Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Gyula Illyés (* 2. November 1902 in Felső-Rácegrespuszta, Österreich-Ungarn; † 15. April 1983, heute vor 50 Jahren, in Budapest) Frühes Dunkel Vor den ruhelosen Wolken des Herbsthimmels tänzelt der Mond. Bevor er sich davonmacht, bevor er weggerissen wird, möchte er sich noch einmal im… Continue Reading „Frühes Dunkel“
Gabriele Stötzer (* 14. April 1953 in Emleben) fährfrau ich bin nicht mehr auf dem untergehenden boot ich bin nicht mehr auf dem untergehenden boot ich bin nicht mehr auf dem untergehenden boot ich brauch euch nicht mehr über den kopf zu streichen und zu… Continue Reading „Fährfrau“
wie kann ich denn beweisen
dass ich verstehe
alles alles
dass ich alles verstehe
Jitka N. Srbová Beobachtungsgabe Am besten können es Kinder: der Zug ist blau, die Frau ist dick, die Luft surrt wie aufgehäufter Schotter – Menschen auf Decken und Menschen auf Sitzen scannen sich gegenseitig. Am beschrankten Übergang hat der Fahrer einen zwischen die Kiefer… Continue Reading „Beobachtungsgabe“
Wenn eurer Mordsucht einst ein Friede wehret,
Der jedem das geraubte Land
Und seine bangen Festen wiedergibt, verheeret,
Entvölkert, abgebrannt
Richard Wagner (* 10. April 1952 in Lowrin, Rumänien; † 14. März 2023 in Berlin) Die Poeten Fest verwachsen mit Sitzgelegenheiten, Schreibmöglichkeiten, Liegestätten, Wohnraum und Bewegungsfreiheit verharren sie in diesen gut funktionierenden Städten. Die Stille saugt sie langsam auf. Aus: Das Land am Nebentisch.… Continue Reading „Die Poeten“
Johannes Bobrowski (* 9. April 1917 in Tilsit; † 2. September 1965 in Ost-Berlin) Der Muschelbläser Der schöne Luftgeist bläst auf dem Muschelhorn, dem rötlichen, gespitzten, er teilt den Schall mit seiner Hand, der hier- und dorthin fliegt, soviel anders als Ufervögel. Mein Freund,… Continue Reading „Mein Freund, der Luftgeist“
William Wordsworth (* 7. April 1770 in Cockermouth, Großbritannien; † 23. April 1850 in Rydal Mount, Großbritannien) Als der Mensch Wordsworth 1850 stirbt, ist der Dichter Wordsworth, den viele für den größten englischen Lyriker seit Shakespeare und Milton halten, längst tot; doch die Nation… Continue Reading „Wozu der Mensch den Menschen macht“
Henry Parland (* 29. Juli 1908 in Wyborg, Großfürstentum Finnland; † 10. November 1930 in Kaunas, Litauen), finnlandschwedischer Dichter Herrgott, laß uns lieber in Geld dichten wie Ivar Kreuger oder Basil Sacharoff; die pfeifen auf den Nobelpreis. Reißen ein Blatt aus der Geschichte und quittieren:… Continue Reading „Europa mit Dank erhalten“
Elsa Asenijeff (* 3. Januar 1867 in Wien; † 5. April 1941 in Bräunsdorf, Sachsen) Nächtliche Erwartung Licht fällt in die dunkle Nacht Durch die offene Tür – Ach, wie schluchzt mein Sehnen Mit Macht Und wimmert nach Dir …! O kämst Du aus… Continue Reading „O kämst Du“
Inge Müller (* 13. März 1925 in Berlin; † 1. Juni 1966 ebenda) TRÜMMER 45Da fand ich michUnd band mich in ein Tuch:Ein Knochen für MamaEin Knochen für PapaEinen ins Buch. Aus: Inge Müller: Irgendwo; noch einmal möcht ich sehn. Lyrik, Prosa, Tagebücher. Mit… Continue Reading „Ein Knochen für Mama“
Am 3. April 1915 starb der jiddische Dichter Jizchok Lejb Perez in Warschau. – Die folgende kurze Einleitung habe ich von ChatGPT schreiben lassen. Waschzettel kann die KI schon ganz gut (zumindest bei Gegenständen, über die es ausreichend Literatur gibt). Ich habe keine größeren… Continue Reading „Auf deinem Balkon“
Clemens Schittko Gedicht aus dem Jahr 2021 Artaud ist tot und O’Hara ist tot Brinkmann ist auch tot und ebenfalls tot ist Pasolini jedoch ist Adloff noch am Leben und Döring ist auch noch am Leben am Leben ist aber auch noch Holland-Moritz und… Continue Reading „Kling ist auch tot“
Moni de Buli Die obdachlosen Wörter Die obdachlosen Wörter liegen auch heute nacht wie jede Nacht unbekümmert auf den Bänken in den öffentlichen Parks. Nur das Wort weggehen ist nicht darunter. Eingehüllt in seidige Schatten, ist es jenes eifersüchtige Mädchen, das bis zu den… Continue Reading „Schwarze Fahnen“
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