Kategorie: Liechtenstein
2012 in review
Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.
Hier ist ein Auszug:
Etwa 55.000 Touristen besuchen Liechtenstein jedes Jahr. Dieser Blog wurde 2012 280.000 Mal besucht. Wäre es Liechtenstein, würde es 5 Jahre dauern, bis so viele Menschen es gesehen haben. Dein Blog hatte mehr Besucher als ein kleines Land in Europa!
90. NEIN!
Grass macht Schule. Oder war er in Liechtenstein zu Besuch? Jedenfalls bekamen alle Liechtensteiner dieser Tage nicht die Bild-Zeitung, sondern ein Gedicht ins Haus. Ein politisches! Es geht darum, wenn ich recht verstehe, daß dem Volk die absolute Monarchie erhalten bleiben muß. Und gereimt ist es auch:
105. Vernetzung
Der Liechtensteiner Künstler Vlado Franjevic hat sich in letzter Zeit mit seinen Ideen von lyrischer Vernetzung international Aufmerksamkeit verschafft.
Ceris Dien aus Wales liesst am 20. März an der Universität von Bangor in Wales neben anderer Poesie auch Franjevics Gedicht «Berührung der Stille» auf Englisch sowie «Mobiles Objekt» und «Gedicht über die Transformation» aus Franjevics Lyrikband «Uraufführung» auf Walisisch. Doch das ist noch lange nicht alles. A. Okhi Irawan Bandung auf Jawa, übersetzt derzeit Franjevics Gedichtesammlung «Berührung der Stille» aus dem Englischen ins Indonesische, AainaA A.R. Ritz [? sic] aus Malaysia überträgt dieselben Texte ins Französische und Malaysische und «Volksblatt»-Korrespondent Wiesław Piechocki ins Polnische. Sudhir Sharma aus Mumbai hat ebenfalls Interesse an dem Projekt bekundet, desgleichen Alex Kassandrinos aus Athen. / Volksblatt 15.3.
159. Georg-Trakl-Preis für Lyrik an Michael Donhauser
Der Georg-Trakl-Preis für Lyrik 2009 geht an den Schriftsteller Michael Donhauser. Der in Liechtenstein geborene Österreicher wird die Auszeichnung, die vom Kunstministerium und dem Land Salzburg vergeben wird und mit 7.500 Euro dotiert ist, am 4. November erhalten. Den mit 3.000 Euro dotierten Georg Trakl-Förderungspreis erhält heuer der 1963 geborene Michael Burgholzer.
“Michael Donhausers Gedichte ruhen als archaischer Fels in der Poesielandschaft und entfalten einen eigenständigen Reiz unabhängig von jeglichen Moden”, heißt es in der Begründung der Jury. “Sein reiches poetisches Universum entfaltet sich paradoxerweise aus einem Minimum an Sprache, seine Verse leben von auf den Kern reduzierten und präzis-sparsam eingesetzten Worten.” Seinem Mut “zu einer auf das wesentliche eingedampften Sprache in einer Zeit, die vorwiegend von Überfülle, Überschuss und Superlative lebt, gehört der Respekt der Jury.”
…
Der Georg-Trakl-Preis wird seit 1952 jeweils zu runden oder halbrunden Geburts- und Todestagen des Salzburger Lyrikers Georg Trakl (1887-1914) vergeben, also vier Mal pro Dekade. / Kleine Zeitung 29.10.
145. Nahe der Neige
Die Gedichte von Michael Donhauser sind Grenzgänge, sie vertrauen sich nicht schlechthin einem lyrischen Sprechen an, sondern finden zu Formen, welche bald nahe der Prosa, bald nahe dem Gesang ein Sagen jenseits der Metapher suchen.
Und der Abend, das Verlangen, zu bewahren
all das Sehen, zu empfangen, was da blühte
als die Dahlien nah den Beeten, sich enthüllte,
so als würde, wäre Schein all dies Leben in den
Gärten, wo die Farben sich vermehrten.
(Donhauser, Schönste Lieder, S.52)
Michael Donhauser liest Gedichte und stellt seine soeben unter dem Titel “Nahe der Neige” erschienene Poetik vor.
30.10.2009 um 20.00 Uhr
Buchhandlung & Galerie Böttger
Maximilianstraße 44
53111 Bonn
Michael Donhauser
Nahe der Neige
Sammlung Urs Engeler Editor, Band 81ISBN 978-3-938767-72-6
Gebunden, Schutzumschlag, mit 4 Abbildungen
19,5 x 15,5 cm, 72 Seiten
Euro 17.- / sFr. 29.-
(Probe)
September 2009
23. Hombroich : Poesie
Vom 11. bis 15. Juli 2007 findet auf der Raketenstation Hombroich (Neuss, NRW) das erste Colloquium für Poesie statt. Elf – unter den ästhetisch interessanten und relevanten – bedeutsame deutschsprachige Lyriker und Autoren treffen sich in einem informellen Forum zu Grundlagenfragen im poetischen Tun. Dezidiert außerhalb geläufiger Übereinkünfte und Gemeinplätze darüber, was das Gedicht betrifft, soll hier das “Projekt der Poesie“ frei von saisonaler Wahrnehmung und medialen Einschätzungen innerhalb des Betriebsgefüges literarischer Öffentlichkeit überdacht und fortgesetzt werden. Teilnehmer sind: Urs Allemann, Franz Josef Czernin, Michael Donhauser, Oswald Egger, Brigitta Falkner, Barbara Köhler, Benedikt Ledebur, Thomas Schestag, Ferdinand Schmatz, Farhad Showgi, Ulf Stolterfoht u.a.
Eine okkasionelle, öffentliche Lesung aller Teilnehmer findet am Samstag, dem 14. Juli 2007 um 19 Uhr statt, ebenso werden die poetologischen Beiträge – unter dem programmatischen Titel Das böhmische Dorf – in Buchform erscheinen.
Das böhmische Dorf. Gemeinnützige Gesellschaft für Literatur & Kunst
Museum Insel Hombroich / Raketenstation
41472 N
111. Sprachvertrauen
Das literarische Unternehmen, das Michael Donhauser seit mindestens fünfzehn Jahren mit grosser Konsequenz und Gelassenheit verfolgt, wirft immer wieder die Frage auf, wie wir der Welt gegenübertreten. Denn dass wir es tun und dass in dem, was Heidegger als Dasein charakterisierte, die Glücksbedingungen des Ästhetischen liegen, daran will Donhauser keine modischen Zweifel hegen. Aus dieser grundlegenden Sicherheit ergibt sich dann weiter ein Sprachvertrauen, mit dem sich der 1956 in Vaduz geborene, in Wien und Vaduz lebende Autor abseits der diversen Strömungen der literarischen Moderne befindet – und dennoch in beständigem Austausch mit ihr. Lyrische Sprechweisen, die in seinen Texten oft durchklingen, kommen von weiter her. Goethe oder Hölderlin, Michael Donhauser bewahrt sie und trägt sie weiter, indem er ihre Inhalte entdramatisiert, den alten Formen ihre Strenge nehmend, sie in neue Kontexte, neue Nachbarschaften stellend. / Leopold Federmair, NZZ 30.5.
Michael Donhauser: Ich habe lange nicht doch nur an dich gedacht. Urs Engeler Editor, Basel / Weil am Rhein und Wien 2005. 194 S., Fr. 39.–.
In L&Poe: 2001 Mrz (Vom Jazzpianisten Thelonius Monk / Eines der grossen programmatischen Dichtwerke der klassischen Moderne); Sep; 2002 Mrz (Lyrik in ausgewählten Zeitschriften); Jul (Die Leonberger Kreiszeitung); Nov (Die Leonberger Kreiszeitung / Sieben Himmel); 2004 Mai #76. Paul Jandls Fazit zu Meran, NZZ 17.5. / #77. Meraner Lyrikpreis; Aug #4. Konzepte; 2005 Mrz #17. 9 – 13 – 17: Engeler überall; Mrz #109. Michael Donhauser erhält Jandl-Preis für Lyrik; Mai #89. Donhausers Sehen; Jun #46. Ein Lyrik-Weg; Jun #68. Unauffällige Radikalität; Jul #78. Unikatkünstler; Sep #5. Alphabet der Welt; Nov #45. Engeler Newsletter; Nov #122. Ausgezeichnete Lyrik; 2006 Mai #25. Der Meraner Geschmack_
25. Der Meraner Geschmack
Über die Finalisten und die Preisträger von Meran (#22) schreibt Paul Jandl in der NZZ vom 8.5.:
Prall gefüllt ist der kulturelle Fundus des aus Stuttgart stammenden und in Berlin lebenden Ulf Stolterfoht. Stolterfohts «lingualer drang» amalgamiert die Sprache des Barock mit jener der Elektrotechnik, Hip-Hop mit der Goethe-Zeit. «Des Knaben Wunderhorn» wird in «drei kampfliedern aus nord-württemberg» mit dem ächzenden Anarchismus der Achtundsechziger verschnitten: «auf auf! ihr auserwählten / fäuste! und würget mit anarcho-kraft / des molochs ungestalte brut.» Bei Stolterfohts bildungssattem Auftritt rauschen Johann Gottlieb Herders «Kritische Wälder» noch einmal. …
Ulrike A. Sandig, Jahrgang 1979 und Studentin am Leipziger Literaturinstitut, schreibt lakonische Gedichte, fern von Tempo und zerebraler Gegenwart. Und ein wenig wie Sarah Kirsch: «war der tisch, war der stuhl, sass ein kind / in der küche und ass, war es still auf dem flur, / ging niemand herum und zählte die eigenen / schritte.» «Anmutig zärtlich», wie die Jury meint, sei dieser Blick «auf eine geheimnisvolle, bisweilen unheimliche Welt», den man sich dann doch gerne wieder konterkarieren lässt. Etwa durch Jan Volker Röhnerts plüschige Poplyrik, die den hohen Ton durch blechern verstimmte Tröten treibt, bis sie so melancholisch klingen wie sein «Chanson perdue».
Eine «Echoarchäologie» betreibt Hartwig Mauritz mit seinen Gedichten, die Bild um Bild übereinander legen. Ganz in der Gegenwart angekommen ist Ron Winklers überzeugende Kunst. Digital sind seine Surrogate der Idyllen: «Wald ist eine schöne Form von Agglutierung» heisst es da, «ein geflügelter Raum / mit dem Potenzial weitgehend richtig zu sein. / ich kann dir das gern mal brennen.» Am «Lago Momentane» fühlt sich Winklers lyrisches Ich «auffallend jetzt». Der Jury war das zu wenig zeitlos. Ein Verdikt, das auf den Aarauer Andreas Neeser wohl nicht zutraf. Er erhielt für seine «Schichtungen menschlicher Erfahrungen und Erinnerungen», wie es in der Urteilsbegründung heisst, den mit 2100 Euro dotierten Medienpreis der RAI / Sender Bozen.
Sein Fazit:
«Wenn unsere Seele sich lange geübt hat, über Vollkommenheit und Unvollkommenheit der Dinge zu urteilen, so ist der Geschmack da», schreibt Herder in seinen besagten «Kritischen Wäldern». Der Meraner Geschmack ist schon seit einigen Jahren da. Es ist eine Lyrik des poetisch aufgeladenen Schauens, die hier die besten Chancen hat. Mögen die Wortjongleure oder Aktualitätsbesessenen unter den Dichtern auch gekränkt sein – auf den letzten Meraner Preisträger Michael Donhauser folgt ziemlich nahtlos Ulrike A. Sandigs Inventur des Blickfelds: «kommt wind auf, zittern die körper von fliegen, libellen / den wespen im gitter und schlagen die stoffe weit aus / und zerren am sims, an den rahmen aus eichholz.»
Mehr: Nachrichten.ch 8.5.
45. Engeler Newsletter
Anna Seghers-Preis an Ulf Stolterfoht: «Florian Höllerer, Leiter des Literaturhauses Stuttgart, hat den 1963 geborenen Lyriker Ulf Stolterfoht für die Auszeichnung mit dem Anna Seghers-Preis 2005 der Anna Seghers-Stiftung vorgeschlagen, weil dieser Autor in seinen Gedichten meisterlich mit der Sprache spielt und auf eine äußerst subtile Weise kritisch unsere Zeit beleuchtet.» Der Preis wird am 19. November 2005 um 19:30 Uhr in Potsdam im Alten Rathaus in einer öffentlichen Veranstaltung verliehen. Stolterfohts dritter Band fachsprachen XIX-XXVII haben wir soeben in einer gebunden Ausgabe neu aufgelegt. In Vorbereitung ist außerdem der lange vergriffene erste Band in einer verbesserten und gleichfalls gebundenen Ausgabe. Damit ist Ulf Stolterfohts fachsprachen-Trilogie wieder komplett lieferbar. Ausserdem ist von Ulf Stolterfoht in diesem Herbst bei Peter Engstler erschienen der traktat vom widergang. Diesem Buch sowie der im Frühling erschienenen Übersetzung von Gertrude Steins Winning His Way / wie man seine art gewinnt widmet sich eine Besprechung durch Gerald Fiebig bei satt.org, der beglückend reichen, hervorragend gemachten Seite für alles, was Klasse hat (nicht nur Bert Papenfuß’ Rumbalotte): Respekt.
Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung an Felix Philipp Ingold: Schon etwas länger her ist, dass Felix Philipp Ingold in diesem Sommer bei den Erlanger Poetentagen für sein übersetzerisches Werk geehrt wurde mit dem Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung. Der Preis steht in Zusammenhang mit dem von Peter Waterhouse an der Bundesakademie für kulturelle Bildung in Wolfenbüttel ins Leben gerufenen und seit dem vergangenen Jahr durch die Initiative von Adrian La Salvia auch in Erlangen präsenten Übersetzergespräche. In einem neuen Text, Zum Übersetzen, beschreibt Felix Philipp Ingold die Zusammenhänge zwischen seiner Herkunft und seinem übersetzerischen Werk.
Friedrich-Hölderlin-Preis an Andrea Zanzotto: Am 19. Oktober wurde dem italienischen Autor Andrea Zanzotto, dessen deutsche Werkausgabe Planet Beltà bei Engeler und im feinen Folio Verlag erscheint, in Tübingen der Friedrich-Hölderlin-Preis verliehen: «Die Jury zeichnet damit einen der größten europäischen Dichter der Gegenwart aus, dessen Lyrik dem Werk Hölderlins in besonderer Weise verbunden ist.» Mit Andrea Zanzottos Beziehung zu Friedrich Hölderlin beschäftigt sich dessen Gespräch über Hölderlin mit Giuseppe Bevilacqua sowie die Laudatio von Peter Waterhouse.
Eine Generation wird 50: Am 20. Oktober hat Kurt Aebli seinen 50. Geburtstag gefeiert. Er ist der erste einer ganzen Reihe von Engeler-Autoren, die in diesem und im folgenden Jahr 50 werden: es stehen die runden Geburtstage von Michael Donhauser, Birgit Kempker, Bert Papenfuß, Thomas Schestag und Peter Waterhouse an. Mehr dazu dann in den nächsten Newsletter.
68. Unauffällige Radikalität
Der österreichische Schriftsteller und Dichter Michael Donhauser ist am Samstag Abend in Neuberg an der Mürz (Steiermark) von Kunststaatssekretär Morak mit dem Ernst-Jandl-Preis für Lyrik 2005 ausgezeichnet worden. Jury-Mitglied Jörg Drews würdigte in seiner Laudatio Donhausers “unauffällige Radikalität”. / Kleine Zeitung 20.6.
Mehr: Die Presse 20.6.*)

