Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 6. März 2026 von lyrikzeitung
102 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Günter Kunert
(* 6. März 1929, heute vor 97 Jahren, in Berlin; † 21. September 2019 in Kaisborstel)
REQUIEM
Wir lagen vor Madagaskar
und hatten die Pest an Bord.
Das sangen einst deutsche Kinder
und glaubten jedes Wort.
Doch plötzlich wurden sie größer
und marschierten in einen Krieg,
so fern von Madagaskar
und dem versprochenen Sieg.
Bald war ihnen das Singen vergangen
durch Feuer und Schüsse und Qual,
gleich Tagen im Nu verflogen
ihre längst vergessene Zahl.
Nur Fotos sind übriggeblieben,
schwarzweiß und gründlich stumm.
Es fehlen ihre Stimmen,
die fragen könnten: »Warum?«
Aus Günter Kunert: Zu Gast im Labyrinth. Neue Gedichte. Hrsg. Wolfram Benda. München: Hanser, 2019, S. 22
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: deutsche Nachkriegslyrik, Günter Kunert, Madagaskar Lied, Requiem Gedicht, Wolfram Benda, Zu Gast im Labyrinth Gedichtband, Zweiter Weltkrieg Lyrik
Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..
| Ulf Andree Strohbach bei Hübsches kleines Biest | |
| 中国大好き bei Wie übersetzt man ein Gedicht,… | |
| Karin Monteiro Zwahl… bei Geschichte meiner indianischen… | |
| Astrid Litfaß bei Eine Frau die kein Bier t… | |
| Karin Monteiro Zwahl… bei Wie übersetzt man ein Gedicht,… | |
| versspielerin bei Wie übersetzt man ein Gedicht,… | |
| joernzacharias bei Wie übersetzt man ein Gedicht,… | |
| Astrid Litfaß bei Wie übersetzt man ein Gedicht,… | |
| Malte Krutzsch bei Wie übersetzt man ein Gedicht,… |
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Ein Text von (leider!) unglaublicher Aktualität – nur sind es heute (hoffentlich) andere Lieder!
LikeLike