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„Die Poesie“, so schrieb Friedrich Schlegel 1797 in seinen „Kritischen Fragmenten“, „ist eine republikanische Rede, eine Rede, die ihr eignes Gesetz und ihr eigner Zweck ist, wo alle Teile freie Bürger sind und mitstimmen dürfen.“ Genau 200 Jahre später hat Paul Wühr, der große… Continue Reading „Paul Wühr †“
Aus einem Interview zur Verleihung des Clemens-Brentano-Preises an Thilo Krause, durchgeführt von Katharina Grünke Das Gedichteschreiben ist nun nicht Ihre Hauptbeschäftigung, sondern eigentlich sind Sie ausgebildeter Wirtschaftsingenieur und augenscheinlich ebenfalls mit Leidenschaft in diesem Bereich aktiv, da Sie ja in der aktuellen Forschung arbeiten.… Continue Reading „Formel und Metapher“
Dada ist und war schon immer das Produkt seiner eigenen Tradierung. Das gilt auch für Balls «Eröffnungs-Manifest», das diese Bezeichnung erst seit 1966 trägt – es erhielt sie also knapp vierzig Jahre nach dem Tod des Autors und fünfzig Jahre nach der Genese von… Continue Reading „Einfach furchtbar“
Oder um mit einem Vers zu fragen: «Und in der Tat, warum sollte jemand das lesen?» Allein der Sprache wegen! Weil hier jemand, im Wortsinn, Verse schmiedet. Weil hier im Reim zusammengezwungen wird, was nie und nimmer sonst zusammenkommt. Und weil hier auseinanderbricht, was… Continue Reading „Vergnügen an Parodien“
«Ich bin nach Warschau gekommen», sagte der Schielende, «und will, dass du für mich einen Empfang organisierst. Du bist doch Melech Ravitch.» Das war im Januar des Jahres 1929. In Warschau lebten dreihunderttausend Juden, die elf jiddische Tageszeitungen lasen. Jüdische Schriftsteller gab es hier… Continue Reading „1929 in Warschau“
Das Lyrik-Theater der Georg-Kerschensteiner-Schule ist keine ganz gewöhnliche Theater-AG: Die Schüler verschiedener beruflicher Ausbildungsgänge, des Sozialwissenschaftlichen und des Technischen Gymnasiums schreiben das Stück, das sie später auf die Bühne bringen, komplett selbst. Fast jeder aus der Gruppe habe eine Szene beigesteuert, berichten die Schüler,… Continue Reading „Lyrik-Theater“
Schon von Zeitgenossen wurden die Vier Quartette als Rückschritt gegenüber der anarchischen Wucht des Waste Land betrachtet. Auch die Eliot-Übersetzerin Eva Hesse sprach von einem „Zurückfallen hinter die Errungenschaften der Moderne“; sie erkannte in den Quartetten eine Tendenz, alles Störende unter die „Gewalt“ eines… Continue Reading „Four Quartets“
Der Berner Autor und Spoken-Word-Performer Guy Krneta hat Kurt Marti in seiner Schulzeit kennen gelernt und besucht den Dichter, der im Januar 95 Jahre alt wurde, seit Jahren regelmässig. Im Hörbuch «Rosa Loui» – eine Liveaufnahme eines im September 2014 in Bern aufgeführten Programms… Continue Reading „Mundart kann alles“
Die Lyrikerin Ivette Vivien Kunkel (Jahrgang 1979) und der Lyriker Arnold Maxwill (Jahrgang 1984) erhalten 2016 den Förderpreis der Stadt Dortmund für junge Künstlerinnen und Künstler in der Sparte Literatur. Der Preis wird seit dem Jahr 1978 im biennalen Rhythmus in wechselnden Kunstsparten verliehen… Continue Reading „Förderpreise“
Er hatte das Publikum auf mitunter beängstigende Weise in der Hand. In der Royal Albert Hall in London hat Ernst Jandl am 11. Juni 1965 mit ein paar Beatpoeten den Saal gerockt und dabei selbst Allen Ginsberg die Show gestohlen. Jandl donnerte seine „ode… Continue Reading „Jandl in London“
Ich muß das Netz grobmaschiger machen, sonst komm ich nie nach. Heute 5 auf 1 Streich. Kein Zweifel Er heißt Zweifel, hat aber keinen. Emily Dickinson ist die überschätzteste Dichterin Amerikas. Die berühmteste, kargste, freudloseste sowie deprimierendste. Sie schrieb karge Gedichte, in denen sie eine… Continue Reading „Digest 22.-26.6.“
Er ist der wohl beste Kenner der deutschsprachigen Literatur der Bukowina, dem Grenzraum zwischen Mittel- und Südost- und Osteuropa, und hat für seine vielfältige geleistete Arbeit im September 2015 in Berlin den Georg-Dehio-Kulturpreis verliehen bekommen. In der Begründung der Preis-Jury hieß es: „Der Literaturprofessor… Continue Reading „Gedächtnis und Bewahrer“
Aus einem Beitrag von Felix Philipp Ingold, Neue Zürcher Zeitung 8.7. Begriffe wie „Grexit“ oder „Brexit“, neuerdings auch schon „Frexit“, „Dexit“ und „Nexit“ sind als aktuelle Trendwörter in aller Mund – man hört sie als Kampfparolen bei Demonstrationen, man sieht sie dick ausgemalt auf… Continue Reading „Zeitgenössische Sprachkultur zwischen Kalauer und Dichtung“
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