Kategorie: Europa

ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG

Sándor Weöres ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG Auf die Gedichte von Tamas Szentjóby, Dezsö Tandori, Imre Oravecz und anderer unserer jungen Dichter, herzlich „Das Merkmal eines Verses ist der Sinn.” Wozu, gestattet, dann noch ein Gedicht? In Prosa packst du jeden Inhalt leichter, Präzisern… Continue Reading „ENTWURF FÜR EINE NEUE DICHTUNG“

Ständerle

Seitdem die Kerm richtig groß begangen wird, gibt es den Kirchweih-Generaler. Das ist eine Kirchweihzeitung, in der alle „Ständerle“ – kurze Gedichte – bei den Wirtsleuten, der mit spitzer Feder verfasste Prolog und Geschichten aus dem Leben der Gärtner niedergeschrieben sind. Der erste Generaler… Continue Reading „Ständerle“

Macht die Nacht die Farben aus

Felix Philipp Ingold Vorspruch Macht die Nacht die Farben aus, dann ist es wieder Zeit und sind die Farben eins. (aus dem Notizbuch eines Malers, anonym, 1942) Ein Ah! ist der Anfang von allem und heisst soviel wie Schra… wie Schwarz. Soviel wie nichts.… Continue Reading „Macht die Nacht die Farben aus“

Wo das abstrakte Wort

Richard Anders Wort Wo das abstrakte Wort grenzenlos  in Duft- frische übergeht,endet auch die Macht dei- nes nach Asche  süchtigen Zunders,  dessen selbstverzehrende Glut fruchtlos ist. Mach dir nichts vor: Der Widerschein deines Au- todafés in Leserköpfen hindert diese nicht daran, im Heu, das… Continue Reading „Wo das abstrakte Wort“

Der Kritiker

Jede Zeit hat ihre eigenen neuen Kritiker. Der ungarische Dichter Sándor Weöres (1913-1989) hatte diese: Politico-Epidemia Heutzutage gilt das Gedicht, wie ein Parteibuch:   nach eingestandenen Prinzipien fragt der neue Kritiker. Denn, was ist schon wesentlich am Gedicht? der >Standpunkt<, der    >Aktionsbereich<‚  … Continue Reading „Der Kritiker“

Ältere, älteste

Die Anthologie, deren Beilagen ich gestern vorstellte, ist auch in sich sehr ergiebig: Liederdichtung und Spruchweisheit der alten Hellenen. In Übertragungen von Oberstudienrat Lorenz Straub. Berlin u. Stuttgart: W. Spemann, o.J. [1908] Ergiebig für die Suche nach ältesten Exemplaren aller möglicher Gattungen und Formen.… Continue Reading „Ältere, älteste“

wirst zwischen Blinden schwirren

Dirk Uwe Hansens zweite Version, die Nach-Dichtung, von Fragment Voigt 55, mit dem unsere kleine Sapphoserie begonnen hatte: Frg. 55 Voigt Tot wirst du sein und begraben, wird keiner sich deiner erinnern, hier, denn die Rosen der Musen sind dir nichts. Durchsichtig, dort, in… Continue Reading „wirst zwischen Blinden schwirren“

Chronik – November 2017

(Wird laufend ergänzt) Viele Preise wurden vergeben, in Deutschland wird weiter über Gomringer, naja: geredet, Gedichte von Charles Bukowski aus dem Nachlaß wurden so verfälscht, daß man von Zensur reden muß, und Ende November wurde bei einem amerikanischen Rundfunksender über Nacht und so gut… Continue Reading „Chronik – November 2017“

Unsterbliche Aphrodite

Aus Dirk Uwe Hansen: Sappho. Scherben – Skizzen Frg. 1 Voigt Unsterbliche Aphrodite auf dem bunten Thron Tochter des Zeus, listenreiche, ich bitte dich: nicht mit Sorgen und Kummer bedränge Herrin, mein Herz. Sondern komm her, wenn du schon einmal von anderswo mein Rufen… Continue Reading „Unsterbliche Aphrodite“

Chronik – Oktober 2017

Im Oktober Preise, Preise und Festivals, nichts Neues in der Sache Gomringer-ASH (oder doch?), ein Skandal um Herta Müller in Belgrad, viel Jan Wagner und 25 Jahre Zeitschrift „Das Gedicht“, Hán Nôm in Vietnam, Leonard Cohen… und nicht zu vergessen: Gedichte in den Wahlurnen… Continue Reading „Chronik – Oktober 2017“

Pleiadengedicht

Heute Dirk Uwe Hansens Doppelfassung des „Pleiadengedichts“. Obwohl es nicht einmal sicher ist, ob es wirklich von Sappho stammt, ist es heute eins ihrer bekanntesten Gedichte. Überliefert ist es ohne Nennung eines Autornamens in einem antiken Metrikhandbuch. In einer Anthologie aus dem 15. Jahrhundert… Continue Reading „Pleiadengedicht“

Scherben und Skizzen

2012 veröffentlichte der Philologe und Dichter Dirk Uwe Hansen ein Bändchen mit ausgewählten Fragmenten der Sappho in zweifacher Gestalt, als die Scherben der Fragmente (Scherben ist bei einem der Fragmente sogar wortwörtlich wahr: der Text von Fragment 2 Voigt überdauerte eingeritzt in eine Tonscherbe)… Continue Reading „Scherben und Skizzen“

Nicht Honig

H.D. (Hilda Doolittle) Fragment 113 “Weder Honig noch Biene für mich.” — SAPPHO Nicht Honig, nicht die Beute der Biene aus Blüten von Wiese oder Sand oder Busch am Berg; aus Winterblüten oder Trieben, geboren aus später Glut: nicht Honig, nicht den süßen Farbfleck… Continue Reading „Nicht Honig“

Die kluge Sappho

Sie ist die kluge Sappho. Platon, Dichter und Philosoph in der gewaltigsten Periode athenischer Kultur, der Perspektive besitzt und auch einen seltenen Vergleichsstandard, wenn er einige Jahrhunderte zurück auf Mytelene schaut, spricht von dieser Frau als einer unter den Klugen. H.D., aus: The Island. Fragments of… Continue Reading „Die kluge Sappho“

Sauerstoffzufuhr für die Sprache

Verzauberung Nie wird sich die griechische Sprache von der Sauerstoffzufuhr erholen, die ihr durch Sapphos Gedichte zuteil wurde. Nie sich erholen vom unerhörten A-Laut, mit dem sich die Nacht anmahnt in einem der Fragmente, nie von dem Augenblick, als Aphrodites Epitheton poikilóthronos ein einziges Mal… Continue Reading „Sauerstoffzufuhr für die Sprache“