Nun komm der Heiden Heiland

Luthers Übersetzung des Ambrosianischen Hymnus ist für uns sprachlich und wohl auch theologisch nicht leicht zugänglich. Dabei galt sie beim Erstdruck 1524 als „eynem ytzlichen Christen fast nutzlich bey sich zuhaben / zur stetter vbung vnd trachtung geystlicher gesenge vnd Psalmen / Rechtschaffen vnd kunstlich verteutscht“ und insbesondere „Mit dysen vnd der gleichen Gesenge soltt man byllich die yungen yugendt auffertzihen“.

Vielleicht klappt es, wenn wir es vertont von Bach anhören

– oder im Gottesdienst singen. Allerdings ist die Fassung im Kirchengesangbuch unserem Verständnis angepaßt – die sprachlich oder inhaltlich irritierendsten Strophen weggelassen, so hier die 2. und 3. Strophe.

Im folgenden eine leicht modernisierte Textfassung mit Anmerkungen und dann die Fassung des Erstdrucks.

Nu komm, der Heiden Heiland,
der Jungfrauen Kind erkannt,1
daß sich wunder alle Welt,
Gott solch Geburt ihm bestellt.2

Nicht von Manns Blut noch von Fleisch,
allein von dem heilgen Geist
ist Gotts Wort worden ein Mensch,
und blühet ein Frucht Weibs Fleisch.

Der Jungfrau Leib schwanger ward,
doch blieb Keuschheit rein bewahrt,
leucht hervor manch Tugend schon,3
Gott da war in seinem Thron.

Er ging aus der Kammer sein,
dem kön´glichen Saal so rein,
Gott von Art und Mensch, ein Held,
sein Weg er zu laufen eilt.

Sein Lauf kam vom Vater her
und kehrt wieder zum Vater,
fuhr hinunter zu der Hell
und wieder zu Gottes Stuhl.

Der du bist dem Vater gleich,
führ hinaus den Sieg im Fleisch,
daß dein ewig Gottsgewalt
in uns das krank Fleisch enthalt.4

Dein Krippen glänzt hell und klar,
die Nacht gibt ein neu Licht dar.
Dunkel muß5 nicht kommen drein,
der Glaub bleibt immer im Schein.6

Lob sei Gott dem Vater ton,7
Lob sei Gott seim eingen8 Sohn,
Lob sei Gott dem heiligen Geist
immer und in Ewigkeit.

Ein Gebet:9

Bereitet den Weg dem Herrn, macht seine Steige richtig. Lieber Herr Gott, wecke uns auf, daß wir bereit seien, wenn dein Sohn kommt, ihn mit Freuden zu empfangen, und dir mit reinem Herzen zu dienen, durch denselben deinen Sohn, Jesus Christus unsern Herrn, Amen.

Anmerkungen

1 Anerkannt als.
2 Sich zurichtet.
3 = schön.
4 = das schwache Fleisch erhalt.
5 Muß = darf, kann.
6 = bleibt immer offenbar.
7 Ton = getan, dargebracht.
8 Eingen = einzigen.
9 Im Klugschen Gesangbuch (und dementsprechend im Bapstschen Gesangbuch und in der Jenaer Lutherausgabe) finden sich nach mehreren Liedern Luthers Gebete, die entweder von Luther selbst stammen oder zum mindesten doch seinen Beifall hatten (vgl. z.B. WA S. 233). Sie werden hier mit wiedergegeben, denn sie gehören inhaltlich zu den Liedern und können von ihnen nicht getrennt werden (vgl. in der WA S. 561 das Bedauern O. Albrechts, daß Lucke diese Gebete bei der Ausgabe der Lieder weggelassen hat).

Hymnus. Veni redemptor gentium.

Nu kom der Heyden heyland /
der yungfrawen kynd erkannd.
Das sych wunnder alle welt /
Gott solch gepurt yhm bestelt.

Nicht von Mans blut noch von fleisch /
allein von dem heyligen geyst /
Ist Gottes wort worden eyn mensch /
vnd bluet eyn frucht weibs fleisch.

Der yungfraw leib schwanger ward /
doch bleib keuscheyt reyn beward
Leucht erfur manch tugend schon /
Gott da war yn seynem thron.

Er gieng aus der kamer seyn /
dem könglichen saal so reyn.
Gott von art vnd mensch eyn hellt /
seyn weg er zu lauffen eyllt.

Seyn laufft kam vom vatter her /
vnd keret wider zum vater.
Fur hyn vndtern zu der hell /
vnd wider zu Gottes stuel.

Der du bist dem vater gleich /
fur hynnaus den syeg ym fleisch /
das dein ewig gots gewalt /
ynn vnns das kranck fleysch enthallt.

Dein kryppen glentzt hell vnd klar /
die nacht gybt eyn new liecht dar /
tunckel muß nicht komen dreyn /
der glaub bleib ymer ym scheyn.

Lob sey Gott dem vatter thon /
Lob sey got seym eyngen son.
Lob sey got dem heyligen geyst /
ymer vnnd ynn ewigkeyt.

Originalsatz

 

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