Ihr seid immer bei mir

190 Wörter, 1 Minute Lesedauer.

Ein Gedicht zum 100. Geburtstag des US-amerikanischen Dichters und zentralen Vertreters der Black-Mountain-Poetry

Robert Creeley 

(* 21. Mai 1926 in Arlington, Massachusetts; † 30. März 2005 in Odessa, Texas) 

Wörter

Ihr seid immer
bei mir,
es gibt nie
einen Ort

für sich. Doch wenn
an verquerem
Ort ich nicht
reden kann,

nicht Hinnahme
oder Angst bloß,
sondern eine Zunge
faulig von dem was

sie schmeckt – Es gibt
eine Erinnerung
an Wasser, an
Essen, wenn hungrig.

Ein Tag
wird nicht
dieser sein, dann
Wörter

sagen wie eine
klare, feine
Asche rieselt,
wie Staub,

von nirgendwo.

Aus dem Englischen von Klaus Reichert, aus: Amerikanische Dichtung von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hrsg. Eva Hesse und Hienz Ickstadt. München: C. H. Beck, 2000 (Englische und amerikanische Dichtung 4), S. 391

Words

You are always
with me,
there is never
a separate

place. But if
in the twisted
place I
cannot speak,

not indulgence
or fear only,
but a tongue
rotten with what

it tastes – There is
a memory
of water, of
food, when hungry.

Some day
will not be
this one, then
to say

words like a
clear, fine
ash sifts,
like dust,

from nowhere.

Ebd. S. 390

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