Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Bald jedoch wurde Kerr zum leidenschaftlichen Entdecker und Förderer: „Er hat beispielsweise sich mit Robert Musil hingesetzt, ist mit ihm jede Zeile des „Törleß“ durchgegangen, hat ihm einen Verlag gesucht, und dann eine sehr wichtige Musil-Kritik im „Tag“ geliefert, 1906. Er hat auf die… Continue Reading „161. Alfred Kerr, Entdecker“
Wenn man versucht vorurteilslos und ohne Vorbehalte „White Christmas“ noch einmal anzuhören, dann fällt doch der eher nachdenkliche Grundton auf. Der Judaist Irving Saposnik hat unter dem Titel „I’m dreaming of a Jewish Christmas“ einen ganzen Aufsatz geschrieben über „Jüdische Weihnachten mit Irving und… Continue Reading „160. Weihnukka“
Der Poet ist nach Goethe der meistgelesene deutschsprachige Dichter weltweit. Aber es gibt auch Leser, die von ihm weniger begeistert sind und seine Lyrik als zu weltentrückt, fast schon kitschig und eine Spur zu esoterisch empfinden. So nannte ihn Thomas Mann einen „österreichischen Snob,… Continue Reading „157. Rilkes Mama“
Obwohl Rilke zu Lebzeiten eine Randfigur war [? MG], wird sein lyrischer Eigensinn in unserer postromantischen Zeit geschätzt; eine kleine Gruppe von Kennern lobte ihn damals, während er heute geliebt wird.* Sonette an Orpheus, Duineser Elegien, sein einziger Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids… Continue Reading „156. Rilkes Eigensinn“
Die Buchhandlung „Shakespeare and Company“ liegt an der Rive Gauche, dort, wo sich an diesen Abenden der Geruch des ölschwarzen Wassers mit der heraufziehenden Winternacht, dem Stimmengewirr der Bistros und der Straßenmusik zu einem dichten Großstadtgemälde mischt. Metroausgänge spucken Touristen und Studenten in die… Continue Reading „155. Shakespeare and Company“
Milena Oda, geboren 1975, lebt in Berlin und schreibt Prosa, Theaterstücke, Lyrik und Essays. 2002 wurde sie für den Literaturwettbewerb Open Mike in Berlin und 2007 für den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt nominiert. 2007 erschien im Verlag BUCHENpresse das Kunstbuch »Piquadrat«. 2009 wurde in Alexandria/Ägypten… Continue Reading „153. Stillste Nacht“
Das Jahr 1816 nannten sie das Jahr ohne Sommer. Ungewöhnlich kalt ist es. Selbst im Juni noch schneit es hinunter bis ins Flachland. Am schlimmsten betroffen davon ist Mitteleuropa. Ernten fallen aus. Millionen leiden an Hunger. Zehntausende sterben. Und das in einer Zeit, in… Continue Reading „152. Stille Nacht“
So radikal die Rhetorik der Manifeste, so harmlos wirkt allerdings bisweilen die Umsetzung – Luigi Russolos «Geräuschtöner» beispielsweise (wie sein Begriff «Intonarumori» übersetzt wird), die die klanglichen Möglichkeiten der Musik erweitern sollten, sind als Kuriosum in die Musikgeschichte eingegangen, ohne eine weitere Wirkung zu… Continue Reading „151. Futurismus-Ausstellung“
Goethe war klar, dass Schiller ein ganz anderer Typus war, einer, der sehr stark vom Intellekt, von dem Bewusstseinskonzept und von der Reflexion her kommt. Er war ein im hohen Masse absichtsvoller Poet; das wusste Goethe. Eigentlich schätzte er so etwas nicht. Aber im… Continue Reading „150. Bewußtseinsgenie und Intuitionist“
Manchmal beginnt der Tag der Dichterin «schlurfend». Die Worte liegen zäh im Mund, und es regt sich die Angst, nie mehr etwas schreiben zu wollen. Dann aber kann schon ein Lächeln im Café genügen – und alles brennt lichterloh. Die «wallende Seele (Brust)» und… Continue Reading „149. Kleine Wunder“
John Keats, der wohl wichtigste Romantiker der englischen Literatur, starb mit 25 Jahren an Tuberkulose. Keinen Penny hatte er mit seiner Lyrik je verdient – als Hungerkünstler brauchte er Gönner. Der wichtigste davon war Charles Brown. Der Dichterkollege ließ ihn 1819/20 siebzehn Monate auf… Continue Reading „148. Zwanglos an Sonettzeilen entlang“
Der 1966 in der Lausitz geborene Volker Sielaff, der seit vielen Jahren in Zeitungen und Zeitschriften präsent ist, agiert viel zu zurückhaltend und unspektakulär, um in einem auf starke Oberflächenreize fokussierten Literaturbetrieb aufzufallen. Die diskrete Erkundung dessen, was wir als Existenz erfahren – das… Continue Reading „147. Volker Sielaff“
Vom verseschmiedenden Bau-Mafioso Branimir Dukic über die an Albaniens Küste lebende „Alliterationslautlyrikerin“ Amelie Berisha Schmöll („Weltenraum XII: L“) bis zum „dichtenden Steiger“ Erwin Günter Katschulski genannt „Pommes“ („Komm mich nich mit die da oben …“) reichen die Steilvorlagen, die von Doppelgängern prominenter Vertreter des… Continue Reading „146. Phrasenkunde“
Rezension der Anthologie „Der gelbe Akrobat“ von Werner Friebel auf literaturkritik.de. Zur Feier des (kürzesten) Tages hier mal ein paar Abschnitte mit Anmerkungen von mir (rot). So schlecht kann heutzutage die Zeit für Gedichte in der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht sein, wenn sogar Bundespräsident… Continue Reading „143. Kritikkritik“
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