Chronik – Dezember 2017

(wird laufend ergänzt)

Was im Dezember geschah: Preise, Ausstellungen, #metoo geht weiter, Skandal um einen israelischen Geldschein, „Not in my name“ in Indien, Ovid wird postum begnadigt und darf zurück nach Rom, Stefan Zweig kriegt postum einen Orden …

  • 2. Dezember: Der Kurt-Wolff-Preis 2018 (26.000 €) geht an an Elfenbein Verlag Berlin, der „seit gut zwei Jahrzehnten in schön gestalteten Büchern die Literatur der Gegenwart mit der Erinnerung an im Schatten liegende Traditionen der ästhetischen Moderne verbindet“, der Förderpreis (5.000 €) an die Edition Rugerup, „die angelsächsische und skandinavische Lyrik, Prosa und Essays in Übersetzung oder in zweisprachigen Ausgaben veröffentlicht und, nachdem der Verlagssitz Schweden 2010 zugunsten Berlins aufgegeben wurde, die deutsche Literaturszene ungemein bereichert.“ Verliehen wird er am 11. März auf der Leipziger Buchmesse. buchmakt.de
  • 3. Dezember. Der zum 12. Mal verliehene Internationale Argana-Lyrikpreis (Prix international Argana de poésie) geht an den Tuaregdichter Mohamadine Khawad. Die Preisjury besteht aus Issa Makhlouf (Dichter, Libanon), Sanae Ghouati, Abderrahmane Tankoul und Khalid Belkassem (marokkanische Kritiker) und Najib Khedari, Morad Kadiri, Abdeslam Moussaoui, Mounir Serhani (marokkanische Dichter). Khawad wurde 1950 in Niger geboren und lebt gegenwärtig in Frankreich.
  • 4. Dezember. Der einflußreiche sephardische Rabbiner Benzion Mutzafi hat seinen wie nennt man das: Anhängern? Gläubigen? Schützlingen? verboten, den 2014 eingeführten 50-Schekel-Schein anzusehen. Begründung: Er trägt das Bild eines Abtrünnigen, des Dichters Saul Tschernichowski (Bild unten). Der hatte eine russische Christin geheiratet und sich geweigert, sie zum Übertritt zum Judentum zu bewegen. Der Hebräisch schreibende Dichter wurde 1875 in Rußland geboren und starb 1943 in Jerusalem. Nach einem Beschluß von 2011 wurden vier Dichter für die neuen Geldscheine ausgewählt, neben Tschernichowski sind das Nathan Alterman, Leah Goldberg und Rachel Bluwstein („Rachel die Dichterin“). (Ein Hauch Pragmatismus gleichwohl: man muß den ketzerischen Geldschein nicht verbrennen, es reicht, ihn im Geldbeutel mit dem Gesicht nach unten zu verwahren.) Mehr 
  • 5. Dezember. Die österreichische Autorin Petra Piuk wird mit dem erstmalig verliehenen WORTMELDUNGEN – Literaturpreis ausgezeichnet. Die Autorin seziert in ihrem Text „Toni und Moni oder: Anleitung zum Heimatroman“ die Mechanismen von Machtmissbrauch und Sexismus hinter der Fassade einer scheinbar heilen Welt. „Ausgezeichnet wird ein Text, der auf beklemmende Art und Weise von der Ausweglosigkeit angesichts alltäglicher Gewalt erzählt, und durch sprachliche und szenische Radikalität und brachialen Witz überzeugt“, so die Begründung der Jury. Die Preisträgerin Petra Piuk wird am 6. Mai 2018 im Rahmen einer Preisverleihung mit Podiumsdiskussion im Schauspiel Frankfurt geehrt.  Im Anschluss daran wird ein Förderprogramm ausgeschrieben, das NachwuchsautorInnen dazu aufruft, sich literarisch mit dem Thema und den inhaltlichen Positionen der Preisträgerin auseinanderzusetzen, und sich mit einem kurzen Text für den Förderpreis zu bewerben. Mehr:  www.wortmeldungen.org 
  • 5. Dezember. Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown hat den Lyriker Gary Snyder in die Hall of Fame des Staates aufgenommen. Mit der von der früheren First Lady Maria Shriver etablierten Auszeichnung werden Personen geehrt, die den innovativen Geist des Staates verkörpern. Unter den Ausgewählten sind der Filmregisseur Steven Spielberg und die Schamanin und Korbflechterin Mabel McKay vom Stamm der Pomoindianer. Snyder (87) veröffentlichte mehr als 20 Bände Lyrik und Prosa. / Poetry Foundation
  • 6. Dezember. Lorin Stein, Herausgeber der angesehenen Zeitschrift The Paris Review, die seit mehr als 60 Jahren erscheint, trat im Zusammenhang mit einer internen Untersuchung, die seinen Umgang mit weiblichen Angestellten und Autorinnen betrifft, trat von seinem Amt zurück. In einem Schreiben bedauerte er sein Fehlverhalten. In einem 2011 erschienenen Artikel der New York Times war er als der neue „Party Boy“ der Zeitschrift und als „serial dater“ bezeichnet worden. Mehr

  • 8. Dezember. Appell von Liao Yiwu, chinesischer Schriftsteller im Exil, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2012, zur Freilassung der Witwe des Schriftstellers Liu Xiaobo, Liu Xia: „Ich hoffe, dass die chinesische Regierung aus Gründen der Humanität und des Gesetzes einen Menschen frei lässt, der niemals irgendeines Verbrechens beschuldigt wurde, und der an schwerer Depression leidet. Ich hoffe, dass die Regierungen von Deutschland, Frankreich, USA und alle demokratischen Länder sich dafür einsetzen, und alle Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten. Für die Freiheit der Witwe des Friedensnobelpreisträgers von 2010.“ Mehr
  • 10. Dezember. Im Paul-Valéry-Museum der südfranzösischen Stadt Sète ist ein Saal dem libanesischen Dichter Salah Stétié (88) gewidmet. Der Dichter wolle mit einer Schenkung die beiden Küsten des Mittelmeers zusammenbringen. Valéry (1871-1945) stammte aus Sète. Ausgestellt sind 70 Kunstwerke (Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen), 14 Manuskripte und rund 190 Bücher. Salah Stétié war 1995 mit dem Grand Prix de la Francophonie der Académie française für sein Gesamtwerk geehrt worden. / Mehr
  • 13. Dezember. Zum 80. Geburtstag Robert Gernhardts zeigt das Caricatura- Museum Frankfurt eine Ausstellung, die bis April gezeigt wird. Mehr
  • 13. Dezember. Die Schriftstellerin Nino Haratischwili hat auf Gut Böckel in Rödinghausen den mit 4.000 Euro dotierten Hertha Koenig-Literaturpreis 2017 für eine deutschsprachige Gegenwartsautorin erhalten. Der Förderpreis (1.000 Euro) ging an die Lyrikerin Lina Atfah. (…) Die Auszeichnung ist mit 4.000 Euro dotiert und wird an eine deutschsprachige Gegenwartsautorin für ihr Lebenswerk oder einzelne herausragende Veröffentlichungen im Bereich Prosa oder Lyrik vergeben. Der Literaturpreis ist eine Hommage an Hertha Koenig, Dichterin, Schriftstellerin und Mäzenin, die einen großen Teil ihres Lebens auf ihrem Landgut Böckel verbrachte. Der mit 1.000 Euro ausgestattete Hertha Koenig-Förderpreis wird auf Vorschlag der Preisträgerin an eine Nachwuchsautorin vergeben. / Börsenblatt
  • 13. Dezember. A 91-year-old man voiced his anguish, while a schoolgirl held up a placard. „Not in my name,“ they said, as people gathered to protest against hate crimes in the country. Urdu poet Gulzar Dehlvi spoke about „Ganga Jamuni Tehzeeb“, the syncretic culture that embraces Hinduism and Islam at the „Not In My Name“ meeting, described by its organisers as a citizens‘ protest against the killing of Afrazul Khan in Rajasthan, and other victims of violence.The world, the poet said, was proud of the tradition that embraced multiple languages and religions. „And today it is being attacked. Hindu religion doesn’t teach this hate. It talks of humanity, mankind, human race,“ he said, ruing that people were trying to divide the people in the name of Hinduism and Islam.Under the „Not In My Name“ banner, protests had earlier been organised against the killing of teenager Junaid and of journalist Gauri Lankesh. / Business Standard
  • 15. Dezember. Mehr als 2000 Jahre nach der Verbannung des Dichters Ovid aus Rom hat die Stadt Rom offiziell die Strafe aufgehoben. Ovid war im Jahr 8 von Kaiser Augustus nach dem fernen Tomis (heute Constanța in Rumänien) verbannt worden. Er starb dort im Jahr 17, ohne Rom wiedergesehen zu haben. Die Gründe für den Zorn des Kaisers sind unbekannt, Ovid spricht von carmen et error, ein Gedicht und ein Irrtum. / Telegrap 
  • 15. Dezember. Die Annette von Droste zu Hülshoff Stiftung hat Dr. Jörg Albrecht zum Gründungsdirektor und Künstlerischen Leiter auf Burg Hülshoff in Havixbeck bei Münster bestimmt. Vorstand und Kuratorium der Stiftung hatten eine Findungskommission mit der Sichtung aller Bewerbungen beauftragt. Nach ausführlichen Beratungen fiel die Wahl einstimmig auf Albrecht, der am 1. Februar auf Burg Hülshoff starten wird.  „Unter Albrechts Regie soll an den authentischen Arbeits- und Lebensorten der Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff ein kulturelles Leuchtturmprojekt im Herzen des Münsterlandes aufgebaut werden“, so Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Vorstandsvorsitzende der Droste-Stiftung und Kulturdezernentin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Ziel sei ein interdisziplinär ausgerichteter Museums-, Lern-, Residenz- und multifunktionaler Veranstaltungsort, ein Ort der Begegnung und des Gedankenaustauschs, eine kreative Ideenwerkstatt im Zeichen ästhetischer und gesellschaftlicher Alternativen. Mehr
  • 18. Dezember. Stefan Zweig ist rund 75 Jahre nach seinem Tod mit der höchsten Auszeichnung für Ausländer in Brasilien geehrt worden. Österreichs Botschafterin Irene Giner-Reichl wurde am Montag stellvertretend der Orden „Cruzeiro do Sul“ vom brasilianischen Außenminister Aloysio Nunes überreicht, teilte die Casa Stefan Zweig am Montag mit. Der „Ordem Nacional do Cruzeiro do Sul“ war 1822 vom brasilianischen Kaiser Dom Pedro I. mit dem Namen „Ordem Imperial do Cruzeiro“ eingeführt worden. (…) Zweig war vor den Nationalsozialisten nach Brasilien geflüchtet und schrieb dort unter anderem seine weltberühmte „Schachnovelle“. Mehr
  • 20. Dezember. Maria Alechina von der Punk Band „Pussy Riot“ ist am Morgen in Moskau festgenommen worden. Das meldet Deutschlandfunk Kultur unter Berufung auf Alechinas Band-Kollegin Olga Borisova. Grund der Verhaftung: Alechina hatte anlässlich des 100. Jahrestages der Gründung der sowjetischen Geheimpolizei TscheKa vor dem Russischen Inlandsgeheimdienst (FSB) ein Plakat mit der Aufschrift „Herzlichen Glückwunsch, Henker“ entrollt. Der Jahrestag wird in Putins Rußland feierlich begangen. Ob sie in Kürze wieder freigelassen wird, ist unsicher. Ein Vertrauter fürchtet, als „Wiederholungstäterin“ könnten ihr bis zu zwei Jahren Haft drohen.
  • 21. Dezember. Lisa Robertson is the inaugural recipient of a new $40,000 prize created by the Foundation for Contemporary Art with funds from artists Ellsworth Kelly (1923-2015) and Jack Shear, in memory of poet C.D. Wright. „The award will be made each year to a poet over the age of 50 whose work exemplifies Wright’s vibrant lyricism, seriousness, and striking originality. It will be one of the few, significant unrestricted poetry awards in the country. The inaugural C.D. Wright Award will be made to poet Lisa Robertson,“ the organization’s press release explains. More
  • 24. Dezember. Georgian Poet Zviad Ratiani claims the police officers, who were carrying out police control, arrested and then physically and verbally abused him in a car and later at the police department.Ratiani claims he was at the ATM, when several policemen, dressed in common clothes, approached him and laughed at his orange coat. He says the situation escalated when the policemen grabbed him and put in the car, where they beat him. The poet says he was taken to Dighomi police department, where he was again mistreated.“Several policemen, around 7-8 men, were beating me. I do not know the reason. As they said they did not like my orange coat. I do not know anything else,” the poet told reporters.The detained man was released on December 25, after spending night at the isolator. He says he applied to doctor, who confirmed he has around 10 injures and bruises on the face and body. / Georgia Today
  • 28. Dezember. Auf der SWR-Bestenliste für Januar 2 Lyriktitel unter den ersten 10: Platz 6 (36 Punkte) Unmögliche Liebe. Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen – Platz 8 (30 Punkte) Katharina Schultens: Untoter Schwan
  • 28. Dezember. Der Lyriker Slaheddine Lahmadi wurde auf dem 20. Kongreß des Tunesischen Schriftstellerverbandes für 3 Jahre zum Präsidenten wiedergewählt. Mehr

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