Kategorie: Deutsch

Jungfern-Glück

Sidonia Hedwig Zäunemann ging nicht ins Kloster, ihr Gedicht spricht nur davon. Es beschreibt, wie nur die Unverheirateten von Unterdrückung und Schlägen durch Männer frei sein können. Sie selber hatte durchaus „Glück“, sie durfte unverheiratet im Haus ihrer Eltern in Erfurt leben und sich… Continue Reading „Jungfern-Glück“

1heit

Adolf Glaßbrenner (* 27. März 1810 in Berlin; † 25. September 1876 ebenda) 1 – 10. An Deutschlands bald’ger 1heit Da 2fle ich noch sehr; Ick jebe keenen 3er 4 diese Hoffnung her. 5 Nationalitäten Sind, wo 6 Deutsche stehn, Die Alle abzu7, Gebt… Continue Reading „1heit“

Die Amazone

Nachrichten über Elisabeth Paulsen seien spärlich, schreibt Gisela Brinker-Gabler in ihrer berühmten Anthologie, aus der ich heute ein Gedicht bringe. „Sie wuchs in Holstein als Tochter eines Kirchenpropstes auf und lebte später verheiratet in Hamburg. Sie veröffentlichte zwei Gedichtbände, die in Bibliotheken nicht mehr… Continue Reading „Die Amazone“

jemand geht & sie weiß

Heute leider ein Ehrengedicht von der Dichterin. Barbara Köhler ist am 8.1. mit nur 61 Jahren gestorben. Barbara Köhler (* 11. April 1959 in Burgstädt; † 8. Januar 2021) Hier der erste Teril des Permutationsgedichts „Jemand geht“. Jemand geht 3 Fortschritte beziehungsweiser Logik für… Continue Reading „jemand geht & sie weiß“

Ehrengedicht für die Dichterin

Johann Peter Titz (* 10. Januar 1619 in Liegnitz, Schlesien; † 7. September 1689 in Danzig) Ehrengedicht für Sibylla Schwarz in der Ausgabe ihrer „Deutsche(n) Poetische(n) Gedichte“, die 1650, zwei Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges und 12 Jahre nach dem Tod der jungen… Continue Reading „Ehrengedicht für die Dichterin“

harbst-lid

Paul Verlaine (* 30. März 1844 in Metz; † 8. Januar 1896 in Paris) Chanson d’automne Les sanglots longs Des violons     De l’automne Blessent mon cœur D’une langueur   Monotone. Tout suffocant Et blême, quand   Sonne l’heure, Je me souviens Des… Continue Reading „harbst-lid“

Psalm

Heute vor 60 Jahren schrieb Paul Celan dieses Gedicht, vermutlich in Paris. Psalm Niemand* knetet uns wieder aus Erde und Lehm, niemand bespricht unsern Staub. Niemand. Gelobt seist du, Niemand. Dir zulieb wollen wir blühn. Dir entgegen. Ein Nichts waren wir, sind wir, werden… Continue Reading „Psalm“

Die Entdeckung Afrikas

Hadayatullah Hübsch (* 8. Januar 1946 in Chemnitz als Paul-Gerhard Hübsch; † 4. Januar 2011 in Frankfurt am Main – 10. Todestag und vier Tage vor dem 75. Geburtstag) Die Entdeckung Afrikas Die Entdeckung Afrikas war in der Sonne, Als ich noch zu jung… Continue Reading „Die Entdeckung Afrikas“

Wie man Atem holt

Renate Rasp (* 3. Januar 1935 in Berlin; † 21. Juli 2015 in München) Essen, was man noch nie geschmeckt hat, niemals satt sein, was es auch gibt, schmecken wie Erde ist, Eierschalen, Unrat vom Boden lecken, Gras – aus einem Kleefeld den Kopf… Continue Reading „Wie man Atem holt“

Vier, sechs, vier

Neues Jahr, neue Lyrik(anthologie). – Nach dem „Expressionismusjahr“ 2020 (100 Jahre „Menschheitsdämmerung“) setzt die Anthologie der Lyrikzeitung im neuen Jahr kein zentrales Thema, wohl aber Akzente. Da wäre ein besonderes Herzensanliegen – der 400. Geburtstag der Dichterin Sibylla Schwarz (1621-1638). Mit ihr beginnt unsere… Continue Reading „Vier, sechs, vier“

Nervenkunst 1913

Der letzte Tag des L&Poe-Expressionismusjahres 2020. Heute ist der 135. Geburtstag von Paul Boldt, mit dem unsere kleine Anthologie expressionistischer oder verwandter Gedichte (etwa 160 waren es) schließt. (Aber nächstes Jahr gibt es mehr Gedichte.) Paul Boldt (* 31. Dezember 1885 in Christfelde, Westpreußen;… Continue Reading „Nervenkunst 1913“

Mund

Alfred Wolfenstein (* 28. Dezember 1883 in Halle; † 22. Januar 1945 in Paris) MUND Im Wege ist mein Mund mir, wenn ich sprechen will, Er liegt so sicher und aufdringlich still, In des Gesichtes Reize ist er zu verstrickt. Er blickt zu sehr… Continue Reading „Mund“

Hölderlin

Georg Trakl (* 3. Februar 1887 in Salzburg; † 3. November 1914 in Krakau, Galizien) HÖLDERLIN Der Wald liegt herbstlich ausgebreitet Die Winde ruhn, ihn nicht zu wecken Das Wild schläft friedlich in Verstecken, Indes der Bach ganz leise gleitet. So ward ein edles… Continue Reading „Hölderlin“

Der Ritter Rokoko

Albert Ehrenstein (* 23. Dezember 1886 in Ottakring, Österreich-Ungarn; † 8. April 1950 in New York) Der Ritter Rokoko Der Ritter Rokoko ritt auf seinem Pferde weit weg von seiner Burg, der schönen, die da hieß »Reim auf erde«, weit weg von seinem Weib,… Continue Reading „Der Ritter Rokoko“

Friederike Mayröcker zum 96. mit herzlichen Grüszen

Friederike Mayröcker (* 20. Dezember 1924 in Wien) Die Eisenbahnen die Eisenbahnen mit ihren gewissenhaften Rädern, emsig nähen sie die grüne (oder graue oder weisze) Landschaft zusammen wie eine Nähmaschine das Tuch Aus: Friederike Mayröcker, Gesammelte Gedichte 1939-2003. Hrsg. Marcel Neyer. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2004,… Continue Reading „Friederike Mayröcker zum 96. mit herzlichen Grüszen“