaterlands“ leisten sich auch Städte, Vereine, Universitäten und Fernsehstationen gern einen Hausdichter. / Mehr

Das neue Gedicht
verhaltenes lied

die hände in den taschen
         werde ich mich gewöhnen
an das schmutzige tageslicht
an das aschfarbene wasser
         wie die berge aufwachen
                 die spieler
im kaffeehaus
         wir werden uns küssen
mit dem nordwind
         werde ich mich gewöhnen
es gibt da einen trick
                   ich habe nie versucht
geige zu spielen

(nach orhan veli)

achim wagner

Mit freundlicher Genehmigung des Verf. aus: Achim Wagner: „zwischen grün und halb sechs“. 20 Improvisationen über türkische Poetiken des 20. und 21. Jahrhunderts. hochroth Berlin, 2017. Mit einem Nachwort von Norbert Lange.

Istanbul-Buch

Der in seinem „andalusischen Schwarzwalddorf“ im Kinzigtal lebende José F.A. Oliver konnte im Herbst 2013 in der kaiserlichen Sommerresidenz des deutschen Botschafters in Tarabya wohnen, rund 16 Kilometer vom Zentrum entfernt. José F.A. Oliver schreibt bereits damals: „Der Widerspruch wird vogelfrei. Kritik? Der Staat könnte beleidigt sein […]. Wer zweifelnd hinterfragt, ist hinderlich. Der schläft nicht nur auf Steinen, der wird im besten Falle totbesteuert. Ansonsten weggesperrt“. / Mehr

Antholo-logie

In dieser neuen Folge, die abwechselnd mit einer weiteren neuen Folge „Ex Libris“ erscheint (nächste Woche: Hadayatullah Hübsch), stelle ich, wie der Name besagt, Anthologien vor. Für den Anfang die erste Anthologie mit neuer Lyrik, die ich je gelesen habe. Es war in den Sixties, noch früher als für Gedichte interessierte ich mich für Musik – natürlich. Nun aber kamen Gedichte dazu. Die Stadt- und Kreisbibliothek Weißenfels, im Sterbehaus des Dichters Novalis, lieferte mir heißen Stoff.  Lesen Sie hier.

Bild: Fragment des Schutzumschlags (des ein paar Jahre später gekauften und eigenen Exemplars!)

img_4536

Mit dem Deutschlandradio sprach

der französische Dichter Alain Lance über seine Erinnerungen an die DDR – und an Iran. Mehr

Ubuweb

ist der beste Ort für Fundstücke im Netz, sagt Piqer Mascha Jacobs bei piqd. Mehr

Gestorben

Der englische Künstler, Kritiker und Schriftsteller John Berger starb am 2. Januar in Paris wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag. Hier zu Nachrufen.

Nicht der einzige Dichter, der in dem noch sehr kurzen Jahr starb. Die letzten Todesfälle des alten und ersten des neuen Jahrs hier. Mit einem Blick auf gewaltsame Tode.

Die Shakespeare-Leseecke

geht nach längerer Unterbrechung weiter mit Sonett #19: DEuouring time blunt thou the Lyons pawes, deutsch von Dorothea Tieck: Zeit, Würgerin, bezwing des Löwen Mut. Hier alle bisherigen Folgen

fullsizerender-34

Neue Zeitschriften
  • Merkur H. 1 mit Leonce Lupette
  • poet nr. 21. Literaturmagazin. Hg. Andreas Heidtmann. Leipzig (poetenladen) Herbst 2016. 252 S., 9.80 Euro. Besprochen von Alexandru Bulucz. „Die Rubrik Lyrik eröffnet der stille amerikanische Poet Keith Waldrop.“ Mehr
In der Siebenbürgischen Zeitung

Edith Ottschofski über den neuen Gedichtband von Werner Söllner

Werner Söllner: „Knochenmusik“. Gedichte. Mit einem Nachwort von Eva Demski, Edition Faust, Frankfurt am Main, 2015, 92 Seiten, gebunden, 18,00 Euro, ISBN 978-3-945400-19-7

Five British Poets to Watch in 2017

stellt die Huffington Post vor, es sind:

Rebecca Bird, Bryony Littlefair, Lorraine Mariner, Abegail Morley, Mel Pryor

Kurz gesagt
  • Zumal in der Lyrik sind Anfänge von eminenter Bedeutung – und, salopp gesagt, bisweilen schon die halbe Miete. (Hans-Dieter Fronz, Badische Zeitung 2.1.)
  • »Hätte Ror Wolf nur 1000 Leser mehr, wäre die Welt ein besserer Ort«, behauptet Andreas Ammer völlig zurecht. / Facebook
  • Lovers of poetry have this consolation at least: when times get tough, the poetry gets better. Stalinism gave us Anna Akhmatova; The Troubles in Northern Ireland gave us Seamus Heaney. / Huffington Post
  • In which Rosmarie Waldrop, “who claims to be both poet and translator,” is made to be “a veritable nymphomaniac of narcissism.” | OmniVerse
  • German is the guttural brother of its somewhat truncated English sibling. This close proximity of German to English makes it much harder to translate. / Paul-Henri Campbell, Eleven Eleven
Kalendarium
  • Carl Sandburg, Andrej Bely, Jakob van Hoddis & Co. mit vielen Namen und Links hier
  • Drei Gedichte zum Dreikönigstag hier, hier und hier.
Meine Tweets der Woche
  • A Madagascan prime minister hatches a plan to murder postmodernism. ()
  • While in prison, the Ukrainian poet Irina Ratushinskaya wrote poems on bars of soap. After memorizing them, she washed them away…. (@christianbok)
  • John Berger gone. That is hard. He was an energy source in a depleted world. (@Jeanette Winterson)
Rückblende L&Poe August 2001

L&Poe ruft den Thomas-Kling-Monat aus. Auch Wolfgang Hilbig lebt und läßt sich zum 60. gratulieren. Beat Brechbühl bedauert, daß er die Alpen nicht rechtzeitig abgesägt hat. Die taz besucht Amerikas Ur-Avantgardist Charles Henri Ford (93). In Lana und Straßburg ist auch was los. Dies und viel mehr hier. Alle bisherigen Rückblenden hier.

Zuguterletzt die wöchentliche Poetopie

des Berliner Schriftstellers Hansjürgen Bulkowski.

so viel Gegenwart war noch nie

Bulkowski wurde 1938 in Berlin geboren. 1964 bis 1969 war er Bibliothekar an der Stadtbücherei Krefeld, seit 1969 freier Schriftsteller in Düsseldorf. Er veröffentlichte Kurzprosa, Lyrik, Essays, Übersetzungen und Hörspiele u.a. in der LCB-Reihe, der Reihe schritte des Wolfgang Fietkau Verlags sowie in Anthologien und Zeitschriften (Rowohlts Literaturmagazin, TintenfischSchreibheft, Litfaß, Sprache im technischen ZeitalterSignumneue deutsche literatur, Merkur). 1966–1977 Herausgeber von PRO, blätter für neue literatur (später PRO, ein schriftlicher Vorgang / PRO. Jahrbuch für Mitteilungssysteme), Avantgardistische Literatur- und Kunst-Zeitschrift. Krefeld, Düsseldorf. Seit 2013 versendet er wöchentlich einen Aphorismus als Poetopie per eMail, 2013-16 sonntags in der Lyrikzeitung und von nun an jeden Freitag im L&Poe-Digest.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: